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Tag 12 – Jostedalsbreen-Jörpeland (25.07.2012)

Ich möchte mich ja nicht wiederholen, aber 3x dürft ihr raten, wovon wir geweckt wurden. Richtig! REGEN!!!

Es war zum verrückt werden. Irgendwas oder -jemand hat sich doch gegen uns verschworen!

Ich möchte ja nicht jammern, aber so langsam nervt es wirklich. Vor allem, da wir gestern beim schönsten Wetter in unser Zelt sind und auch der Wetterbericht nur positives voraus sagte.

Das Problem an Regen ist nicht, dass er durch’s Zelt geht. Unser Zelt ist dicht. Aber man muss das Zelt und alle anderen Sachen ja wieder zusammen packen. Und nasses Zelt auf die Ablagefläche mit trockenen Sachen, bedeutet, dass bald alles nass ist! Außerdem haben wir abends nach dem duschen unsere Handtücher zum trocknen aufgehängt. Die waren nun noch nasser!

IMG_2707IMG_2656Als wir alles einpackten hörte es allmählich auf zu regnen und wir beschlossen, bevor wir Richtung Jörpeland (Preikestolen, aber dazu später mehr) aufbrechen, noch einen Abstecher über den Nigardsbreen zu machen. Hierbei handelt es sich um einen Seitenarm des Jostedalsbreen, welcher über eine Straße, entlang eines schönen Gletscherflusses erreichbar ist. Die letzten vier Kliometer der Strecke (es handelt sich um eine Sackgasse) sollen 25 Kronen (ca. 3,50 €) kosten und laut unserem Reiseführer besonders interessant sein, da man Mitten durch ein Moränenfeld fährt. Gesagt, getan… Mittlerweile kostet der „Eintritt“ 30 Kronen, also ca. 0,50 € mehr. Das war aber bei den hohen Preisen hier durchaus verschmerzbar.

Die Fahrt durch das Moränenfeld war ganz schön und wir haben ein paar Bilder gemacht, aber leider war es nicht so beeindruckend, wie im Reiseführer erwähnt. Ich glaub, wir müssen mal den Reiseführer wechseln…

Nun ging es weiter nach Jörpeland. Dort wollen wir morgen den Preikestolen besteigen und mit der Fähre auf dem Lysefjord nach Lysebotn und von dort aus den Lysevegen fahren, ein Pass, der laut norwegischer Internetseite zu einem der spektakulärsten des Landes gehören soll. Da er nur über die Fähre erreichbar ist, sollen sich auf dem Pass auch nicht so viele Touris aufhalten. Wir werden sehen…

Unser Weg betrug ca. 400 km und unser Navi gab uns hierfür eine Fahrzeit von über 8 Stunden an! Bisher haben wir leider die Erfahrung gemacht, dass wir immer noch später ankamen, wie unser Navi vorhersagte. In Deutschland ist das anders. Da kann man unser Navi auf der Strecke Ludwigshafen-Hamburg locker um 1 Stunde unterbieten.

Wir mussten über drei von diesen „Bus-Fähren“ und auch sonst gab es wieder keine Autobahn. Alles auf einer Landstraße. Landschaftlich wunderschön, aber irgendwann möchte man auch mal ein paar Kilometer schaffen und nicht kurz vom Scheitelpunkt jeder Kurve auf Schrittgeschwindigkeit runter bremsen müssen.

Meistens sind die Straßen so eng, dass kaum mal zwei normale Autos aneinander vorbei passen. Stellt euch vor, ihr fahrt durch die ganzen Dörfer die Weinstraße entlang, am besten noch in der Weinlesezeit, nur dass hier keine Menschen sonder Kühe und Schafe die Straße blockieren. Und das ganze dann auf über 400 km! Wenn einem dann noch ein Bus oder LKW entgegen kommt (oder noch besser: LKW und Bus begegnen sich), wird’s richtig spannend! Wobei man sagen muss, dass man vor den Bus- und LKW-Fahrern wirklich den Hut ziehen muss! Wie die hier fahren ist wirklich beeindruckend! Keiner schleicht vor einem her, alle fahren flott und sicher über die Serpentinen!

Wir sind bestimmt durch mindestens 30 Tunnel gefahren! Ungelogen! Angefangen hat es nach der zweiten Fähre mit einem 25 km langen Tunnel! Diesen kann man aber nicht mit einem modernen Tunnel durch die Alpen vergleichen. Vielmehr handelt es sich einfach nur um ein Loch im Berg, das asphaltiert ist. Mega-eng und viel zu dunkel (es gibt nur reflektierende Seitenbegrenzungen und wenn man Glück hat ein paar Lampen an der Decke). Der nackte Stein ist feucht von Wasser, das herunter rinnt, keine Seitenmarkierungen, keine Betonwände, nichts…

Die Norweger bringen im Tunnel jeden Kilometer Schilder an, wie weit man schon ist und wie viel man noch vor sich hat. In Anbetracht der genannten Ausführungen, war es nicht wirklich eine Ermutigung, wenn man sieht, dass man erst fünf Kilometer hinter sich hat und noch zwanzig vor sich.

Dem Tunnel von 25 km folgte einer mit 11 Kilometern. Danach folgten noch sehr viele kleinere zwischen 200 Metern und drei Kilometern.

Als wir an einer Raststätte zum Austreten anhielten (das war nach den ganzen Tunneln mehr als nötig) sprach uns ein Norweger auf sehr gutem Deutsch an, wo wir her seien.

„Aus Ludwigshafen“

„Aahh, am Meer“

„Nein, nicht am Meer, eher der Süden Deutschlands“

„Okay, wieso dann Hafen??!!“

„Das ist einfach der Name!“

„Verstehe… Da wo der Kohl herkommt…“

„Genau da!“

Nach ein bisschen Smal-Talk haben wir ihm unser Leid geklagt und ihm erzählt, dass wir so mieses Wetter hatten. Er sagte, dass wir uns den schlechtesten Sommer ausgesucht hätten. Na vielen Dank!

Nach dem kurzen Stopp ging es weiter über enge Serpentinen. Wir kamen an verschiedenen Fjorden und Wasserfällen vorbei. Es war schon traumhaft!

Nur unser Navi sagte nichts Gutes voraus. Die Ankunftszeit war auf über eine Stunde gestiegen.

Unsere Dritte und letzte Fähre machten noch einen Umweg über eine andere Insel und nahm noch ein paar andere Autos mit. Sozusagen Fähre mit Umsteigeverbindung…

Nach über Zehn Stunden Fahrt, so gegen 9:30 Uhr kamen wir dann in der Nähre des Preikestolen an und suchten uns einen Campingplatz. Zumindest versuchten wir es. Der erste war voll und beim Zweiten war – zumindest laut Rezeption – noch Platz. Wir also schön für zwei Tage gezahlt, da wir von hieraus ja die verschiedene Ausflüge machen wollten. Es handelte sich bei diesem Campingplatz um den teuersten, den wir bisher hatten, nur weil er den Namen Preikestolen trägt. Wir fuhren also rein um uns ein Plätzchen zu suchen. Nach zehn Runden vergeblichen Ausschauhaltens gaben wir es auf. Entweder man hätte seinen Nachbar fast schon bei sich im Zelt liegen gehabt, oder wir hätten im Matsch geschlafen. Wir beschlossen uns das Geld zurück geben zu lassen und uns einen anderen Campingplatz zu suchen. Zu dem Zeitpunkt wussten wir noch nicht, dass es hier in der Gegend aber nur diese Zwei gibt. Es gibt schon noch andere, aber dafür hätten wir nochmal mit der Fähre hin und am nächsten Tag zum Preikestolen zurück fahren müssen.

Was nun tun? Wir fuhren hin und zurück, vielleicht haben wir ja einen Platz übersehen. Als wir feststellten, dass das leider nicht der Fall war, fingen wir uns so langsam mit dem Gedanken an, einen Platz in freier Wildbahn zu suchen. Als wir an einer Wiese direkt am Fähranleger vorbei fuhren, sahen wir dort 2 – 3 Zelte stehen. Wir schauten uns kurz an und beschlossen dann, hier auch unser Lager für die Nacht aufzubauen. Das erste mal „Wild-Campen“…

Die Lage war optimal! Wir waren direkt am Fähranleger für morgen früh, die Berge im Rücken, den Fjord vor der Haustür. Es könnte nicht schöner sein. Als wir das Gras niedergetrampelt hatten, das bestimmt 50 cm hoch stand, endlich das noch nasse Zelt rausgekramt und aufgebaut hatten war es schon stockfinster… Ein bisschen vermissten wir die Mitternachtssonne!

Eine Nacht im Freien, für uns die erste unseres Lebens, ist ganz anders, als man sich das vorstellt (bzw. wie wir uns vorstellten…)

Eigentlich ist ein Campingplatz genau das selbe, aber man hat trotzdem immer das Gefühl, das jemand vor dem Zelt steht, überall raschelt es und die wilde Natur ist natürlich auch nicht so gebändigt, wie auf einem abgegrenzten Gelände… Es war, sagen wir abenteuerlich…

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