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  • Kroatien 2

    Zadar

    Die Hafenstadt Zadar liegt wunderschön an der Dalmatischen Küste und ist Anlaufpunkt vieler Kreuzfahrer und Segelschiffe, die im Mittelmeer, und vor allem in den ruhigen Gewässern der Adria fahren.

    Die Kais und Anlegestellen sind gesäumt von unzähligen Segelyachten, aber auch riesige Luxusyachten lagen dort vor Anker und glänzen makellos in der Sonne.

    Leider war weder das Klientel noch die Preisklasse in der Stadt für uns interessant, somit reichte es nur für eine kleine Stadtrundfahrt und ein bisschen Schiffe gucken vom Auto aus.

    Da wir wieder einen Wildcamp-Platz im Visier hatten und noch ein paar Kilometer gut machen wollten, fuhren wir direkt weiter Richtung Split, unserem nächsten Ziel.

    Auf dem Weg spürten wir, wie der Wind deutlich zu nahm, genau wie die aufziehende Wolkendecke.

    Bald war keine Sonne mehr zu sehen und als wir unseren angepeilten Übernachtungsplatz erreichten, blies der Wind mit voller Kraft.

    Vom Winde verweht

    Unser Stellplatz war offiziell ein kostenfreier Parkplatz, inoffiziell unser Camp für diese Nacht.

    Aber als wir gerade aufbauen wollten, kam zuerst ein, dann ein zweites Fahrzeug und stellte sich direkt neben uns. Die Männer die ausstiegen, hatten Trikots an. Auf unsere Frage hin antworteten sie, es gäbe direkt neben dem Parkplatz eine örtliches Boccia Meisterschaft, wir wären gerne eingeladen zuzusehen. Es kämen noch so ungefähr 20 Auto…

    Natürlich wollten wir nicht grade zwischen all den Autos campen, so entschieden wir uns, noch in die nahegelegene Stadt Primosten zu laufen und uns ein wenig die Zeit zu vertreiben, bis das Spiel vor bei war.

    Die Promenade der Inselstadt war gerade nagelneu angelegt worden. Die Bänke bestanden aus zwei Solarpaneelen, die an eine Ladestation angeschlossen waren. So konnte man in der Sonne sitzen und entweder über USB oder Induktion sein Smartphone aufladen. Außerdem sendeten die Bänke ein kostenloses städtisches WLAN-Signal aus, das man nutzen konnte – diesen Fortschritt haben wir bisher in Deutschland noch nirgends gesehen.

    Bloß leider war an diesem Tag keine Sonne in Sicht und der Wind nahm immer mehr zu. Er war mittlerweile so stark, dass er unseren Buggy wegschob, wenn man ihn nicht fest hielt. So trieb trieb es uns schnellstmöglich in die schützende Stadt, die umgeben war von einer mittelalterlichen Burgmauer.

    Im Inneren waren alle alten Häuser, gebaut aus Bruchstein, wunderschön restauriert. Am Marktplatz, auf dem wir uns trotz des Wetters ein Eis gönnten, erfuhren wir von dem Besitzer, das gerade der Bora über die Küste fegt.

    Der Bora, ein Wind der immer kurzzeitig die gesamt Dalmatinische Küste entlang zieht, kann Spitzengeschwindigkeiten von 250 km/h erreichen und zählt zu den stärksten Winden der Welt. Zum Glück sucht er die Küste immer nur in kurzen Perioden von drei bis sieben Tagen heim.

    Nützte uns leider auch nicht viel, denn wir erwischten genau ihn bzw. er uns…

    Nach einem kleinen Rundgang durch die Stadt machten wir uns auf den Weg zurück zum Auto, was sich als schwieriger erwies als gedacht, denn wir hatten Gegenwind. Aber mit ein wenig Mühe schafften wir es zurück und mussten feststellen, dass das Spiel noch in vollem Gange war. Wir waren umringt von dutzenden Autos…

    Also brauchten wir einen neuen Zeitvertreib…

    Auf den Spuren eines verlassenen Hotels

    Mir war aufgefallen, dass eine mit Graffiti besprühte Stahlbetonkonstruktion aus dem nahen Wald ragte. Die wollten wir uns mal genauer ansehen.

    Bei Näherkommen sahen wir, dass es ein altes Internat, ein Hotel oder irgendetwas in der Richtung sein musste.

    Es gab viele zur Küste gerichtete Zimmer, die meisten mit Balkon oder Terrasse. Im hinteren Teil war ein kleiner Park mit Schachbrett auf dem Boden, alles zugewachsen und überwuchert.

    Wir umrundeten den Gebäudekomplex und die Neugierde packte uns immer mehr. Wir suchten uns einen Eingang und betraten die baufällige, verlassene Ruine.

    Alte, vermoderte Tapeten schälten sich von den Decken und Wänden. Lange kahle Flure, führten in die Dunkelheit. Mit den Taschenlampen unsere Smartphones leuchteten wir in Räume, die ehemaligen Wohnungen oder Zimmern glichen.

    Immer tiefer drangen wir in die Ruine vor, immer klarer wurde uns, dass das Gebäude einmal ein Hotel gewesen sein musste.

    Absolute Sicherheit erlangten wir, als wir das gewaltige Atrium und die einstige Lobby betraten. Überall lag Glas aus unzähligen zerbrochener Fenster herum, der Geruch von Schimmel und Fäulnis lag in der Luft.

    Graffiti bedeckte die Wände, Deckenplatten hingen herab, insofern sie nicht schon zerbrochen auf dem Boden verstreut lagen. Was hatte es mit diesem Ort auf sich…

    Die hereinbrechende Dunkelheit (und auch ein bisschen die Angst im Dunkeln in so einem Gemäuer zu sein) trieb uns aus dem Komplex und zurück zu unsrem Auto. Mittlerweile hatten auch die Boccia spielenden Herren ihr Turnier beendet und waren nach Hause gefahren.

    Nach einer kleinen Recherche am nächsten Morgen fand Sarah heraus, dass das Gebäude einstmals ein Luxushotel gewesen war. 1971 eröffnet und genau 20 Jahre später wieder geschlossen war es zum damaligen Zeitpunkt das beste Hotel an der dalmatinischen Küste und das erste FKK-Hotel Jugoslawiens. Leider verrottet es jetzt schon länger im Wald als es geöffnet hatte, aber vom einstigen Prunk war noch deutlich sichtbar. Wenn man genau hin sah…

    Der immer stärker werdenden Wind trieb uns zum Abendessen ins Auto, das würde eine harte Nacht werden…

    Und genau so kam es: Der Wind zerrte unablässig an unserem fahrenden Zuhause und ich hatte Angst, dass jede Sekunde die Zeltplane reißen würde. Wir machten kaum ein Auge zu und waren froh, als am Morgen die ersten Sonnenstrahlen den kommenden Tag ankündigten.

    Völlig gerädert packten wir unsere Sachen und fuhren Richtung Split.

    Die nächste Nacht wollten wir auf einem Campingplatz verbringen, um mal wieder zu duschen und alle Wasserreserven aufzufüllen. Außerdem nutzten dir die relativ große Stadt um einzukaufen und unsere Vorräte aufzustocken.

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