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Tag 12 – Marrakech (11.05.2014)

Die Nacht war – bis auf das Wecken bei Sonnenaufgang von einem Hahn, der direkt neben unserem Auto Alarm schlug – gut, war aber kein Wunder, nach einer solchen Fahrt… Erstmal checkten wir wieder alles, Öl, Filter, leerten den Zyklon und räumten mal ein bisschen auf.

Was sich an Leergut ansammelt, wenn man 7 Liter pro Person und Tag aus 0,5-Liter-Flaschen trinkt ist der Wahnsinn… Der komplette hintere Bereich zwischen Vorder- und Rückbank war voll mit leeren Flaschen…

Egal, wir entrümpelten die ganze Karre, füllten die Kühlbox nach und machten uns mal mit unseren Nachbarn bekannt. Ein nettes Ehepaar aus Österreich, die gerade mit ihrem umgerüsteten Mercedes 207D auf dem Heimweg sind. Wir quatschten und tauschten Erfahrungen aus…

Denen Gegenüber standen zwei Schweizer in unserem Alter, die ebenfalls mit einem Hilux unterwegs sind. Baujahr 1986, mit komplett umgebauter Ladefläche, die zur Wohnkabine umgebaut ist. Die beiden reisen ein halbes Jahr durch Europa und Nordafrika, bis es wieder an’s Arbeiten geht.

Wieder gab es Informationsaustausch. Erfahrungen und Erlebnisse wurden erzählt; welche Routen sind schön, welche lässt man besser bleiben, was muss unbedingt sein. Da sie auch einen Geländewagen fahren, sind sie genauso heiß auf Piste wie wir!

Und das hat uns dann auch wieder angefixt! Wir warfen unseren bisherigen Plan, der Küste zu folgen, über den Haufen und planten komplett um:

Die Route führt zurück in die Wüste, eine Piste an der algerischen Grenze entlang über 200 Kilometer purer Spaß! Und das Beste: Genau diese Piste wurde auch schon für die Rallye Dakar genutzt!!!

Der restliche Tag verging wie im Flug. Ich baute das Zelt notdürftig ab, damit ich schnell einkaufen fahren konnte und Sarah nutzte den Pool zum entspannen und braun werden (oder eher rot!).

Ich machte mich also auf den Weg zum Einkaufen und war auch kurze Zeit später (nach zweimaligem verfahren) an der Einkaufsmöglichkeit…

Ich war gewohnt an einem Laden, nicht viel größer als das Auto anzuhalten, auszusteigen, zu sagen, was ich wollte, das in die Hand gedrückt zu kriegen, zu bezahlen (nach verhandeln) und wieder weg.

Ich stand auf dem riesigen Parkplatz eines noch viel größeren Supermarktes, vergleichbar zu den REALs oder GLOBUS’ daheim. Irgendwie ein Kulturschock, wenn man fast zwei Wochen sowas nicht gewohnt ist. Aus brütenden 38°C wurden, wenn man durch die Tür kam, angenehme 20°C. Einkaufswagen in Reih und Glied, Angestellte in Einheitskleidung und eine gewaltige Auswahl an Waren.

Vor einer Woche noch war ich froh, überhaupt Wasser in geschlossenen Flaschen zu bekommen, hier stand ich vor der Auswahl aus 30 verschiedenen Sorten…

Ich brauchte mehr Zeit, um mich für eine Sache zu entscheiden, als für den Einkauf an sich. Irrsinn.

Irgendwann entschied ich mich für EIN Wasser, kaufte gleich 20 Liter für die Kanister, ein bisschen Cola, Schoko und Orangina in Dosen und ging zur Kasse. Ob ich mit Kreditkarte zahlen wolle? Äääähhhh??? Was?! nö, bitte bar. Verdutzter Blick, ob ich nicht ein Verbrecher bin, aber okay… Ich kam mir vor, wie in einer anderen Welt…

Wieder daheim holte ich meine Frau „vom Backblech“ und wir gingen Duschen.

An der Rezeption bestellten wir ein Taxi, denn wir wollten in die Stadt.

Das Taxi ließ uns am Place Jemaa el-Fna raus, dem größten Marktplatz Marrakechs. Früher wurden hier öffentliche Hinrichtungen abgehalten, heute dient der Platz als Touristenattraktion und Umschlagplatz für Waren aller Art. Dazu kommen noch die „Schausteller“, mit samt ihren Tieren wie Schlangen, Affen, Geiern, Kamelen uns sonst irgendwelchem Geviechs…

Wir standen im absoluten Chaos!!!

Überall Händler, die ihr Zeug an den Mann bringen wollen, Schlangenbeschwörer, die ihre Kobras einfach so auf dem Boden rumkriechen lassen! Andere wollen dir Berberaffen auf die Schulter setzen, andere dir Henna verpassen, wieder andere dir die Zukunft aus der Hand lesen. Jeder will dir irgendwas andrehen, verkaufen, tauschen oder angeblich schenken. Jeder hat das Beste der Stadt, das Beste des Landes, das Beste der Welt. Jeder Essensstand ist der Beste, jeder hat den Besten Tee, das Beste Kleid! Und alles natürlich zum Besten Preis!!! Absoluter Wahnsinn!!! Und Menschen überall…

Wie gesagt, wir kommen aus der Wüste, wo man am Tag 10 Autos zu Gesicht bekommt, und dann das hier… Ein Molloch, in dem jeder nur den Profit sucht, ein Geschäft machen will!

IMG_9010Aber irgendwie auch faszinieren und fremdartig. Überall wird geschrien, gefeilscht und geboten!

Um uns ein wenig von dem Irrsinn zu erholen, tranken wir einen Minz-Tee in einem Cafe am Rand des Platzes.

Dort kamen wir mit dem Besitzer ins Gespräch, der uns ein wenig Infos über den Platz und die Stadt gab. Gut informiert und nicht viel ärmer (der Tee kostete satte 1,8 Euro die Kanne!) stürzten wir uns wieder ins Getümmel!

Da ich die letzten Tage im Nirgendwo nicht sonderlich auf meine Gesichtshygiene geachtet habe, zeigte Sarah auf deinen Barbier, es wäre doch ein Gag mich mal rasieren zu lassen…

Gesagt, getan. Rein in den Laden, der auch wieder die Größe eines Dixie-Klos hatte, rauf auf den Stuhl und ab ging die Post! Das Rasiermesser wurde geschickt vom Meister geführt und nach 15 Minuten war ich glatt wie ein Babypopo. Sowohl im Gesicht als auch auf der Platte! Kurz noch Politur drauf, ein bisschen Rasierwasser und schon entließ mich der Chef wieder raus in den Wahnsinn. Die umgerechnet 10 Euro hatten sich auf alle Fälle gelohnt! So glatt war ich noch nie!

Wir wollten gerade einen Stadtplan beschaffen, als von der nahen Moschee der Muezzin anfing zum Gebet zu rufen… Und ZACK, war der Laden auf einmal zu. Whatever, wir warteten, bis er wieder zurück war und kauften dann unseren Plan, damit wir morgen nicht ganz so unvorbereitet in die Stadt kommen (Wir hatten nicht einmal einen Reiseführer dabei).

Als wir an ein paar Essensständen vorbeikamen, konnten wir uns dem Werbegeschrei nicht mehr erwehren und setzten uns an den Stand. Auf dem Platz sind die Essensstände nummeriert, wie die Weinstände auf dem Dürkheimer Wurstmarkt. Und natürlich wurde uns versichert, das unser Stand das beste Essen der Stadt habe, ach was, des ganzen Landes!

Es war wirklich nicht schlecht, diesmal Cous-Cous. Is irgendwie nicht mein Ding, aber gut war es. Sarah blieb bei Tajine (hoffentlich richtig geschrieben), einem in einem Tonkrug zubereitetem Gericht aus Fleisch und Gemüse.

IMG_9070Total überfordert und tot müde verließen wir den Platz und machten uns auf die Suche nach einem Taxi. Naja, ist gut gesagt, eher hat uns der Taxifahrer gesucht als umgekehrt. Nach ein bisschen Verhandlung stand der Preis und wir fuhren zurück zum Campingplatz.

Unser Zelt hatte die durchschnittliche Temperatur eines Heißluftofens und das um halb 11 abends.

Whatever, so wird einem wenigstens nachts nicht kalt! 😉

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