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Tag 11 – Tinghir-Todra- Schlucht-Marrakech (10.05.2014)

Heute stand das fette 2. Touri-Programm auf dem Plan: die Todra-Schlucht…

Wir packten unsere Sachen und starteten in Richtung Schlucht. Diese Schlucht ist noch touristischer, da sie nicht so weit im Gebirge liegt und daher auch mit Bussen gut zu erreichen ist.

Da unser Campingplatz ja schon an der Straße zur Schlucht lag, hatten wir diese bereits nach 15 Minuten erreicht. Uns stockte der Atem: Genau so hatten wir uns die Schlucht vorgestellt! Es war einfach der Hammer! Unten wand sich der Fluss und wir hatten das Gefühl mitten im Berg zu stehen. Es war einfach atemberaubend! Das fanden sicher auch die ganzen Souvenirverkäufer, die hier vertreten waren und ihr Geschäft des Jahres machen wollten. Dürfte auch nicht schwer sein bei den ganzen Busladungen voll an Menschen die hier hoch gekarrt werden.

Nach ein paar Fotos ging’s weiter in Richtung Imilchil. Von hier sollte es dann in den Hohen Atlas gehen.

Wir fuhren in einer ähnlichen Landschaft wie gestern über Serpentinen. Unten am Fluss entlang befand sich eine nach der anderen Oase und auf den Bergen sah man nur braunen kargen Stein. Einfach der Hammer!

Nach einer guten Stunde erreichten wir Imilchil. Von hier aus sollte es über eine Piste noch weiter in das Atlas-Gebirge gehen. Die Piste war laut unserem Reiseführer durch ein paar vor Jahre weggespülte Furten nicht passierbar. Aber wir versuchten es trotzdem. Schließlich waren wir aus diesem Grund hier… Wir wollten was erleben.

IMG_8818Die Piste war relativ gut befahrbar. Wir hatten in diesem Urlaub schon Schlimmeres erlebt. Immer weiter schraubten wir uns in den Atlas. Die Serpentinen nahmen überhaupt kein Ende. Die Oasen wichen nur noch blankem Gestein. Es sah richtig surreal aus. Immer mal wieder kamen wir an Schafhirten auf ihren Eseln oder ganz kleinen Dörfern vorbei. Als wir um eine Kurve kamen staunten wir nicht schlecht: Wir waren im Paradies gelandet: Überall grüne Wiesen, Kühe grasten, Bauern pflügten ihre Äcker (ganz altmodisch mit Pferden und einem Pflug!). Und das mitten im Atlas-Gebirge! Man hätte denken können, man fahre irgendwo auf einer Alm im Allgäu herum. Wären da nicht die bettelnden Maroc-Kinder gewesen, die uns die ganze Fahrt durch diesen grünen Traum auf Trab hielten. Kaum hatten sie uns erblickt rannten sie aus allen Winkeln mit hoch erhobenen Händen heran und riefen uns zu.

IMG_8769Egal, wir genossen einfach die tolle Natur! Man kann kaum glauben, wie gut es tut und wie sehr es das Gemüt erhellt, wenn man nach knapp zwei Wochen endlich mal wieder grüne Pflanzen und Wiesen sieht und nicht immer nur Braun oder Beige oder irgendwas dazwischen!

IMG_8789Am Ende dieser Alm kamen wir in ein Dorf, auf dem gerade Markt war. Und wir landeten mittendrin im Hexenkessel. Mit geöffneten Fenstern fuhren wir auf eine Engstelle zu, in der mehrere LKWs gerade versuchten sich ihren Weg zu bahnen. In Deutschland hätte man durch diese Stelle kein Fahrrad geschickt hier geht es irgendwie. Und wir standen mittendrin und warteten bis wir an der Reihe waren. Jeder der unterwegs war kam an unser Auto, steckte den Kopf rein und wollte irgendwas. Der erste eine Salbe wegen seinem verletzten Finger und hielt uns seine tiefe eiternde Wunde hin. Na dann Mahlzeit! Die nächsten wollten Bonbons, was zu Essen, was zu trinken, Geld, eine Zigarette oder Whiskey. Ja, richtig gehört Whiskey! Und das in einem muslimischen Land. Als wir ihn fragten, ob er Moslem sei und dass im Islam doch Alkohol nicht erlaubt sei antwortete er: „Whiskey ist OK!“

Irgendwann hatten wir die Engstelle überwunden und waren raus aus der Hölle. Erst Paradies dann Hölle, was ein Wechselbad der Gefühle!

Kurz darauf wechselten wir wieder auf eine Asphaltstraße, die jedoch aufgrund der vielen Schlaglöcher schlimmer zu befahren war als die Piste.

Die Straße schraubte sich nun weiter in die Höhe, bis wir schließlich bei knapp über 2500 Metern unseren höchsten Punkt erreichten. In der Ferne sah man die schneebedeckten Gipfel der höchsten Berge Marokkos, im Tal die grünen Wiesen und wir mittendrin!

IMG_8842Nachdem wir den höchsten Punkt des Passes erreicht hatten, ging es bergab. Und das richtig. Vor lauter Bremsen glühten das ganze Rad und die Bremsklötze stanken, wie wenn sie gleich ihr zeitliches segnen würden. Die Motorbremse half schon lange nicht mehr…

Aber irgendwann waren wir unten und in dem Dorf (Dorf ist eigentlich übertrieben, 4 Hütten, mehr war es nicht) Anergui angekommen. Von hier aus sollte es laut unserem Reiseführer über eine „schmale Piste, die nur für 4×4 Autos und nur für nervenstarke Fahrer ist“ weiter zur Cathedrale de Roches gehen. Kurz bevor wir den Übergang zur Piste erreichten, rasselte es plötzlich am rechten Vorderrad. Es hörte sich an, wie wenn jemand mit einer Eisenkette immer gegen das Rad schlug. Wir hielten kurz an um nachzuschauen was es sein könnte und fanden einen Stein, der sich zwischen Ölwanne und Unterfahrschutz versteckt hatte. Nachdem wir ihn entfernt hatten und ein paar Meter weiter fuhren stellten wir fest, dass der Stein nicht der Übeltäter war. Es rasselte immer noch. So langsam überkam uns ein komisches Gefühl. Wir zwei alleine mit unserem Auto, ohne Handyempfang (den wir das letzte mal in Spanien hatten) kurz vor der Einfahrt zur Piste, bei der es kein Zurück gibt, da sie zu eng ist zum Drehen, mitten in der Pampa und jetzt das Geräusch! Ein echt beklemmendes Gefühl.

Da wir wissen wollten was da so klappert, wollten wir den Wagen hochbocken. Irgendetwas musste am Rad sein! Als wir dabei waren das riesen Auto mit dem viel zu kleinen Wagenheber (das nächste Mal geht doch der High-Lift mit) hochzuschrauben kam ein Wanderer vorbei der uns fragte, ob wir Hilfe bräuchten.

Ein sehr netter Mann, eigentlich aus Spanien, lebt in Frankreich und ist seit er in Rente ist immer mal hier, mal dort. Er fragte uns wo wir hin wollten. Als wir ihm sagten in Richtung Cathedrale de Roches antwortete er, dass die Piste nicht passierbar sei. Der Fluss hat einen Teil der Straße weggerissen und wir müssten umdrehen.

Bevor es dann aber zum Hochbocken kam, fanden wir kurzerhand den Fehler… Die Abdeckung der Achse hatte sich durch das Gerüttel gelöst und schlug im Ring der Distanzscheiben herum. Jetzt gab es nur noch eins zu tun: Wir mussten diese scheiß-steile Straße wieder hoch….

Das Rasseln hatte tatsächlich aufgehört (ein bisschen rohes Fingerspitzengefühl mit dem Hammer!) und wir waren beruhigt. Zumindest bis das nächste Teil anfing zu stinken: die Kupplung. Durch die ganzen Kurven und das andauernde Wiederanfahren am Berg wurde sie wohl etwas zu stark strapaziert…. Whatever…! Wir erreichten den Pass ohne weitere Ausfälle und überlegten uns, ob wir die Cathedrale nun von der anderen Seite anfahren oder weiterfahren wollten.

Es langte uns erst einmal mit Gebirge und wir entschieden uns raus und in Richtung Marrakech zu fahren. Hierzu befragten wir das Navi, was uns eine Ankunftszeit von halb 10 Uhr am Abend ausspuckte. Das bedeutete im Dunkeln fahren (hier wird es gegen halb 9 Uhr dunkel). Hiervor wird man ja ausdrücklich gewarnt. Nicht nur in Reiseführern sondern auch aus Insiderkreisen wurde gesagt, NIE bei Nacht fahren!

Was nun?

Wir entschieden uns es trotzdem zu versuchen, vielleicht können wir das Navi ja ein bisschen einholen…

A propos Navi: Auf der Straße meistens unschlagbar – wenn es nicht mal wieder verwirrt ist und sagt wir sollen rechts abbiegen, wo es 500 Meter in die Tiefe geht… Aber ich habe meinen neuen besten Freund gefunden: Unser GPS! Ohne das wären wir schon öfter aufgeschmissen gewesen. Es ist einfach das beste, was es zum Navigieren, vor allem in unerschlossenen Gebieten, gibt!

Wir fuhren also aus dem Gebirge und irgendwann waren wir auf einer Art Schnellstraße. Das erste Mal seit einer Woche! Es war sehr abenteuerlich. Teilweise befanden sich auf einer zweispurigen Straße sechs Fahrzeuge nebeneinander. Man glaubt gar nicht was sich alles gleichzeitig überholen kann:

Der Pferdewagen wird von einem Roller überholt und der gleichzeitig von einem LKW und das auch auf den Gegenfahrbahn. Dass wir keinen Toten gesehen haben grenzt an ein Wunder.

Jetzt wissen wir auch, weshalb man im Dunkeln nicht fahren soll: Im Hellen ist es schon fast Selbstmord, im Dunkeln ein Himmelfahrtskommando…

In Südafrika gibt es den Spruch: „The night is not for human beeing“ (siehe unseren Blog über Südafrika), der passt hier perfekt… Afrika ist Afrika!

Nun ja, wir merkten recht schnell, dass wir unser Navi nicht einholen konnten.

So erreichten wir dann um viertel vor zehn den Campingplatz im Dunkeln.

Bisher macht er mal keinen schlechten Eindruck und bis auf eine riesige Kakerlake in der Dusche war alles bestens! Es gibt warmes Wasser, und einen Pool! Der Rest zählt kaum…

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