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Tag 25 – Fes (24.05.2014)

Geweckt wurden wir um halb 4 Uhr morgens von Regen!!! Der erste echte Regen seit 3,5 Wochen plätscherte auf unser Zelt.

Wir hatten noch ein paar Ladekabel an der Steckdose, die schleunigst entfernt werden mussten…

So musste ich mitten in der Nacht, bei strömenden Regen, bei gefühlten minus 10° nur mit Unterhose bekleidet aus dem Dachzelt runter und aufpassen, dass ich auf den nassen, glitschigen Stufen nicht noch den Abflug mach….

Whatever, nachdem alles vom Strom entfernt und sicher im Auto verstaut war, konnten wir noch ein paar Stunden schlafen. Als wir gegen halb 10 wieder aufgewacht sind, hatte es immer noch nicht aufgehört. Wir wollten gar nicht aus unseren warmen Schlafsäcken raus.

Als wir gerade aus unserem Zelt kriechen wollten, klopfte Marianne schon auf die Motorhaube, mit zwei Gläsern frisch gespresstem Orangensaft in der Hand. Das rettete den Morgen dann schon…

Wir kochten erst einmal Kaffee für die ganze Mannschaft und machten da weiter, wo wir gestern aufgehört habe: Quatschen. Mittlerweile hatte es aufgehört zu regnen, aber kalt war es immer noch.

Wenn man von kalt sprechen kann. Gestern Abend hatten wir als tiefste Temperatur gegen halb 1 ca. 17°C, heute morgen waren es knappe 20°C. Da machen wir daheim schon Luftsprünge (wobei, im Moment ist es ja relativ warm bei euch, was man so hört!)…

Egal, wir verbrachten den gesamten morgen damit, uns weiter Geschichten zu erzählen, Telefonnummern und E-Mail-Adressen auszutauschen und einfach nur zusammen abzuhängen, während nebenbei die LKWs fertiggemacht und mit Wasser nachgefüllt wurden.

Gegen halb drei war alles soweit bereit und die beide Trucks rollten vom Hof.

Jetzt , da wir allein waren, machten wir einen Plan für den Tag. Fes erwartete uns und wir freuten uns besonders auf die Handwerkerviertel, in denen Leder verarbeitet, Silber geschmiedet und Holzverkleidungen noch von Hand hergestellt werden.

Ganz besonders interessierten uns die Gerbereien, die man ja aus dem Fernsehen kennt, in denen unter den höchsten Sicherheitsvorschriften arbeitnehmerfreundlichst das Leder be- und verarbeitet wird.

Wir wollten uns an der Rezeption ein Taxi in die Stadt rufen lassen. Aber der überaus freundliche Herr hatte keine Nummer parat. Aber sie hätten einen Shuttlebus, der uns inklusive Führer in die Stadt (und die nächsten 15 Teppichläden) bringen würde. Wir lehnten dankend ab und versuchten es auf eigene Faust, denn die Erfahrung zeigte, dass es in Marokko mehr Taxis als Einwohner gibt!

Bis auf heute, da schienen sie alle Feiertag zu haben, denn wir marschierten die Hauptstraße entlang und weit und breit war kein Taxi zu sehen…

Auf einmal hielt ein schwarzer Benz, die Scheibe ging runter und wir wurden gefragt, ob wir ein Taxi bräuchten…

Ein bisschen verdutzt stiegen wir ein und die Fahrt begann. Er würde eine Kooperation mit dem Camping haben, alles wäre kein Problem, wir sollten uns keine Sorgen machen (wer’s glaubt…!!!). Ein bisschen hatte es den Charakter von einem schlechten Horrorfilm und wir verabschiedeten uns schon insgeheim von unseren wichtigsten Organen, aber wir kamen unbeschadet in der Medina von Fes an.

Aber dann wurde es interessant, denn er wollte für die Fahrt 200 Dirham haben. Ein normales Taxi liegt um diese Zeit (es gibt auch einen Nachttarif) bei ca. 40-60 Dirham.

Und die Diskussion auf französisch begann! Ich hielt mich entspannt zurück, während meine Frau ihre ungeahnte Berber-Seite zeigte und den Typ auf 60 Dirham runterquetschte! Gott ist mein Zeuge, ich war noch nie so stolz!!!

IMG_0337Wir waren noch nicht wirklich durch das Tor zur Medina gegangen, als uns schon die ersten Speisekarten ins Gesicht gedrückt wurden, drei auf einmal! Keine zehn Meter weiter waren es Brote, dann Souveniers, alle bedrängten uns und laberten auf uns ein! Dazu der Dreck, der Gestank, die vielen Touris und Einheimischen, Reizüberflutung vom Allerfeinsten!

Den Tee, den wir zum Verdauen des Ganzen erst mal bestellten war der Teuerste der Ganzen Reise! Ich konnte die Stadt jetzt schon nicht ab…

Wir kämpften uns den Weg durch die engen Gassen der Medina, immer auf der Flucht vor Souvenier-, Brot-, Klamotten- Teppich- oder Schmuckverkäufern, die die ganze Zeit auf uns einredeten, am meisten nervten aber die Jungs, die sich als Führer anboten und uns die Medina zeigen wollten! Die verfolgten dich die ganze Zeit und quatschten immer wieder auf dich ein…

IMG_0354Zum Durchschnaufen verließen wir die Medina durch ein nahes Tor und standen auf einem Platz, auf dem gerade ein Souk stattfand und überall gebrauchtes Zeug, Ersatzteile und Schrott rumlag. Wir hatten das Gefühl, die ganze Stadt besteht nur aus Müll und Dreck, ein Molloch, wie wir es noch nicht gesehen haben! Dagegen ist Marrakech Kindergeburtstag!

Da dich hier alte Leute niemals bescheißen, quatschten wir drei alte Herren an, die uns dann freundlich den Weg ins Handwerkerviertel wiesen, uns aber sagten, um unsere Nerven zu schonen, sollten wir ein Taxi nehmen… Diese Aussage war uns dann drei Kippen wert und sie verabschiedeten sich mit den besten Wünschen!

Das Taxi, das uns die drei Kilometer an die richtige Stelle der Medina brachte, war das Erste überhaupt in diesem Land, das mit Taxameter fuhr, was wir mit einem saftigen Trinkgeld honorierten!

Das Handwerkerviertel war erwartungsgemäß relativ untouristisch und dementsprechend nicht so überlaufen, alle gingen ihrem Gewerbe nach und wir wurden kaum beachtet. Ein wirkliches Wunder, wenn man bedenkt, was nur zwei Kilometer weiter abgeht!

Da gerade wieder ein Barbier in Sicht kam und eine Rasur eh mal wieder fällig war, betraten wir den winzigen Laden und machten Bekanntschaft mit den hiesigen Gepflogenheiten. Sozusagen Maroc Shaving 2.0, denn außer Wasser wurde hier nichts verwendet, kein Rasiergel, kein Pinsel, nix! Mit einem Pflanzenbefeuchter eingenebelt und ab gings! Wenigstens für den Bart hat er ein bisschen Gel springen lassen und nach 20 Minuten kam ich mit knall-rotem Kopf, aber glatt wie ein Baby-Popo aus dem Laden… Auf unsere Frage nach den Gerbern meinte er, wir sollten da vorne Rechts gehen… Das ist ungefähr so, wie wenn man daheim eine bestimmte Adresse sucht und einem einer sagt, es ginge immer Richtung Frankfurt…

Die Medina ist so verschachtelt und verwinkelt, und gerade die Medina hier in Fes ist dafür berühmt, das eine solche Aussage an Hohn grenzt…

Whatever, irgendwann hatten wir keine Lust mehr zu suchen und bezahltem einen irgendwo herumsitzenden Typ 10 Dirham (90 Cent), das er uns auf dem schnellsten Weg zu den Gerbern führte. Da es noch 5 Minuten zum Beginn des Champions-League-Spiel war, war es wirklich der schnellste Weg, der Typ ist fast schon gerannt! Gut für uns!

IMG_0387Wir wurden von einem Mann in Empfang genommen, der uns bereitwillig seine Dachterrasse zum fotografieren zur Verfügung stellte und mit uns sogar noch einen Rundgang durch die Gerberei machte. Das es ein Lederverkäufer war, spielte bestimmt in diesem Fall nur eine nebensächliche Rolle.

 

 

IMG_0394Er zeigte uns die Gerbbecken, für die Fes berühmt ist und die man in jedem Reiseführer oder -prospekt sehen kann. In diesen Becken werden die Häute in verschiedenen Laugen und Flüssigkeiten gebadet, gefärbt und veredelt, alles in Handarbeit (bzw. Fußarbeit). Es stank zum Himmel, denn es wird Taubenkot, der mit Kalk gemischt wird, zur Verarbeitung verwendet. Verschiedene Laugen und Amoniakbäder sind auch dabei. Aber es war hochinteressant und faszinierend! Wir wurden weitergeführt, durch die Wäscherei, in der die Häute gereinigt werden und gewaschen werden…

Natürlich endete unser Rundgang im Verkaufsraum, aber damit rechneten wir schon…

Nach einer riesen Diskussion, Preisgefeilsche und diversen Angeboten verließen wir den Laden, mit dem Versprechen, am nächsten Morgen wiederzukommen und uns bis dahin entschieden zu haben… Wer weiß, vielleicht kommen wir wirklich wieder… Inshallah! („So Gott will“, wie man hier sagt)

Da es schon dunkel war und langsam die Geschäfte alle schlossen, machten wir uns auf den Heimweg, der fast genauso diskussionsreich war, wie der Hinweg, aber für 90 Dirham wurden wir in einem winzigen Suzuki-Mini-Bus nach Hause kutschiert…

Kaum auf dem Camping angekommen, kam ein Mann auf uns zu, der fragte, ob wir morgen frische Brote haben wollten.

Der war gestern Abend schon da und wir haben 3 Brote bestellt (ob sie kommen oder nicht spielte bei 20 Cent das Stück keine große Rolle), aber heute morgen lagen sie wirklich auf unserem Campingtisch. Zwar im Regen, aber wie abgesprochen platziert!

Wir bestellt für morgen gleich wieder Frühstück, da sich der Kerl wirklich als Glücksgriff erwiesen hatten und bezahlten für 3 Fladenbrote, 3 Schockcroissants und 2 Baguettes genau 1,50 €!

Und er bedankte sich überschwänglich für die Großbestellung und wünschte uns eine wirklich gute Nacht! Irre…

Eine Antwort auf „Tag 25 – Fes (24.05.2014)“

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