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  • Albanien 7 – Mazedonien 1

    Abstecher nach Griechenland

    An einem bestimmten Punkt einer Reise gelüstet es Einem nach Dingen, die man von zu Hause kennt, aber die es auf Reisen nicht gibt.

    In meinem Fall war es Schokopudding. Und Sarah wollte unbedingt richtiges Klopapier… Das hier ist… naja… beschissen! Außerdem mindestens noch Milch und Saft, das ist in Albanien nämlich relativ teuer.

    Da traf es sich gerade perfekt, dass Griechenland nicht weit war und direkt hinter der Grenze der nächste Lidl lag.

    Also entschieden wir uns für einen ungeplanten Grenzübertritt. Die Grenze lag am Ende einer offiziell „Landstraße“, im Klartext: Piste! Wir brauchten drei Stunden für die gut 50 Kilometer, die Piste war wirklich anspruchsvoll. Aber am Ende tauchte die Schranke vor uns auf.

    Der Zöllner trat aus seinem Häuschen und machte sich den Gürtel zu. Er sah etwas verschlafen aus. Außerdem sprach er kein Englisch. Aber was er uns mit Händen und Füßen zu sagen hatte, klang nicht gut.

    Wir könnten hier nicht die Grenze passieren. Keine Chance! Nur Griechen und nur zu Fuß. (Warum auch immer) Wir versuchten ihn zu bequatschen, zogen sogar den Joker Babybonus, aber nichts half. Er ließ uns nicht über die Grenze.

    Wir gaben auf und wollten gerade einsteigen, als er mit einer Flasche Wasser in der Hand zu uns trat. Ob wir nicht noch einen Raki zusammen trinken würden. Zwar nur einen Kleinen für mich, weil ich noch fahren müsste, aber eine kleine Entschädigung für die unnötige Fahrt. Na Gut! Wir stießen an und brennend lief mir der Selbstgebrannte die Kehle hinunter. Sarah lehnte dankend ab.

    Auf unserem Rückweg über die Piste kamen wir aus dem Lachen nicht mehr heraus. In was für einem Land passiert Einem so etwas außer in Albanien.

    Knapp 3,5 Stunden und ein paar lädierte Stoßdämpfer später passierten wir dann die richtige Grenze und fuhren nach Griechenland ein. Wir suchten uns einen schönen Platz an einem See und freuten uns auf den nächsten Tag. SHOPPEN!

    Der Einkaufswagen ächzte unter der Last unserer Einkäufe, als wir ihn mit vereinten Kräften zu unserem Auto bugsierten. Anschließend ächzten die Stoßdämpfer. Bis unter die Vordersitze stapelten sich Milchbeutel, Jogurts und Schokolade, beide Radkastenstaufächer waren bis zum Bersten gefüllt mit Corn Flakes, Müsli und Zewa Rollen.

    Zufrieden und 170 Euro ärmer verließen wir den Parkplatz vom Lidl, mit Tränen in den Augen, denn so schnell würden wir keinen mehr zu Gesicht bekommen.

    Wir schliefen kurz vor der Grenze auf einem Wohnmobilparkplatz und nutzten die letzten Sonnenstrahlen, um noch einmal alles auszuräumen und fachmännisch alles auch für albanische Pisten zu verstauen.

    Der Grenzübertritt am nächsten Morgen war simpel und schnell von der Bühne. Wir rollten über eine nagelneue Teerstraße Richtung Korca und wir dachten uns nur: Wenn man aus dieser Richtung nach Albanien einreist, ist man bestimmt total überrascht, was für tolle Straßen die haben…

    Die Straße führte uns kurz vor die Stadt auf einen Stellplatz, der versteckt von der Straße an einem kleinen See lag. Nach dem aufbauen ließen wir nur noch die Füße baumeln und Elisabeth warf begeistert Steine ins Wasser.

    Wir entschieden uns, auch den nächsten Tag dort zu verbringen. Und kurz nach Mittag bekamen wir auch noch Besuch: Michael und Lisa mit Peer und Bela aus Leipzig fragten, ob es uns was ausmachen würde, wenn sie sich zu uns stellen würden.

    Die Familie war auf sechswöchiger Reise mit ihrem 26 Jahre alten Wohnmobil durch den Balkan unterwegs.

    Natürlich verneinten wir und die beiden parkten ihr Wohnmobil neben uns. Es wurde ein schöner entspannter Abend am Lagerfeuer, mit vielen Geschichten aus vergangenen Reisen.

    Den Beiden gefiel der Platz ebenso gut wie uns und somit blieben wir alle noch eine dritte Nacht. Für uns war die Entscheidung aber neben dem schönen Platz noch, dass Elisabeth jetzt zwei Spielkameraden hatte. Denn die Zwillinge waren in ihrem Alter und alle verstanden sich prächtig.

    Leider gab es an diesem Tag auch schlechte Nachrichten. Bei meinem Routinecheck entdeckte ich eine leckende Dichtung am vorderen Differenzial und ich tippte mal auf die Achsmanschette. Nicht zu reparieren auf Gras an einem See.

    So packte ich schnell alles zusammen, ließ meine Damen in der Obhut der Leipziger und machte mich auf ins 20 Kilometer entfernte Korca, um einen Mechaniker zu suchen.

    Den bzw. die fand ich auch (ich bin bestimmt vier Werkstätten abgefahren), aber bekam von jedem die gleiche Antwort.

    Die Teile kämen aus Griechenland und würden bestimmt vier Tage dauern. Ich sollte nach Tirana fahren, da wäre eine Toyota Niederlassung, die könnten sofort helfen. Und der Schaden wäre gering, also 1000 Kilometer Reichweite hätten wir bestimmt noch.

    Abstecher nach Mazedonien

    Mit diesem Wissen fuhr ich zurück und überbrachte die Nachricht meinen beiden Damen. Die waren nicht ganz so begeistert, aber schnell war die Route umgeplant und wir würden einen Abstecher nach Tirana machen.

    Anschließend verbrachten wir den letzten gemeinsamen Abend mit den Leipzigern bei Lagerfeuer, Grillen und Bier. Am nächsten Tag würden sich unsere Wege trennen.

    Sie wollten an die Küste, uns führte der Weg nach Osten zum Prespasee. Der Einfachheit halber und weil es besser in die Routenplanung passte, fuhren wir auf die nordmazedonische Seite. Der Grenzübergang war schnell vom Tisch und schon rollten wir auf mazedonischen Straßen Richtung See.

    Das Land ist das erste auf unserer Route, dass das kyrillische Alphabet verwendet. Was im ersten Moment ein wenig irritierend ist, wenn man auf einen Schlag keine Straßenschilder oder Ortsnamen mehr lesen kann. Aber dank smartphonebasierter Navigation fanden wir unseren Weg zum See auch so.

    Der Stellplatz war direkt am Wasser und ein wenig versteckt vor neugierigen Blicken, die unser Auto generell schon auf sich zog. Beim Wildcamping ist das natürlich suboptimal.

    Aber auch wenn ab und zu ein Angler vorbei lief, kurz winkte und weiter ging wurde kaum Notiz von uns genommen. Außerdem gesellte sich ein Hütehund zu uns, der wohl lieber bei Elisabeth bleiben wollte als zu seiner Herde zurück zu kehren. Wenn er nicht so riesig gewesen wäre, hätten wir ihn fast einpacken und mitnehmen können.

    So verbrachten wir einen wunderschönen Abend mit hinter den Bergen verschwindender Sonne und glasklarem See vor unseren Füßen. Das Ganze mit einem Bier in der Hand und von unseren Campingstühlen aus. Was kann es Besseres geben.

    Am nächsten Morgen verließen wir den See in Richtung Ohrid. Die Stadt am gleichnamigen See ist eine Highlight in Nordmazedonien und ein absoluter Touristenmagnet.

    Deswegen beließen wir es bei einem kleinen Rundgang durch die Stadt, Kaffee und einem Eis.

    Und bevor der nächste Reisebus wieder Massen an Touristen ausspucken konnte, waren wir schon wieder auf dem Weg zur albanischen Grenze, um unseren letzten Teil des Landes zu besuchen. Dem Norden mit seinen albanischen Alpen.

    Tirana die Dritte

    Aber vorher noch der Kurze Abstecher über Tirana, die fällige Reparatur erledigen. Uns schwante Böses, aber wir hofften das Beste.

    Und nachdem wir die Grenze überschritten und durch den angrenzenden Nationalpark gefahren waren, lag die Metropole vor uns.

    Eigentlich wollten wir gar nicht wirklich dort hinein, in diesen mörderischen Verkehr und den irrsinnigen Straßenverhältnissen, aber was sein musste musste sein.

    Als wir die Türen des Autohauses öffneten war erstmal niemand da. Eigentlich verwunderlich, denn dieser Händler ist der einzige Toyota Stützpunkt in ganz Albanien. Und somit unsere einzige Chance, das Ersatzteil zu bekommen, das wir brauchten.

    Irgendwann kam dann mal jemand und nahm sich unserem Problem an.

    Das Ersatzteil war vorrätig, schon mal ein Erfolg.

    Leider war der nächste freie Termin für den Einbau des Teils am Montag, also in drei Tagen. Wir überlegten kurz und entschlossen uns, das Ersatzteil mitzunehmen und es in irgendeiner anderen Werkstatt einbauen zu lassen, was uns einen herablassenden Blick und ein: „Aber andere machen das natürlich nicht so ordentlich wie eine Originalwerkstatt!“ einbrachte, aber das war uns egal.

    Wir bezahlten ja schon den Preis für das Teil, der erwartungsgemäß übermäßig zu Buche schlug.

    Da es schon spät war, wir aber einfach nur noch aus der Stadt raus wollten, nahmen wir noch eine Fahrt von eineinhalb Stunden auf uns, um auf einem Rastplatz mit Stellplätzen für Wohnmobile die Nacht zu verbringen.

    Ein gigantisches Areal mit Stellplätzen für LKW, PKW und Wohnmobile erwartete uns. Dabei waren noch eine riesige Tankstelle, ein Hotel, ein Restaurant und… ACHTUNG! Eine Werkstatt!

    Auf unsere Nachfrage hin, sagte man uns, wir sollten morgen früh um acht Uhr noch einmal vorbeischauen, was kein Problem war, denn wir schliefen ja 20 Meter entfernt.

    Am nächsten Morgen erwartete mich Bilbli und sagte mir, ich solle unser Auto gleich in die Halle fahren. Auf meine Nachfrage hin, was es uns denn kosten würde, grinste er und sagte, das würden wir später regeln.

    Da ich solche Aussagen aus Marokko kannte, lief es mir erst mal eiskalt den Rücken runter. Aber er ließ sich nicht bequatschen und rückte mit dem Preis nicht raus.

    Nach zwei Stunden war die Dichtung gewechselt, Differenzialöl aufgefüllt und alles wieder an seinem Platz.

    Ich zückte den Geldbeutel und Bilbil winkte nur ab. Er wolle nur das Geld für das Öl, der Rest sei um sonst…

    Fassungslos starrte ich ihn an, aber er ließ sich nicht erweichen unser Geld zu nehmen. So drückte ich ihm alles, was wir noch an Lek in der Tasche hatte in die Hand. Umgerechnet schäbige sechs Euro… Aber selbst die wollte er nicht…

    Mit einer weiteren sehr positiven Erfahrung fuhren wir vom Hof des Rastplatzes, aber nicht, ohne noch ein Bild von Bilbil und mir vor dem Auto zu machen.

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