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    Krakau

    Die erste Nacht in Polen verbrachten wir an einem See in einem Naherholungsgebiet, dass umringt war von Restaurants und Hotels. Das merkte man daran, dass unentwegt Musik zu hören war und alle fünf Minuten ein Auto vorbei fuhr. Es war Wochenende und die Hotels hatten die Säle voll mit Hochzeiten, die eine lauter als die andere. Die Gäste fuhren auf der Zufahrt immerwährend an uns vorbei und selbst mitten in der Nacht hörten wir noch, wie die Fahrzeuge langsamer machten, damit sie den ungewöhnlichen Gast länger betrachten konnten.

    Die Nacht war kalt und wir zitterten in unserem Top. Man merkte jetzt immer mehr, das der Herbst nahte.

    Aber die Tage waren noch schön und warm.

    Das nutzten wir dann auch gleich mal, um uns eine der schönsten Städte des Landes, wenn nicht sogar ganz Europas anzuschauen.

    Krakau, im Südosten Polens ist ein Juwel!

    Die gesamte Stadt besteht aus alten Häusern, die wunderschön restauriert waren. Alles überragte eine gewaltige Festungsanlage, die gleichzeitig die Altstadt bildete. Die Weichsel umrundet diesen Festungsberg und rahmt ihn wunderschön ein. Auf dem Fluss waren Ausflugsboote, Privatschiffe und Mietkähne unterwegs. Wir gingen am Ufer entlang auf die Altstadt zu, nachdem wir fast eine Stunde vergeblich versucht hatten, einen Parkplatz zu ergattern. Schlussendlich hatten wir unser Auto auf einem bewachten Parkplatz abgestellt und waren die zwei Kilometer in die Innenstadt gelaufen.

    Von der Festung aus hatten wir einen atemberaubenden Blick auf die umliegende Landschaft, den Fluss und die Stadt. Mit tausenden anderer Touristen schoben wir uns durch die engen Wege der Burg. Der Strom riss auch nicht ab, als wir Richtung Innenstadt gingen. Es war wunderschön, leider auch zu voll, aber was will man erwarten, wenn man an einem Wochenendtag eine der Hauptattraktionen eines Landes besucht.

    Nach unserem Rundgang, gingen wir langsam zurück zum Auto. Wir wollten uns etwas früher einen Stellplatz für die Nacht suchen, denn die waren in der Umgebung rar gesät und wir mussten noch Wasser aufkochen, damit unsere kleine Prinzessin ein warmes Bad genießen konnte.

    Wir fanden einen Platz an der Weichsel, ab und zu kamen ein paar Boote vorbei und die Insassen winkten uns zu.

    Es wurde wiedermal eine kalte, neblige Nacht und die Sonne brauchte lange, um sich am Morgen durch die dichten Schwaden zu kämpfen und die Luft zu erwärmen.

    Zusätzlich zur Kälte brachte der Herbst natürlich auch die Nässe mit sich. Wir konnten nichts mehr draußen hängen lassen. Die Geschirrhandtücher, die normaler Weise immer über Nacht draußen hingen zum trocknen waren am Morgen nasser als am Abend davor…

    Somit waren wir gezwungen, unser Lager immer früher aufzuschlagen, damit wir die Sachen vor Einbruch der Nacht trocknen konnten und nichts draußen blieb.

    Auschwitz

    Unser nächstes Ziel, eines der geschichtsträchtigen… – kann man es Highlights nennen? – war die Konzentrationslager-Gedenktstätte Auschwitz-Birkenau.

    Allein der Name weckt in den meisten Menschen (gerade Deutschen) ein mulmiges Gefühl. Eines der dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte fand in diesem Lager einen erschreckenden und angsteinflößenden Höhepunkt. Das Arbeits- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau war in den letzten Kriegsjahren Schauplatz unvorstellbarer Grausamkeiten.

    Schon von Weitem konnte man die unverkennbare Form des Bahnhofsgebäudes erkennen, auf dem die Züge mit Viehwagen in das Lager einfuhren.

    Unzählige Reportagen im Fernsehen zeigten Bilder, in denen Menschen wie Vieh herumgestoßen, in unwürdigen Zuständen leben und auch sterben mussten. Man hatte Bilder im Kopf von Züge, Schienen und traurige, verzweifelte Gesichter. Gesichter von Menschen, die hier her gebracht wurden, um hier zu sterben.

    Die Bilder im Fernsehen waren das Eine… Eine ganz andere Sache war, selbst über die Schienen zu gehen, die Waggons zu sehen und im Bogen des Bahnhofstors zu stehen, durch den so viele Menschen gekommen, aber nie wieder gegangen waren.

    Die Situation war für uns etwas surreal, denn durch die Reportagen hatte man immer eine wolkenverhangene, kalte Umgebung im Kopf, die Trostlosigkeit und Schmerz vermittelte.

    Als wir durch das Konzentrationslager liefen, schien die Sonne und es war keine Wolke am Himmel. Die Sonne brannte regelrecht vom tief blauen Himmel herab auf die Holzbaracken, in denen tausende von Menschen unter unwürdigen Bedingungen festgehalten wurden. Wir folgten den Wegen, vorbei an scheinbar unendlich vielen hölzernen Rekonstruktionen der Gebäude, denn die meisten waren bei der Einnahme durch die roten Armee niedergebrannt worden.

    Leider konnten wir das KZ-Museum Auschwitz I nicht besuchen, denn die Eintrittskarten waren limitiert und bis auf viele Tage in Voraus ausverkauft. Da wir aber nicht wussten, wann genau wir in Auschwitz ankommen würden, konnten wir keine Karten reservieren. Und vier Tage auf die nächste Möglichkeit zu warten war leider auch keine Option für uns.

    Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Das nächste Mal würden wir uns auch das Museum anschauen.

    Wir übernachteten eine Stunde entfernt von der Gedenkstätte auf einem Parkplatz, der mitten in der Stadt an einem Park lag. Dieser hatte drei Stellplätze für Wohnmobile… Und einen riesigen Spielplatz!

    Das El Dorado für unsere Tochter! Der Abend endete erst, als es so dunkel wurde, dass sie das Klettergerüst nicht mehr sehen konnte und uns die Kälte ins vorgewärmte Auto trieb.

    Am nächsten Tag gaben wir unsere letzten polnischen Zloty in einem Lidl aus und fuhren über eine Grenze, die es nicht mehr gibt.

    Jeder, der jemals eine größere Reise hinter sich hat, weiß zu schätzen was der Schengenraum und die EU für eine sagenhafte Erleichterung für das Reisen ist. Und jedem, der für einen Austritt Deutschlands aus der EU plädiert, wünsche ich einmal eine sechs Stunden Odyssee an irgendeiner afrikanischen oder asiatischen Grenze…

    Aber die, die ihren Mund derart weit aufreißen sind wahrscheinlich genau Diejenigen, die jedes Jahr drei mal nach Mallorca fliegen und meinen, die Insel sei Teil eines deutschen Bundeslandes…

    Die würden blöd schauen, wenn man auf einmal einen Reisepass benötigen und stundenlange Grenzkontrollen aufgrund des Andrangs in Palma erdulden müsse…

    Aber jedem das seine.

    Tschechien erwartete uns mit wolkenverhangenem Himmel und einem weiteren Parkplatz, auf dem wir die Nacht verbringen konnten.

One Responseso far.

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