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Panama 1

Die letzte Grenze in Mittelamerika

Der Grenzübergang war erstaunlicherweise nicht halb so simple wie wir es erwartet hatten. Diesmal ging es nicht wie sonst üblich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln auf eigene Faust an die Grenze sondern wir hatten schon von zuhause aus ein Shuttle gebucht, damit uns bereits beim Grenzübertritt nach Costa Rica unnötige Diskussionen erspart blieben. Costa Rica ist extrem darauf bedacht, dass Touristen das Land auch wieder verlassen und achten bereits bei der Einreise explizit auf ein Ausreisedokument. Das hatten wir in Form der Shuttlebuchung. Und witzigerweise haben wir es sogar wirklich beim Check-In unseres Fluges von Guatemala nach Costa Rica vorzeigen müssen.

Wir hatten also das Shuttle, das uns um 8 Uhr morgens am Hotel abgeholt und eine gute Stunde später wieder an der Grenze ausgespuckt hat. Jetzt dachten wir, die Sache läuft ähnlich wie in Guatemala, man steigt aus dem Bus, lässt den Pass stempeln, steigt wieder ein und es geht weiter. Aber weit gefehlt!

Man wird bei der Grenze aus dem Bus gelassen und neben einem landet das Gepäck. Dann gibt es eine kurze Instruktion, wie die Grenze bestmöglich zu bewältigen ist und der Fahrer samt Fahrzeug verschwindet wieder. Auf der anderen Seite der Grenze soll dann wieder jemand warten, der einen einsammelt und zum gewünschten Ort fährt… Ein bisschen zu viele Unbekannte für meinen Geschmack, aber okay… Das Unternehmen ist renommiert und fährt täglich hunderte von Touristen über die Grenze, es sollte also schon irgendwie klappen.

Wir standen also mit Sack und Pack an einem Kiosk mit Badebekleidung und kalten Drinks, der nebenbei noch die Ausreisegebühren einstreicht und einem einen zerknüllten Zettel in die Hand drückt, der elementar für die costa-ricanischen Grenzbeamten ist.

Danach ging es weiter zum Grenzgebäude vor dem schon gefühlt Hunderte von Menschen warteten, um sich den Ausreisestempel zu holen. Das Problem war, dass wir mit all unserem Gepäck und dem Buggy in der prallen Sonne standen, die an diesem Tag von einem tiefblauen wolkenlosen Himmel herab schien und uns fast gegrillt hat. Und in der Schlange tat sich nix! Es kam uns vor wie in Afrika, nur dass dort die Grenzen groß genug sind, dass man drin stehen kann…

Irgendwann wurde eine Tür geöffnet und durch die Menschenmassen drückte sich ein Grenzbeamter und sortierte die Wartenden ein wenig vor. Alte, Behinderte (also mit Rollstuhl oder Krücken oder so) und Leute mit Kleinkindern wurden vorgelassen. Da war er wieder, der Babybonus! Aber dieses Mal kam er uns wirklich gelegen, denn in der Sonne war es unerträglich.

Aber selbst nachdem wir im Gebäude waren, das auf fast Minusgrade runtergekühlt worden war, dauerte es noch eine dreiviertel Stunde, bis wir endlich mit unseren gestempelten Pässen weiter durften. Die Grenzbeamtin, übrigens allein auf weiter Flur, versendete noch ein paar WhatsApp während sie stempelte, telefonierte ein bisschen und machte, leider bevor der letzte Stempel einen unserer Pässe zierte, viel Quatsch mit unserer Tochter, die im Buggy vor ihr saß und sich über die lustige Abwechslung freute! Ungünstigerweise vergaß die Beamtin dabei leider, warum doch monatlich Geld auf ihrem Konto landete und weswegen sie ja eigentlich hier sei.

Naja, am Ende hatten wir alle Stempel und begaben uns über die Verbindungsbrücke auf die panamaische Seite der Grenze.

Dort war es nicht minder kompliziert als in Costa Rica, doch hier waren es deutlich weniger Touristen, was die Sache etwas beschleunigte. Da es keinen Röntgenscanner gab, wurde unser Gepäck per Hand kontrolliert, was aber auch eher lapidar passierte, denn die Beamtinnen hatten auch hier mehr Augen für unser Kind als für unsere Drohne. Wir durften passieren.

Den letzten Stempel holten wir 50 Meter weiter an einem Gebäude, das man ohne weiteres mit einem Fahrkartenschalter für ein Busticket hätte halten können. Aber auch hier waren wir dank unseres Kindes schnell wieder weg und erstaunlicherweise erwartete uns schon ein Busfahrer mit einem Schild das unseren Namen trug auf der anderen Seite des Zauns.

Der Shuttle hatte wieder Eisfachtemperaturen, was bei einem dauernden Wechsel zwischen heiß draußen und kalt drinnen irgendwann echt auf den Kreislauf geht, fuhr aber keine halbe Stunde später ab, nachdem wir noch auf eine amerikanische Familie gewartet hatten, die das gleiche Endziel hatte wie wir.

Auf den ersten Blick machte Panama auf mich einen wirklich angenehmen Eindruck. Es war ähnlich wie Costa Rica, nur noch grüner! Überall wo man hin sah, war Regenwald, Dschungel und Dickicht. Ein Meer aus Grüntönen. Nur unterbrochen von Bananenplantagen, die sich teilweise bis zum Horizont erstreckten. Wir fuhren an kleinen Dörfern vorbei, nicht mehr als ein paar Hütten, alle direkt aus dem Wald geschlagen, die Straße wurde fast von den wuchernden Bäumen verschluckt.

Nach einer knappen Stunde lieferte uns der Shuttle an einem kleinen Hafen ab. Von hier aus sollte es per Wassertaxi auf die vorgelagerten Inseln des Archipels Bocas del Toro gehen.

Der Hafen war nicht mehr als eine Ansammlung zusammengeschusterter Hütten, die auf Stelzen bis weit ins Wasser ragten und man hatte das Gefühl, in einer Piraten- oder Schmugglersiedlung aus einem postapokalyptischen Film zu sein.

Das Boot, das uns zu den Inseln bringen sollte, war für ca. 20 Personen plus Gepäck ausgelegt und nagelneu! Also wenn wir 1957 hätten!

Bocas del Toro

Als wir den kleinen Privathafen verließen, sahen wir dahinter riesige Beton und Stahlkonstruktionen aus dem Urwald ragen. Gigantische Verladekräne und dutzende Meter hoch gestapelte Container waren mit einem blauen Logo versehen, das eine in gelb gehaltene Dame mit riesigem Hut und einer weißen Schrift darunter zeigte.

Uns wurde klar, welchem Konzern die riesigen Bananenplantagen gehörten, die wir von der Straße aus sehen konnten und dass die Bananen unter anderem genau von hier in alle Welt verschifft werden.

Während wir darüber noch sinnierten, wie lange wohl eine solche Banane von hier bis zu unseren heimischen Supermärkten brauchen würde, erreichten wir schon die Hauptinsel von Bocas del Toro und gingen in der Hauptstadt Colòn an Land.

Unser Hotel war am Bluff Beach und es war noch eine kleine Fahrt mit einem Colectivo nötig, bis wir endlich unsere Badesachen auspacken konnten.

Nach einer halben Stunde über höchst unwegsames Gelände und teilweise über den Strand erreichten wir das Hotel SeaHaven. Unsere Bleibe – direkt am Strand von Bluff gelegen – bestand aus fünf nagelneuen (diesmal wirklich neu!) Bungalows und einem zweistöckigen offenen Hauptgebäude, alles komplett aus Holz erbaut. Der Hammer! Ich verliebte mich gleich in den Ort und vor allem in seinen Besitzer!

Nigel, ein ausgewanderter um die 70 jähriger Australier, hatte schon überall auf der Welt Hostels und Guesthäuser und war der coolste Typ den man sich vorstellen kann! Wir durften alles benutzen, von der Küche bis zu seiner privaten Waschmaschine!

Und beim allabendlichen Grillen teilten wir auch noch das Abendessen. Es war unbeschreiblich schön dort, es gab nur einen winzigen Schönheitsfehler in diesem Karibikparadies… Die Wellen rauschten mit fast fünf Metern Höhe auf den Strand und rissen alles und jeden mit, der unvorsichtig genug war, einen Schritt zu weit in die Brandung zu gehen.

Es sterben monatlich Menschen hier, die ertrinken oder gar nicht erst wieder auftauchen, erzählte Nigel mal zwischen zwei Flaschen Bier. Also nix mit Schwimmen.

Die Tage vergingen wie im Flug, obwohl wir eigentlich nichts machten, außer rumhängen, gammeln und am Strand liegen.

Bruchpilot

Aber apropos im Flug, ein außergewöhnliches Ereignis gab es doch, dass etwas unsere Inselidylle störte:

Ich machte mit der Drohne ein paar Aufnahmen und wollte gerade tief über die Wellen gehen, als ich einen gewaltiger Brecher durch die Kamera erkennen konnte. Um dem auszuweichen machte ich einen steilen Aufwärtshaken und… sagen wir… parkte etwas unsanft rückwärts in einer Palme ein.

Das Problem war, ich war ungefähr 200 Meter von der Unglücksstelle entfernt, die mitten im Dschungel lag, der den Strand von der Zufahrtsstraße trennte. Ich schlug mich also durch den ca. 50 Meter breiten Streifen, der mit Palmen, Farnen und irgendwelchen anderen riesigen Bäumen bewachsen war. Der Boden war so zugewuchert, dass man den darunterliegenden Sand nicht mal sehen konnte. Ich also barfuß und in Badehose da rein, ungeachtet dass es Spinnen, Ameisen und was weiß ich noch alles beißendes und stechendes Getiers gibt um meine havarierte Drohne zu retten. Mein einziger Anhaltspunkt war das Bild der Kamera, die immer noch sendete, aber außer grünen Blättern und einer angedeuteten Palme nicht wirklich was brauchbares übertrug und dem GPS-Tracker, der auf drei Meter genau anzeigt, wo sich das Fluggerät befindet. Und drei Meter können im Urwald echt viel sein. Dazu kam, dass ich noch nicht mal wusste, auf was für einer Höhe die Drohne im Baum hing, denn beim Versuch neu zu starten, wurde nur ein Fehler angezeigt.

Ich rüttelte also an so gut wie jedem Baum im Umkreis von 100 Metern, damit ich auf dem Kamerabild sehen konnte, ob ich meinem Ziel näher kam. Es war ein wenig wie beim Blinde-Kuh-Spielen. Nur mit verschärften Regeln, denn wenn der Akku der Drohne leer ging, bevor ich sie gefunden hatte, sanken die Chancen auf Null, sie jemals wiederzubekommen.

Aber nach einer schweißtreibenden halben Stunde Bäumewackeln sah ich Bewegung auf dem Display und zog fünf Minuten später das verunglückte Fluggerät aus dem Dickicht. Ich kann nicht beschreiben, was für ein Stein mir vom Herzen gefallen ist, vor allem, weil es alles ohne irgendwelche Schäden überstanden hat.

Am Tag vor unserer Abreise sagte uns Nigel, dass er nach Panama City fahren müsse, um seine Freundin vom Flughafen abzuholen. Wir sollten uns aber keine Sorgen machen, wir wüssten ja wo alles sei und wir sollten uns einfach bedienen. Das Frühstück würde der Angestellte machen, den Rest würden wir schon alleine hinkriegen.

Somit waren wir ganze zwei Tage Besitzer eines Hotels, in dem wir machen konnten was wir wollten.

Leider war somit aber auch Nigel nicht da, als wir die Koffer ins Taxi luden und abfuhren. Aber wir würden in Kontakt bleiben! Danke für den schönen Aufenthalt, Nigel!

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