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Schottland Teil II

Die letzte Etappe der North Coast 500 führte uns zurück nach Inverness. Nach den vergangenen anstrengenden Tagen wollten wir es uns noch einmal gut gehen lassen und fuhren wieder auf den High-End-Campingplatz. Wir wurden schon wie alte Bekannte begrüßt und buchten uns noch einmal für 2 Nächte ein. Wir wollten einfach mal wieder etwas die Seele baumeln lassen und das gute Wetter, das ab dem nächsten Tag kommen sollte, genießen. Und das ganze ohne Midges. Die standen laut Midges-Vorhersage (gibt es wirklich, wie das Wetter wird auch die Wahrscheinlichkeit, dass diese kleinen Plagegeister auftreten vorhergesagt) nämlich nicht auf dem Plan. Und wer sich immer noch nichts unter diesen Viehchern vorstellen kann, sollte einfach mal „midges scotland“ bei youtube eingeben.

Aber zurück zum Thema: Wir genossen am nächsten Tag das sonnige Wetter und unser Thermometer knackte tatsächlich mal wieder die 20 Grad Marke. Das hatten wir schon lange nicht mehr. Unsere Laune stieg parallel zu der Temperatur und wir waren frohen Mutes und planten unseren weiteren Aufenthalt in Schottland und England. Am nächsten Tag sollte es noch einmal eine längere Fahrt nach Edinburgh geben. Dort wollten wir uns die Stadt anschauen und dann weiter nach Westen über Stirling (Wallace Monument), das Falkirk Wheel, zum Loch Lomond und dann ganz langsam Richtung Süden.

Nach zwei Nächten brachen wir bei schönstem Wetter auf und fuhren auf die Autobahn nach Edinburgh. Es sollte unsere letzte „Marathonetappe“ werden und gegen Nachmittag kamen wir dann auch an. Auf den ersten Blick war Edinburgh genau so, wie wir es uns vorgestellt haben. Alle Gebäude aus Sandstein und in der Mitte der Stadt thront auf einem Hügel das Edinburgh-Castle. Aber das wollten wir uns alles am nächsten Tag ausgeruht anschauen. Also fuhren wir zur Forth Bridge um uns hier für die Nacht hinzustellen. Laut meiner Stellplatz-App könnte man hier kostenlos stehen und habe noch einen genialen Ausblick auf die Brücke.

Die App hat uns bisher noch nie im Stich gelassen aber diesmal kamen wir dort an und fanden Schilder „No Overnight Parking“ und „No Camping“. Mist, und was jetzt??? Es war mittlerweile nach 20 Uhr und einen richtigen Campingplatz wollten wir nicht anfahren. Wir waren zu geizig, nur zum Schlafen wieder 25 Pfund zu zahlen zumal es mittlerweile auch angefangen hatte zu regnen und wir uns nicht einmal mehr draußen aufhalten sondern uns eh wieder nur hinten rein verziehen konnten. Also setzten wir unsere ganze Hoffnung in einen weiteren Stellplatz 30 Kilometer entfernt. Auf dem Weg dort hin regnete es immer heftiger und nun war kurz vor dem Ziel auch noch die Straße gesperrt. Ich versuchte über google maps eine Umleitung zu finden, während unsere Tochter aufwachte und erst einmal höllisch anfing zu schreien. Wenn sie aufwacht und hat Hunger dann SOFORT. Wir fuhren noch ein Stück und ich versuchte sie dabei zu vertrösten. Schnell merkten wir aber, dass es keinen Sinn machte. Sie lies sich nicht vertrösten und das Fahren unter Dauerbeschallung ging auch Tim an die Nerven. Also entschieden wir uns, auch wenn wir schon fast da waren, noch einmal in einem Wohngebiet anzuhalten. Gerade als wir sie aus ihrem Sitz holen wollten, machte sie eine gewaltige Ladung in ihre Windel und es quoll aus allen Ritzen raus. Da war es mal wieder: Murphy’s Law…

Tim machte die Ladefläche leer und ich wickelten unsere Tochter im strömenden Regen nur geschützt durch die Hecktür. Nachdem alle verkackten Klamotten aus waren und Elisabeth schon sauber war, kam eine Anwohnerin aus ihrem Haus, ob sie uns irgendetwas bringen könnte… Etwas warmes Wasser vielleicht…?! Wir lehnten dankend ab, da wir ja nun nur noch wieder frische Klamotten anziehen mussten, freuten uns aber über die Hilfsbereitschaft der Briten. Schon so oft waren wir positiv überrascht. Egal wo wir mit Baby hinkamen wurden wir freundlich empfangen und alles getan, dass es uns und unserer Tochter gut ginge. Überhaupt wirkt Irland und Großbritannien auf uns sehr kinderfreundlich. Überall gibt es Wickelmöglichkeiten und oft haben Campingplätze sogar ein eigenes Bad für Babys oder zumindest eine Bademöglichkeit.

Nach unserem kleinen Intermezzo stillte ich Elisabeth noch, Tim räumte in der Zwischenzeit das Auto – immer noch im strömenden Regen – wieder ein, und dann fuhren wir auf den Ausweich-Stellplatz und verbrachten dort eine unruhige Nacht, da sich direkt neben unserem Auto eine Bushaltestelle befand, die die ganze Nacht regelmäßig angefahren wurde.

Am nächsten Morgen ging es nach Edinburgh und wir wollten auf einem der zahlreichen Parkplätze parken. Dafür, dass es sich um eine Großstadt handelt, waren die Parkmöglichkeiten sehr gut. Als wir aber am Parkautomat bezahlen wollten, verschlug es uns fast die Sprache: 4 Pfund, also 5 € für eine Stunde parken. Das war es uns nicht wert! Für das Geld konnten wir noch ein paar Runden mit dem Auto durch die Stadt drehen, was wir auch taten. An ein paar Sehenswürdigkeiten wie dem Edinburgh Castle parkten wir verbotenerweise kurz ohne ein Ticket zu lösen, stiegen kurz aus, machten ein paar Fotos und fuhren weiter. Edinburgh hat uns sehr gut gefallen, aber das ist doch eher eine Stadt, in die man für ein verlängertes Wochenende mit dem Flugzeug kommt.

Wir wollten weiter zu unserer nächsten Station: dem Falkirk Wheel. Da aber Freitag war, entschieden wir uns, dass wir erst den Campingplatz, den ich vorher rausgesucht hatte, anfuhren, um dort zu reservieren und dann erst weiter zu fahren. Wenn wir eins gelernt hatten, dann dass die Campingplätze am Wochenende immer voll werden.

Wir wurden äußerst herzlich von der Chefin begrüßt und ganz besonders Elisabeth hatte es ihr angetan. Sie war hin und weg. Wir entschieden uns zwei Tage zu bleiben um am nächsten Tag von dort aus zum Wallace Monument zu laufen und den Rest des Tages in Stirling zu verbringen. Aber erst einmal ging es an diesem Nachmittag noch zum Falkirk Wheel, ein Schiffshebewerk, dass zwei Kanäle zwischen Edinburgh und Glasgow verbindet. Aufgrund seiner Bauart sieht es aus wie ein Riesenrad.

Wir zahlten die umgerechnet 30 € um mitzufahren. 50 Minuten lang sitzt man in einem Boot, wird einmal nach oben befördert, dann fährt man durch einen Tunnel bis zu einer nächsten Schleuse, dreht um, fährt wieder durch den Tunnel zurück und nach unten. Auch wenn es nicht ganz billig ist, sollte man es auf jeden Fall einmal gemacht haben.

Auf dem Rückweg zum Campingplatz fing es mal wieder an zu regnen. So wie die Laune mit dem Sonnenschein steigt, so sank sie mehr und mehr mit jedem Tropfen Regen. Und auch der Blick auf den Wetterbericht verhieß nichts Gutes: für den morgigen Tag war eine Regenwahrscheinlichkeit von 92% angesagt. Wir wollten nicht mehr… Wir konnten einfach keinen Regen mehr sehen. Und den Tag bei Regen auf dem Campingplatz zu hocken war ein verschwendeter Tag. Wir gingen also zur Rezeption, erklärten der Chefin unsere Lage und fragten schweren Herzens, ob wir unser Geld für die zweite Nacht wieder bekämen. Sie zögerte keine Sekunde und gab uns das Geld zurück. Wir bedauerten es wirklich sehr, zumal es ein wunderschöner Campingplatz ist. Aber wir wollten so schnell wie möglich weiter in den Süden. Der Wetterbericht für London sagte für die ganze nächste Woche um die 25 Grad und kaum Regen.

Am nächsten Morgen weckte uns unsere Tochter um 5 Uhr. Während ich versuchte, sie und mich dazu zu bringen weiter zu schlafen, konnte Tim nicht mehr einschlafen und entschied sich das momentan noch trockene Wetter zu nutzen um alleine aufs Wallace Monument hochzustiefeln. Gegen 8 Uhr war er zurück pünktlich zu den ersten Regentropfen und wir beluden mal wieder bei Regen das Auto und fuhren in Richtung Süden. Wieder eine viel zu lange Etappe stand uns bevor. Eigentlich wollten wir nie mehr als 2 x 2,5 Stunden fahren, gerade unserer Tochter zu liebe aber was sollten wir tun?! Uns bereits am Nachmittag bei Regen hinten in die Karre reinsetzen und warten bis wir ins Bett gehen konnten war auch keine Option. Also entschieden wir uns das schlechte Wetter zu nutzen um zu fahren. Mit einer Bedingung: So viel wie möglich Pausen und um 17h suchen wir uns einen Platz! Wir hatten keine Lust auf einen Abend wie den vorgestrigen, wo wir um 21h immer noch keinen Schlafplatz hatten.

Gott sei Dank waren wir jetzt auf einer gut ausgebauten Autobahn und so ging es immer noch im strömenden Regen nach Liverpool. Unsere allwissende App wiese uns einen Stellplatz in einem Vorort. Nachdem wir gecheckt hatten, dass wir da auf jedenfall übernachten könnten, entschieden wir uns noch für einen Besuch der City, zumal mittlerweile sogar die Sonne rauskam. Geplant war eine Aktion wie in Edinburgh – rein, umschauen, raus. Wir fuhren an der Waterfront vorbei und es gefiel uns so gut, dass wir spontan entschieden unser Auto zu parken um uns das ganze mal genauer und zu Fuß anzuschauen. Auch in Liverpool ist es nicht schwer einen Parkplatz zu finden. Der Preis ist da wieder ein anderes Thema. 3 Pfund für eine Stunde, 5,50 Pfund für zwei. Aber das war uns diesmal egal…

Es war Samstag Abend und jede Menge Junggesellen- und Junggesellinnenabschiede waren unterwegs, außerdem viele Schickimicki-Hipster. Das konnten wir schon beim Vorbeifahren feststellen. Und wir kamen hier in unseren regenfesten Outdoorklamotten an… Wir fühlten uns so sehr underdressed, dass wir uns am Parkplatz erst einmal noch umzogen, bevor wir uns ins Getümmel stürzten. Neben jeder Menge teuren Restaurants war auch gerade ein Rummel zu Gange. Wir schlenderten über den Jahrmarkt und genossen die Abendsonne. Und auch hier wurden wir gefühlt von jedem zweiten für unsere ach so gorgeous Tochter beglückwünscht. Da Tim unbedingt in England Fish & Chips essen wollte und wir ja jetzt auch in England und nicht mehr in Schottland waren machten wir uns auf die Suche nach einem Restaurant. Fish & Chips zu finden war nicht schwer, aber die Preise waren mit umgerechnet 15 € für eine Portion unglaublich teuer. Hier zahlte man wohl das chice Ambiente mit. Zu guter Letzt fanden wir doch noch einen Laden, der Fish & Chips zu einem annehmbaren Preis (ca. 10 €) anbot. Es war wirklich nur ein kleiner Imbiss aber gut besucht und so schlugen wir zu. Glücklich über den erfolgreichen Abend und satt machten wir uns auf den Weg zum Auto und fuhren zurück zu unserem anvisierten Stellplatz. Der Platz befand sich direkt am Meer und damit war es mal wieder eine stürmische und unruhige Nacht.

 

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