Kategorien
Afrika_alt ehemalige Reisen Marokko_alt Unser Reisemobil

Tag 26 – Fes–Chefchaouen (25.05.2014)

Geweckt wurden wir heute von Sonnenschein. Das schlechte Wetter war abgezogen und die Sonne strahlte wieder vom tiefblauen Himmel.

Wir beschlossen zusammen zu packen und noch mal mit dem Auto nach Fes rein zufahren. Gestern von der Terrasse des Lederhändler sahen wir eine andere Terrasse, die aussah, wie wenn sie zu einem Cafe gehörte. Von dort aus musste man eine wahnsinnige Aussicht auf die Becken haben. Das wollten wir testen. Ein Kaffee ist billiger als jede Lederjacke und die Preisvehandlungen darum.

Wir fuhren nach Fes rein und auf den Parkplatz. Dort nahm uns gleich ein „Führer“ in Empfang und wollte uns ins Gerberviertel lotsen. Alle Erklärungen, dass wir gestern schon hier waren und uns nur kurz umschauen wollten half nichts, er rückte uns nicht von der Pelle. Sowas abartig aggressiv aufdringliches wie hier haben wir noch nie erlebt. Es wurde uns einfach zu wider, dass jeder nur Profit aus einem schlagen will und als wir dann feststellten, dass das erhoffte Cafe doch keins war, drehten wir um, ließen den Typ stehen (Erklärungen halfen sowieso nicht) und fuhren einfach weg. Wir wollten nur noch raus hier!!!

IMG_0418Als wir zurück fuhren kamen wir auf einen Hügel, von dem aus man die ganze Stadt im Überblick hatte. Wir hielten an um ein paar Fotos zu schießen. Überall drang schwarzer Rauch in den Himmel (wozu eine Müllabfuhr…?! Müll kann man auch vor der Haustür verbrennen) und wir stellten fest, dass es in Bagdad nicht viel schlimmer aussehen konnte. Ein Molloch aus alten, verdreckten, zusammengestückelten Behausungen und überall dazwischen brennt es. Was ein Anblick!

Weiter führte unser Weg in Richtung Chefchaouen, eine Stadt, in der fast alle Häuser blau und weiß angemalt sein sollen.

Die Straße glich mal wieder einem schweizer Käse, es waren riesige Löcher in der Straße, die kaum schneller als Schrittgeschwindigkeit zuließen.

Als kurze Rast hielten wir an einem Kaffee an der Straße um einen Tee zu trinken. Als wir da saßen und uns umschauten, stellten wir fest, dass alle um uns Haschpfeifen rauchten. Wir waren also im Rifgebirge, dem größten Anbaugebiet für Marihuana in Marokko, angekommen.

Schnell wieder weiter. Wobei das mit schnell funktionierte nicht so ganz… Nach fast 4 Stunden (für 200km) erreichten wir den Hügel über Chefchaouen. Uns bot sich ein toller Anblick. Wirklich alles weiß-blau und auf den ersten Blick sehr hübsch.

Wir fuhren auf den Campingplatz und bauten das Zelt auf. Dann überlegten wir, wann wir die Fähre wieder heimwärts nehmen wollten. Morgen Abend? Dienstag Morgen? Nach Spanien und noch einen Abstecher über Südfrankreich machen? Oder nach Italien und dann direkt heim? Wir wissen es immer noch nicht…

IMG_0477Wir beschlossen erst einmal in die Stadt zu gehen und was zu essen. Vom Campingplatz läuft man vielleicht eine viertel Stunde einen steilen Weg runter und kommt direkt in der Medina raus.

IMG_0489Wir schlenderten ein bisschen herum und trafen auf ein paar Jungs, die in den engen Gassen Fußball spielten. Wir setzten uns einfach dazu und schauten ihnen dabei zu. Natürlich juckte es in den Fingern und bald holten wir die Kamera raus um ein paar Fotos von ihnen zu machen. Das gefiel den Jungs und sie gaben so richtig Gas. Bis ein verrückter alter Mann kam und die Kids verscheuchte. Schade, aber das war das Zeichen, uns zu verabschieden und endlich was zu essen. Der Magen knurrte schon wie verrückt. Auf dem Weg zum Hauptplatz liefen wir an etlichen Läden vorbei. Hier wurden Klamotten verkauft, da Essen oder Porzellan. Niemand sprach uns an und wollte mit uns ein Geschäft machen. Alle grüßten freundlich wir konnten in Ruhe schauen und uns dann wieder verabschieden. Ohne großes Theater.

Das ist die erste Stadt hier, in der wir uns wirklich wohl fühlten. Keine bettelnden Kinder, die eine Gegenleistung für die Fotos wollten. Kein aggressives Gehabe sondern nur nette Menschen, die einem den Weg zeigten ohne etwas dafür zu wollen. Wir waren begeistert!!!!!!

Wir setzten uns auf den Hauptplatz der Medina und aßen ein leckeres Menü für beide zusammen 10 €. An die Preise könnte ich mich gewöhnen!!!!

Da kam dann doch der erste Junge, der uns Schlüsselanhänger unter die Nase hielt. Da wir nichts kaufen wollten sagten wir (verstand er sowieso nicht), er soll nen Abflug machen. Penetrant hielt er uns weiter sein Zeug unter die Nase und man merkte wie er so richtig drückte, dass die Tränen kommen. Hat aber nicht geklappt und nach dem dritten Mal „Abflug“ machte er sich dann auch dahin.

Whatever, kann ja nicht nur Friede-Freude-Eierkuchen hier sein, wäre ja zu schön!

Nachdem wir gezahlt hatten, schlenderten wir weiter durch die engen blauen Gassen. Es war mittlerweile dunkel geworden aber das tat dem Treiben keinen Abbruch. Überall waren Läden geöffnet und Menschen unterwegs.

IMG_0496An einem Stand hielten wir an, denn hier standen etliche bunte Farbpulver in Säcken nebeneinander. Wir fragten den Verkäufer, den wir erst suchen mussten (in den vorherigen Städten durfte man erst gar nicht stehen bleiben, schon hatte man 5 Verkäufer um sich rum), was das denn sei. Er sagte, es sei Farbei für Wände zu streichen. Unter den Farben standen ein paar Körbe mit Schildkröten. Ob wir nicht so eine mitnehmen wollten, fragte er uns. Kostet nur 10 €. Süß waren sie, aber ob der europäische Zoll das auch so nett gefunden hätte wie wir sei mal dahin gestellt.

Mittlerweile wurde es immer kälter und wir beschlossen, uns so langsam einen Weg aus der Medina zu suchen und uns ein Taxi zurück zum Camping zu nehmen. Den Berg wollten wir nicht mehr hoch laufen. Viel zu steil und nicht beleuchtet hätte es sonst vielleicht Tote gegeben.

Plötzlich rief uns ein Mann zu: Wo wir her kommen und wir sollen doch mal mit kommen. Er möchte uns was zeigen. Anstatt dankend vorbei zu laufen ließ Tim sich hinreisen und folgte ihm in sein Hinterzimmer. Was sich zuerst mal als großer Fehler darstellte, wurde dann wirklich zu einem echt witzigen Erlebnis! Der Typ redete ununterbrochen auf uns ein, wie toll wir doch aussehen würden, Tim hätte irgendwie ein marokkanisches Gesicht, er liebe unseren Style… Aber super freundlich und irgendwie verrückt! War echt lustig! Er führe uns erst einmal alle möglichen Kräuter vor, die er hatte: Das eine für den Magen, das nächste gegen Kopfweg, dann was bei Entzündungen und so weiter. Als letztes zeigte er uns Henna. Da ich sowieso die ganze Zeit ein Henna Tattoo wollte, aber nicht zu diesen Touri-Frauen auf den Touri-Plätzen gehen wollte, weil die meist nur schlechtes Henna aufmalen, kam Tim auf die Idee ihn zu fragen, ob er jemand kenne, der das machen würde. So echt original und kein Touri-Mist (der Unterschied ist, dass echtes Henna eine grüne Paste ist, die erst nach ca. 2 Tagen dunkel wird, bis dahin läuft man mit der Paste rum, die nach und nach abfällt. Touri-Henna ist mit irgendwelchen anderen Farben geschwärzt, so dass man das Ergebnis gleich sehen kann und meist sogar gesundheitsschädlich).

Er hatte auch Decken in seinem ganzen Krims-Krams… Schöne Decken aus Merinowolle, die im Hohen Atlas gewebt worden seien.

Nach etlicher Verhandlung erstanden wir für 15 Euro eine Decke und ich bekam mein Henna.

Schnell rief er einen jungen Typen herbei und bat mich mit ihm zu gehen. Alleine, Tim blieb im Laden! Ich soll nur 50 Dirham mitnehmen. Das tat ich dann und lief dem Typen nach. 5 Minuten und zahlreiche verwinkelte Gassen später (ich hätte nicht mehr alleine zurück gefunden) standen wir vor einer Frau in meinem Alter. Dann wurde telefoniert. Da ich leider kein Arabisch spreche kann ich nur mutmaßen, dass sie versuchten jemanden zu erreichen, der Hennas machen kann. Nach 10 Minuten rumstehen warf ich mal kurz ein, wir könnten es auch morgen machen. Irgendwie war mir das alles zu suspekt. Nein nein, ich solle bleiben. Da sie anscheinend niemanden erreichten sagte die Frau ich soll mit ihr kommen. Wir liefen ein paar Stufen hoch und ich stand direkt bei ihr im Wohnzimmer. Die Mutter lag auf der Couch und sah fern und die 2 Schwestern und der Typ (vermutlich der Bruder) wuselten auch noch rum.

Das Henna wurde angerührt und sie versuchte mir irgendwas zu erklären. Da sie aber kein französisch sprach weiß ich nicht, ob ich es richtig verstanden habe. Anscheinend war das Henna, was der Typ aus dem Laden mir mitgegeben hat, nicht für die Haut sondern für die Haare aber irgendwie funktionierte es dann trotzdem.

Während ich da so saß und ihr meinen nackten Knöchel hinhielt fing der Muezzin draußen an zu rufen. Plötzlich wurde auch das TV-Programm unterbrochen und aus dem Fernseher ertönte der Gesang. Die Mutter ging darauf hin erst mal beten. Was ein Erlebnis: mitten im Wohnzimmer einer Marokkanischen Familie…!!!!

Die Frau die mir das Henna machte, tat das anscheinend zum ersten Mal, denn ihr Bruder gab ihr andauernd Tipps was sie noch verschönern könnte. Nach einer halben Stunde führte mich der junge Mann wieder zurück zum Laden, wo Tim auf mich wartete. Er war froh, dass ich wieder da war, denn er machte sich Gedanken, was da alles hätte passieren können.

Aber es war ein tolles Erlebnis! Ganz nette, entspannte Menschen und dann einmal hinter die Türen so einer Familie zu schauen.

Wir verabschiedeten uns von dem Verkäufer, ich, stolz wie Oskar, auf mein echtes Henna (und barfuß, Schuhe darf ich jetzt erst mal nicht tragen bis die Paste abgefallen ist) und Tim zufrieden mit seiner Decke. Wir sollten doch morgen unbedingt wieder kommen, wenn wir noch mal da sind, nur für einen Tee… (Das finden wir sowieso nicht wieder…!)

An der Hauptstraße winkten wir einem Taxi zu (auch das das erste Mal, dass nicht 10 Taxifahrer auf einen einstürmen, sobald man die Medina verlässt, sondern man sich selbst drum kümmern muss), was dann auch gleich anhielt mit noch einer Frau drin. Das ist echtes Taxifahren in Marokko. So viel wie rein gehen, werden eingeladen und dann wird jeder wieder da raus gelassen, wo er möchte.

Er fuhr uns zum Camping und sagte, was er bekäme: 15 Dirham, keine 1,50 €! Was ein Preis! Wir lieben diese Stadt…!!!!!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website benutzt Google Analytics. Bitte klicke hier wenn Du nicht möchtest dass Analytics Dein Surfverhalten mitverfolgt. Hier klicken um dich auszutragen.