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    Ukraine

    Der erste Eindruck war hingegen doch eher positiv, denn die Grenze war schnell passiert und wir fuhren auf… naja, sagen wir… eher mäßig guten Asphaltstraßen in die Ukraine. Okay, ich geb es zu, die Straßen waren scheiße. Schlaglöcher, verformter Untergrund, Abbruchkanten überall…

    Aber egal, es ging schon. Und unserem ledierten Fahrwerk machte das jetzt auch nichts mehr aus.

    Unsere erste Nacht verbrachten wir an einem Fluss. Da über den Tag hin die Temperaturen nie über 18 Grad gestiegen waren, hatten wir natürlich auch kein warmes Wasser in der Solardusche. Somit waren wir gezwungen, unser Wasser abzukochen, damit wir zumindest kurz heiß duschen konnten.

    Bei jedem normalen Menschen zu hause funktioniert das so. Dusche auf, 5 Minuten Duschen, abtrocknen… fertig!

    Bei uns war es eine Aktion von fast 2,5 Stunden bis Elisabeth in der Badewanne neben dem Auto planschte und Sarah und ich geduscht hatten.

    Das ist der Nachteil, wenn man im Spätjahr campen ist. Es war lustigerweise auch keine Minute zu früh, als wir alle dann endlich trocken, angezogen und fertig waren, denn mit untergehender Sonne meinte man, auf der Rückseite des Mondes zu stehen. Die Temperaturen fielen ins Bodenlose, Nebel zog auf und innerhalb von ein paar Minuten war alles nass. Man wurde regelrecht gezwungen, sich im Auto zu verkriechen und die Heizung anzuwerfen.

    Die Nacht war eine der kältesten, die wir je erlebt hatten, seit wir mit dem Auto unterwegs waren. Aber dafür war der Morgen umso schöner.

    Tief hing der Nebel über dem Bach und in den Bäumen um uns herum. Man konnte kaum den Boden sehen.

    Wir frühstückten im Auto, da es immer noch bitter kalt war und sich die Sonne nur mühselig durch die Wolken und den Nebel kämpfen musste.

    Auf einmal klopfte es an unserer Heckklappe. Eine Stimme rief etwas auf russisch, sie schien einer alten Frau zu gehören.

    Als ich die Klappe öffnete, stand da wirklich eine kleine, uralte Frau in einem langen Ledermantel hinter unserem Auto und redete auf uns ein. Leider konnten wir kein Wort verstehen, aber ihren Gesten nach, wollte sie uns eingelegte Pilze verkaufen. Aber auch nachdem wir danken abgelehnt hatten, redete die Frau immer weiter, dass wir kein Wort verstehen konnten, störte sie dabei nicht. Wir hörten geduldig zu, nickten ein paar Mal und lächelten. Irgendwann ebbte ihr Redefluss ab, sie bekreuzigte sich, segnete uns und verabschiedete sich… alles auf russisch…

    Lviv

    Nach dem Frühstück und dieser kuriosen Geschichte packten wir unser Auto und machten uns auf den Weg nach Lviv, oder zu deutsch Lemberg.

    Die Straße führte uns auf eine Polizeisperre zu, aber keiner der Polizisten schien irgendeine Notiz von uns zu nehmen. Also rollte ich langsam durch den Posten.

    Gerade als ich Gas geben wollte, hob doch ein Soldat die Hand und wies uns an, uns an den Straßenrand zu stellen. Er kam zu uns herüber, seine Kalaschnikov über der Schulter, das restliche Waffenarsenal im Gürtel.

    Wir hätten den weißen Streifen an diesem Posten überfahren ohne anzuhalten… Das würde Strafe kosten!

    Wir bereiteten uns auf lange Verhandlungen vor, von Korruption war überall die Rede und wir dachten, jetzt wären wir genau mitten drin.

    Aber zu meiner Überraschung lief alles ordnungsgemäß ab. Meine Papiere wurden alle eingesammelt und das Auto kontrolliert. Dabei stieß der Beamte auf einen Aufkleber auf unserem Heck „No Kangaroos in Austria“. Ob wir schonmal in Australien gewesen wären… Äh, nein…

    Aber das wirklich skurrile kam, als wir in seinem Häuschen den Strafzettel ausfüllten… Nach dem Namen und der Adresse fragte er doch glatt, ob Deutschland jetzt eine Demokratie wäre oder ob wir einen König hätten…

    Jemandem laut in’s Gesicht zu lachen, der eine Maschinenpistole umgehängt hat, wäre wohl die ungünstigste Reaktion, die ich hätte haben können, aber ich musste es mir wirklich mit aller Mühe verkneifen.

    Nachdem der Strafzettel ausgefüllt war, wurde ich damit in die nächste Stadt geschickt, den fälligen Betrag auf einer Bank einzahlen. Die Korruption hatte sich so weit durch das ukrainische Rechtssystem, dass es überhaupt nicht mehr zu irgendwelchen Barzahlungen kommen durfte. Alle Geldtransfers durften nur noch bargeldlos erfolgen.

    Wir hätten 14 Tage Zeit und einen schönen Tag noch.

    Kurz überlegte ich, ob wir den Strafzettel einfach nicht bezahlen sollten, da wir maximal zwei Nächte noch im Land bleiben wollten, aber ich wollte auch nicht an der Grenze stehen, und dann dort mit irgend einem anderen Polizisten rumdiskutieren, warum da noch eine offene Strafe wäre. Und da diese gerade mal 10 Euro betrug, wäre das Risiko größer als der Nutzen. Zwar war der Zettel handschriftlich ausgefüllt, aber man weiß ja nie, wie schnell der Polizist die Daten in den PC eingibt.

    Wie dem auch sei, in Lviv zahlten wir dann den Betrag ein, plus natürlich eine Gebühr, die die Bank erhob. Für die Mühe… Schweine…

    Ich hasse Banken!

    Die Stadt soll eine der schönsten in der ganzen Ukraine sein. Und wir können es nur bestätigen. Eine wunderschöne Altstadt, geprägt von alten Fachwerkhäusern, umgeben von einer gigantischen Stadtmauer. Ein wenig erinnerte es uns an Dubrovnik, bloß nicht am Meer.

    Wir zogen ein paar Runden durch die Stadt, aßen etwas und genossen die letzten wärmenden Sonnenstrahlen. In der Nacht würde es wieder übelst kalt werden.

    Als die Sonne hinter den Dachgiebeln verschwand, machten wir uns auf den Weg zurück zum Auto. Das hatten wir auf einem Parkplatz abgestellt, auf dem man auch übernachten konnte.

    Eigentlich wollten wir zwei Nächte bleiben und am nächsten Tag nochmal in die Stadt, aber wir hatten unserer Meinung nach an diesem Tag schon alles gesehen und entschieden deshalb, am nächsten Morgen weiter zu fahren.

    Immer nach Westen

    Nach einer kalten Nacht machten wir uns nach dem Frühstück auf in Richtung Grenze. Die Landschaft war wirklich schön und wir sagten uns, dass es nicht das letzte Mal gewesen wäre, dass wir die Ukraine besucht hätten.

    Wir entschieden uns für eine Nebengrenze, weil es wahnwitzige Stories gibt, die von 12 Stunden Wartezeit an der Hauptgrenze Polen-Ukraine berichteten.

    Die Straße zu den kleinen Grenzposten war wirklich übel. Nicht dass die meisten Straßen in der Ukraine echt schlimm waren, diese war eigentlich ein einziges, 20 km langes Schlagloch.

    Teilweise einen halben Meter tief, teils mit Pfützen so groß, dass ein 40-Tonner locker darin hätte versinken können.

    Wir tuckerten im Schritttempo dahin, bis endlich die Grenzgebäude in Sicht kamen.

    Der Übergang dauerte bedauerlicher Weise fast 1,5 Stunden. Nicht, weil so viel los war, sondern weil irgend etwas nicht mit der Mautbescheinigung stimmte, die wir an der Einreisegrenze erhalten hatten.

    Aber nachdem die Grenzbeamtin wahrscheinlich einfach resigniert aufgegeben hatte, das Problem auf dem offiziellen Weg zu lösen, gab sie uns den Zettel wieder und sagte, wir sollten einfach durch fahren… Naja, wie auch immer…

    Die polnischen Grenzbeamtinnen nahmen ihren Job wirklich ernst und untersuchten unser Auto ganz genau. Ich musste hinten die Schubladen öffnen, es wurde in den Motorraum und sogar in jede Klappe geschaut. Nachdem auch diese Dame zufrieden war, durften wir, jetzt wieder in der EU, unsere Reise fortsetzen. Unser Weg sollte uns Richtung Krakau führen.

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