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  • Mazedonien 2

    Wenn die Mazedonier Wochenende haben…

    Wir überquerten die Grenze nach Nordmazedonien am gleichen Grenzübergang, den wir auch schon auf dem Weg von Ohrid in die andere Richtung genommen hatten. Wie das letzte Mal gab es null Probleme, alles lief schnell und unkompliziert.

    Da wir mit fast leeren Tanks gekommen waren, war unser erster Anlaufpunkt eine Tankstelle. Und es war wiedermal eine Freude. 97 Cent pro Liter Diesel (in Albanien sind es fast 1,50 Euro). Da kann man sich schon mal 140 Liter gönnen!

    Wir fuhren in den Nikorovo National Park. Am Ufer eines Sees sollte es etliche Wildcamp Spots geben. Als wir dort ankamen, merkten wir, dass nicht nur wir sondern auch halb Nordmazedonien den Nationalpark sonntags als Naherholungsgebiet nutzte und von einsamer Natur weit und breit nichts zu sehen war.

    Wir stellten uns trotzdem zwischen all die Besucher und bauten auf.

    Das einzige, was die Leute dort interessierte, war unser Auto. Jeder wollte mal rein schauen, jeder fand unseren Trip faszinierend und niemanden störte es im Entferntesten, dass wir über Nacht blieben oder fragte auch nur danach.

    Irgendwie ist außerhalb der Grenzen unseres bekannten Europas alles viel entspannter…

    Gen Abend leerten sich die Ufer und wir kamen in die einmalige Gelegenheit, einmal unsere Sandbleche zu benutzen!

    Denn ein komplett überladener tiefergelegter Ford Fiesta war ein bisschen zu nahe ans Ufer gefahren und steckte gnadenlos im Schlamm fest.

    Wir schraubten also die Bleche runter, schoben sie unter den Fiesta, der schon bis zur Ölwanne im Schlamm vergraben war und mit noch ein paar anderen Besuchern zogen wir die sprichwörtliche Karre aus dem Dreck. Oder besser gesagt, wir schoben. Über und über mit Schlamm bespritzt vom Anschieben kam der Fiesta irgendwann frei und der Fahrer und dessen ganze Familie bedankten sich überschwänglich für die Rettung. Wie man sich halt in einem ehemaligen Sozialistischen Staat so bedankt: mit einem Nicken!

    Die Sonne ging am nächsten Morgen mit einem atemberaubenden Farbenspiel am anderen Ufer des Sees auf, als wir gerade unsere Sachen packten und den Motor starteten. Weit entfernt leuchteten die Gipfel des Korab Gebirges orange in unserem Rückspiegel. Unser Weg führte uns in die Hauptstadt Skopje.

    Wir brauchten einen Toyota Händler, denn die Reparatur in Albanien zeigte nicht die gewünschte Wirkung. Wir verloren immer noch Öl aus dem vorderen rechten Achsdifferenzial.

    Skopje

    Die gewaltige Metropole verschluckte uns regelrecht in ihrem Meer aus Hochhäusern, Shopping Malls und Bürowolkenkratzern.

    Nordmazedoniens einziger Toyota Händler lag an einer Hauptstraße, ebenfalls ein gewaltiger Bau.

    Leider mit einem sehr kleinen Lager, denn das Ersatzteil, dass wir brenötigten, war nicht vorrätig. Lieferzeit von 14 Tagen… Es käme direkt aus dem Hauptlager aus Brüssel.

    Wir sollten es in Sofia probieren, unserem nächsten größeren Ziel.

    Enttäuscht fuhren wir vom Hof, eine Pfütze aus Öl würde den Parkplatz ab jetzt für immer kennzeichnen, auf dem wir gestanden hatten.

    Noch war der Tag noch zu retten, denn ioverlander wies mehrere Wildcamps in der unmittelbaren Umgebung aus.

    Doch es sollte nicht unser Tag werden, jeder einzelne der Stellplätze stellte sich als Fehlanzeige heraus. Entweder waren es irgendwelche Parkplätze mitten in belebten Straßen, die vielleicht für ein Wohnmobil ausreichend gewesen wären, aber wir, die wir auffielen wie bunte Hunde, konnten sie nicht nutzen. Oder es waren total vermüllte Sandflächen, die die Einheimischen als Deponie nutzten…

    Wir entschieden uns, alle Erledigungen zu tätigen, die noch anlagen, und wieder aus der Stadt heraus zu fahren, die Chancen würden mit jedem Kilometer steigen, einen besseren Platz für die Nacht zu finden.

    Aber zuerst einmal in ein Einkaufszentrum, um in dem dortigen DM Markt unsere Hygieneartikel wieder aufzustocken, die langsam zur Neige gingen.

    Wir suchten uns einen Parkplatz direkt neben dem Haupteingang, dem Schild mit den Bezahlhinweisen schenkten wir wenig Beachtung. Das ist der Vorteil eines ausländischen Kennzeichens. Die können im Ausland kaum nachverfolgt und die fällige Summe nicht vollstreckt werden. Außerdem war das Hinweisschild in Kyrillisch…

    Es war eine Wohltat, alle deutschen Produkte auf einen Streich zu bekommen, kein Suchen, keine Probleme. Die Rechnung fiel dementsprechend hoch aus. Aber mit voll gepackten Taschen verließen wir den DM und steuerten eine Pizzeria an, die einen Stock höher lag, um unseren Hunger zu stillen.

    Wir bestellten, was auch schon eine Herausforderung war, denn auch die Speisekarte war auf Kyrillisch… Aber mit ein bisschen Hilfe des Besitzers, Google Translator und viel Gestikulieren erhielten wir die gewünschte Pizza und machten uns über den weiteren Verlauf des Tage Gedanken.

    Die Zeit war schon fortgeschritten, es dämmerte bereits und noch weit zu kommen war Wunschdenken. Indessen bändelte unsere Tochter mit dem Gast am Nebentisch an, der ihr freudestrahlend seine Pommes überlassen wollte. Dass er dazu auch noch Deutsch sprach war überragend!

    Den ganzen Tag hingen schon dunkle Wolken am Himmel und es begann wie aus Eimern zu rschütten.

    Nach unserem Mahl verabschiedeten wir uns von unserem Tischnachbarn und gingen zurück zum Auto. Wir scherzten noch, dass es uns jetzt bloß noch fehlen würde, wenn wir klitsch nass am Auto ankommen würden und wir eine Parkkralle verpasst bekommen hätten…

    Da es wirklich nicht unser Tag war, traf natürlich genau das ein. Es leuchtete schon gelb von Weitem, das Hinterrad steckte fest in den Klauen der metallenen Wegfahrsperre…

    Die Stimmung fiel ins Unermessliche und da wir beide jetzt nicht die aller ruhigsten Charaktere sind, eskalierte die Situation natürlich umgehend.

    Aber 2 Minuten später (und vielleicht wegen des strömenden Regens) beruhigten wir uns wieder und versuchten, der Angelegenheit Herr zu werden.

    Ein roter Aufkleber zierte unsere Windschutzscheibe, mit Anweisungen, was in einem solchen Fall zu tun wäre… Natürlich in Kyrillisch. Also begaben wir uns auf die Suche nach Jemandem, der uns helfen könnte.

    Wir gingen in die erst Beste Bar und siehe da: Glück im Unglück!

    Der Tischnachbar aus der Pizzaria war Kellner in genau dieser Bar und stand uns sofort in unserer Not bei. Er rief bei der Firma an und klärte die Situation auf.

    Wir rechneten schon mit dem Schlimmsten, 150 Euro und mehr schwebten durch unsere Köpfe, aber weit gefehlt. Wir hatten zum zweiten Mal in einer halben Stunde Glück und die Strafe lag bei akzeptablen 15 Euro!

    Fünf Minuten später war der Vollstreckungsbeamte mit einem Motorroller vor Ort und befreite uns von unserer Parkkralle.

    Er sagte, wir könnten jetzt bis morgen um Sieben Uhr parken und ich überlegte kurz, ob wir nicht hier campen sollten, vergaß den Gedanken aber schnell wieder.

    Wir wollten einfach nur noch raus aus der Stadt und diesem Tag hinter uns bringen.

    Fast zwei Stunden später, mitten im Dunkeln fanden wir ein Plätzchen an einem Fluss irgendwo im nordmazedonischen Hinterland.

    Aber wie ein letzter Schlag ins Gesicht konnten wir kaum unser Camp aufbauen, da fielen schon Horden von Moskitos über uns her.

    Somit versuchten wir es gar nicht weiter und gingen direkt schlafen. Der morgige Tag konnte nur besser werden…

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