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Schottland Teil I

Pünktlich auf die Minute legte die Fähre um 22 Uhr in Cairnryan an und bereits um 22:05h fuhren wir vom Schiff.

Schon vorher habe ich im Internet gelesen, dass man am Fähranlegen kostenlos für eine Nacht stehen kann und somit nutzten wir diese Chance und gingen gleich nach der Ankunft in Schottland schlafen.

Für den nächsten Tag hatten wir geplant, bis nach Inverness durchzufahren – das Tor zu den Highlands und der Beginn der neuen Herausforderung: die North Coast 500! 500 Meilen geht es von Inverness aus im Uhrzeigersinn über die Westküste bis in den Norden, an den nördlichsten Punkt vom schottischen Festland, bis es dann an der Ostküste wieder zurück nach Inverness geht. Wir wollten nur noch die Isle of Skye in unsere Rundtour einbauen, die auch sehr schön sein soll.

Aber erst einmal buchten wir uns zwei Tage auf einem wunderschönen, niegelnagelneuen Campingplatz ein. Jetzt mussten wir auch echt so langsam anfangen zu rechnen. Der Platz erschien mit seinem 26 Pfund erstmal auf einem preislich ähnlichen Niveau wie die in Irland aber man muss nochmal ein Viertel drauf rechnen. Somit waren wir bei etwas über 32 € für eine Nacht! Aber es hat sich gelohnt! Dort gibt es sogar extra ein Bad für Babys mit Wickelmöglichkeit und Badewanne!

Wir reinigten uns mal gründlich und auch die Waschmaschine lief schon wieder. Mit Baby produziert man einfach so viel Wäsche, dass man andauernd waschen könnte. Zuhause fällt einem das vielleicht gar nicht so auf aber wenn man nicht immer waschen kann wann man will…

Nach zwei Tagen auf dem tollen High-End-Platz machten wir uns auf in Richtung der Isle of Skye. Schon auf dem Hinweg merkten wir, dass das keine gute Nacht geben sollte und auch der Wetterbericht verhieß nichts gutes: wieder einmal Wind in Orkanstärke (na ja, nicht echt aber zumindest gefühlt). Schon ohne ausgefahrenes Dach wiegte unser Auto im Wind hin und her und auf der Brücke zur Isle of Skye wurden wir fast herunter geweht. Und zu allem Überfluss fing es nun auch an zu regnen und das waagerecht.

Gegen Abend ging es nun auf die Suche nach einem geeigneten Übernachtungsplatz. Nachdem wir vergeblich sämtliche Feldwege in der Umgebung abgeklappert hatten, um einen Platz zu finden, der von der Straße nicht einsehbar war, windgeschützt und nicht voll im Regen, wurden wir nach langem Suchen zum Glück fündig. Von der Hauptstraße fuhren wir ab und fanden versteckt einen Schotterplatz, umrahmt von hohen Bäumen und Gebüschen, auf dem verrottete LKWs und vergammelte Container standen. Irgendwie sah es etwas aus wie auf einem LKW-Friedhof. Nur zwei neue LKWs standen dazwischen. Es war eine ganz komische Szenerie und eigentlich wollten wir hier nicht bleiben. Aber durch den Schutz der LKWs und Bäume, war es nur hier so windstill, dass uns keine andere Wahl blieb.

Aber nicht nur wir profitierten von dem windstillen Ort sondern auch meine Freunde die Midges. Da Midges eigentlich kein Wind mögen, und Regen sowieso nicht, hatten wir bis jetzt immer das „Glück“ ENTWEDER Midges ODER Wind und Regen. Aber nun hatten wir tatsächlich alles!!! Der Wind, der unserem Auto nichts antat aber fast die Bäume über uns zusammen brechen ließ, der Regen, von dem wir trotz der Bäume nicht ganz verschont blieben und zu guter Letzt die Midges, die sich wie wir diesen Ort als Rückzugsort ausgesucht hatten und die sich nun über unsere (oder besser meine) Ankunft freuten. Für sie war es ein Festmahl!!!

Wir bauten also so schnell wie möglich unser Auto auf und machten alle Schotten dicht. Midges sind keine 2 mm groß und so passen sie sogar durch die Fliegengitter in unseren Fenstern. Und während ich unser Kind stillte versuchte Tim alle Midges, die sich doch mit reingemogelt hatten, zu töten.

Als wir morgens aufwachten, traf uns beinahe der Schlag. Der ganze Zeltstoff von unserem Alutop war von außen schwarz gesprenkelt. Mindestens eine Millionen von diesen Drecks-Viechern klebte tot oder lebendig an unserem Alutop und da mussten wir wieder durch um nach vorne in unser Auto zu gelangen.

Ich machte drinnen alles soweit fertig, während Tim sich nach draußen wagte um dort alles vorzubereiten. Im fliegenden Wechsel ging es weiter, ich setzte mich mit Elisabeth ins Auto, während Tim die letzten Handgriffe tat und das Dach schloss. So schnell wie an diesem Morgen waren wir noch nie abfahrtbereit. Trotz aller Sorgfalt konnten wir es nicht vermeiden, dass uns Midges ins Auto folgten. Nur durch das Öffnen der Türen waren sie schon wieder überall. Also erst einmal wieder Mücken töten. Nachdem dann Elisabeth kurz darauf noch ihren kompletten Mageninhalt über mir verteilt hatte, brach alles über mir zusammen und ich erst einmal in Tränen aus. Nun war wirklich der Tiefpunkt der bisherigen Reise erreicht. Ich wollte und konnte nicht mehr und Tim ließ mich entscheiden, ob wir weiter machen oder zurück fahren wollten. Aber irgendwie wollte ich mich nicht geschlagen geben – noch nicht!

Wir fuhren wieder in Richtung North Coast 500 und ließen die Isle of Skye hinter uns, aber nicht ohne uns im ersten Spar einen Kaffee aus einem Automaten zu gönnen. Der musste nämlich aufgrund der morgendlichen Hektik ausfallen.

Nun ging es die Westküste entlang, Passagen am Meer wechselten sich mit Passagen in den Highlands ab. Landschaftlich wunderschön und genau so wie wir es uns vorgestellt hatten. Und auch die Straßen wurden immer mehr nach unserem Geschmack. Die meiste Zeit ging es wieder über Single Tracks, diesmal – im Gegenzug zu Irland – aber für Anfänger. Alle paar Meter ist eine Ausweichstelle zu finden immer markiert von einem Schild „passing place“. Leider ist durch diese Schilder, die teilweise wirklich im Abstand von wenigen hundert Metern stehen, die Landschaft etwas verschandelt, aber wahrscheinlich war es den Schotten zu gefährlich, die tausend Touristen in ihren Mietkisten im Linksverkehr einfach so auf die Straßen loszulassen.

Die zweite Nacht verbrachten wir mitten in den Highlands an einem etwas abseits gelegen Parkplatz mit Blick auf die Berge und auf einen See. Aber leider war auch hier alles voll mit Midges und so konnten wir uns wieder nur in unsere Karre zurück ziehen. Es zerrte weiter an unseren Nerven. Irland war wunderschön und auch Schottland bisher. Aber unser Auto ist ein Schönwetter-Auto. Natürlich kann man sich auch mal hinten rein setzen und so einen oder auch zwei oder drei Abende verbringen. Das kann sogar mal ganz gemütlich sein, wenn draußen der Regen gegen den Zeltstoff prasselt und man es drinnen schön warm (der Standheizung sei Dank) hat. Aber wir haben nunmal kein Wohnmobil und dementsprechend ist das Platzangebot beschränkt. Und so langsam machte sich der Koller breit. Immer waren wir auf der Flucht vor Mücken, dem erbarmungslosen Wind oder Regen. Und von den Temperaturen wollen wir mal gar nicht sprechen, die befanden sich schon seit Tagen jenseits der 15 Grad Grenze (nach unten, nicht nach oben!). Es machte einfach keinen Spaß mehr. Wir wurden immer unzufriedener und entschieden die ganze Sache hier so schnell wie möglich hinter uns zu bringen. Wir wollten nur noch in den Süden.

Am dritten Tag auf der North Coast 500 ging es aber noch einmal ganz in den Norden. John O’Groats wartete auf uns. Der nördlichste Punkt auf dem schottischen Festland welcher mit einem „Welt-Wegweiser“ markiert ist, auf dem verschiedene Orte mit der dazugehörigen Entfernung stehen. Und auch wir hatten unseren nördlichsten Punkt der Reise erreicht. Ab jetzt ging es nur noch nach Süden, also so langsam heimwärts. Ab John O’Groats ist die Straße sehr gut ausgebaut – bei uns würde man es eine einfach Überlandstraße nennen, aber 100 km/h waren schon drin – so dass wir eigentlich noch am selben Tag bis Inverness zurück fahren wollten. Aber leider hatten da ein paar Autofahrer was dagegen. Die trafen sich nämlich frontal in einer Kurve und somit standen wir 1,5 Stunden im Stau bis die Feuerwehr und Ambulanzen die Überreste von der Straße gekratzt hatten.

Wir entschieden uns, nicht weiter zu fahren und übernachteten auf einem naheliegenden Hafenparkplatz. Am nächsten Tag wollten wir ausgeruht die letzte Etappe in Angriff 

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