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  • Türkei 1

    Istanbul

    Im Licht der aufgehenden Sonne stachen die Minarette scherenschnittartig vom orangeroten Himmel ab. Der Ruf des Muezzins ertönte, als wir gerade die ersten Meter auf türkischen Asphalt unterwegs waren. Der Übertritt aus der EU in die Türkei war super angenehm. Wir hatten von Durchsuchungen gelesen, das ganze Auto würden an der Grenze zerlegt werden.

    Aber nichts der Gleichen, ein kurzer Blick ins Auto und schnell noch die Klappe hinten auf, schon durften wir weiter – mit gefühlt 1000 anderen Deutschen und Österreichern, ein Auto mit türkischem Nummernschild hatten wir bis dahin noch nicht gesehen.

    Wir fuhren über Edirne, die erste größere Stadt hinter der Grenze in Richtung Istanbul.

    Vier Stunden später, davon ungefähr 2,5 im Stau trafen wir in der Megametropole ein. 15 Millionen Einwohner, und das nur die offiziellen schwarzen Ziffern, bewohnen ein Gebiet von mehr als der doppelten Größe des Saarlandes.

    Und man hatte das Gefühl, jeder dieser Einwohner besitzt zwei Autos, die er gleichzeitig fährt.

    Es war ein nervenaufreibender Weg bis wir endlich unseren anvisierten Camping erreichten. Er liegt im Stadtteil Fatih. Ein kleiner Parkplatz neben einer Sportanlage wurde hier zum Camping umgerüstet, man teilt sich die Duschen mit den Sportlern und steht auf Asphalt. Aber der Weg zur Hagia Sofia betrug gerade mal 20 Minuten… Zu Fuß!! Das machte alles wieder wett!

    Das Personal war zurückhaltend aber freundlich, uns wurde ein Platz zugewiesen, an dem wir auch die Markise nutzen konnten, denn die Sonne brannte unentwegt vom Himmel und es waren sengende 35 Grad.

    Trotzdem machten wir nach dem Aufbauen einen kleinen Rundgang Richtung der Moscheen und Sehenswürdigkeiten der Altstadt.

    Der Flair der Stadt verzauberte uns sofort wieder, wir waren begeistert von den vielen kleinen Geschäften, Boutiquen, Souvenirläden und Imbissbuden. Alles umrahmt von den hoch aufragenden Minaretten, den schreienden Händlern, den Gerüchen und Eindrücken.

    Der Platz zwischen Hagia Sofia und Sultan-Ahmed-Moschee (oder auch blaue Moschee) war überfüllt von Touristen. Da wurde ins bewusst, dass es Freitag war, Wochenende…

    Wir verschoben also das Sightseeing auf einen anderen Tag, denn wir planten längere Zeit hier zu verbringen. Somit hatten wir keinen Zeitdruck. Wir organisierten noch schnell eine türkische SIM-Karte und machten uns dann wieder auf den Weg zurück zum Camping.

    Am nächsten Tag fuhren wir zu Toyota, mit der Hoffnung, dort die Teile zu bekommen, die wir brauchten, um unseren Schaden am Differenzial zu beheben.

    Der erste Händler war gerade mal fünf Kilometer entfernt, ein erster Versuch.

    Es war ein gigantisches Autohaus, dutzende Autos wurden ausgestellt und der Wartebereich für die Ersatzteile bot mindestens 50 Sitzplätze.

    Als ich an der Reihe war, trug ich mein Problem vor und wurde mal ganz entspannt durch drei Büros gereicht, bis jemand zur Stelle war, der englisch sprach.

    Selma, die Servicechefin nahm sich unseres Problems an und versicherte uns, dass sie das Teil bestellen und uns anrufen würde, sobald es eingetroffen sei.

    Oder besser eine WhatsApp schicken… Ich war gespannt, ob das funktionieren würde.

    Am Mittwoch sollte die Dichtung eintreffen, also hatten wir noch eine Menge Zeit, uns die Stadt anzuschauen.

    Den Sonntag gammelten wir nur auf dem Camping rum, den Montag nutzen wir, um den Stadtteil Galata zu sehen. Vom Taksim Platz aus schlenderten wir durch die Einkaufsmeile bis hinunter zum Bosporus, sahen den Fähren zu, wie sie von Europa nach Asien fuhren, Leute einluden und absetzten und tranken Tee am Ufer, umringt von tausenden anderer Menschen sämtlicher Nationen, die auch die Atmosphäre der Stadt genossen.

    Tags drauf gingen wir durch die Altstadt, besuchten die blaue Moschee, den großen Basar und die Zisterne, als mein Handy klingelte.

    Selma, unser Teil wäre da…

    Als wir am nächsten Morgen bei Selma vorstellig wurden, bekamen wir eine Hiobsbotschaft mitgeteilt. Das Teil wäre da, sie könnten es aber nicht einbauen, da keine der Hebebühnen für die Höhe unseres Autos ausgelegt sei.

    Aber sie hätte einen ehemaligen Angestellten angerufen, der sich mittlerweile selbstständig gemacht hatte. Er erwarte uns und würde das Teil umgehend einbauen.

    Wir waren begeistert von dem Service und der Freundlichkeit, die uns Selma Gümüs Tasar trotz immenser Sprachbarriere entgegen brachte und können Toyota Plaza Sonkar Istanbul nur wärmstens jedem empfehlen, der ein Problem mit seinem fahrbaren Untersatz hat.

    Die Werkstatt von Yücel lag im Norden Istanbuls, eine knappe halbe Stunde entfernt.

    Und knappe eineinhalb Stunden später waren wir wieder 100% fahrtauglich. Für 30 Euro Einbaukosten. Der Hammer!

    Da ein Decathlon um die Ecke lag, fuhren wir auch noch dort vorbei, um ein Planschbecken für Elisabeth, sowie ein paar Gummistiefel zu besorgen. Wir hatten die Nase voll, dass ihre Schuhe bei Regen immer nass waren.

    Den Rest vom Tag genoss Elisabeth die Kühle des Schwimmbeckens und wir den Schatten unter der Markise.

    Am nächsten Tag ging Elisabeth und ich mit Markus, einem Österreicher, der mit seinen drei Kindern unterwegs war, in den Topkapi Palast, während Sarah auf dem Camping blieb und sich entspannte.

    Am Nachmittag kam die Familie von einem Campingplatzangestellten, Mehmet, vorbei und verbrachte den Rest des Tages mit uns. Wir aßen zusammen, die Kinder spielten im Pool, und wir sprachen(überwiegend per Google Translator) über unsere verschiedenen Kulturen und die unterschiedlichen Lebensweisen. Sowohl Tochter als auch Mutter trugen beide Kopftuch, die Mutter sogar einen Abaya.

    Es war wirklich sehr interessant, sich mit den Beiden zu unterhalten, und wir nahmen viel aus dem Gespräch mit. Sarah bekam sogar von Merve, Mehmets Tochter, eine Tüte mit Kopftüchern geschenkt, die sie für den Iran, unser nächstes Reiseland brauchen würde.

    Vergebliche Mühen

    Aber dafür brauchten wir erst mal ein Visum. Dieses beantragte Sarah online, während ich mit Elisabeth den Großen Basar unsicher machte. Elisabeth vorne weg, bekam am laufenden Band irgendetwas von verzückten Händlern zugesteckt, ich immer hinterher, um mich zu bedanken. Nach grober Schätzung habe ich an diesem Tag ungefähr 2500 Hände geschüttelt, mindestens genau viele haben meiner Tochter über ihre blonden Locken gestrichen.

    Da die Visa einige Tage dauern konnten, hatten wir wiedermal Zeit. Diese nutzten wir mit einer Fahrt mit der Fähre auf die asiatische Seite, einem erneuten Besuch auf dem großen Basar und den umliegenden Vierteln und dem Besuch eines Barbiers, der Sarah die Haare schnitt und mir das komplette Wohlfühlpaket zukommen ließ. Inklusive Ohrhaarentfernung per Wax, Peeling und Massage. Dafür mussten wir nur 6,50 Euro (zusammen!) berappen, was für die 1,5 Stunden wohl wirklich ein guter Schnitt war!

    Außerdem kauften wir ein neues Schwimmbecken, denn unser Decathlon-Pool wurde von den einheimischen Straßenkatzen als Kratzbaum benutzt und segnete nach dieser Aktion das Zeitliche.

    Am nächsten Tag stand ein Besuch bei der Botschaft an, um unseren Visastatus abzufragen. Mit langen Klamotten und Sarah mit Kopftuch bewaffnet machten wir uns auf den Weg zur Botschaft. Uns wurde von allen Angestellten des Camping Glück gewünscht, mittlerweile standen wir so lange dort, dass wir jeden kannten und uns mit allen angefreundet hatten.

    Doch leider wurde unser Antrag abgelehnt, ohne Angabe von Gründen.

    Niedergeschlagen gingen wir zurück zum Camping, aber noch mit ein wenig Hoffnung, denn es gab noch mehr Botschaften in der Türkei und wir hatten noch Chancen.

    Wir bleiben noch zwei Nächte auf dem Platz, um uns von allen zu verabschieden, ein neues Schwimmbecken zu kaufen (das zweite wurde wieder von den Katzen zerlegt) und nochmal alle Reserven aufzufüllen.

    Abschied

    Am Tag unserer Abreise hatte Mehmet Dienst und ich bin mir fast sicher, ich hab eine Träne hervor blitzen sehen.

    Wir fuhren kurz außerhalb von Istanbul, was alleine knapp vier Stunden in Anspruch nahm. Damit wir unsere Serie komplett machten, nahmen wir die Brücke des 15. Juli. Somit waren wir einmal über, einmal auf und einmal unter dem Bosporus gefahren.

    Unser Lager schlugen wir südlich der Metropole am Meer an einem Platz auf, der so zugemüllt war, dass man kaum den Sand sehen konnte.

    Das war das Problem, wenn in einem Land Camping an keinem Ort verboten ist. Es gibt immer irgendwelche Affen, die ihren Müll rumliegen lassen, aber wenn das gleich ein ganzes Land macht… Naja…

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