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Tag 27 – Chefchaouen–Tanger (26.05.2014)

Kalt! Es war verflucht kalt! 15°C zeigte das Thermometer an diesem Morgen. Die Sonne stand noch relativ tief über dem Rif, als wir das Zelt verpackten und uns fertig machten, für unsere letzte Fahrt in diesem Land: Nach Tanger, der Brücke nach Europa (natürlich nur bildlich gesprochen, man muss schon noch ein bisschen mit der Fähre fahren!)…

IMG_0447Aber zuerst mal Kaffee, einpacken und los. Wir wollten uns Chefchaouen nochmal am Tag anschauen, da es uns gestern so gut gefallen hat und wir Ibrahim, den abgedrehten Deckenverkäufer, nochmal besuchen wollten. Er hatte uns gestern noch auf einen Tee eingeladen und wie unhöflich wäre es, diese Einladung auszuschlagen!

Also los und erst mal einen Parkplatz suchen! Da Chefchaouen an die Hänge des Rif gebaut wurde, glich die Fahrt durch die engen Gassen und Wege eher einer Achterbahnfahrt, schwindelerregende Steigungen sind zu bewältigen und die Bremsen laufen heiß, beim darauf folgenden Hang! Aber macht echt Spaß! Bis uns an einem Engpass ein französischer Tupper-Schüssel-Fahrer entgegen kam und ich uns die erste Beule verschaffte!

Beim Rückwärts ausweichen bin ich einem anderen Pick-Up draufgerollt… Die Hintere Stoßstange hat ein bisschen was abbekommen, aber nicht wirklich der Rede wert. Und bei dem Anderen fiel, wenn überhaupt was war, der Kratzer kaum auf, da eh nicht mehr viel Lack zum Verkratzen übrig war!

Whatever, wir hatten eigentlich für die Fahrt mit größeren Verlusten gerechnet, daher geht es! Und Fahrerflucht ist hier eine beliebte Methode, so eine Sache zu regeln, also warum sollten wir gegen einheimische Praktiken verstoßen! 😉

IMG_0545Nach diesem kleinen Intermezzo fanden wir dann irgendwann einen Parkplatz und gingen über den gerade stattfindenden Wochen-Souk in das Gewirr aus Gassen der alten Medina.

Nach gefühlten zwei Stunden rumirren fanden wir dann auch wirklich nochmal zu Ibrahims Geschäft und wurden dort freudig begrüßt! Sofort stand der Tee auf dem Tisch und wir quatschten!

Ein bisschen kam dann doch noch der Verkäufer in ihm hoch. Er zeigte uns noch ein paar seiner Schätze, natürlich nur so… Wir konnten aber widerstehen und verabschiedeten uns nach einer Stunde von ihm. Natürlich nicht ohne das Versprechen, wenn wir wieder da sind, ihn zu besuchen. Dann wolle er uns zu seiner Familie einladen. Wer weiß, man sieht sich ja immer zweimal im Leben…

Eigentlich wollten wir noch etwas essen gehen, aber wir fanden den großen Platz in der Mitte der Medina nicht mehr und plötzlich standen wir wieder an der Hauptstraße. So eine Medina ist wirklich schlimmer als jedes Labyrinth.

Wir entschieden uns, weiter zu fahren. Die Kaskaden von Akchour standen noch auf dem Plan. Hierbei handelt es sich um Wasserfälle, die vom Berg in ein Becken laufen, in dem man auch baden kann.

Auf dem Weg dort hin machten wir noch ein paar Mal Bekanntschaft mit dem marokkonischen Drogenmilieu, indem uns ein paar Menschen beim Vorbeifahren zu erkennen gaben, wir sollten doch anhalten, sie hätten was zu Rauchen (keine Zigaretten!!). Aber dass wir zum Anhalten ausgebremst wurden (wie andere, die durch’s Rif fuhren) ist uns Gott sei Dank nicht passiert.

Wir erreichten den Parkplatz der Kaskaden, dort ein wirklich zuvorkommender, netter Herr (IRONIE!!!), der uns mitteilte, dass wir noch mindestens eine Stunde laufen müssten, um zu den Kaskaden zu gelangen. Darauf hatten wir weder Lust, noch langte die Zeit. Wir wollten heute noch nach Tanger, ein Fährticket für morgen kaufen.

IMG_0605Also fuhren wir zurück in Richtung Küste. Die Berge waren beeindruckend. Man hatte das Gefühl, dass man sich im Hochgebirge auf mindestens 4000 Metern Höhe befindet, obwohl man nur wenige 100 Meter hoch war. Wirklich eine tolle Landschaft. Schade, dass sie durch die Drogenmachenschaften der Bewohner so uninteressant gemacht wird.

Wir erreichten Tanger Med und sofort stieg der Puls auf 180! Alle 2 Meter winkte jemand an der Straße, dass er Tickets zu verkaufen hätte. Wir wollten aber bis an den Hafen fahren, da konnten wir am Schalter auch sicher sein, dass es sich nicht um irgendwelche getürkten Mist handelte.

Kaum auf dem Parkplatz des Fährschalters angekommen, wurden wir schon wieder belagert. Ich ließ einen großen Schrei raus, sie sollen alle abhauen, wir können unser Ticket auch alleine kaufen. Mit einem „Okay, okay, Madmoiselle“ machten sie sich dann endlich vom Acker! Die wollen einem „helfen“ (wobei????) und dann kassieren sie ein saftiges Trinkgeld. Das brauchen wir nicht, wir sind schon groß. Und von Menschen, die einem einen „Gefallen“ tun wollen, haben wir wirklich die Schnauze voll.

Wir schafften es tatsächlich alleine und 2 Minuten später hielten wir unsere Tickets in der Hand. 11 Uhr morgen früh werden wir Afrika verlassen!

Wir gaben die Koordinaten vom nächsten Campingplatz ein, der ganze 50 km entfernt lag. Der Weg führte uns an der Küste entlang und durch Tanger. Tanger ist eine wunderschöne Stadt, die uns sehr an andere Küstenstädte wie Vancouver oder Kapstadt erinnerte. Überall an der von Palmen gesäumten, sehr sauberen Promenade stehen High-End Hotels und es wird gebaut wie wild. Alles für den Tourismus.

Wir machten Späße, dass der, der hier ankommt, ein völlig falsches Bild von Marokko bekommt und sich noch wundern wird.

Auf dem Weg zum Camping machten wir uns unsere Gedanken, wie die nächsten Tage so aussehen könnten und kamen zu dem Schluss, dass es relativ hart werden könnte. Wir würden morgen um halb 8 rum aufbrechen, da wir spätestens um 9 Uhr am Fährhafen sein müssten, dazu kam die Tatsache, dass wir morgen mindestens noch bis Madrid fahren würden, was das Ganze echt stressig werden lässt.

Nachdem wir den Camping unter Augenschein genommen und uns alles nochmal überlegt hatten, entschieden wir, uns das nächstgelegene Ibis-Hotel zu nehmen, denn morgens das Zelt abbauen würde auch nochmal Zeit kosten und gegen ein „echtes“ hatten wir beide keine Einwände.

Das Hotel kostete sogar nur die knapp die Hälfte gegenüber dem in Casablanca, was die Sache noch verlockender machte… Und das Beste war, auf der anderen Straßenseite gab es ein Restaurant, wir hatten beide Hunger wie die Löwen!

Also schnell alles aufs Zimmer gebracht, kurz nochmal Tims Mutter aus dem Bett geholt, um NUR zu sagen, dass alles in Ordnung sei (wir hatte total die Zeit aus den Augen verloren! Tut mir nochmal Leid, Mama!), ein bisschen frisch gemacht und auf zum Futtern.

Dem ganzen die Krone aufgesetzt hat, dass es heute eine spezielle Fischplatte gab. Tim wollte die ganze Küste hoch einmal Fisch essen, ist aber irgendwie nicht dazu gekommen, da passte das wie die Faust aufs Auge!

Die bestellte er gleich, zusammen mit einer marokkanischen Suppe. Ich nahm Brochette und auch die Suppe.

Der Kellner schaute ein bisschen komisch, aber Tim dachte mir nix dabei, bis die Platte kam…

Das Teil hätte für 3 hungrige Männer gereicht und da ich keinen Fisch esse, musste er sich alleine darum kümmern… Er hab echt gekämpft, aber es war so gut, dass er nix übrig lassen konnte (außer die Muscheln!!!). Und auf den Kuchen zum Nachtisch, konnte er auch nicht verzichten (was sich nachts dann gerächt hat, aber das ist eine andere Geschichte…)!

Als die Rechnung kam, staunten wir nicht schlecht… Fast 840 Dirham!!! 80 Euro!!!

Aber Moment mal… da konnte was nicht stimmen… 394 Dirham das Essen und 42 Dirham der Nachtisch… Macht ??? genau, knapp 440 Dirham…

Nach einer fast endlosen Diskussion und auf einer Serviette vorrechnen hat dann auch der Kellner die Sache verstanden und wir wurden ordnungsgemäß abgerechnet…

Whatever, in einem Land mit über 40% Analphabeten kann sowas schon mal passieren, deshalb sei jedem gesagt, kontrolliert immer eure Rechnungen, wenn ihr mal vorhabt, einen Off-Road-Urlaub in Afrika zu machen! 😉

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