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Chipata – Lilongwe – Zomba – Mangochi

„The warm heart of Africa“ – so bezeichnet sich Malawi selbst und bereits an der Grenze wurden wir von der Freundlichkeit der Menschen überrascht.

Herzlich wurden wir von einem Mitarbeiter der Grenze Willkommen geheißen und gebeten unsere Impfpässe vorzuzeigen. Hier ist das erste Mal, dass man unsere Gelbfieberimpfung sehen wollte.

Nachdem er sich mit einem Blick ins Heft von der Impfung überzeugt hatten, durften wir weiter zur Immigration, um die Visaanträge auszufüllen. 75 US Dollar wurden für jeden fällig und nach einer halben Stunde Wartezeit hatten wir die Visa in unseren Pässen. Dann mussten wir noch zu einem weiteren Schalter um die Straßensteuer zu bezahlen und kauften noch eine malawische SIM Karte und nach ungefähr zwei Stunden waren wir in Malawi eingereist.

Der erste Weg führte uns in die Hauptstadt Lilongwe, wo wir in einer nahegelegenen neuen Mall unsere Vorräte aufstocken wollten. Kaum waren wir im Shoprite durch die Kasse durch wurde es mit einem Mal stockdunkel: Stromausfall. Innerhalb weniger Sekunden waren alle Türen verriegelt, so dass man nicht abhauen konnte und als das Licht nach einer Minute wieder anging, wurden die Türen wieder geöffnet und der normale Ablauf ging weiter, wie wenn nichts geschehen war. Das schien hier Alltag zu sein, so routiniert wie mit dem Stromausfall umgegangen wurde.

Am nächsten Tag fuhren wir (mit einer Zwischenübernachtung im Liwonde Nationalpark) weiter in Richtung Süden, Zomba bzw. das Zomba-Plateau sollte unser nächstes Ziel sein. Auf dem Weg dort hin fuhren wir durch unzählige Straßensperren. Fast in jedem Dorf gab es eine Polizeikontrolle. Meistens wurden wir durchgewunken, ab und zu hielt man uns auch mal an und fragte wo wir her kämen und hin wir wollten, ab und zu wollte man auch mal den Führerschein oder die Versicherung sehen aber das war es dann auch. Insgesamt war es immer sehr angenehm und die Polizeibeamten immer sehr freundlich, auch wenn es teilweise schon echt schräg anmutete, wenn dort Menschen mit Gewehren über der Schulter hängend einfach so herumspazierten.

In Zomba angekommen wollten wir den hiesigen Supermarkt besuchen um noch ein paar Kleinigkeiten einzukaufen aber weit gefehlt. Wir dachten, dass Zomba mit seinen über 100.000 Einwohnern eine große Stadt sei. Aber dem war nicht so. In der ganzen Stadt gab es nur einen einzigen Supermarkt und der war ein Witz! Wir bekamen nichts, was wir benötigten aber als wir wieder vor die Tür traten um in unser Auto einzusteigen, wurden wir von Straßenhändlern überrannt. Jeder bot uns seine Waren an und die Händler unterboten sich gegenseitig mit ihren Preisen. Wir kauften eine Staude Bananen, Kartoffeln, Tomaten, Samosa und auf dem weiteren Weg noch Himbeeren und mehrere Maracuja. Hiervon konnten wir mindestens die nächsten drei Tage essen und das ganze für komplett nicht einmal 10 Euro!

Als wir auf dem Campingplatz ankamen, kam ein Einheimischer auf uns zu und fragte, ob wir nicht eine kleine Wanderung zu den Highlights des Plateaus unternehmen wollten. Für 10 Euro würde er uns 4 Stunden führen. Eigentlich wollten wir nicht, tendenziell sind wir ja eher von der faulen Sorte aber wir dachten, wenn wir schon mal da wären, müssten wir das auch machen. Wir handelten den Mann auf 6 Euro runter und verabredeten uns eine halbe Stunde später zum Start.

Pünktlich wie die Maurer stand er vor uns aber das was wir da sahen, war erbärmlich. Er hatte ein T-Shirt an, dass vor Dreck stand, seine Hose bestand mehr aus Löchern als aus Stoff und das schlimmste waren seine Schuhe… Eigentlich hätte er gleich barfuß laufen können… Außerdem stank er so sehr, dass man es kaum ertragen konnte hinter ihm zu laufen. Der Mann konnte einem wirklich nur Leid tun und ein bisschen schämten wir uns über unser volles Bergsteiger-Outfit, das wir trugen.

Aber der Mann war freundlich und jagte uns mit vollem Elan über das Plateau zu den Williams Wasserfällen, dem Queens und dem Emperor’s View Aussichtspunkt und zu einem natürlichen Stausee. Er bot uns sogar an, Elisabeth zu tragen, die wir ganz typisch afrikanisch in einem der Kitenge umgebunden hatten. Aber das war mir dann doch nicht so ganz Recht und so wechselten Tim und ich uns mit dem Tragen ab.

Nach 4 Stunden erreichten wir fix und fertig wieder unseren Ausgangspunkt und boten ihm noch etwas zu trinken an, bevor er sich mit seinem Lohn wieder von Dannen machte. Für dieses Geld und diese Anstrengung würde in Deutschland nicht einmal jemand aufstehen.

Am nächsten Morgen fuhren wir weiter nach Süden nach Blantyre. Wir bogen auf einen Parkplatz ab, als uns plötzlich ein Polizist mit einem Schlag auf den rechten Kotflügel stoppte: „Rückwärts raus und auf der anderen Straßenseite anhalten“ schrie er uns an, nachdem ich das Fenster geöffnet hatte. Wir fuhren also auf die andere Seite der Straße und Tim stieg aus. Ich sah wie der Polizist (der im Gegensatz zu den anderen Verkehrspolizisten keine Uniform, sondern nur eine Warnweste mit der Aufschrift „Polizei“ trug) mit Tim rum diskutierte. Nach einer kurzen Zeit kam Tim an die Fensterscheibe und schilderte mir das Problem: Er war in die Ausfahrt des Parkplatzes eingefahren (was allerdings nicht als Ausfahrt gekennzeichnet war) und er sollte jetzt 15 Euro Strafe dafür zahlen. Da der Polizist aber ein Erbarmen mit uns hätte, würde er uns gegen eine kleine „Aufmerksamkeit“ so davon kommen lassen. Ich ließ mir den Polizisten ans Fenster holen und sagte ihm direkt ins Gesicht, dass wir keine Bestechung zahlen würden. „Nein Madam, das ist doch keine Bestechung, wir kürzen das hier nur etwas ab. Ansonsten müssen wir aufs Revier fahren und das dauert den ganzen Tag“ „Kein Problem, wir haben Zeit“ entgegnete ich ihm. „Dann fahren wir aufs Revier!“

Er wandte sich wieder Tim zu und plötzlich hörte ich, wie er zu Tim sagte, er könne fahren, ohne etwas zu bezahlen. Wahrscheinlich hat er doch kalte Füße bekommen. Überall in Afrika (zumindest in dem Teil, den wir seit über vier Monaten bereisen) wird extrem viel Wert darauf gelegt, Bestechung zu verhindern. Überall in Grenzbüros oder an offiziellen Gebäuden hängen Plakate, dass man helfen soll Korruption zu stoppen und dass man für alles was man bezahlt, eine Quittung verlangen soll.

Wahrscheinlich hätte der gute Mann richtig Probleme bekommen, wenn wir wirklich aufs Revier gefahren wären und wir dort von seinem „Angebot“ berichtet hätten. So ließ er uns ohne einen Cent ziehen. Das war die erste wirklich negative Erfahrung in Afrika seit wir unterwegs sind. Aber im Nachhinein war es auch irgendwie lustig…

Der weitere Weg – wir waren mit Blantyre an unserem südlichsten Punkt, den wir in Malawi besuchen wollten angekommen – führte uns nun wieder nach Norden. Begleitet wurden wir von Regenfällen, die einer Fahrt durch eine Waschstraße glichen. Teilweise regnete es so stark, dass selbst der voll aufgedrehte Scheibenwischer nichts mehr ausrichten konnte und man nicht weiter wie die Motorhaube sehen konnte.

Trotzdem erreichten wir am Nachmittag Mangochi, den ersten Stopp am Lake Malawi.

 

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