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Warten

Montag morgen und das Schiff lag immer noch unverändert vor Anker an der selben Stelle in der Bucht. Es war wohl da, immer noch nicht im Hafen sondern davor.

Wir entschlossen uns, den Agenten, von dem wir nur eine Adresse hatten einen Besuch abzustatten und zu fragen, ob er uns sagen könne, wann wir unser Auto bekommen würden. Wir hofften das Tracking war nicht so 100% korrekt und das Schiff würde schon entladen werden.

Nach einer halben Stunde Spaziergang erreichten wir das Büro des Agenten und wurden direkt von seiner Mitarbeiterin reingebeten. Peter begrüßte uns mit einem „Moin moin“ und wusste gleich wer wir sind. Der Hamburger erklärte uns, dass das Schiff wohl planmäßig angekommen war, aber momentan seien alle Plätze im Hafen belegt und es müsse warten bis es anlegen darf. Am nächsten Tag sollte es soweit sein und am Mittwoch bekommen wir dann unser Auto. Er bot uns sogar an, dass er uns mitnimmt zum Hafen und wir dabei sein können, wenn es durch den Zoll geht und wir es dann direkt übernehmen könnten.

Wir tauschten noch Nummern aus und Peter wollte sich gleich am Dienstag melden, sobald er mehr weiß.

Also hatten wir noch zwei Nächte mehr in diesem verlassenen Kaff! Hier ist es wirklich so was von tot. Man kann (ohne Auto) nichts machen. Allerdings war Montag und die Geschäfte hatten wieder alle geöffnet. Auf dem Heimweg machten wir einen Abstecher in einem Offroad-Laden. Hier kann man über Outdoor- und Camping-Equipment wie Töpfe und Gaskocher bis hin zu einer neuen Stoßstange alles kaufen, was das 4×4-Herz begehrt.

Im Übrigen sieht man hier an jeder Ecke hochgezüchtete und gepimpte 4×4 soweit das Auge reicht. Überwiegend Hilux und Landcruiser zieren das Straßenbild. Für unser Auge ist das eine wahre Wonne. Und einen TÜV scheint es hier auch nicht zu geben. Was bei uns der Golf ist hier ein 4×4. Und ein paar Corollas gibt es auch noch.

Als wir wieder in unserem B&B ankamen, begrüßte uns Christina schon und fragte uns, wo unser Auto sei. Nachdem wir ihr die Story erzählt haben überschüttete sie uns mit Mitleid. Sie wisse ja wie sehr wir nun los fahren wollten und jetzt noch mal zwei Tage… Und das Geld… Wir zahlten bisher 80 € die Nacht. Sie kam uns entgegen und nun mussten wir nur noch 65 € die Nacht bezahlen. Und außerdem wisse sie, dass hier ja nichts los sei, also wollte sie uns am Dienstag nach Swakopmund fahren, damit wir mal was anderes sehen. Dankend nahmen wir das Angebot an.

Als Dankeschön, luden wir sie für den Abend zum Essen ein. Ganz in der Nähe ist ein Restaurant, das auf einem Pier mitten im Meer steht. Wir haben nun schon von mehreren Gästen gehört, dass es da ganz toll sein soll und wollten dort hin. Wir verabredeten uns für 18 Uhr und pünktlich fuhren wir los. Das Essen war ganz toll und auch wenn hier fast alles deutsches Preisniveau hat, Essengehen ist relativ günstig. Wir hatten einen wunderschönen Abend mit vielen interessanten Eindrücken aus Christinas Leben und dem ihrer Familien.

Am nächsten morgen wurden wir zum Frühstück begrüßt und Christina erklärte uns, sie habe gestern Abend noch zwei Buchungen rein bekommen und sie müsse hier sein und könne uns nicht nach Swakopmund fahren. Aber sie habe ihre Tante Rachel organisiert. Sie kenne sich dort sowieso besser aus als sie und sie wird uns ein bisschen rum fahren und uns alles zeigen. Um halb 10 sei sie da…

Wir waren noch nicht mit unserem Frühstück fertig da kam sie schon reingeschneit. Pünktlich wie die Maurer. Wir müssen unsere Aussage vom letzten Mal revidieren. Die Afrikaner können auch deutsche Pünktlichkeit.

Wir fuhren ca. 30 Minuten bis nach Swkopmund. Die Straße teilt die Wüste vom Ozean an der Bucht entlang: Auf der rechten Seite türmen sich die sandigen Dünen auf, auf der linken Seite schlägt der Atlantik seine Wellen. Aus der Ferne konnten wir mehrere Schiffe liegen sehen. Und beim Näherkommen sahen wir, dass eins davon tatsächlich unseres war. Da lag das Schiff mit unserem Auto fast direkt vor unseren Füßen im Meer und wir konnten einfach nichts tun. So nah und doch so fern!

In Swakopmund angekommen fuhr uns Rachel erst mit dem Auto etwas durch die Stadt und zeigte uns viele alte Gebäude und fütterte uns mit Informationen zur überwiegend deutschen Geschichte. Später ließ sie uns raus und wir machten einen Treffpunkt für 13 Uhr aus.

Die Innenstadt Swakopmund ist nicht groß und man hat sich schnell einen Überblick verschafft. Im Gegensatz zu Walvis Bay ist hier wirklich alles deutsch. Jeder spricht deutsch, überall stehen Informationen zuerst in deutsch angeschrieben und es gibt sogar eine Adler Apotheke in der Kaiser-Wilhelm-Straße.

Natürlich mussten wir auch das hiesige Brauhaus besuchen, in dem wir mit einem „Mahlzeit“ begrüßt wurden. Wir waren wirklich in Deutschland – mitten in Afrika!

Nach einem Bier und einem Eistee gingen wir zurück zu unserem vereinbarten Treffpunkt. Rachel wartete schon auf uns und wir fuhren wieder in Richtung Walvis Bay.

Noch in Swakopmund rief uns Peter (der Agent) an. Er hatte schlechte Neuigkeiten: Das Schiff könne noch nicht in den Hafen, es sei von der selben Reederei noch ein wichtigeres Schiff gekommen und das habe Priorität. Unseres müsse noch weiter warten. Aber am Freitag müsste es dann entladen sein…

Freitag???!!! Noch zwei Tage länger! Wir sitzen hier fest ohne Auto!

Ganz geknickt erzählten wir Christina bei der Rückkehr, was passiert war. Sie war wieder unglaublich mitfühlend und buchte uns noch zwei weitere Tage ein – wieder zum ermäßigten Preis. Und sie versprach uns, dass das das letzte Mal ist, dass wir was bezahlen. Sollte es nochmal länger dauern, müssen wir nichts mehr bezahlen! Außerdem könnten wir ihr Auto benutzen. Sie könne es ja nicht mit ansehen, wenn wir uns hier so langweilen würden. Auch das Angebot nahmen wir dankend an und somit werden wir wahrscheinlich morgen nochmal nach Swakopmund fahren ein paar Dinge erledigen.

Ansonsten heißt es weiter warten. Warten auf ein Schiff, das eigentlich schon längst da ist.

 

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