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Etosha – Brandberg

Wir haben von einer Familie einen Campingplatz kurz vorm Eingangstor des Etoshas empfohlen bekommen. Als wir dort ankamen erwartete uns ein Camp mitten in der Steppe. Auch die Bauweise des Sanitärgebäudes mit seiner Außendusche war perfekt in die Umgebung integriert. Wenn man nicht wüsste, dass man hier auf einem Campingplatz war, hätte man meinen können, man stehe mitten in der afrikanischen Wildnis. Es war wunderschön.

Wir buchten für zwei Nächte und für den ersten Morgen Frühstück. Für 6 € konnte man sich das auch mal gönnen. An dem Tag fuhren wir auch nicht in den Etosha, wir wollten mal etwas langsam machen und ein paar Dinge erledigen wie waschen oder Bilder überspielen.

Am nächsten Morgen machten wir uns auf um endlich in den Etosha Nationalpark zu fahren. Auf einer Fläche von knapp 23.000 km² erstreckt er sich um die Etosha-Pfanne und beherbergt so sämtliche Tiere, die man mit Afrika in Verbindung bringt.

Direkt auf der Zufahrtsstraße, begegneten uns die ersten Zebras uns Giraffen. Die Straße ist hier noch asphaltiert und verbindet das Andersson’s Gate mit dem Okaukuejo Camp.

Am Gate bekommt man nur einen Zettel mit der Angabe, wie viele Personen man ist und ob man Tagesbesucher oder Übernachtungsgast ist und die Gebühr muss man dann im ersten Camp bezahlen. Auf dem Rückweg wird dann beim Ausfahren aus dem Park am Gate geprüft, ob man auch bezahlt hat. Diese Logik soll einer verstehen…

Es machte uns aber nichts weiter aus, da wir eh ins Camp wollten um eine Nacht im Park zu übernachten. Die Camps im Etosha sind wie kleine Dörfer mit einer Rezeption für Hotel und Campingplatz, einem Restaurant, einem Pool, sanitären Einrichtungen und Kiosk.

Wir gingen also zur Rezeption um einen Stellplatz für abends auf dem Camp zu reservieren. Nichts zu machen, sie waren ausgebucht. War ja irgendwie klar, es war ja auch Wochenende. Und frei im Nationalpark zu stehen ist aufgrund der Tiere strengstens verboten! Also zahlten wir nur den Tageseintrittspreis und versuchten telefonisch eine Buchung für einen Camping außerhalb des Gates zu bekommen. Normalerweise fahren wir die Campingplätze ohne Reservierung an aber da wir bis abends im Park bleiben wollten, war uns das zu heiß. Wir befürchteten, dass bis dahin auch die Campingplätze vorm Park ausgebucht waren.

Wir erreichten telefonisch den Camping und die Dame am anderen Ende der Leitung bestätigte uns, dass sie uns einen Platz reservieren würde.

Nun konnten wir uns also endlich auf die Suche nach wilden Tieren machen. Wir sahen eine Menge Oryxantilopen und Kudus. Auch Zebras kreuzten unseren Weg und am ersten Wasserloch konnten wir Elefanten und Giraffen sehen. Da noch Trockenzeit ist, müssen sich alle Tiere hier am Wasserloch versammeln um etwas zu trinken und Abkühlung zu erhalten.

Auf der einen Seite war es sehr beeindruckend, auf der anderen Seite waren wir auch etwas enttäuscht. Wir haben vor einigen Tagen in der Wüste echte wilde Zebras, Strauße und Kudus gesehen. Kaum hatten diese uns erspäht waren sie geflüchtet, so dass wir meistens nur noch erahnen konnten, was dort gerade mit einer Staubwolke von Dannen düste.

Hier im eingezäunten Nationalpark kommen die Tiere bis an die Autos ran. Sie sind die Menschen und ihre Autos so sehr gewohnt, dass sie jegliche Scheu verloren haben. Mit echten wilden Tieren hat das ganze nicht mehr viel zu tun. Viel mehr fühlten man sich etwas wie in einem (wenn auch sehr großen) Zoo…

Wir gurkten noch etwas über die Wellblechpisten und verließen gegen Nachmittag den Nationalpark. Am Ausgangstor zeigten wir unseren bezahlten Schein und wurden gefragt,ob wir irgendwelches rohe Fleisch dabei hatten. Ja hatten wir, aber das verschwiegen wir natürlich. Im Norden von Namibia herrscht immer mal wieder die Maul- und Klauenseuche und somit darf kein rohes Fleisch von Norden nach Süden gebracht werden. Da wir unser Grillfleisch schon im Süden gekauft hatten, war es nicht gefährdet. Leider interessiert das hier niemanden und so muss man bei einer Kontrolle bei der Ausfahrt entweder das Fleisch wegwerfen oder vor Ort braten. Wir waren aber vorgewarnt und versteckten es. Der Kontrolleur fand dann aber doch noch rohe Eier, die er auch als gefährlich einstufte und somit durften wir zur Seite fahren und diese vor Ort abkochen. Aber es gibt schlimmeres. Mit 15 Minuten Verspätung, ein paar hartgekochten Eiern und mittlerweile warmem Fleisch verließen wir den Park wieder in Richtung Süden.

Als wir beim telefonisch vorbestellten Campingplatz ankamen, wusste niemand was von unserer Reservierung. Aber es waren trotzdem Gott sein Dank noch genügend Platz und wir durften einchecken.

Auf der Wiese erwartete uns das Warzenschwein des Hauses. Wir haben erst mal einen gehörigen Schrecken bekommen, als wir ausstiegen und plötzlich ein Warzenschwein neben uns graste aber schnell merkten wir, dass es harmlos war und so gingen wir zur Abendbeschäftigung über, schmissen den Grill an und ließen den Abend entspannt ausklingen.

Am nächsten Morgen fuhren wir nochmal in den Etosha und diesmal wollten wir die Piste nach Westen befahren. Leider war es hier noch karger und ausgetrockneter als im östlichen Teil des Parks und somit verirrte sich hier kaum ein Tier her. Auf einen Tipp hin fanden wir noch ein paar Löwen, die in einem ausgetrocknetem Flussbett unter einem Baum im Schatten lagen.

Uns reichte es nun aber mit Tieren suchen und wir fuhren wieder zurück zum letzten Camping und übernachteten dort ein zweites Mal. Am nächsten Morgen bekamen wir von unseren Nachbarn gesagt, dass heute Nacht drei Giraffen direkt neben unserem Auto standen und seelig die Blätter an den Bäumen um uns herum abnagten. Und wir haben geschlafen und nichts mitbekommen.

Nach der Verabschiedung machten wir uns erst einmal auf in die nächste Stadt 100 km südlich um unsere Vorräte im (viel zu teuren) Spar-Markt aufzufüllen und zu tanken. Von da aus ging es nach Westen. Wir wollten um den Etosha drum rum um dann nach Norden zu den Ruacana-Fällen an der angolanischen Grenze, von dort aus am Fluss entlang zu den Epupa-Fällen, wieder nach Süden über ein paar Himbasiedlungen im Kaokoveld und von dort aus über Opuwo und Seisfontein weiter nach Süden zu fahren.

Aber erst einmal hielten wir auf dem Weg nach Westen in Kamanjab an. Eigentlich gibt es hier nichts außer einem kostenlosen Campingplatz. Richtig gehört! Kostenlos (zumindest für uns)! Die Besitzer sind Belgier und waren früher auch als Overlander unterwegs und somit zahlen Overlander mit einem fremden Nummernschild keinen Cent!

Wir blieben auch hier zwei Nächte und entspannten bei Braai und am Pool. Auch Elisabeth ging das erste Mal baden. Bei 37 Grad war das die beste Abkühlung, die man finden konnte.

Das fanden wohl auch die zwei Strauße des Hauses. Ja richtig. Die einen hatten ein Warzenschwein als Haustier und hier liefen zwei Strauße rum, die uns einen Besuch am Pool abstatteten. Man, war das ein Schreck, wenn plötzlich so zwei Viehcher vor einem stehen. Man glaubt gar nicht wie groß so ein Strauß ist. Aber die Mitarbeiterin verscheuchte die zwei schnell und als sie später noch bei uns am Auto auftauchten um wohl ein Stück gegrilltes abzubekommen, wussten wir selbst, wie wir mit den zwei Chaoten umzugehen hatten. Ein beherztes In-die-Hände-Klatschen zusammen mit einem Schritt nach vorne und ein „Buh“ genügten, um die zwei zu vertreiben.

Beim Entspannen und Vorbereiten auf unsere weitere Route lasen wir im Reiseführer, dass die Ruacana Fälle sich in der Trockenzeit gar nicht lohnen würden, da das bisschen Wasser, was dort runter kommen würde für die Elektrizitätsgewinnung umgeleitet würde und auch für das angepeilte Himbadorf waren wir wohl zu spät:

„Die hier lebenden Himbas sind natürlich an Touristen gewöhnt, und so bleibt ein Besuch dieses kleinen Fleckens bestenfalls nur ein ethnologischer Vorgeschmack auf das „wahre“ Kaokoveld im Norden. (…) Wer allerdings Ursprünglichkeit sucht, ist auch hier bereits 30 Jahre zu spät! (…) Unweit des Campingplatzes existiert nun seit einiger Zeit das Purros Traditional Village. (…) Es besteht die Möglichkeit, kunsthandwerkliche Erzeugnisse zu kaufen (…)“ (aus Iwanowski’s Namibia)

Auf so ein Touri-Programm hatten wir keine Lust. Wir diskutierten die Alternative: Noch tiefer ins Kaokoveld reinfahren, um die „echten“ Himbas zu sehen. Aber das war uns zu gefährlich. Man ist dort so sehr ab vom Schuss, dass man bei einer Panne komplett verloren ist. Handyempfang gibt es dort keinen und man sollte für den Fall der Fälle ein Satellitentelefon dabei haben. Zu zweit hätten wir es vielleicht noch gewagt aber mit Baby wollten wir nichts riskieren. Und so entschieden wir schweren Herzens, dass wir dieses Stück Namibia auslassen und direkt nach Süden fahren würden.

Wir wollten zu einem Camping, am Fuße des Brandbergs, wo man mit viel Glück wilde Wüstenelefanten zu sehen bekommen kann.

Über schlechteste Pisten und Wege erreichten wir am Nachmittag den Platz und checkten ein. Das Camp ist direkt am Ugab-Fluss gelegen und wieder so weitläufig und in die Natur integriert, dass man selbst seine direkten Nachbarn kaum sieht.

Bei Sonnenuntergang machten wir einen Spaziergang zum ausgetrockneten Flussbett und entschieden uns spontan noch eine zweite Nacht zu bleiben und am nächsten Tag mit dem Auto etwas im Flussbett nach West und Ost zu fahren und die Elefanten zu suchen.

Am nächsten Morgen fuhren wir zur Rezeption um die zweite Nacht zu buchen. Auf dem Weg zum Flussbett fuhren wir noch an unserem anvisierten Stellplatz vorbei um ihn mit Stühlen und unserem Tisch zu reservieren. Es handelte sich um einen Platz direkt am Fluss und war ein anderer wie die Nacht zuvor.

Kurz vor dem Platz hielt Tim plötzlich an und deutete nach Vorne. Ich habe es erst gar nicht gesehen aber direkt über unseren Stellplatz lief eine riesige Horde Elefanten!!! Wir waren noch nicht mal im Flussbett und schon sahen wir sie! Es war so faszinierend! Wie auch bei den wilden Tieren davor ist es einfach ein anderes Gefühl, ob man die Tiere wie hier wieder in freier Wildbahn oder in einem umzäunten Nationalpark sieht. Voller Ehrfurcht beobachteten wir die riesigen Tiere und warteten bis sie vorbeigezogen waren. Aussteigen wollte und sollte jetzt eh niemand!

Eigentlich mussten wir jetzt gar nicht mehr ins Flussbett fahren, wir hatten ja gesehen, was wir wollten. Aber die Neugier war groß und somit ließen wir die Luft aus den Reifen um in dem versandeten Fluss besser voran zu kommen und los ging’s.

Wir fuhren erst 10 Kilometer in die entgegen gesetzte Richtung in die die Riesen gewandert sind. Wir hofften vielleicht noch eine andere Gruppe zu treffen. Leider war das nicht der Fall und so kehrten wir um und fuhren nach Westen den Dickhäutern hinterher. Nach einigen Kilometern wurde das bis dahin sehr breite Flussbett immer enger und kurz bevor es so steil war, dass wir mit unserem Auto nicht mehr weiter fahren konnten, entdeckten wir die Herde zwei Stunden nachdem sie bei uns durchgetrabt sind wieder.

Es war ein gigantischer Anblick, den wir vermutlich nie wieder im Leben vergessen werden!

Zufrieden fuhren wir zurück zu unserem Platz um noch ein bisschen zu chillen und diesen Bericht zu schreiben. Und während ich diesen Bericht schrieb hörte ich hinter mir leises Knattern (hörte sich an wie ein Motorrad, das gestartet wird) und als ich mich umdrehte sah ich drei Elefanten durch die Büsche laufen. Mal schauen, wie viele heute noch folgen werden…

 

2 Antworten auf „Etosha – Brandberg“

Hallo ihr Lieben. Eure Etosha Nachbarn hier. 🙂 wir sind schon wieder daheim.Habt eine tolle Reise und geniesst es.lg

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