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Stellenbosch – Lesotho – Sani Pass

Nach einer Woche Aufenthalt konnten wir uns endlich von Hardy, Steffi und den Kids trennen und wir machten uns auf in Richtung Lesotho. Wir wollten den Sani-Pass, den wir bereits 2011 das erste Mal gefahren sind, mit unserem eigenen Auto bezwingen.

Mit zwei Zwischenstopps in Beaufort-West und Kimberley (wo wir natürlich auch „the big hole“ besichtigten) reisten wir am dritten Tag über die Maseru-Bridge in Lesotho ein. Die Grenzformalitäten waren schnell erledigt. Nachdem der Pass in Südafrika aus- und in Lesotho wieder eingestempelt wurde, waren wir bereits mittendrin im Gewimmel der lesothischen Hauptstadt. Nur wenige Meter hinter der Grenze hat man das Gefühl in einer anderen Welt zu sein. Eben noch im „weißen“ Südafrika waren wir nun mit der Ankunft in Maseru richtig in Afrika angekommen. Weiße waren hier genau so rar gesät wie Ordnung. Überall wimmelte es vor Menschen und alles was mindestens zwei Beine hatte war auf den Straßen unterwegs. Das erste Mal hatten wir wirklich ein Gefühl von Afrika.

Auch wenn uns das Treiben und die Atmosphäre gefiel waren wir auch froh, als wir die Hauptstadt hinter uns ließen und in das Hochland von Lesotho vordrangen. Immer höher schraubten sich die Straßen und die eben noch so faszinierende Stimmung wurde abgelöst von einem faden Beigeschmack. Hinter jeder Kurve waren Kinder, die entweder auf unser Auto zugerannt kamen, weil sie uns irgend etwas verkaufen oder weil sie mit erhobenen Händen zum Betteln auf sich aufmerksam machen wollten. Wir konnten auch nicht einfach mal schnell vorbei fahren, weil wir aufgrund des Anstiegs der Straße und der Kurven nicht schneller als 20 km/h fahren konnten. Wir warteten immer darauf, dass der erste Stein flog. Hinter einer Kurve hielt uns ein Kind plötzlich eine Pistole vom Straßenrand entgegen. Wir wissen bis heute nicht, ob sie echt war oder nicht und ob er damit wirklich auf uns zielte oder sie uns verkaufen wollte… Das ungute Gefühl war nun endgültig geweckt und wir waren froh, als wir so weit im Landesinneren waren, dass wir kaum noch eine Menschenseele zu Gesicht bekamen.

In einem Dorf machten wir einen Zwischenstopp an einem „Hotel“, wo wir auf der umzäunten Wiese dahinter für die Nacht campen durften.

Am nächsten Morgen merkten wir, dass die Wiese an das Gelände einer Grundschule angrenzte und die Kinder auf ihrem Schulweg ganz interessiert am Zaun stehen blieben um uns Weiße und unser riesiges Gefährt zu beäugen. Wir überlegten uns, wie dekadent es auf die einheimischen Kinder wirken musste: Sie, die überwiegend mit ihren armen Familien mit mehreren Personen in einer Rundhütten hausten und meistens nichts anderes zu essen bekamen als Maisbrei und wir, die auf der anderen Seite beim Frühstück mit heißem Kaffee und Brötchen saßen.

Trotzdem winkten uns die meisten Kinder freudig zu und jedes Mal wenn wir zurück winkten war für einen kurzen Moment der Bann gebrochen und auch unser komisches Gefühl vom Vortag wurde wieder etwas positiver.

Wir setzten unsere Fahrt fort und fuhren weiter auf der geteerten Straße, die uns durch Lesotho bringen sollte. Wir wollten nachmittags oben am Sani-Pass sein, dort nochmal übernachten um dann am nächsten Morgen frisch ausgeruht und bei gutem Wetter herunter zu fahren.

Aber erst einmal erreichten wir Thaba-Tseka, einer der wenigen „größeren“ Städte von Lesotho. Mitten auf der Straße stand plötzlich ein Mann und wir konnten nur abbremsen, so blöd stand er da im Weg. Beim näher kommen, sahen wir, dass er eine Jacke mit der Aufschrift „Police“ trug. „Na super“ dachten wir uns. „Irgendwo hat der die Jacke gefunden, sich angezogen und macht jetzt einen auf Polizist um dumme Weiße abzukassieren“. Wir hielten brav an, ließen die Scheibe ein Stück runter und der „Polizist“ kam erst einmal auf meine Beifahrerseite. Da im kompletten südlichen Afrika (und auch darüber hinaus) Linksverkehr herrscht und das Lenkrad der hier fahrenden Autos sich auf der anderen Seite befinden, kommen alle, die eigentlich etwas vom Fahrer wollen erst mal auf meine Seite und sind dann tierisch verwirrt, dass sie auf der Seite gar kein Lenkrad und keinen Fahrer vorfinden. Meistens werden dann alle herumstehenden Menschen, die man ja irgendwie alle kennt, herbei gerufen, dass sich jeder diese Besonderheit einmal anschauen kann und dann wird auf einer Sprache, die wir nicht verstehen, diskutiert und sich darüber schlapp gelacht, dass es sich bei unserem Auto um ein „Left Hand Drive“ Fahrzeug handelt. Und irgendwann wenn die ganze Traube Menschen fertig diskutiert und sich aufgelöst hat, kann man dann weiter fahren. Das kann hier aber dauern…

Anyway… der Polizist fragte uns ganz freundlich, wo wir her kämen und wo wir hin wollten. Nachdem wir schnell gemerkt haben, dass es ein echter Polizist war, weil auch mehrere seiner Kollegen auf den anderen Straßenabschnitten patrouillierten, gaben wir ihm einen kurzem Abriss unserer bisherigen Geschichte. Mittlerweile sind wir ganz gut darin die letzten 7 Wochen innerhalb weniger Sätze so zusammen zu fassen, dass die wichtigsten Infos darin enthalten sind. Außerdem erklärten wir ihm, dass wir auf dem Weg zum Sani-Pass waren. Er fragte uns, ob wir auch am Katse-Staudamm waren. Nein, waren wir nicht und war auch nicht der Plan. Wir wollten eigentlich nur schnell durch Lesotho durch und uns hier gar nicht groß aufhalten. Unser Ziel war einzig und alleine der Sani-Pass. Der Polizist erklärte uns, wir müssten dort aber unbedingt hin, es sei so schön dort. Wir fragten ihn noch, ob es denn sonst irgendwelche Highlights gäbe und er sagte uns, dass sie letzte Woche Schnee hatten. Super Highlights, Schnee braucht kein Mensch und schon gar nicht beim Campen aber für die Menschen dort war es schon besonders. Auch wenn Lesotho ziemlich hoch liegt ist auch hier Schnee im (Süd-)Sommer eine Seltenheit.

Mit den besten Wünschen verabschiedeten wir uns und fuhren weiter um kurz darauf umzudrehen und zurück zu fahren. Wenn wir was hatten dann Zeit und somit entschieden wir uns kurzerhand einen Abstecher über den Katse-Staudamm zu machen. Der Weg war wohl nicht asphaltiert aber sollte doch in einer Stunde gut zu machen sein und wir würden immer noch rechtzeitig am Sani Camp ankommen.

Der Polizist lachte nur, als wir ihm sagten, dass wir seinem Tipp folgten und wünschte uns nochmal alles Gute. Kurz darauf bogen wir in die Gravelroad zum Staudamm ein.

Für die knapp 70 Kilometer benötigten wir fast zwei Stunden aber egal, es war noch früh am Tag und wir würden immer noch im Hellen am Pass ankommen. Der Staudamm war ganz nett, aber da auch Lesotho, wie das komplette südliche Afrika an Wasserknappheit leidet, war es jetzt nicht so beeindruckend.

Die Angestellten dort gaben uns aber den Tipp, nicht zurück zu fahren sondern über den Staudamm drüber und dann ein kurzes Stück über eine weitere gute Gravelroad wieder auf die asphaltierte Straße zu gelangen. Den Tipp nahmen wir gerne an und machten uns auf den Weg. Insgesamt waren wir heute von der Freundlichkeit der Menschen total begeistert. Jeder war interessiert und sehr hilfsbereit. Das miese Gefühl vom Vortag wurde immer mehr abgelöst durch Begeisterung für das Land und die Menschen.

Kurz nachdem wir den Staudamm überquert hatten, bogen wir auf die Piste ab und schraubten uns noch einmal immer mehr Höhenmeter nach oben. Die Landschaft war trotz der tiefhängenden Wolken atemberaubend und die Einheimischen hatten uns nicht zu viel versprochen! Lesotho ist landschaftlich wunderschön!!!

So langsam begann es etwas zu tröpfeln aber das war auch nicht weiter verwunderlich bei den Wolken. Der faszinierenden Schönheit tat dies jedoch keinen Abbruch.

Nur der Weg wurde immer schlechter und so wurde aus der Piste immer und immer mehr Matschpassagen. Aus dem anfänglichen Zweiradantrieb hatte Tim schon längst auf Allrad umgeschaltet und nun war auch die Zeit gekommen, die Untersetzung zu bemühen. Die Piste war teilweise so steil und matschig, dass unser überladenes Auto bei jedem Anstieg zu kämpfen hatte. Auch der Regen wurde immer schlimmer und so wurde aus einer „guten Gravelroad“ ein reines 4×4 Abenteuer. Das hatten wir nicht erwartet. Hinter jeder Kurve hatte ich Angst, dass die eh schon viel zu schmale Straße weggespült war und wir umdrehen mussten. Eins der Highlights war dann eine „Brücke“ über einen Fluss. Hätte der Fluss nur einen halben Meter mehr Wasser geführt, wäre es spätestens hier vorbei gewesen, so niedrig war die Brücke. Eigentlich war es mehr eine betonierte Überquerungshilfe.

Danach wurde der Weg etwas besser und wir konnten mal etwas schneller als 10 oder 20 km/h fahren. Allerdings merkten wir jetzt schon, dass es ganz schön knapp werden würde, noch im Hellen beim Sani-Pass anzukommen. Wir würden noch ein paar Stunden brauchen, um wieder auf der Asphaltstraße anzukommen. Dazu kam, dass sich der Regen nun immer mehr in Schneeflocken wandelte. Auf über 3000 Metern hatten wir jetzt noch 1°C und eine Schneeschicht bedeckte die Gipfel.

Als wir endlich wieder auf die Asphaltstraße einbogen, begann bereits die Sonne unterzugehen und mit den letzten hellen Strahlen, die durch die Wolkendecke schien, erreichten wir dass Sani Camp.

Da es leider immer noch nicht viel wärmer war, fragten wir, was es denn kosten würde, wenn wir ein Zimmer nehmen würden. 200 Euro!!!!!! Dafür waren wir dann doch zu geizig! Wir entschieden uns, trotz der eisigen Temperaturen, zu campen. Wir haben ja warme Schlafsäcke. Zum Aufwärmen gönnten wir uns wenigstens noch ein warmes Essen im Restaurant bevor wir uns in unser eisiges mobiles Heim zurück zogen.

 

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