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  • Albanien 8

    Neue Runde, neues Glück

    Wir fuhren auf die Hauptstraße, die uns Richtung Shkodra bringen würde und von da auf die Piste nach Theth, das Mitten in den Albanische Alpen liegt.

    In Shkodra kauften wir noch ein paar Kleinigkeiten ein, machten noch einen winzigen Abstecher an ein Wahrzeichen der Stadt, der Ura e Mesit, einer uralten Brücke, die einen türkisblauen Gebirgsbach überspannt, der dann in die Stadt führt. Wenn er die Stadt wieder verlässt ist er dann leider nicht mehr so türkisfarben… Aber das nur am Rande.

    Die Brücke, ähnlich wie auch die Stari Most in Mostar, Bosnien und Herzegowina ist ein uraltes Relikt aus dem Mittelalter, heute Touristenmagnet und an heißen Tagen, wie heute, ein beliebter Badeort.

    Nach ein paar Bildern stiegen wir wieder ein, die Hitze an diesem Tag war unmenschlich. Mit voll aufgedrehter Klimaanlage fuhren wir einen schmalen geteerten Weg in die Berge, der sich aber bald in eine Schotterpiste verwandelte.

    Diese führte in langen Serpentinen die Hänge der Berge hinauf, erst gemächlich, dann immer steiler. Die Höhenanzeige überschlug sich wieder, nach drei Stunden harte Off-Road-Fahrt waren wir schon bei 1200 Metern und der Tag neigte sich stark dem Nachmittag zu.

    Wir begannen einen Stellplatz zu suchen, den wir eine Stunde später dann auch fanden. Neben der Piste war eine Grasfläche, Zentimeter kurze Halme, alle auf einer Höhe. Es sah aus wie ein Golfplatz, war aber nur von örtlichen Kuh- und Schafherden derart getrimmt worden.

    Perfekte Bedingungen für eine gute Nacht!

    Die Nacht war wirklich angenehm, in den Bergen fällt die Temperatur nachts beachtlich gegenüber der 34 Grad am Tag und man kann gut schlafen.

    Am Morgen frühstückten wir im Schatten, denn sobald die Sonne über die Gipfel stieg, war es nicht auszuhalten.

    Nach dem Packen begaben wir uns zurück auf die Piste nach Theth, das noch ungefähr 20 Kilometer entfernt lag, also knapp zwei Stunden.

    Die Stadt, oder besser das Dorf Theth ist ein zusammengewürfelter Haufen Häuser, mit einen kleinen Tante-Emma-Laden und etlichen Gästehäusern.

    Aber es ist Ausgangspunkt für alle Wander- und Off-Road-Touren in die albanischen Alpen und somit überfüllt von Touristen. Es vergeht keine halbe Stunde, in der nicht ein weiterer aufgebockter Mercedes-Sprinter weitere Touristen auf dem Dorfplatz ausspuckt, alle bewaffnet mit Bergsteigerschuhen und Wanderstöcken, auf den Köpfen Synthetik-Sonnenhüte und stylische Rennrad-Sonnenbrillen auf der Nase.

    Man kam sich ein bisschen vor wie im Basislager des Mount Everest, bloß dass die Leute nicht ganz so dick angezogen waren. Nicht, dass ich schon mal im Basislager des Mount Everest gewesen wäre, aber man kennt es ja aus Bildern etlicher Dokumentationen.

    Wie dem auch sei, das ganze wurde aufgelockert, durch unzählige Motorradfahrer, die mit ihren schweren BMW- oder KTM-Geländemaschinen aus dem gleichen Grund angereist waren wie wir.

    Und aus diesem Grund grüßte man sich auch jedes Mal freundlich, wann immer man sich auf einer Piste traf.

    Die Kür waren aber die Geländewagen aus aller Herren Ländern, die die gleiche Strecke gefahren waren wie wir und die jetzt über Nacht einen Platz zum Schlafen in diesem Nest suchten.

    Wir entschieden uns für einen Platz, von Ioverlander, der ein wenig Abseits der Hauptpiste in einem Tal lag, direkt an einem Gebirgsbach. Doch als wir an dem Platz ankamen, war dieser schon belegt. Ein australischer Land Cruiser stand dort.

    Und den Besitzern blieb vor lauter Überraschung der Mund offen stehen, genau wie uns.

    Wir umarmten Stacey und Jason und schnell wurde eine Zusammenfassung der Tage ausgetauscht, seit dem wir uns im Süden getrennt hatten.

    Die Beiden waren aber gerade am Packen, sie wollten an diesem Tag noch die Grenze nach Montenegro überqueren und somit war es schon wieder Zeit für Abschied.

    Wir hingegen fuhren noch zu einen weiteren Wahrzeichen der Region, dem Syiri I Kalter, dem blauen Auge von Theth.

    Auch eine Quelle die ihr türkisblaues Wasser in einen Gebirgsbach ergießt und dessen Temperatur wieder kurz über dem Gefrierpunkt liegt.

    Aber ein Gewitter machte uns einen Strich durch die Rechnung und wir kehrten um. Bei diesem Syiri I Kalter musste man nämlich noch ungefähr eine Stunde laufen, um an die Quelle zu gelangen, die tief in den felsigen Gebirgsschluchten der albanischen Alpen entspringt.

    Die Nacht verbrachten wir dann alleine auf dem Platz am Fluss und machten uns am nächsten Morgen wieder auf in Richtung Tal. Dieses Mal über die Hauptstraße… Hört sich mehr an als es ist, denn die „Hauptstraße“ besteht zur Hälfte aus Schotterpiste und zur Anderen aus einer geteerten Serpentinenstraße, die aber gerade Mal so breit ist, dass man knapp an einem anderen Auto vorbeikommen kann.

    Dafür ist es eine einmalig schöne Route, die über einen Pass führt, der sich 1670 Meter hoch erstreckt und wunderschöne Ausblicke auf die umliegenden schneebedeckten Gipfel ermöglicht.

    Wir erreichten den Punkt, an dem wir vor genau sechs Wochen wegen Schnee und Nebel umgekehrt waren und machten ein Bild, genau wie beim letzten Mal. Der Unterschied war aber, dass es strahlender Sonnenschein und blühende Wiesen hatte und ein geringfügiger Temperaturunterschied von 30 Grad Celsius herrschte!

    Irgendwie verrückt.

    Wir erreichten das Tal und bogen ab auf die SH20, die uns nach Vermosh führen sollte. Das Tal im Nordosten Albaniens soll in einer der schönsten Landschaften des Landes liegen… Und so ist es!

    Umringt von gigantischen Canyons, Schluchten und steil aufragenden Felsklippen führt die Straße, immer wieder mit scharfen Kurven, die einen nur knapp am Abgrund vorbeiführen, auf der anderen Seite ragen senkrecht die Felsen auf. Wirklich einmalig und unglaublich beeindruckend. Wir übernachteten wild am Straßenrand, denn auf den einzigen Camping in der Region, den wir passierten wollten wir nicht gehen.

    Fast jedes vorbeifahrende Auto hupte uns, jeder Motorradfahrer zeigte uns den hochgereckten Daumen und selbst ein Polizeiauto fuhr vorbei und die Beamten winkten uns zu. Albanien ist wirklich das Land der Freiheit! Hier stört wirklich Niemanden Irgendetwas!

    Der erste Campingplatz seit drei Wochen

    Zurück in Shkodra, noch immer die Bilder der atemberaubenden Landschaft vor Augen, fuhren wir zum Lake Shkodra Camping. Wir wollten uns einfach mal wieder eine ECHTE Dusche gönnen, mal wieder Wäsche waschen und einfach mal ausspannen. Außerdem mussten die Bremsklötze erneuert werden.

    Drei Wochen am Stück waren wir jetzt nicht auf einem Campingplatz und wir genossen die Zeit sehr.

    Unter anderem auch, weil direkt gegenüber von uns ein Wohnmobil mit einem wohlbekannten Nummernschild aus der Heimatstadt einparkte.

    Andreas und Sabine aus Hettenleidelheim machten zwei Wochen Urlaub in Albanien und auch für sie war es eine außergewöhnliche und unvergessliche Erfahrung.

    Bei einem abendlichen Zusammensitzen wurden diverse Reisegeschichten ausgetauscht und das ein oder andere Glas Brandy gehoben.

    Noch einmal albanische Alpen

    Am nächsten Morgen, vielleicht ein wenig langsamer als sonst, packten wir unser Zeug und fuhren nach einem kleinen Zwischenstopp im Supermarkt in Richtung Koman See.

    Der Stausee im Norden Albaniens bildet ein weiteres Highlight auf der langen Liste der Sehenswürdigkeiten des Landes. Man kann ihn per Fähre mit dem eigenen Fahrzeug überqueren oder eine der vielen Touren buchen, die einen über den See bringen.

    Da wir aber im Anschluss weiter nach Valbona wollten, bot es sich für uns an, die Fähre zu nehmen, die am nächsten Morgen um 9 Uhr ablegte.

    Wir schliefen unweit des Fährhafens bei einer Brücke und standen pünktlich am nächsten Morgen mit unserem Onlineticket auf dem Handy am Anleger.

    Die Fähre bot Platz für geschätzt acht Autos und etliche Passagiere.

    Da wir in Albanien waren, interessierte es auch entsprechend keinen, dass mehr Passagiere auf den Fahrzeugdeck als auf den Sitzplätzen waren und manche sogar Klappstühle auspackten und in die Sonne stellten.

    Die zweieinhalb stündige Fahrt durch den Canyon ließ Erinnerungen an Costa Rica aufkommen. Bloß dort waren es riesige Regenwaldbäume, die an den Ufern aufragten und ihre Schatten in die Schlucht warfen.

    Hier waren es nackte Felsen, hunderte Meter hoch und steil abfallend.

    Wiedermal ein atemberaubender Anblick. Leider gab es aber wieder einen Wermutstropfen, denn die Oberfläche des dunkelgrüne Wasser des Stausees war übersät mit Müll, je weiter man sich von Koman entfernte. Das trübte den Eindruck leider sehr.

    Auf der anderen Seite rollten wir von der Fähre und bogen auf die Straße Richtung Valbona ein, die sich wieder steil die Hänge der Berge empor windet.

    Das Valbona Tal, umringt mit hoch aufragenden, schneebedeckten Bergen ist mit Theth ein Teil der albanischen Alpen und tatsächlich lag unser Schlafplatz gerade mal sechs Kilometer von Theth entfernt. Wir waren jetzt bloß auf der Rückseite der Berge, die wir von dort aus gesehen hatten.

    Da wir uns wieder auf der Haupttouristenroute befanden, war es wenig verwunderlich, dass im Minutentakt Wandergruppen an unserem Camp vorbei kamen, die aussahen, als hätten sie gerade einen Decathlon überfallen.

    Alle waren auf dem Weg über den Valbonapass um nach Theth zu gelangen.

    Bis spät am Abend und gleich nach Sonnenaufgang marschierten die Bewegungsfanatiker an uns vorbei, gefolgt von Einheimischen, deren Pferde das Gepäck der Wanderer transportierten.

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