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Exkurs: Umgang mit einem Overlander

Wir sind jetzt mehr als vier Monate unterwegs und in dieser Zeit, und natürlich auch den bereisten Ländern geschuldet, ließ es sich nicht vermeiden, mit anderen Touristen, explizit aus dem deutschspachigen Raum in Kontakt zu kommen.

Wir haben es schon mal kurz angedeutet, aber ich möchte diesem Thema noch einen eigenen Beitrag widmen, um die Dringlichkeit der Mitteilung noch einmal zu unterstreichen.

Wenn ich ein ganz normaler Pauschalurlauber wäre, der jedes Jahr 2x nach Malle fliegt und sich einmal in seinem Leben denkt, er müsse mal was besonderes machen und nach Südafrika fliegen, dann würde ich mich natürlich auch freuen, wenn ich einen anderen Deutschen treffe, der dazu noch mit dem eigenen Auto vor Ort ist.

Und natürlich würde ich dann auch sofort und ohne Rücksicht auf Privatsphäre oder Essenszeiten hin stürmen und eine ganze Latte von Fragen stellen.

Dagegen ist nichts einzuwenden und für mich als Overlander auch nachvollziehbar. Selbstverständlich bin ich oder meine Familie auch bereit, sämtliche Frage zu beantworten.

ABER!!!!!!!

Der erste Punkt ist die Ansprache

Ein Gespräch sollte mit einer Begrüßung beginnen, was anscheinend dem gewöhnlichen Afrika-Individual-Urlaubers (der denkt, eine Reise in die Savanne zu einer 5-Sterne-Lodge sei ein Abenteuerurlaub) im Eifer seiner Entdeckung entfallen ist. Höflichkeit ist eine Tugend, die anscheinend jedem Deutschen im Urlaub ab der Abflughalle am heimatlichen Airport abhanden gekommen ist. Irgendwie macht das keine andere Nation, nur die lieben Landsleute.

Zu dem sollte die erste Frage nicht lauten, wie denn das Auto hier her gekommen sei.

Viele reagierten unverständlicher Weise sehr brüskiert über meine Antwort, als ich ihnen mitteilte, dass dieses Auto von einem Hubschrauber der Bundeswehr über Kapstadt abgeworfen wurde.

Was mich dazu bringt, dass ab dem gleichen Standort in der Abflughalle auch das logische Denken in die Ferien fliegt.

Natürlich gibt es für Dinge die größer sind wie ein Pferd nur einen Weg auf einen anderen Kontinent. Ein SCHIFF!

Positiv an dieser Stelle muss ich die Ansprache eines Touristen aus Österreich erwähnen, der fragte, ob unser Nummernschild ein Wunschkennzeichen sei. Einen besseren Einstieg hatte ich noch nie und sofort war das Gespräch im Gange. Danke dafür, Matthias!

Eine weitere beliebte Einstiegsfrage ist, ob man denn den ganzen Weg aus den heimatlichen Gefilden hier ins tiefste Afrika selbst gefahren sei. Die Frage ist natürlich berechtigt, aber mit einem halbwegs netten „Hallo“, „Hey“ oder „Guten Tag“ vorneweg wäre mir die Frage lieber und würde keine negative Reaktion unsererseits nach sich ziehen.

Was uns zum zweiten Punkt führt, der Frage an sich.

Ich bin gerne bereit, mein immer mehr erkaltendes Abendessen stehen zu lassen, um Fragen anderer Reisender zu beantworten. Aber es sollten auch Fragen sein, die es wert sind, darüber zu sprechen. Dazu zählt nicht „Was kostet den ein Container hier her?“ oder „Was verbraucht denn das Auto hier in Afrika so“?

Zur Frage eins: WAS INTERESSIERT DAS DENN?? Ich will doch auch nicht wissen, was sein Flugticket gekostet hat! Und selbst wenn, was nützt ihm denn diese Information. Es nützt vielleicht dem neben uns stehenden Overlander was, damit er vielleicht das nächste mal diese oder jene Agentur nutzt, aber dem ganz normalen Pauschal-Mietwagen-Fahrer???

Und zu Frage Zwei: Natürlich verbraucht das Auto das selbe wie daheim… Klingt logisch, ist es auch… Aber natürlich nicht für die verreiste logische Denken, das sich in der Karibik gerade die Sonne auf den Bauch scheinen lässt.

Verdammt, jetzt hab ich die Fragen doch beantwortet… Vielleicht erspare ich sie mir jetzt das nächste Mal, von denen die das hier gelesen haben.

Kommen wir zum letzten Punkt: Der Freundlichkeit (Höflichkeit)

Ich habe es oben schon kurz erwähnt, aber es zeugt von einem gewissen Maß an Respekt, wenigsten eine Begrüßung rauszuquetschen, bevor man mit dem Fragengewitter los legt. Oder jemanden zumindest seine Mahlzeit beenden zu lassen, bevor man seine Fragen raus haut, insbesondere, wenn ein kleines Kind mit am Tisch sitzt, dem man gerade versucht das normale Essen beizubringen.

Natürlich ist für mich auch verständlich, dass es etwas besonderes ist, einen Landsmann im eigenen Fahrzeug so weit entfernt der Heimat zu treffen. Und natürlich kann der Jeweilige nicht wissen, dass wir dieselben Fragen an diesem Tag zum 7. Mal hören bzw. beantworten.

Aber wenn man sich ein wenig an seinen Anstand, den jeder, der sich eine solche Reise leisten kann, aus seinem Elternhaus mitgegeben bekommen hat, erinnert, ist das Zusammentreffen gleich ein ganz anderes.

Zu guter Letzt möchte ich alle aus Deutschland einreisenden Urlauber bitten, die zukünftig auf uns oder andere Overlander treffen werden, bitte nicht einen der oben angeführten Fehler zu begehen, dann enden die Gespräche nicht wie die letzten, die wir gerade heute beim Blyde River Canyon führen mussten.

Es ist natürlich auch für uns etwas ganz Besonderes und Schmeichelndes, wenn einem im Ausland ein Deutscher (oder auch Personen anderer Nationen) anspricht und bewundernd Dinge fragt, die er für soooo wichtig hält oder ihm einfach nichts besseres einfällt, weil er sich vielleicht ein bisschen geniert. Denjenigen solle gesagt sein, versucht es doch einfach mal mit dem einfachen Satz, der immer das Eis bricht:

„Hallo! Darf ich dich auf ein Bier einladen und ein paar fragen Stellen?!“

10 Antworten auf „Exkurs: Umgang mit einem Overlander“

„Hallo! Darf ich dich auf ein Bier einladen?” würde mir als Konversation ja schon völlig genügen.

Liebe Grüße Euch beim leben Eures Traumes in die Ferne.

Launi

Hahaha, so wie die Frage die ich taeglich mindestens einmal bekommen,- warum sprechen Sie denn so gut Deutsch?- weiterhin viel Spass auf Eurem Trip und alles Gute aus Namibia

Hallo Almuth,

ja irgendwie verbindet uns das gleiche“Schicksal“ 😉

Liebe Grüße
Sarah, Tim und Elisabeth

Thank you my english matey! But i will never hear the question so often like you! And it never ends! 😉

Tim

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