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Kamieskroon – Lambertsbaai – Stellenbosch – Kapstadt

Als wir unser Bergeseil von der Anhängerkupplung des Ford Ranger lösten, waren wir alle schweißgebadet und komplett verdreckt.
Ich fragte noch, was ich den zwei Südafrikanern geben könnte für ihre spontane Hilfe, aber sie wollten kein Geld. Das obligatorische Bier nach dieser Aktion lehnten sie auch ab, da sie noch zur Arbeit müssten. Sie wollten sogar nicht einmal unseren Kompressor nutzen um ihre Reifen wieder aufzupumpen, sie hätten ihren eigenen.
Wir bedankten uns überschwänglich und bestimmt tausend Mal und winkten ihnen noch hinterher, als sie wieder auf die Straße einbogen und davon fuhren.
Wir ließen unsere (meine) Glanzaktion nochmal Revue passieren und fragten uns immer wieder, wie man eigentlich so dumm sein konnte.

Wir fuhren die N7 Richtung Kapstadt und nahmen die Gravelroad von Vredenburg aus an die Küste. Unser Ziel war Lambersbaai am Atlantik. Wir freuten uns mal wieder das Meer zu sehen, mal was anderes als immer nur die braune und gelbe Einöde.

Als wir über den letzten Hügel kamen, lag er vor uns. Der Atlantik. Die Wellen schlugen mit Wucht auf den Strand, ein Paradies für Surfer und Kiter.
Gegenüber unseres Campings war ein Open-Air-Restaurant und wir sind rein aus Interesse mal auf den Parkplatz gefahren, um zu schauen, ob es nicht was interessantes zu Essern gäbe. Aber Montag war Ruhetag und dementsprechend geschlossen.
Was wir aber entdeckten waren Reifenspuren, die sich vom Parkplatz aus zum Strand zogen und gerade dazu einluden, einmal eine kleine Strandfahrt zu machen.
Die Bedenken meiner Frau am Strand und somit im Sand zu fahren winkte ich lachend ab, wir hatten ja bereits genug Erfahrung mit Tiefsand.
Was uns keiner sagte und wir auch erst merkten, als es schon zu spät war, war, dass es sich hier nicht um Sand sondern um sogenanntes Shell handelte, also winzige Stücke von Muschelschalen. Das Zeug ist wie Treibsand, was wir schmerzlich feststellten, als das Auto keine zwei Meter hinter dem Parkplatz einfach wegsackte und stecken blieb.
Es half kein Allrad und keine Untersetzung, unser treuer Begleiter wühlte sich nur immer tiefer ein.
Aber noch war lange keine Panik angesagt, wir hatten ja unsere Fußmatten, die man ja daheim auch bei Schnee unter die Reifen legt, damit man Grip bekommt. Die Sandbleche war ich einfach zu faul von der Seite abzuschrauben.
Also schnell die Matten drunter, kräftig Gas gegeben und… nix. Shell flog, aber ansonsten passierte nix.
Okay, immer noch keine Panik, hinten leer geräumt, Sandbleche runter und schon könnte es weiter gehen. Aber Pustekuchen, für die war es mittlerweile zu spät, wir lagen nämlich schon auf den Bodenblechen auf.
Panik? Keine Spur, Spaten runter und buddeln.
Räder frei gelegt, Boden halbwegs ausgegraben und nochmal mit Schmackes auf die Sandbleche… Nix!

Mittlerweile drehte sich nur noch ein Rad, das Shell stand schon über die Hinterachse und da wir keine Differenzialsperren besitzen, war hiermit das Ende der Fahnenstange erreicht. Wir steckten wirklich fest.
Verdammt…
Wie aus heiterem Himmel hörten wir einen blubbernden 6-Zylinder hinter uns und als wir uns rumdrehten, stand ein weißer Ford Ranger mit der Ladefläche zu uns. Ein gut gelaunter etwas übergewichtiger Südafrikaner stieg mit seinem Kumpel aus und fragte mit einem Schmunzeln, ob wir eventuell ein wenig Hilfe bräuchten.
Betretenes Schweigen signalisierte ihm, dass es natürlich der Fall war.
Mit geübten Handgriffen und in weniger als 15 Minuten war unser Auto mit unserem Bergeseil an seinem befestigt, er fuhr mit reduziertem Luftdruck von uns und befreite uns mit zwei kräftigen Zügen aus unserer misslichen Lage.
Seine wieder schmunzelnde Frage, warum wir keine Luft aus den Reifen gelassen hätten entschuldigten wir, dass wir eigentlich gar nicht hier lang fahren wollten und es einfach so passiert war, „beim wenden“! Zwinker!!
Er sparte sich aber jeden hämischen Kommentar, bedankte sich bei uns, dass er unsere Bekanntschaft machen konnte die zwei zogen wieder von Dannen und ließen uns mit imaginären runter gelassenen Hosen stehen. Wie kann man nur so dumm sein…

Ein paar Tage später – wir waren mittlerweile in Kapstadt bzw. Stelllenbosch angekommen – wollten wir den Tafelberg besuchen, genauer mit der Seilbahn rauf fahren. Am ersten Tag war sie wegen Windes außer Betrieb, genauso wie am zweiten Tag.

Nach dem ersten gescheiterten Anlauf entschieden wir uns, einmal einen Versuch zu starten, unser Auto vor dem Kap-der-guten-Hoffung-Schild zu fotografieren, was eigentlich jeder Overlander tut.
Wir fuhren also runter ans Kap und drängelten uns durch die ganzen Reisebusse und Touri-Mietkisten nach vorne.
Wir standen auf dem vordersten Parkplatz und warteten auf unsere Chance, zwischen den Bussen mal ein bisschen weniger Menschen aus dem Weg scheuchen zu müssen.
Aber es nutzte jemand anderes seine Chance…
Überall auf dem Gelände und dem Weg dort hin, stehen Schilder, auf denen vor Übergriffen durch Paviane gewarnt wird. So niedlich sie aus der Entfernung aussehen mögen, diese Affen sind gefährliche wilde Tiere, die es nicht dulden, dass sich etwas zwischen sie und ihre vermeintliche Beute stellt. Durch die andauernden Touristenströme haben sie sogar gelernt, Autotüren zu öffnen oder Scheibengummis rauszupulen, um an den Inhalt der Fahrzeuge zu kommen. Alleine wenn man Ihnen in die Augen schaut, kann man die Intelligenz und Berechnung sehen, mit denen sie Ihre Umwelt wahrnehmen. Das sind echt miese Schweine, die genau wissen, was sie tun und wollen.

Durch die Sonne heizte sich unser Auto auf dem Parkplatz auf und ich ließ die Scheibe runter, um ein bisschen Luft rein zu lassen. Als ich wenig später unsere Chance witterte, endlich das Bild zu machen, da gerade wenig Touristen am Schild waren, stieg ich aus und ging zur Beifahrerseite, wo Sarah gerade unsere Tochter fütterte.
Aus dem Augenwinkel nahm ich eine Bewegung wahr, doch es war zu spät. Noch bevor ich auf meiner Seite des Autos war, war der Pavian schon mit einem Satz durch das geöffnete Fenster und bei meinen Frauen im Auto. Das einzige, was mir durch den Kopf ging, war, die hintere Tür aufzumachen, dass er einen Fluchtweg hat.
Als Sarah und Elisabeth gleichzeitig anfingen zu schreien und ich die hintere Tür öffnete, sprang er auch schon wieder mit seiner Beute aus dem Auto und verschwand Richtung Wasser. Die ganze Aktion hatte keine 5 Sekunden gedauert.
Niemand wurde verletzt, alle sind mit einem riesen Schreck davongekommen.Bis auf ein bisschen Biltong hat er nichts mitgehen lassen, man könnte sagen Glück im Unglück. Man hört Schauergeschichten, in denen die Biester ganze Handtaschen mit Reisepässen oder Kameraausrüstungen aus den Autos reißen, nur um den Inhalt dann Stück für Stück in der Gegend zu verteilen. Oder es werden Leute verletzt oder gebissen, wenn sie versuchen, ihr Eigentum vor den aggressiven Primaten zu verteidigen. Aber in den meisten Fällen sind sie auf Essen aus und wenn man ihnen bei ihrer Flucht nicht im Weg steht, passiert eigentlich auch nichts.
Mit einem gehörigen Schrecken und einer nicht erstrebenswerten Erfahrung reicher machten wir uns wieder auf den Heimweg, unser Bild hatten wir aber trotzdem noch gemacht!

Den zweiten Tag verbrachten wir an der Waterfront, wo uns direkt alte, wohlige Gefühle ereilten. Alles noch wie es vor sechs Jahren war, kaum was hatte sich verändert. Wobei, geändert hatte sich, dass es jetzt überall Geld kostete zu parken und wir in kein Parkhaus passen. Also ein öffentlicher, aber trotzdem kostenpflichtiger Parkplatz.
Der einzig freie Platz war ein Mutter/Kind-Platz, den ich auch gleich ansteuerte, als mich ein aufgebrachter Wächter stoppte, was ich doch vor hätte.
Ich sagte ihm, ich wolle hier parken und ich glaube, er dachte, die verdammten Ausländer mit ihren Riesenkarren suchen sich immer die größten Parkplätze aus.
Er beruhigte sich aber schnell wieder, als ich die hintere Scheibe runter ließ und ihm Elisabeth freudig entgegen strahlte.
Vollends war er überzeugt, als wir den Buggy auspackten.
Als kleine Geste der Freundschaft, fragte ich ihn, ob er was Gesundes haben wolle und wir nahmen uns beide einen Apfel.
Tag für ihn gerettet und wir hatten einen entspannten Nachmittag bei strahlendem Sonnenschein und vorweihnachtlicher Musik aus den Boxen des Victoria Wharf Einkaufszentrums.
Ein wenig surreal wirkt ein 8 Meter hoher Weihnachtsbaum auf dem Pier bei 32 Grad schon…

Am dritten Tag schauten wir im Internet, ob die Seilbahn des Tafelberges fuhr. Heute fuhr sie endlich aber uns traf fast der Schlag, als wir eine 2,5 stündige Wartezeit angezeigt bekamen.
Da wir aber auch das letzte Mal schon den Berg ausgelassen hatten, entschieden wir uns schweren Herzens die Wartezeit in Kauf zu nehmen, da es unsere letzte Chance werden sollte.
Wir fuhren also nach Kapstadt, stellten uns in die Schlange und kauften die Tickets online über das Handy.
Als sich Sarah nach ca. 15 Minuten zum Stillen an den Rand setzte, kam auch gleich ein Ordner angelaufen. Wir dachten schon, das sowas hier nicht gestattet sei, aber weit gefehlt. Er fragte, wie viele Personen wir seien und wir sollten bitte mitkommen. Wir wurden zu einem Fahrstuhl geführt, der uns direkt an den Anfang der Warteschlange brachte, 10 Minuten später erreichten wir die Station auf dem Gipfel des Berges.

Ich liebe Baby-Bonus!

Natürlich auch erwähnenswert sind unsere Gastgeber in Stellenbosch. Wir wurden fast schon in die Familie aufgenommen, denn man kommt durchs Tor und wird gleich schon von Hardy mit einem Du begrüßt. Abends, als wir mit seinem Vater zusammen am Lagerfeuer saßen, vertiefte sich der Eindruck noch und machte unseren Aufenthalt zu einem einmaligen Erlebnis.
Aus den drei geplanten Nächten wurden fünf, jeden Abend saßen wir entweder zusammen oder trafen uns zumindest auf ein Bier. Wir wollten überhaupt nicht mehr los, jeden Tag verschoben wir die Abreise weiter. Es machte Spaß, der Camping ist klein aber fein, alles war da und es gab sogar freies WLAN.
Für alle, die mal entspannt am Western Cape Urlaub machen wollen, 50 km vor Kapstadt, mit Wandern, Weinprobe, Baden oder sonstwas legen wir wärmstens das ORANGE VILLE GUESTHOUSE ans Herz. Neben dem Camping gibt es wunderschöne Zimmer in diversen Kategorien, 2 (!) Pools und jede Menge familiäre Atmosphäre, bei der man sich nur wohlfühlen muss!
Hardy und Steffi, sowie Hardys Eltern freuen sich über jeden Besucher, wer kommt, schönen Gruß von uns!

 

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