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Mariental – Aus – Lüderitz – Oranje – Fishriver Canyon

Eigentlich wollten wir noch eine zusätzliche Nacht auf dem Bauernhof verbringen, alles mal wieder ordnen, saubermachen und die Berichte einstellen. Vielleicht sogar ein paar Bilder hochladen.

Aber leider hatten wir Pech, es war alles im Voraus reserviert und leider nichts mehr frei. So nutzten wir das freie Wlan noch am nächsten Morgen, um mal mit den Lieben daheim zu skypen und machten uns dann auf den Weg weiter nach Süden, nach Aus.

Unser Weg führte uns über Keetmanshoop, einer kleinen Stadt mitten im staubigen Nirgendwo. Wir tankten, kauften ein paar Sachen ein und machten uns dann wieder auf den Weg nach Aus. Das Thermometer zeigte 42 Grad und es stand keine Wolke am Himmel.

Ca. 80 km vor Aus stieg auf einmal der Tempomat aus. Es ging ganz leicht aber stetig den Berg rauf, was den Motor an seine Belastungsgrenze brachte. Als nächstes büßten wir die Klimaanlage ein und als ich an einem Rastplatz hielt, sah ich, dass das Getriebe Öl verlor. Alle Alarmsirenen gingen auf einmal an!

Mit Mühe schafften wir es nach Aus, einem noch viel kleineren und staubigeren Kaff wie Keetmanshoop mitten im namibischen „Outback“.

Der Camping, den wir angefahren hatten, hatte auch eine Tankstelle und eine Werkstatt. Der Mechaniker, der gleichzeitig auch der Tankwart und der Camp-Chef war, nahm sich unserer Sorge an und begutachtete unser leckendes Getriebe, beruhigte uns aber damit, dass es ganz normal sei, dass bei der Belastung und dieser Hitze das Getriebe Öl verlieren könnte. Es gäbe auf der Oberseite ein Überdruckventil, dass die heiße Flüssigkeit abgeben würde, um das Getriebe vor Schäden zu bewahren.

Wir waren erst einmal beruhigt, nahmen uns aber vor, den nächsten Toyota-Händler anzufahren, um mal alles richtig checken zu lassen. Der hatten seinen Sitz in Upington, Südafrika. So lange sollte die Sache noch halten… Hofften wir…

Wir blieben zwei Nächte auf den Camping. Am nächsten Morgen machten wir uns auf den Weg nach Lüderitz, einer kleinen Küstenstadt am Atlantik, ca. 130 km entfernt. Wir freuten uns auf das Meer, mal wieder etwas anderes zu sehen als Braun- und Gelbtöne.

Auf dem Weg dort hin lag Kolmannskuppe. Wir erfuhren am selben Morgen davon, irgendwann hatten wir auch mal was davon im Reiseführer gelesen, hatten aber keine wirkliche Vorstellung, was uns erwarten würde.

Umso mehr überraschte uns, was wir fanden als wir dort ankamen.

Eine verlassene Stadt, aufgegeben in den 1960er Jahren. Die Siedlung wurde errichtet, weil dort von deutschen Arbeitern der Eisenbahnlinie nach Lüderitz durch Zufall Diamanten entdeckt wurden.

Es kam zu einem beispiellosen Auf- und einem genauso schnellen Abstieg, als der Diamantenabbau verstaatlicht und die Stadt nach ungefähr 50 Jahren aufgegeben und der Wüste preisgegeben wurde. Durch die Hitze, die fehlenden Niederschläge und das Klima der Umgebung könnte man meinen, man müsste manche der Häuser nur mal durchfegen und könnte dann umgehend wieder einziehen. In manchen steht der Sand einen Meter hoch, unaufhaltsam nehmen sich die Dünen wieder, was ihnen in Schwerstarbeit abgerungen wurde.

Unser Vorteil war, dass wir um kurz nach 11 Uhr dort ankamen, die letzte Führung begann um 11 Uhr. So durften wir ohne „Aufpasser“ uns frei auf dem Gelände bewegen, während alle anderen schön im Gänsemarsch der Gruppe folgen mussten. Unsere einzige Bedingung war, dass wir spätestens um 13 Uhr das Gelände zu verlassen hatten.

Ein wenig störend für die Fotos war, dass ein schon fast orkanartiger Wind über die Siedlung fegte und man das Gefühl hatte, der Lack des Autos würde sandgestrahlt werden.

Es war wirklich beeindruckend, durch die verlassenen Gebäude zu streifen, teilweise total verfallen und vom Wind gebeutelt, teilweise noch absolut in Takt. Wir nahmen jedes Haus und jedes Geschäft unter die Lupe. Es waren immer noch die originalen elektrischen Leitungen vorhanden, genauso die sanitären Installationen, manche bis zum Rand gefüllt mit Sand.

Um 12:45 Uhr verließen wir total begeistert das Gelände. Wiedermal hatte eine zufällige Information zu einer einmaligen Erfahrung geführt, die man sonst nie auf dem Plan gestanden hätte.

Ein absoluter Gegensatz dazu stellt Lüderitz dar, eine Hafenstadt am Atlantik. Wunderschön gelegen, sauber und ordentlich präsentierte es sich im Licht der Mittagssonne, die wiedermal mit an die 40 Grad vom Himmel schien. Zwar dafür bekannt aber doch überraschend heftig blies auch hier der Wind und fegte uns fast von der Promenade. Man wollte kaum die Fenster öffnen, obwohl im Auto schon wieder an die 50 Grad herrschten, weil die Klimaanlage wiedermal ihren Dienst verweigerte.

So drehten wir ein paar Runden durch die Stadt, sahen uns alles an und hätten eigentlich nicht so sehr vom germanischen Einschlag überrascht sein sollen, wie wir es doch waren.

Das Straßenbild war wie auch in Swakopmund schon sehr deutsch geprägt, Straßennamen wie Herrmann-Göring- oder Kaiser-Wilhelm-Straße fand man an jeder Ecke.

Schnell hatten wir uns satt gesehen und machten uns auf den beschwerlichen Rückweg nach Aus. Wiedermal ging es einen leichten aber kilometerlangen Anstieg zur Stadt hinauf, der unserem Auto alles abverlangte und das Getriebe wieder mal an seine Grenzen brachte. Von der Klima ganz zu schweigen, die schon nach 5 Minuten Fahrt hinter Lüderitz wiedermal ihren vorzeitigen Feierabend antrat.

Nach dem Packen am nächsten Morgen und einem kleinen Plausch mit den Nachbarn erhielten wir wiedermal einen Tipp. Einen Camping, genau am Oranje River gelegen, der sehr schön sein und wir ihn uns nicht entgehen lassen sollten.

So machten wir uns auf den Weg, wiedermal durch unendlich weite Steppe und Gluthitze, bis wir das Oranje-Flussbett erreichten, an dem die Straße entlang führt.

Als wir über einen Hügel fuhren traf uns fast der Schlag! Als gute Pfälzer kannten wir den Anblick nur zu gut, waren aber trotzdem überwältigt von den satt grünen Weinstöcken, die sich hier bist zum Horizont erstreckten und irgendwie surreal in dieser von Brauntönen dominierten Umgebung erschienen. Kilometerlange Wingerte, ein Weingut neben dem anderen erstreckten sich entlang des Oranje.

Der Camping war wirklich schön, es wurde nur getrübt durch die unmenschliche Hitze, die den ganzen Tag herrschte und einen immer in den Schatten zwang.

Selbst mitten in der Nacht herrschten noch 34 Grad und machte schlafen fast unmöglich.

Da auf absehbare Zeit keine Besserung in Sicht war und auch unser nächstes Ziel, der Fishriver Canyon unter den gleichen Temperaturen ächzte, hielten wir Ausschau nach der einzig logischen Sache auf dieser Welt: Ein Camping MIT Pool!

Die überragende App iOverlander pries einen Platz an, ca. 30 km entfernt vom Canyon, der irgendwie strange sein sollte.

Als wir dort ankamen, verstanden wir, was damit gemeint war.

Der Platz erinnerte an eine Kleinstadt an der Route 66 in den 80er Jahren, überall stehen Autowracks von Chevys, Lincolns, Land Rovern herum, ab und zu auch eine verrostete Planierraupe oder mal ein Bagger. Das Hauptgebäude ist ein Wellblechbau im Stil einer amerikanischen Tankstelle, über und über mit Krimskrams vollgestopft, dominiert von einer riesigen Bar, die mit Aufklebern und Nummernschildern zugepflastert ist.

In dieser trockenen und ariden Umgebung in eine solch bunte und surreale Szenerie einzutauchen war irgendwie… naja… strange traf es schon wirklich.

Aber das Beste, es hatte einen Pool, den wir in den nächsten Tagen auch ausgiebig nutzten. Unterbrochen wurde unser Poolaufenthalt nur von einem Besuch des Canyons.

 

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