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    Bukarest

    Unser erster Stopp in Rumänien war direkt mal die Hauptstadt des Landes, Bukarest.

    Wiedermal stellte sich die Größe unseres Autos als Hindernis dar, denn wir fanden keinen Parkplatz. Nach fast einer Stunde cruisen gaben wir auf und entschieden uns, Bukarest irgendwann einmal mit dem Flugzeug zu besuchen, denn auf den ersten Blick machte die Stadt einen wirklich schönen Eindruck und gefiel uns auf Anhieb.

    Dazu bekamen wir hier das bisher beste Angebot an mobilen Daten für unser Smartphone. Die rumänische Telekom bot eine Prepaid-SIM-Karte für 30 Tage an, auf der unbegrenztes Datenvolumen gebucht war. Für schlappe 7,50 Euro… Da können sich unsere deutschen Anbieter mal eine fette Scheibe abschneiden.

    Man spricht ja immer davon, das Reisen bildet und man eine bessere Sicht auf die Welt bekommt, wenn man viel unterwegs ist.

    In Hinsicht des Mobilfunks tendiert das aber sehr stark ins Negative, denn nirgendwo anders auf der Welt sind die Gebühren fürs Handy höher als bei uns. Dazu rühmt sich unsere Nation zu den fortschrittlichsten der Welt zu gehören, ein hochtechnologisches Land, dass seines Gleichen sucht…

    Im hinterletzten Winkel Georgiens hatten wir LTE mit vollem Ausschlag, kein Tal, kein Berg konnte daran was ändern. Für 20 GB bezahlten wir dort umgerechnet 10 Euro.

    Bei unseren Verträgen in Deutschland bekommen wir für 8 Euro einen 1GB und in unsrem Heimatdorf in der Pfalz kann man mit erhobenem Smartphone durch die Wohnung stapfen und nach 3G suchen… Von wegen Fortschritt…

    Aber das ist ein anderes Thema!

    Bukarest bot sich für uns natürlich auch an, um einmal wieder einzukaufen, alles aufzufüllen und uns bereit zu machen für die unberührte Natur Rumäniens. Die erste Nacht im Land verbrachten wir auf einem Camping, um mal wieder alles zu sortieren, uns mal wieder richtig zu duschen (nicht aus einem Wassersack) und alles mal wieder aufzuräumen.

    Bärenbesuch

    Am nächsten Tag folgten wir einem Tipp von Mario und Katrin und fuhren in den Busteni NP, wo es angeblich unmöglich sei, KEINE wildlebenden Bären zu sehen.

    In Rumänien spricht man mittlerweile von einer regelrechten Bären-Plage. Die Bestände wachsen immer mehr an und die Tiere kommen schon in die Städte, um dort die Mülleimer und leider auch die Häuser der Anwohner nach Fressbarem zu durchsuchen.

    Auch in diesem Nationalpark gibt es dutzende Mülltonnen, Abfallcontainer und, dank ein paar weniger extrem dämlicher Trottel, auch genug Müll, der einfach so herum liegt. Ein Eldorado für die Tiere, die einfach aus dem Wald kommen und sich ans „gemachte Buffet“ setzen konnten.

    Was wir auch nicht erwartet hatten, war die Anzahl an Einheimischen, die an diesem Freitag zum Campen in den Wald gekommen waren. Sie brachten Wohnwägen, Camper und Zelte mit und campierten zu hunderten auf den Wiesen und Lichtungen im Park. Überall brannten Feuer und es erinnerte uns stark an unser letztes Fernreisetreffen in Deutschland.

    Wir bauten unser Camp ein wenig abseits der Massen auf, genau am Waldrand. Natürlich hofften wir auch Bären zu Gesicht zu bekommen. Aber den ganzen Abend sahen und hörten wir nichts. Als auch unser Feuer heruntergebrannt war, es wirklich kalt und feucht wurde, beschlossen wir, ins Auto zu gehen. Die Nacht war dunkel und kein Mond schien.

    Wir lagen keine halbe Stunde, als uns plötzlich eine Bewegung am Auto hochschrecken ließ. Das ganze Auto schwankte und als wir die Fenster aufrissen und mit unser Taschenlampe raus leuchteten, tat es einen Schlag und wir konnten gerade noch den Hintern eines riesigen Braunbären sehen, der sich vor unserer Lampe erschrocken hatte, und schnell das Weite suchte. Als ich ausstieg, um mich mal umzusehen, stellte ich fest, dass der Bär sich wohl einen Schluck aus unserem Wasserkanister, den wir hinten am Aufbau befestigt hatten, genehmigen wollte. Als wir raus leuchteten, erschrak der Bär und der Tisch, auf dem er wohl eine Tatze gestellt hatte, klappte unter seinem Gewicht zusammen, was ihn dann wohl endgültig in die Flucht geschlagen hatte.

    Ich stellte den Tisch wieder auf und aus dem Augenwinkel bemerkte ich eine Bewegung. Als ich in die Richtung leuchtete, sah ich eine Braunbärenmutter mit ihren zwei Jungen durch hohe Gras streifen, keine zehn Meter entfernt von unserem Auto.

    Das bewegte mich dazu, schnell wieder im Auto zu verschwinden. Wir beobachteten die drei Bären noch ein wenig aus den Fenstern des Autos heraus, bis diese im Wald verschwunden waren.

    Die restliche Nacht blieb es ruhig, wir machten aber trotzdem kein Auge zu, aus Angst, wir könnten wieder unerwarteten Besuch bekommen.

    Irgendwie ironisch, dass wir hier her gekommen waren, um Bären zu sehen und jetzt Angst hatten, das noch welche auftauchen würden…

    Dino Park

    Der nächste Tag brachte ein Highlight für mich, denn als passionierter Dinofan war es natürlich ein muss, in den Brasov Dinopark zu gehen. Der Schwesternpark zu dem in Deutschland, den wir ein Jahr zuvor besucht hatten, war nicht einmal ein Drittel so groß, bot dafür aber deutlich mehr Kinderunterhaltung, war moderner und, meiner Ansicht nach, auch schöner gemacht.

    Den ganzen Tag zogen wir durch den Wald, schauten uns die naturgetreue nachgestellten Dinosaurier an und ließen unsere Tochter sich auf den diversen Spielplätzen im Park austoben.

    Brasov

    Am nächsten Tag stand Stadtbesichtigung auf dem Programm. Die Stadt Brasov ist ein Juwel und eine der schönsten Städte Rumäniens. Die Altstadt, die komplett aus restaurierten Fachwerkhäusern besteht, erinnerte uns stark an Neustadt in der Pfalz. Die umliegenden Berge rahmen die Stadt wunderbar grün, die Sonne schien und es war angenehm war.

    Wir zogen durch die engen Gassen, besahen uns die vielen kleinen Läden und ließen uns vom Strom der Touristen und Einheimischen mitreißen.

    Nach einem Mittagessen und einem Eis gingen wir zu einem nahen Spielplatz, damit auch unsere Tochter noch auf ihre Kosten kam.

    Abends auf einem Camping versuchte ich noch, die Spurstangen, die komplett ausgeschlagen waren, auszubauen, aber die Schrauben waren zu fest. Nach ein paar Versuchen gab ich auf und verschob die Reparatur auf die erste Woche, die wir wieder in Deutschland verbringen würden.

    Noch bevor wir am nächsten Morgen weiter fahren wollten, merkten wir, dass der Wasserhahn im Auto nur noch halbherzig Wasser hervorbrachte. Das Licht war auch nicht mehr ganz so hell, also tippte ich auf eine leere Batterie im Top.

    Aber als wir den Motor starteten, jaulte dieser ein paar mal, bevor er ansprang, was komplett untypisch für unseren treuen Hilux war.

    Also checkten wir das gesamte System, Batterien im Motorraum, im Top, das Solarpanell und das Trenn-MOSFET…

    Das Ergebnis war niederschmetternd…

    Die Batterien im Motorraum waren fast komplett leer, die hintere Versorgerbatterie schon so tiefenentladen, dass wir vermuteten, das diese nicht mehr zu retten sei.

    Also fuhren wir an diesem Tag nicht weiter, sondern machten uns auf den Weg, ein paar neue Autobatterien zu finden.

    Nach ein wenig Rumfragen führte uns unser Weg in ein kleines Geschäft kurz vor Ladenschluss, in dem wir außer unseren neuen Akkus auch noch den besten Service bekamen und uns die zuvorkommendste rumänische Gastfreundschaft zuteil wurde, die man sich vorstellen kann.

    Mit den zwei neuen Batterien fuhren wir jetzt beruhigt zurück zum Camping. Ein Akku aus dem Motorraum hatte überlebt, den benutzten wir im Top, während die zwei neuen jetzt als Starter fungierten.

    Leider Einiges ärmer entschieden wir eine zweite Nacht auf dem Camping zu machen und dann am nächsten Tag zu unseren nächsten Ziel zu fahren. Dem Transfagarasan Pass.

    Pässe

    Die Passstraße, die einen auf über 2500 Meter Höhe mitten in die Karpaten bringt, gilt als eine der schönsten asphaltierten Wege der Welt. Auch TOP GEAR war schon einmal hier und hat eine Folge über den Pass gedreht. Im Gegensatz zu James und Co. sind wir leider nicht mit Lamborghini oder Aston Martin die steilen Serpentinen hinaufgedriftet, sondern haben unseren völlig überladenen Hilux den Berg hoch gequält. Aber eines können wir bestätigen, es ist wirklich eine der schönsten Straßen der Welt.

    Dieses Gebiet im Herzen Rumänien, früher einmal Siebenbürgen genannt, oder davor besser bekannt als Transilvanien, ist eines der ursprünglichsten und schönsten Landschaften, die wir auf unserer Reise erleben durften. Schroffe, schneebedeckte Berge, grüne, fichtenbestandene Hänge und tiefe Täler, die von glasklaren Flüssen gezogen wurden erschufen ein Bild absoluter Freiheit.

    Wir blieben mehrere Tag in dem Gebiet, schliefen an traumhaft schönen Seen, in tiefen Wäldern oder an Flüssen, in denen man das Wasser kaum sehen konnte, so klar war es.

    Die Tage verbrachten wir mit Fahrten durch die Wälder, taten unserem geschundenen Begleiter ein paar Off-Road-Passagen an und nahmen einen zweiten Pass in Angriff. Der Transalpin war der zweite hohe Pass des Landes und leider entdeckte ich dort meine Abneigung gegen Motorradfahrer.

    Motorradfahrer meinen, in dem Moment, wenn sie auf ihre Maschinen steigen, dass sie zum Outlaw werden. Natürlich nehmen sie auch an, sie und ihr Bike sind immer einzigartig und individuell, dass sie wie die Easy Rider cruisen können und ihnen nichts etwas anhaben kann.

    Gegen diese Einstellung ist im Grunde auch nichts einzuwenden, wenn sie nicht gleichzeitig von tausenden Bikern vertreten würde, die die Karpaten unsicher machen. In Pulks von bis zu 20 Bikes wurden wir überholt, ohne Rücksicht auf Verluste. Ich bin der Letzte, der etwas gegen die Freiheit auf der Straße hat, aber in Transilvanien waren so viele Motorräder, dass es schon keinen Spaß mehr machte.

    Und zur Individualität… Jedes zweite Motorrad war eine BMW 1200 GS…

    In Rumänien ist man mit einer solchen Maschine ungefähr so individuell wie als Hipster in Leipzig.

    Aber zurück zum Thema…

    Wenn ich ein Bild von Transilvanien und den Karpaten im Kopf hatte, dann wurde es zu einhundert Prozent erfüllt.Wir genossen jeden Tag, jede Stadt, jeden Wildcamp Spot. Man könnte sagen wir erlebten unser Albanien 2!

    Wir bewegten uns immer weiter Richtung Norden auf die ukrainische Grenze zu. Leider wurde es nachts aufgrund der fortgeschrittenen Jahreszeit schon richtig kalt. Das machte uns ein wenig Sorgen, als wir die Grenzformalitäten erledigten und in das Land einfuhren, von dem wir leider nur negative Vorstellungen hatten. Aber wir hofften, dass sich das in den nächsten Tagen ändern würde.

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