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Namibia 2.0

So eine einfache Grenze wie diesmal hatten wir schon mindestens ein halbes Jahr nicht mehr. Einwanderungszettel ausfüllen, Stempel in den Pass und ins Carnet und innerhalb von 15 Minuten waren wir wieder in Namibia. So sehr uns das Land das letzte Mal genervt hat mit seinen ganzen Touris, so sehr freuten wir uns nun wieder auf einen gewissen Standard, den man in den meisten ostafrikanischen Ländern vergeblich sucht. Es fühlte sich fast wieder ein bisschen an wie Heim zu kommen.

Und auch der Weg zur Grenze war gar nicht so schlimm, wie wir ihn in Erinnerung hatten. Das lag aber wahrscheinlich daran, dass seit Anfang des Jahres die Sambische Regierung ein paar Mittel hat springen lassen und die meisten Schlaglöcher, in denen man damals noch eine ganze Elefantenherde verstecken konnte, mit Sand aufgefüllt wurden. Eingeebnet mit der restlichen Fahrbahn wurde natürlich nichts, so dass man doch relativ langsam über die nun entstandenen Sandhügelchen fahren musste. Aber es ging doch etwas schneller voran wie damals.

Nach dem einfachen Grenzübertritt fuhren wir noch in Katima beim KFC vorbei und ließen den Abend gemütlich ausklingen.

Die nächsten Tage führten uns durch den Caprivi (wo uns gefühlt eine Million Südafrikaner mit ihren Offroad-Anhängern entgegen kamen) in Richtung Tsumeb. Hier wollten wir noch einen Zwischenstopp einlegen um dann am nächsten Tag in den Etosha Nationalpark zu fahren. Wir trafen aber ein holländisches Overlander-Pärchen, die die komplette Westroute runtergekommen sind und so entschieden wir uns kurzerhand noch eine Nacht dranzuhängen, um ein bisschen Zeit zusammen zu verbringen.

Nach zwei Tagen mussten wir aber weiter. Der Flug war gebucht, die Abgabe unseres Autos bei der Spedition auch und somit mussten wir diesmal einen ziemlich straffen Zeitplan einhalten und durften uns keine besonderen Abwege mehr erlauben.

Der weitere Weg führte uns durch den Etosha. Spätestens hier wurde uns nun bewusst, dass wir uns mitten in der Hochsaison Namibias befanden. In ganz Europa waren Sommerferien und auch wenn es in Namibia gerade Winter war, ist es hier im Winter ganz gut auszuhalten (bis auf die Nächte, in denen es schweinekalt wird). Auf vielen Campingplätzen auf denen wir im Oktober letzten Jahres noch alleine standen hatten wir nur mit viel Glück die Möglichkeit einen der letzten Plätze zu ergattern. Die Plätze waren zum Bersten voll und diesmal entsprach die Aussage „Sorry, we are fully booked“ tatsächlich der Wahrheit.

So hatten wir auch Pech und konnten leider keine Nacht IM Etosha verbringen sondern mussten einen Zwischenstopp außerhalb der Parkzäune einlegen. Im Nachhinein konnten wir aber auch damit leben. Wir haben mittlerweile in so vielen Camps in oder in der Nähe von Nationalparks geschlafen, wo uns sämtliche Tiere besuchten, dass wir nicht besonders traurig waren.

Im Etoshapark hatten wir diesmal unglaubliches Glück und konnten fast eine Stunde einen der wenigen Geparden beobachten, wie er sich an seine Beute anschlich. Leider haben wir den Ausgang seiner Jagd nicht mehr mitbekommen, da unserem Kind nach der langen Zeit stillem und ruhigem Sitzen zu langweilig wurde und uns das lautstark mitteilte. Safari mit Kindern ist nicht wirklich zu empfehlen, auch von vielen anderen Leuten mit größeren Kindern haben wir gehört, dass die Kinder sich einfach nach einer gewissen Zeit langweilen.

Aber wir erspähten trotzdem noch ein paar Elefanten, Löwen, Gnus, Zebras und weitere Tiere, so dass der Besuch ein voller Erfolg war und mit einer Zwischenübernachtung in Kamanjab führte uns der Weg nach Ruacana, wo wir uns die Ruacana-Fälle anschauen wollten.

Diese waren ziemlich unspektakulär, da das meiste Wasser zur Energiegewinnung umgeleitet wird. Übrig bleibt nur ein kleiner Bach der sich in die Schlucht des Kunene-Flusses ergießt.

Weiter führte uns der Weg direkt entlang des Kuene bis nach Epupa. Von der „Straße“ wurde uns im Vorhinein dringend abgeraten. Es solle sich um eine der anspruchsvollsten 4×4-Strecken in ganz Afrika handeln und für nicht einmal 100 km könnte man locker mal 10 Stunden rechnen. Die Angestellte auf dem Campingplatz bei Ruacana erzählte uns dann aber, sie hätten die Strecke vor ein paar Monaten begradigt, es seien wohl durch eine Flut im April diesen Jahres ein paar kleine Stücke weggeschwemmt worden aber mit unserem Auto sei das alles gar kein Problem und der Weg durchgängig befahrbar.

Also wollten wir es wagen… und haben es nicht bereut! Eine der schönsten Strecken in ganz Afrika erwartete uns! Auf der rechten Seite entlang des Kunene mit seinen grünen und üppigen Pflanzen am Ufer und auf der linken Seite die Wüste mit ihren tausend verschiedenen Grau- und Brauntönen schlängelte sich die wirklich gut befahrbare Gravelroad. Die wenigen Wasserdurchfahrten (und das gerade in Namibia, einem der trockensten Länder in ganz Afrika!!!) waren technisch relativ einfach und so waren wir fast schon traurig, als wir nach 2,5 Stunden unseren Campingplatz an den Epupafällen erreichten.

Wir waren früh dort und hatten Glück einen der wenigen Plätze direkt am Fluss in Sichtweite zu den Fällen zu ergattern. Wir blieben zwei Tage und genossen noch einmal die Wärme hier im Norden des Landes mit Schwimmen im Pool und einfach nur nichts tun. Gegen Abend wurde der Platz wieder voll mit Touristen und ihren Mietwägen. Und wie wenn sie alle unseren blog-Eintrag von damals (https://www.timpix.de/2018/01/24/exkurs-umgang-mit-einem-overlander/) gelesen hätten, waren alle super freundlich und kamen ganz höflich auf uns zu. So macht Reisen und Erfahrungsaustausch Spaß!

Vielleicht lag es aber auch an uns, dass wir nach der ganzen „Allein-Reiserei“ die Gesellschaft anderer Touristen einfach willkommener aufnahmen…

Schweren Herzens verließen wir den Platz nach zwei Tagen. Eine Monsteretappe stand uns bevor: über Opuwo sollte es bis zum Eingang des Skeleton-Coast-Nationalparks gehen um dann am nächsten Tag Swakopmund zu erreichen.

Die 8 Stunden Fahrt waren echt anstrengend aber wir haben es geschafft und erreichten kurz vor Einbruch der Dunkelheit unseren Platz. Das erste und einzige Mal in ganz Afrika campten wir in der Wildnis, also kein Wasser, keine Feuerstelle, keine Toilette, kein Handyempfang einfach im Nirgendwo an einem ausgetrockneten Wasserloch.

Als Tim dann noch etwas Holz für unser Lagerfeuer sammelte passierte es: Ich hörte nur einen kurzen Aufschrei und machte mich schon darauf gefasst, alles wieder zusammen zu packen und in ein Krankenhaus fahren zu müssen, weil Tim vielleicht von einem Skorpion gebissen wurde. Ein Skorpion war es dann nicht, sondern „nur“ eine Spinne. Aber einen großen Schreck und einen Dicken Finger hinterließ auch die. Wir verzogen uns bald ins Bett, da es draußen bei der Kälte kaum auszuhalten war.

Am nächsten Morgen wurden wir von den Rufen eines Schakals geweckt und viele andere Tiere und Vögel hatten sich am Wasserloch versammelt. Es war einfach wunderschön so ganz alleine inmitten der Natur.

Wir packten unsere Sachen zusammen und machten uns auf den Weg nach Swakopmund. Nach mehreren Wochen sahen wir an diesem Tag das Meer wieder.

Die Straße führte uns den kompletten Weg entlang des Meeres. Auf der einen Seite die kalten Wellen des rauen Atlantiks auf der anderen Seite die roten Dünen der Namib. Es war wieder einmal wunderschön und wir fragten uns, weshalb wir diese Schönheit bei unserem ersten Besuch in Namibia nicht sehen konnten. Da gingen uns die ganzen Brauntöne und die vielen Touris richtig auf den Sack, diesmal konnten wir gar nicht genug bekommen von der Schönheit der Natur.

Nachdem wir in Swakopmund angekommen waren, besuchten wir Almuth ein letztes Mal. Sie hat uns ja bei unserem ersten Besuch ihre Hilfe angeboten, falls etwas sein sollte (die wir Gott sei Dank nie in Anspruch nehmen mussten) und verfolgte – wie man an den Kommentaren in unserem blog sehen kann – seitdem regelmäßig unsere Erlebnisse.

Außerdem statteten wir dem hiesigen Brauhaus einen Besuch ab. Und wir besorgten uns ein Permit für die nächsten zwei Tage im Namib-Naukluft-Park. Die letzten Nächte in unserem Auto in Afrika wollten wir noch einmal in der Wüste verbringen und den Sternenhimmel bestaunen.

Dies gelang uns auch. Der erwartungsgemäß wolkenlose Nachthimmel zeigte sich in seiner schönsten (und kältesten) Form. Unser Auto ganz alleine unter der Milchstraße… Was für ein toller Ausklang unserer 10 Monate Afrika!

Nach zwei Nächten in der Wüste fuhren wir nach Walvis Bay um unser Auto bereit für den Heimtransport zu machen und an die Spedition zu übergeben. Die Abgabe verlief reibungslos und wir machten uns auf den Weg in die Hauptstadt.

Die letzte Nacht verbrachten wir in einer Pension vor den Toren des Windhoeker Flughafens um ohne Stress unseren Morgenflug nach Frankfurt zu erwischen. Nach der üblichen Eincheck-Prozedur hoben wir pünktlich und etwas wehmütig ab. Namibia war definitiv erst Liebe auf den zweiten Blick aber umso intensiver. Und auch Südafrika und andere Länder haben wir in dem knappen Jahr Afrika lieben gelernt. Außerdem gibt es noch so viel zu sehen, was wir diesmal nicht geschafft haben, so dass wir in dem Moment, wo die Räder des Fliegers den afrikanischen Boden verließen wussten: Das war nicht das letzte Mal in Afrika! Wir sind immer noch mit dem Afrikavirus infiziert und wir kommen wieder!

 

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