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Tag 13 – Jörpeland (26.07.2012)

Wer morgens in einem Feld aufwacht, hat entweder alles richtig oder alles falsch gemacht. Wir tendierten auf Ersteres. Die Sonne schien, es waren angenehme 20 Grad, die Wellen des Fjords schlugen ans Ufer und es war absolut friedlich und schön. Ein guter Tag!

Ich würde lügen, wenn ich behaupte, ich hätte schlecht geschlafen. Ich habe sogar erstaunlich gut geschlafen für ein Feld.

Nicht so gut war, dass wir, weil wir natürlich nicht damit gerechnet haben, in einem Feld zu schlafen, keine Wasservorräte dabei hatten. Wir hatten zwar den Kanister, aber der war leer. Jetzt standen wir vor der Wahl, unsere Zähne mit Apfelsaftschorle oder mit Fjordwasser (Salzwasser) zu putzen. Wir entschieden uns, Sie gar nicht zu putzen…

Nachdem wir unser Zelt, was durch den Tau auf dem hohen Gras natürlich schon wieder nass war, abgebaut und verstaut hatten, fuhren wir zu dem Fähranleger, denn wir vermuteten dort ein WC. Und wir lagen richtig!

Es hatte ein WC, dass zwar aussah wie Sau, aber ein WC. Für waschen und Zähneputzen hat es gereicht.

Es war kurz nach 8 Uhr, die Fähre für den Lysefjord sollte um 9.10 Uhr abfahren. Also hatten wir noch massig Zeit. Ein Stück am Wasser entlang lag ein Supermarkt, dort besorgten wir uns Kaffee und Brötchen, zusammen für 12 Euro… Was verdienen die hier nur??!!

Als wir zum Fähranleger zurückkamen (8:45 Uhr), stand dort eine lange Schlange Autos, die auch auf die Fähre wollten… Verdammt, jetzt haben wir schon 100 Meter von der Ziellinie entfernt geschlafen und mussten uns trotzdem hinten anstellen. Vor uns waren noch ungefähr 5 – 7 andere Fahrzeuge.

Die Fähre kam und war schon gerammelt voll. Aber sie legte an, zuerst wurden die vorreservierten Autos aus der Reihe gezogen, danach die anderen der Reihe nach.

Genau vor der Linie sollten wir nochmal anhalten, es wurde geschaut, wo noch Platz ist… und die Rampen eingezogen… Vorbei! Die Fähre fuhr ab und wir gafften ihr wie bestellt und nicht abgeholt hinterher!

Der Pass war damit auch gestorben, denn den konnte man nur von der Fährseite aus befahren…

Wir wendeten und fuhren die Straße zurück, die wir Tags zuvor gekommen waren und auf der wir unsere Wiese gefunden hatten. In einer Parkbucht hielten wir und fassten einen Alternativplan für den Tag.

Da wir wenigsten heute Nacht auf einem Campingplatz schlafen wollten, fuhren wir den Ersten der Beiden von gestern an.

Sie hatten Platz und obwohl wir um 10 Uhr früh dort ankamen, haben sie nur einen Tag berechnet. Dafür kostete das Internet Geld, machte aber nix, es war nicht viel…

Wir bauten also unser Zelt wieder auf, was wir vor drei Stunden erst abgebaut hatten. Nass war es immer noch, aber die Sonne brannte jetzt mit fast 25 Grad vom Himmel und trocknete es binnen einer halben Stunde!

Wir richteten uns ein, kochten Kaffee und genossen die warmen Strahlen.

Der Plan für den Tag bestand jetzt darin, den Preikestolen zu erklimmen.

IMG_0416Der Preikestolen, für diejenigen, die ihn nicht kennen (zu denen wir vor einem halben Jahr auch gehörten), ist eine Klippe am Lysefjord. Das irre daran ist, dass sie 604 Meter hoch in einem 90° Winkel steil abfällt und unten im Fjord endet. 604 Meter!!! Noch verrückter ist, dass die Kante absolut ungesichert ist! Es ist Tradition, wenn man dort ist, die Beine über den Klippenrand zu hängen und sich fotografieren zu lassen.

Aber bevor man das tun kann, muss man erst einmal dort hinkommen. Denn der Preikestolen (oder Predigerstuhl genannt) kann nur auf einem, laut Reiseführer, sechs Kilometer langem, unbefestigten Weg erreicht werden. Man benötige lediglich Wanderschuhe und da es fast 120.000 Menschen im Jahr dort hinzieht, müsse man sich auch keine Sorgen wegen der Wegbeschaffenheit machen.

Also los…

Der Parkplatz, der den Beginn den Fußweges markiert, kostete 100 Kronen (ca. €13.-). Das Problem war, dass dort niemand stand und abkassierte. Wir parkten, stiegen aus und suchten nach irgendjemandem, dem wir unser Geld abtreten könnten. Aber wir fanden keinen. Auch keinen Automat. Nichts…

Es wurde uns zu bunt und wir ließen es einfach drauf ankommen und marschierten los…

IMG_0430Am Anfang war es noch relativ leicht, wir gingen ein Stück durch den Wald, irgendwann wurde es ein bisschen steiler, aber kein Problem. Ich hatte den Rucksack mit der Fotoausrüstung auf dem Rücken, der bestimmt seine 12 Kilo hat.

Aber kein Problem…

Die Probleme fingen erst an, als wir an ein Stück kamen, das steiniger wurde. Die Steine wurden immer größer, der Wald hörte auf. Die Steine wurden zu Felsen. Irgendwann kletterten wir nur noch. Es war megaanstrengend, die lange erwartete Sonne wurde jetzt unser größter Feind. Man kann sich kaum vorstellen, wie weit sechs Kilometer sein können…

Es ging immer weiter rauf, immer steiler wurde der Weg. Uns taten die Beine weh, die Füße schmerzten höllisch. Wir waren klitschnass! Diesmal aber nicht vom Regen…

Die Bäume hörten auch irgendwann auf, vor uns lag eine „Etappe“, die fast senkrecht über riesige Felsen führte.

IMG_2846Nachdem wir die bewältigt hatten, sahen wir schon gaaannnzzz weit weg den leichten Überhang. Fix und fertig kamen (wir sollten aufhören zu rauchen!) wir am Predigerstuhl an. Gefühlte 10.000 Menschen drängten sich auf den Vorsprung, der eine Grundfläche von ungefähr 30 Meter in einem fast perfekten Quadrat misst.

Erstmal ausruhen, die Wasserflasche leer und, ich weiß, ich weiß, eine rauchen.

Dann machten wir uns daran, das zu tun, weswegen wir hier waren.

Langsam, Schritt für Schritt tasteten wir uns an die Kante heran….

IMG_0413Es kostet mehr Überwindung, sich dort hinzutasten, als dann die Beine über die Kante zu strecken. Wir setzten uns ganz vorsichtig, rutschten auf dem Hintern an die Kante und Zentimeter für Zentimeter streckten wir die Beine aus. Bis die Knie angewinkelt waren. Schnell zwei Bilder gemacht und ab zurück…

Geschafft, jetzt konnten wir uns der atemberaubenden Landschaft widmen. Von einer so hohen Position aus, kann man fast den gesamten Fjord überblicken, Berge im Hintergrund und die paar Quellwolken am Himmel rahmten ihn wunderschön ein. Es war toll!

Nicht ganz so toll war, dass wir den Weg auch wieder zurück mussten…

Aber auch das bewältigten wir und fuhren glücklich zu unserem trockenen (!) Zelt zurück, um erstmal unsere Wunden zu lecken. Die ein oder andere Blase wollte versorgt werden und eine ausgiebige Dusche stand an. Als auch das erledigt war, bemerkten wir erst einmal, dass die Sonne wirklich ordentlich geschienen hatte.

Wir waren Krebsrot! Gesicht, Hals, Nacken, Arme, bei mir noch meine Glatze…

Wenn wir zurück kommen, glaubt uns keiner, dass es fast 2 Wochen nur geregnet hat. Aber wir haben Beweisbilder!

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Das ist nur für meine Mama:

Ja, Mama, ich weiß…

Ich weiß, du hast gesagt, ich soll mich einschmieren…

Ich weiß, du hast gesagt, ich soll meine Mütze mitnehmen…

Die hatte ich auch dabei, aber die lag im Auto…

Du hast wie immer Recht gehabt…

Aber du liebst mich trotzdem!

Und ich liebe dich!

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IMG_2884Wir ließen den Abend entspannt mit Abendessen und einem kühlen norwegischen Bier ausklingen.

Das mit dem Bier ist keine Selbstverständlichkeit, das kostet hier 11 Euro die 0,5 Liter Dose!

Aber hier auf dem Campingplatz gibt es Bier, dass nur 1,20 Euro kostet. Keine Ahnung, aber die Chance musste ich nutzen!IMG_2858

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