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Nkhata Bay – Livingstonia

Eigentlich schon seit Wochen hörten wir ein klapperndes Geräusch, das von der Unterseite des Autos zu kommen schien. Es hörte sich an, wie wenn ein Stein auf dem Unterfahrblech liegen würde. Tim hat schon mehrfach unter das Auto geschaut und die Karosserie abgesucht aber nicht den Auslöser des Geräuschs gefunden. Somit haben wir das bisher immer abgetan.

Auf dem nächsten Campingplatz hatten wir aber mal wieder sehr viel Zeit und so begab sich Tim erneut auf die Suche nach der Ursache. Und letztendlich fand er den Grund: Der Unterfahrschutz war an einer der vier Halterungen komplett ausgebrochen.

Wir überlegten schon, ob wir den Unterfahrschutz komplett ablassen sollten oder wo wir das Blech schweißen lassen könnten, da kam der Gärtner des Campingplatzes und fragte, ob wir Hilfe bräuchten.

Nachdem wir ihm kurz unsere Misere erklärt hatten, winkte er ab. Das sei überhaupt kein Problem. Er würde den Unterfahrschutz auf sein Fahrrad laden und dann schnell ins Dorf zu einem Schweißer fahren. Heute Nachmittag hätten wir das Blech wieder.

Etwas verdutzt schauten wir ihn fragend an. Ob er wirklich den Schutz mit seinen ca. 20 Kilo auf seinem Fahrrad ohne Gangschaltung 6 Kilometer bis zum nächsten Dorf fahren wollte, fragten wir ihn. Wir könnten auch das Auto zusammen packen und damit fahren, dann müsse er sich nicht den Riss geben. Aber er bestand darauf! Also half Tim ihm beim Aufladen und er fuhr davon.

Zwei Stunden später kam er mit einem geschweißten Blech und der Rechnung zurück: Umgerechnet zwei Euro schuldeten wir ihm. Tja, auch DAS ist Afrika. Hier ist einfach alles möglich…

Während ein Teil unseres Autos beim Schweißen war, ließen wir unser Auto bemalen. Ein Tag zuvor haben uns bereits zwei Künstler ihre Werke auf Leinwänden präsentiert, die wirklich sehr schön waren und dazu auch noch günstig und wirklich selbst gemalt. Ich gab noch ein Bild für meinen Bruder zur Geburt meines Neffen in Auftrag und einer der Künstler verewigte sich an unserem Auto. Ganz individuell und genau nach unseren Wünschen wurden beide Bilder gemalt und wir waren von den Ergebnissen begeistert!

Am nächsten Tag machten wir uns auf den weiteren Weg in Richtung Norden. Mit einem Zwischenstopp in Chitimba machten wir uns auf den harten Weg nach Livingstonia.

Das heftigste Offroad-Stück unserer Reise erwartete uns. Wir waren nur nicht darauf vorbereitet sondern dachten es handele sich bei der Straße um eine nicht asphaltierte aber dennoch gut passierbare Straße. Aber weit gefehlt. Es war wirklich hart und bis wir das realisierten, waren wir schon mittendrin und zum Umdrehen war es zu spät. Wir konnten gar nicht glauben, dass es sich hierbei um eine der beiden Hauptverbindungsstraße handeln sollte.

Serpentine um Serpentine kämpften wir uns mit unserem viel zu schweren Auto über riesige Felsbrocken entlang am steilen Abgrund. Nach jeder Kurve dachte ich, es ginge nicht schlimmer aber das tat es. Nach knapp 2 Stunden (für ca. 15 Kilometer!!!) erreichten wir Livingstonia und dachten Wunder was uns dort für eine Stadt oder zumindest ein größeres Dorf erwartete. Wir suchten immer noch den Ortskern, als wir merkten, dass wir eigentlich schon wieder raus waren. Viel mehr als eine Missionsstation und ein paar verteilte Häuser gibt es dort nicht.

Wir fragten die Bewohner, ob es eine andere Strecke wieder zurück gibt aber alle sagten uns, dass der Weg, den wir gekommen waren, schon der beste war! Also machten wir uns zähneknirschend auf den Rückweg.

Wenige Kilometer nach Livingstonia entdeckten wir einen Campingplatz und entschieden spontan, dass wir hier erst einmal bleiben wollten. Das Lukwe EcoCamp (http://www.lukwe.com/) ist wunderschön auf dem Berg gelegen und von der Bar aus hat man einen atemberaubenden Blick auf den Malawi-See. Außer den Duschen gibt es kein fließendes Wasser aber alles ist super sauber und perfekt in die Natur integriert. Selbst von dem aus Stein gemauerten „Plumpsklo“ können sich viele andere sanitäre Einrichtungen eine Scheibe abschneiden!

Auch der belgische Besitzer ist super nett und sollte mal jemand in der Nähe sein: der Platz ist mehr als empfehlenswert! Und auch die harte Anreise lohnt sich.

Leider hatten wir mal wieder nicht ganz so viel Glück mit dem Wetter, kurz nachdem wir unsere Wäsche gewaschen hatten fing es an zu regnen und hörte auch den nächsten Tag nicht mehr auf. Alles war nass und so entschieden wir uns am zweiten Morgen den „Abstieg“ zu wagen. Es war mir zu gefährlich noch eine weitere Nacht zu bleiben und dann vielleicht nicht mehr vom Berg runter zu kommen, weil der Weg dann zu aufgeweicht war. Dort oben fest zu hängen und dann bricht vielleicht noch bei einem von uns Malaria aus, wäre der Super-Gau!

Also verabschiedeten wir uns schweren Herzens und machten uns an den 10 Kilometer langen Rückweg. Durch den Regen, war die Abfahrt tatsächlich viel schlammiger, ein Teil der Straße war weggespült aber von den Dorfbewohnern schon wieder ausgebessert worden.

Diesmal kämpften wir uns Serpentine um Serpentine ins Tal als uns an der wohl ungünstigsten Stelle ein kleiner LKW entgegen kam. Tim fuhr ein Stück rückwärts und der LKW quetschte sich an uns vorbei, streifte auf der einen Seite beinahe unser Auto und auf der anderen Seite ist er mit einem Reifen schon über den Abgrund gerutscht. Es war Nervenkitzel pur.

Ein paar Serpentinen weiter kam uns das nächste Fahrzeug entgegen: ein Landcruiser vollbesetzt mit Menschen. Da wir uns wieder an einer der ungünstigsten Stellen trafen, blieben beide erst einmal nebeneinander stehen um sich neu zu sortieren. Als der Landcruiser dann weiter wollte, rutschte er aufgrund des schlammigen Untergrunds diagonal auf mich zu anstatt vorwärts zu fahren. Mir wurde heiß und kalt und ich sah schon den Fahrer auf meinem Schoß sitzen aber glücklicherweise bekam der Wagen plötzlich Grip und auch Tim gab Gas so dass wir im letzten Moment ein Treffen unserer Autos vermeiden konnten. Das war wirklich knapp, da passte keine Hand mehr dazwischen.

 

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