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  • Türkei 2

    Troja

    Ein Ort, den ich auf jeden Fall besuchen wollte, waren die Ruinen von Troja. Wir erreichten Canakkale am dritten Tag unserer Abfahrt aus Istanbul. Die Stadt ist der Ausgangspunkt für einen Besuch der Ruinenstadt. Hier steht auch das original Trojanische Pferd aus dem Film Troja mit Bratt Pitt und Diane Krueger.

    Wir fuhren weiter zur Ausgrabungsstätte.

    Man kennt die Geschichten von Hektor, Achilles und Odysseus, dem hölzernen Pferd und der wunderschönen Helena. Dies soll der Ort sein, an dem die Geschichten ihren wahren Ursprung haben.

    Heinrich Schliemann entdeckte 1873 die Überreste der antiken Stadt, die im 5. Jahrhundert vor Christus gegründet worden war und Schauplatz der Sagen aus Homers Ilias darstellte.

    Kurzer Abriss, für diejenigen, die die Geschichte nicht kennen:

    Die Trojaner hatten Helena, die Frau des spartanischen Königs Menelaos, geraubt und dieser verfolgte die Trojaner mit seiner gesamten Streitmacht. Die Krieger scheiterten aber bei dem Versuch die Mauern der Stadt zu überwinden und belagerten sie deshalb mehrere Jahre.

    Als nichts weiter half, kam Odysseus die schlaue Idee, man könnte ja ein Holzpferd aus den Schiffen bauen, sich im Inneren verstecken und das Pferd als Geschenk vor die Stadttore stellen. Als die Trojaner dann das Pferd in die Stadt gezogen hatten, kam nachts die Mannschaft aus den Innereien und öffnete die Tore. Die gesamte spartanische Streitmacht drang in die Stadt ein und zerstörte sie komplett.

    Und natürlich nahmen sie ihre Königin wieder mit nach Hause!

    Das UNESCO Weltkulturerbe ist alleine durch diese Geschichte beeindruckend… Oder vielleicht auch nur deswegen. Denn was man dort findet, sind ein paar alte Steine, Reste von Mauern und die Andeutung von Gebäuden. Natürlich muss man sagen, dass die Stadt fast 2500 Jahre alt ist und davon nicht mehr ganz so viel übrig ist wie zum Beispiel bei den Ruinen der Maya, die wir in Mexiko besucht hatten. Die hatten aber auch 2000 Jahre weniger auf dem Buckel.

    Wie auch immer, ich war froh, da gewesen zu sein, aber nochmal müsste ich nicht hin. Wir schliefen an einem Strand ca. eine halbe Stunde südlich der Stadt. Ein wunderschöner Sonnenuntergang beendete diesen Tag. Der Nächste sollte die Hölle werden…

    Beschissen

    Der Morgen war schon anstrengend. Unsere Tochter hatte nicht die allerbeste Laune, was sie uns sehr deutlich spüren ließ. Es war ein Segen, als sie endlich während der Fahrt einschlief.

    Wir hatten einen weiten Weg zum nächsten Spot vor uns. Gegen Mittag durchquerten wir eine Stadt und beim ausfahren auf die Überlandstraße gab uns ein Mann Zeichen anzuhalten. Wir stoppten am Straßenrand und er zeigte uns, was er gesehen hatte. Wir verloren Öl aus der hinteren Achse.

    Aber Allah hätte ihn uns geschickt um uns zu helfen, so seine Worte. Er wäre Mechaniker und die Reparatur kein Problem.

    Wir fuhren zu einem Parkplatz und er machte sich ans Werk. Innerhalb von einer halben Stunde war die hintere Steckachse auf der Beifahrerseite ausgebaut und in seinem Kofferraum. Die fälligen Bremsbeläge lagen gleich mit dabei.

    Immer wieder wiederholte er, dass Allah ihn geschickt hätte… Allein das hätte mich stutzig machen sollen… Aber noch hatte ich Hoffnung auf einen Menschen wie in Albanien zu treffen, der ehrlich und freundlich ist. Letzteres war er zumindest schon mal.

    Wir stiegen in sein Auto, Sarah und Elisabeth blieben bei unserem eigenen – ohne Handy und Internet, um im Fall der Fälle Hilfe zu holen, das musste nämlich ich zur Kommunikation mitnehmen.

    Die Fahrt ging los. Ich wusste überhaupt nicht was mich erwartete. Die ganze Konversation verlief über Google Translator.

    Wir fuhren in die nächste Stadt, er schien dort Leute zu kennen, die uns helfen könnten. Wiedermal blitzte eine gewisse Skepsis auf, wurde aber schnell wieder gemildert, als wir in dem Werkstattviertel ankamen und er zielsicher eine Garage ansteuerte, in die er unsere Achse verfrachtete. Danach ging es drei Tore weiter, um die Bremsen neu beziehen zu lassen.

    Nach nicht einmal zwei Stunden war alles erledigt, er hatte alles geregelt, ich hatte sogar noch sieben Liter Motoröl beschafft bekommen, für den baldigen Ölwechsel. Zur Not hatte ich nochmal Geld geholt, für alle Fälle. Aber niemand wollte Geld… Wir konnten zurück. Wieder dieses Gefühl…

    Wir erreichten den Parkplatz, auf dem unser Auto stand und bei dem meine beiden Damen warteten.

    Schnell war die Achse, die wirklich gut aussah, wieder eingebaut, neue Bremsbeläge auf die Trommelbremse gezogen und alles soweit fertig.

    Irgendwie hatte der Typ es auf einmal mächtig eilig, er müsse noch weiter, wir sollten zusammenpacken. Also schnell alles hinten rein geworfen, richtig aufräumen könnten wir dann im Camp.

    Nachdem alles halbwegs verstaut war, setzte sich der Mann und deutete mir, mich zu ihm zu setzen. Ich fragte, was er jetzt bekommen würde für seine von Allah gesandte Hilfe.

    Ach, meinte er, nur 200 Euro… Ich fragte nochmal nach, ob er nicht türkische Lira meinte (das wären ca. 30 Euro gewesen)… Nein, Euro!

    Dann fragte ich ihn, ob er noch alle Tassen im Schrank hätte, aber ich glaube der Google Translator übersetzte falsch, denn er lachte nur und deutete mir, ihm das Geld zu geben. Ich ging zu Sarah, die bereits im Auto saß und erzählte ihr die Sachlage.

    Sie lachte…

    Der Mann kam dazu und eine hitzige Diskussion entbrannte, in der von seiner Seite her der Preis immer weiter fiel. Das allein war so lächerlich, dass wir jetzt erst recht stur blieben. Wir schlugen Folgendes vor: Wir fahren zu der Werkstatt und fragen nach dem genauen Preis für die Arbeit, dann soll er seinen Teil draufschlagen und wir sind quitt.

    Das wollte er aber auch nicht… Also ging die Feilscherei weiter, er hatte sich leider mit dem Falschen angelegt!

    Bei 200 türkischen Lira ließen wir uns auf einen Deal ein und schlugen zu. Wild gestikulierend riss mir der Kerl die Scheine aus der Hand und zog fluchend von Dannen.

    Wir stiegen ein, ein fettes Grinsen auf den Lippen. Selbst wenn er das Lager nicht gewechselt hatte, die Bremsen waren neu und die Erfahrung des Einbaus war alle mal das Geld wert, dass wir ihm bezahlt hatten.

    Wir fuhren noch fast zwei Stunden zu einem Spot in den Bergen oberhalb von Izmir. Das war ein Dreckloch, voll Müll, Ameisen und Moskitos.

    Und als wir dann ausluden, merkten wir, dass es doch kein so guten Deal war. Der Typ hatte uns um einige Werkzeuge aus meinem Werkzeugkasten erleichtert. Nichts wirklich Elementares, aber trotzdem ärgerlich. Sarah fluchte noch den halben Abend und auch mir steckte die ganze Sache quer. Wie zum Abschluss fing es noch an zu regnen… Was für ein Tag!

    Ephesus

    Nach langen Diskussionen beschlossen wir am nächsten Tag, die Sache einfach zu vergessen. Eigentlich konnten wir froh sein, dass uns auf der gesamten Reise nicht mehr abhanden gekommen war, als ein bisschen Werkzeug. Ein Smartphone wäre tausend mal schlimmer gewesen, alle Daten, Fotos und Log Ins wären weg und der Umstand, alles zu sperren wäre immens. Deswegen einfach vergessen, bei Würth gibt es so viel Ersatz wie wir wollten.

    Unser Weg führte uns zu einem weiteren Highlight der Westküste. Ephesus!

    Wieder ein UNESCO Weltkulturerbe und Heimat eines der sieben antiken Weltwunder. Des Tempels der Arthemis.

    Außerdem kann man dort auch die Celsus Bibliothek besuchen, meiner Meinung nach eines der top Sehenswürdigkeiten Ephesus‘ und der gesamten Türkei.

    Doch vorher musste man sich durch dutzende aufdringliche Händler schlagen, die dir alles erzählen wollten, nur um dich von ihren Waren oder Dienstleistungen zu überzeugen.

    Darunter der Parkplatzwärter:

    Ein Typ auf einem Plastikstuhl, der einem weismachen wollte, für die Ruinenstätte würde man locker vier Stunden brauchen. Im Nachhinein hätte ich ihm für diese Aussage eine Kopfnuss verpassen sollen.

    Die Ruinen erstrecken sich den Hang eines Berges hinauf und hatten schon eine beachtliche Dimension. Er bot an, dass ein Bus zum hinteren Eingang fahren würde, am oberen Ende der Anlage. Dann könnte man ganz entspannt den Hang durch die Ruinen nach unten laufen und man würde das ganze in einer Stunde schaffen. Der Bus würde nur kurz vorher an einer Fabrik für Teppiche anhalten, aber man müsse nichts kaufen…

    Okay, vielen Dank, ich versuch mich einfach mal am normalen Weg…

    Was man für die 12 Euro Eintritt erhält ist wirklich beeindruckend. Eine gewaltige antike Stadt, damals bewohnt von 250000 Menschen, erstreckte sich vor einem…. Beziehungsweise nur die Grundmauern, denn drei Erdbeben hatten die komplette Stadt in den vergangenen 2000 Jahren in einen Trümmerhaufen verwandelt.

    Die Archäologen hatten ganze Arbeit geleistet, denn viele der Tempel, Häuser und Theater waren restauriert und man konnte die imposante Erscheinung erahnen, die diese Bauwerke einst dargestellt hatten.

    Am besten Rekonstruiert war die Celsus Bibliothek, das Herzstück der Anlage und Touristenmagnet Nummer eins.

    Hunderte Menschen drängten sich um die Fassade des einstigen Prachtbaus, fotografierten, posierten und hielten Smartphones und Selfie-Sticks in die Luft.

    Ich streifte noch eine Stunde durch die Ruinen, bis es mich zurück zum Auto und meinen Frauen zog, die dort warteten.

    Zum einen, weil Sarah die ganze Sache nicht interessierte und sie lieber einen zweiten Anlauf mit den Visa für den Iran starten wollte. Elisabeth schlief zum Zeitpunkt als ich los ging noch.

    Aber jetzt war sie wach, die Visa erneut beantragt und wir wieder auf dem Weg zum nächsten Supermarkt, unsere schwindenden Vorräte aufstocken.

    Den Nachmittag verbrachten wir auf einem Parkplatz, der an einem Spielplatz/Naherholungsgebiet angegliedert war, auf dem man auch campen konnte. Elisabeth hatte ihren Spaß und wir genossen die Sonne und das nahe azurblaue Mittelmeer.

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