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  • Türkei 4

    Gaziantep

    Mit Zwischenstopp bei einer Apotheke fuhren wir in das besagte Einkaufszentrum, etwa eine Stunde entfernt.

    Dort verbrachten wir den ganzen restlichen Tag, aßen und genossen die Annehmlichkeiten der Mall. Um 18 Uhr machten wir uns dann auf den Weg.

    Die Fahrt war angenehm, wir machten ordentlich Kilometer. Bloß so gegen 23 Uhr hörten wir auf einmal ein wummerndes Geräusch. Sarah tippte auf den Straßenbelag, ich hatte eher den Verdacht, wir hätten einen Schleichplatten.

    Doch als wir am Straßenrand hielten und nachschauten, war die Sache dramatischer als erwartet.

    Das hintere Rad auf der Beifahrerseite hatte sich gelockert. Eine Radmutter war komplett verschwunden und beim genaueren hinsehen entdeckten wir, dass zwei Radbolzen gebrochen waren. Beim Versuch sie festzudrehen, brachen sie ohne viel Druck ab. Alle weiteren Muttern waren nur noch ein paar Gewindegänge davon entfernt, sich auch zu verabschieden.

    Wir zogen das Rad notdürftig fest und fuhren weiter. Morgen, bei Sonnenlicht würden wir uns den Schaden genauer ansehen.

    Mit einem etwas mulmigen Gefühl im Bauch und nur noch halber Kraft fuhren wir weiter zu unseren geplanten Wildcampspot, den wir eine Stunde später erreichten. Wir bauten auf und fielen totmüde ins Bett.

    Am nächsten Morgen bockte ich das Auto auf und besah mir die Radaufnahme. Ich wechselte einen abgebrochenen Bolzen aus, den ich zum Glück noch aus Südafrika in meiner Ersatzteilekiste hatte. Die anderen beiden Bolzen würden wir in Gaziantep versuchen zu bekommen.

    Das erwies sich als kleineres Problem als anfangs erwartet, denn die Millionenmetropole hatte ein Werkstattviertel von der Größe Stuttgarts.

    Für drei neue Bolzen bezahlte ich umgerechnet 7 Euro, was die Reparatur in überschaubarem Rahmen hielt. Abends würde ich nochmal die Radaufnahme auseinander nehmen und die gebrochenen Bolzen auswechseln.

    Wir fuhren bestens gelaunt zur Altstadt. Dort parkten wir und gingen zu Fuß durch die engen Gassen. Wie in vielen anderen türkischen Altstädten hatte man auch hier das Gefühl, man würde durch Agrabar aus Disneys Aladin laufen, bloß die Kamele waren mittlerweile ersetzt durch uralte Pick Ups.

    Wir wurden sogar Zeugen eines besonderen Ereignisses, woran wir überhaupt merkten, dass es mal wieder Freitag war: Das große Freitagsgebet.

    Von einer Sekunde auf die Nächste schlossen viele Geschäfte, das Leben kam augenblicklich zum Erliegen.

    Im Umkreis vieler Blocks um die dutzenden Moscheen wurden Teppiche auf die Straßen gelegt und hunderte, wenn nicht tausende Menschen machten sich bereit für das Gebet.

    In unzähligen Reihen standen Männer, die Köpfe gesenkt, die Hände zum Gebet erhoben. In perfekter Synchronität knieten sich alle nieder. Da man eh nirgends anders hin konnte, sahen wir dem für uns doch ungewöhnlichen Ereignis zu, völlig fasziniert.

    Keine zehn Minuten später ging das normale Leben wieder seinen Gang, als wäre nicht gewesen. Die Teppiche verschwanden so schnell wie sie gekommen waren und die Rollgitter vor den Geschäften hoben sich wieder.

    Wir drehten noch einige Runden durch die Stadt, kauften Trauben und Melonen und fuhren dann zu unserem Wildcamp, ein wenig außerhalb der Metropole direkt am Fluss Euphrat. Dort tauschte ich die defekten Radbolzen aus, zog das Rad auf und wir genossen den Sonnenuntergang über dem Fluss.

    Am nächsten Morgen wurden wir durch lautes Motorendröhnen geweckt. Ein Traktor mit dutzenden Menschen auf dem Anhänger kam den Schotterweg heruntergetuckert und heilt neben uns. Ein Mann sprang von der Ladefläche und kam mit einem satten „Servus“ auf uns zu.

    Wir unterhielten uns kurz auf deutsch, was wir machten, wo wir hin wollten. Er sei mit seiner Familie hier zum Picknick. Ganz normal mit dem Traktor, denn nur so könnte man all die Familienangehörigen transportieren.

    Wir verabschiedeten uns und fuhren los. Irgendwie ging es mir an diesem Tag nicht besonders und wir mussten ab und zu spontan anhalten, damit mein Mageninhalt auch mal das Licht der Welt erblickte.

    Es machte wenig Sinn noch groß weiter zu fahren und wir stoppten an einem Wildcamp an einem Fluss in der Nähe des Berges Nemrut Dagi.

    Dort blieben wir geschlagene zwei Tage, damit ich mich auskurieren konnte. Das war nicht ganz so einfach, denn Tags über steigen die Temperaturen auf über 45 Grad und ich meinte, ich würde im Auto in meinem eigenen Saft gegart.

    Als es mir besser ging, verließen wir den Fluss. Wir stoppten bei einer alten römischen Brücke um das Navi zu füttern. Aber noch bevor wir wirklich angehalten hatten, stand schon ein Mann neben unserem Auto. Er sei Ömer und würde uns gerne auf einen Tee einladen.

    Er hätte einen Camping genau neben der Brücke und wir wäre herzlich eingeladen bei ihm zu Campen. Für vier Euro die Nacht. Das war ein Wort. Wir sollten auch unbedingt zum Mount Nemrut fahren und uns dort die steinernen Köpfe ansehen, die noch von der mesopotamischen Ruinenstätte übrig wären.

    Gesagt, getan.

    Nemrut Dagi

    Doch der Aufstieg auf den über 2000 Meter hohen Berg, auf dessen Gipfel die Ruinen lagen, war eine echte Herausforderung für unseren treuen Hilux. Mit beinahe kochendem Kühlwasser und allen Anzeigen im roten Bereich rollten wir auf den Parkplatz.

    Die einstige Kultstätte ist das Grabmal Antiochos, des sagenumwobenen Herrschers dieser Region. Sie wurde auf dem Gipfel des Nemrut Dagi errichtet, doch leider durch zwei Erdbeben fast komplett zerstört. Es bleiben nur noch die Köpfe der Statuen übrig, die hier aus Sandstein erbaut wurden.

    Die Stätte war interessant anzusehen und die Weitsicht vom Gipfel war überragend.

    Die Nacht verbrachten wir auf dem Camping und sahen den ganzen Bekloppten zu, die zu nahe an den Fluss gefahren waren, um darin zu baden und sich jetzt gnadenlos festgefahren hatten. Bis weit in die Nacht hörten wir die gequälten Motoren, die versuchten, die feststeckenden Autos aus dem Kies zu befreien.

    Urfa

    Von Nemrut Dagi aus ging es am nächsten Tag für uns ins zwei Stunden entfernte Sanliurfa. Dort wollten wir einkaufen und unser Carnet de Passages nach Hause schicken. Die Temperatur lag wieder mal bei über vierzig Grad und die Klimaanlage kam an den Rand ihrer Leistungsfähigkeit.

    Wir erreichten den DHL Shop… Zu!!! Nur eine türkische Telefonnummer hing an der Tür.

    Kurzer Hand gingen wir ins nächste Geschäft, in dem zwei Männer saßen. Einer davon war Sedat. Er war sofort bereit uns zu helfen und rief den Kurierfahrer an, erreichte ihn aber nicht.

    Im Lauf der nächsten Stunde versuche er es noch ein paar Mal, bot uns Tee an und wir kamen (mit der Hilfe von Googleübersetzer) ins Gespräch.

    Er würde uns gerne zu sich nach Hause einladen. Zum Abendessen.

    Da wir nichts weiter vor hatten, nahmen wir die Einladung an, er war uns auch sehr sympathisch.

    Irgendwann tauchte der DHL-Mensch auf und wir gaben unsere Sendung auf.

    Im Anschluss fuhren wir mit Sedat zu ihm, bzw. in sein Wochenendhaus 20 km außerhalb der Stadt.

    Wir verbrachten einen der schönsten Abende in der Türkei mit ihm, bei grandiosem türkischem Essen (was er vorher noch in einem Restaurant abholte), einem einmaligen Sonnenuntergang über dem Atatürk-Staudamm, den man von seinem Haus überblicken konnte und Baklava mit Eiskrem, den sein Cousin am Abend noch vorbeibrachte.

    Wir konnten in seiner Einfahrt campen und am nächsten Morgen stand er um 9 Uhr schon mit dem Frühstück vor unserem Auto. Er ließ uns am Vorabend sogar noch den Schlüssel für das Haus da, damit wir duschen und aufs Klo gehen konnten.

    Ein wenig wehmütig verließen wir Sedat nach dem Frühstück, der uns schon fast auf Knien anflehte, noch eine weitere Nacht zu bleiben.

    Doch wir wollten weiter, die Hitze brachte uns fast um und wir mussten in etwas kühlere Gefilde.

    Aber wir hatten einen Fremden kennengelernt und einen Freund gewonnen. Wir hofften inständig, dass dieser Kontakt noch lange bestehen würde, denn wir hatten den Mann wirklich lieb gewonnen und würden auf jeden Fall einmal wiederkommen, um auch den Rest seiner Familie kennenzulernen.

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