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Mangochi – Cape Maclear – Nkhata Bay

Der erste Morgen am Lake Malawi begann für uns wie ein Karibik-Traum. Wir standen direkt am See, keine 10 Meter vom Wasser entfernt im Sand, umringt von Palmen und hörten die Wellen anbranden. Die Szenerie war so schön mit der aufgehenden Sonne am bergigen Horizont, dass sie sogar über die unmenschliche Uhrzeit hinwegtröstete, zu der uns unsere Tochter geweckt hatte. Aber wahrscheinlich hatte sie es nur gut mit uns gemeint und uns wegen des atemberaubenden Sonnenaufgangs geweckt!

Der Tag konnte schöner nicht sein. Wir saßen im Schatten der Palmen, angenehme 35 Grad und kaum eine Wolke am Himmel, die an die Regenfälle der letzten Tage erinnerte. Wir, und vor allem unsere Tochter genossen den Gammeltag am Strand, sie spielte im Sand und verteilte im gesamten Umkreis um unser Camp ihr Spielzeug. Das einzige, was sie dann doch noch mehr begeisterte, waren ein paar Kinder aus dem nahen Dorf, die neugierig kamen und sogar einen Maiskolben mit ihr teilen wollten.

Wir bedankten uns bei den Kindern und ließen den Maiskolben dezent verschwinden, da wir weder Lust hatten, dass unsere kleine Maus an den Maiskörnern ersticken noch sich mit Cholera oder einer Magen-Darm-Infektion anstecken könnte, denn die Sauberkeit der Kids war doch eher mangelhaft. Dafür war ihre Zuneigung und Offenheit umso größer und ihre Zahl stieg sekündlich, wir waren schon von einem richtigen Pulk umgeben. Die Freude erreichte seinen Siedepunkt, als ich ins Auto ging, um die Stifte heraus zu holen, die wir genau zu diesem Zweck mitgebracht hatten (dafür nochmal vielen Dank an die Familie Albers!)

Jeder bekam einen in die Hand gedrückt und dazu ein Stück Papier von einem Block. Begeistert und vor Freude strahlend malte, zeichnete und schrieb jeder drauf los und man konnte das Glück in den Augen der Kinder sehen. Als wir dann noch einem vorbeikommenden Händler für jedes Kind einen afrikanischen Donut (für 5 Cent pro Stück) spendierten, waren wir der Held aller Kinder im Umkreis von bestimmt 20 km! Es war ein überragender Tag, jeder hatte Spaß und die Kinder verließen erst unser Camp, als wir zum Abendessen ins Restaurant des Campingplatzes gingen. Aber am nächsten Morgen saßen die ersten schon wieder vor unser Auto und warteten, bis wir endlich aufstanden! Was ich noch sagen muss, keines der Kinder hat auch nur den Ansatz gemacht zu betteln und ich will nochmal betonen, dass wir alles freiwillig gegeben haben, einfach weil es Spaß machte und wir ein paar Kinder damit ein Lächeln aufs Gesicht zaubern konnten!

Unser nächster Camp entpuppte sich als regelrechten Glücksgriff, denn uns erwartete schon ein britischer Overlander und am selben Abend erreichte ein weiteres Paar mit einem fremden Nummernschild den Platz.

Jared und Jenny aus Oregon verschifften ihren Jeep Wrangler nach Südafrika, kauften dort einen Trailer dafür und ziehen mit dem Gespann seit über einem Jahr durchs südliche Afrika. Der Brite, Ben, lebt eigentlich fast das ganze Jahr auf Fuerte Ventura und betreibt dort eine Surfschule mit Lodge.

Wir verbrachten drei wunderbare Tage mit Reisegeschichten austauschen, Autos begutachten, uns gegenseitig bei kleinen Reparaturen helfen oder einfach nur zusammen rum zugammeln.

Nachmittags kauften wir Fisch für einen Euro pro Stück von den vorbeifahrenden Fischerbooten und grillten ihn abends. Es war wunderbar!

Die Zeit verging viel zu schnell und wehmütig trennten wir uns und fuhren in verschieden Richtungen weiter.

Eine witzige Sache erlebten wir aber noch! Am Morgen des letzten Tages machten Sarah, Eli und ich einen Strandspaziergang, bei dem wir Joseph trafen. Er wäre uns nie im Leben aufgefallen, hätte er nicht ein leuchtend blaues Shirt angehabt, auf dem ein Lidl-Logo prangte. Da Sarah auch Samstags in einer Filiale gearbeitet hatte, kannten wir die Dienstkleidung nur zu gut!

Wir sprachen ihn an und er erzählte uns, dass er das Shirt bei einem Händler im Dorf gekauft hätte und es ihm super gefalle. Auf die Frage, was er dafür bezahlt hätte, antwortete er, umgerechnet 1,50 Euro. Soviel zu Spende für Afrika und Guter Zweck…

Wir sagten ihm, er hätte einen guten Kauf gemacht, denn das Polo sei „made in Germany“, woraufhin er sich umso mehr freute… Strahlend verabschiedete er sich und wünschte uns bester Laune alles Gute!

Unser nächstes Ziel war ein Camping in Senga Bay, auf dem wir am Abend eintrafen.

Zuvor erlebten wir den Overkill auf einem Markt in Salima. Die größte Stadt im Umkreis war Anlaufpunkt für alle Händler und Gewerbetreibenden der Region. Ein riesiger afrikanischer Markt erwartete uns, auf dem man alles kaufen konnte, was man sich vorstellen kann. Vom Fahrrad über lebende Hühner, Stoffe, Gemüse, Obst bis hin zu Gewürzen und Kleidung war alles nur erdenkliche erhältlich. Da wir dann doch nicht ganz die gängige Hautfarbe haben, machte uns natürlich zum Ziel jedes Händlers und der Einkauf wurde zum Erlebnis. Jeder rief nach uns, jeder wollte uns an seinem Stand haben und was verkaufen, jede Frau nahm uns Elisabeth aus den Armen und zeigte stolz das blonde, weiße Mädchen herum. Wir kauften und kauften und gerieten regelrecht in einen Rausch, denn es machte riesigen Spaß mit den Leuten zu reden, feilschen und handeln. Am Ende gingen wir mit einer riesigen Tüte voll Lebensmitteln zum Auto zurück und ein Kassencheck offenbarte die gigantische Rechnung. 8 Euro… Dazu kamen noch 3 Kitenge, die Sarah inklusive umnähen für insgesamt 5 Euro erstand! Wir setzen unseren Weg zum Camping fort und kaum waren wir am Stellplatz angekommen, als auch schon ein Wachmann auf unser Auto zu kam und sich vorstellte. Er sei Stanley Gibson und würde heute die Nachtschicht übernehmen. Irgendwie hatte unsere Tochter einen Narren an ihm gefressen, denn kaum war sie aus ihrem Kindersitz, hatte sie nur Augen für ihn. Er musste sie pausenlos durch die Gegend tragen, zu unserem Glück beruhte die Zuneigung auf Gegenseitigkeit. Die beiden liebten sich!

Senga Bay liegt ungefähr auf gleicher Höhe wie die Hauptstadt Lilongwe, die wir am nächsten Tag für ein paar Einkäufe und Besorgungen anfahren wollten. Rein aus Höflichkeit fragten wir Stanley, ob wir ihm was aus der Hauptstadt mitbringen könnten, denn auch wir hatten ihn ins Herz geschlossen!

Promt kam seine Antwort und traf wie ein Vorschlaghammer! Wenn es uns doch nichts ausmachen und es nicht zu viele Umstände bereiten würde, könnten wir ihm doch ein Smartphone mitbringen… Da bekommt die Sache mit dem kleinen Finger gleich eine ganz neue Bedeutung!

Lächelnd antworteten wir, dass wir alles täten, ihm aber nichts versprechen könnten.

Ein Smartphone…

So läuft das aber immer hier. Die Afrikaner kennen da gar nichts. Wo jeder Europäer dezent und aus Höflichkeit ablehnt, hauen sie richtig rein. Ein anderes Beispiel war ein Wachmann in Zomba. Er stellte sich auch sehr nett abends vor und wir fragten ihn, da wir gerade am Essen waren, ob er nicht eine Banane haben wolle. Dankend nahm er sich den Bund Bananen und ging davon. Unsere verdutzten Blicke folgten ihm…

Natürlich besorgten wir kein Smartphone, was Stanley doch mehr traf wie erwartet, er sich aber dann doch von uns zum Essen einladen ließ. Einladen ist witzig, denn er hat gekocht. Wir brachten bloß die Zutaten. Wir genossen zusammen ein traditionelles malawisches Gericht, Nsima und als er nach Hause ging, war seine Enttäuschung schon wieder vergessen.

Da unser Vorrat an Samosa rapide zur Neige ging, machten wir uns am nächsten Tag auf dem Weg zur nächsten Station auf die Suche nach einem Händler. Das stellt sich hier als sehr unproblematisch dar, da fast an jeder Straße etliche Stände dieses afrikanische Fastfood anbieten. Wir hielten also und kauften eine ganze Tüte voll ein.

Keine 50 Meter weiter wurden wir von einer Polizistin bei einem Polizeistopp gefragt, warum wir doch am Straßenrand angehalten hätten. Wir antworteten, wir hätten eingekauft. Am Straßenrand anhalten sei verboten und sie würde uns ein Verwarnungsgeld von 10000 Kwacha (ca 12 Euro), natürlich gegen Quittung, anbieten. Auf meine Frage, ob sie mich verarschen wolle, reagierte sie etwas ungehalten. Ich argumentierte, hier würden Autos rumfahren, die vor 15 Jahren vielleicht das letzte mal ein paar Scheinwerfer besessen hätten und auf deren Ladefläche 20 Personen sitzen würden. Während unserer Diskussion fuhr ein LKW vorbei mit einem handgeschriebenen Nummernschild. Und hinterher ein Fahrrad, dass drei Ziegen auf dem Gepäckträger gebunden hatte…

Ja, die würden aber nicht am Straßenrand anhalten…

Es stünde so im Gesetz. Dann wollte ich doch gerne mal das Gesetzbuch sehen! Man müsse es von der Wache holen und das würde dauern. Wir haben Zeit…

Wir parkten am Rand und harrten der Dinge die da kommen würden. Die Polizistin diskutierte mit ihren Kollegen und kehrte nach zwei Minuten zu unserem Auto zurück.

Dort zeigte sie mir die Malawi-Gesetzbuch-App auf Ihrem Samsung, in der tatsächlich steht, dass man nicht am Straßenrand anhalten dürfe… Touché!

Zähneknirschend bezahlte ich die Strafe, holte meine Quittung und wir setzten unseren Weg fort. Das waren teure Samosa (normaler Weise 10 Cent das Stück)…

Immer noch grummelnd fuhren wir die 200 km bis zu unserem nächsten Stopp, Nkhata Bay. Auf dem Weg achtete ich ein wenig auf den Irrsinn, den man hier so erlebt. Man darf nicht am Straßenrand anhalten, aber die Mittel- und Seitenstreifen der Straßen werden mit einem 5-Meter-Maßband gemessen und handgemalt. Genau wie die Straßenschilder… Ein Taxi, das vor uns fuhr, hatte 4 Matratzen und einem Tisch auf dem Dach. Und die 25 Bauarbeiter auf der Ladefläche eines Trucks, der dazu noch einen Bagger ungesichert geladen hatte, amüsierten sich köstlich über unseren Left-Hand-Drive… Aber man darf nicht am Straßenrand anhalten…!

Was uns auch wundert, ist die Tatsache das in Seenähe so gut wie jedes Auto mit Fischen aller Größe an den Außenspiegeln und Scheibenwischern herum fahren.

Als wir dann selbst Fisch am Straßenrand (und wir hielten hoch offiziell auf einem Parkplatz, nicht am Straßenrand!) kauften, wurde uns das Phänomen erörtert. Alle in einem Mini-Bus-Taxi würden Fisch kaufen, da würde ja das ganze Auto stinken. Also hängt man die Fische einfach außen dran. Irgendwie logisch, dachten wir, bekamen unseren gekauften Fisch an den Außenspiegel gehängt und fuhren weiter…

 

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