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Guatemala 3

Eine weitere Horrorfahrt

Am nächsten Tag saßen wir auf der Treppe vor unserem Hotel und warteten auf unseren Bus, der uns abholen und nach Antigua Guatemala bringen sollte. Eigentlich hätte der Bus uns um 10:30 Uhr abholen sollen. Mittlerweile war es 11:15 Uhr und er war noch immer nicht da. Ich schrieb Manuel, unserem Telefon-Joker, der sich prompt um die Sache kümmerte und den Fahrer anschrieb. Fünf Minuten später stand der Bus vor der Tür. Es war ein Toyota Coaster, ein 20-Sitzer, wenn man die Notsitze dazu rechnet, die an einer Sitzreihe befestigt in dem Mittelgang geklappt werden können.

Wir stiegen ein und freuten uns schon insgeheim, denn wir waren die einzigen Fahrgäste. Das würde ja eine angenehme 5-Stunden-Fahrt werden. Auf Nachfrage beim Fahrer wurden wir aber aufgeklärt. Er würde jetzt noch zwei Gäste abholen und dann fahren…

Gott steh mir bei, das wird eine überragende Fahrt!

Wir holten die zwei anderen Gäste von ihrem Hotel ab und die Fahrt begann. Anfangs wunderte es uns ein wenig, wo der Busfahrer denn hin wollte, denn er fuhr kreuz und quer durch die Stadt, anstatt hinaus. Aber egal, nur vier Mann im einem riesigen Bus! Genial!

Wir hielten an einer Tankstelle. Was hier übrigens hier übrigens auch ganz normal ist, ist dass man erst tankt, wenn die Gäste schon im Bus sitzen.

Der Fahrer zeigte auf einen weiteren Coaster, der vor uns stand, und bei dem gerade der Dachgepäckträger mit Gepäck der Reisenden beladen wurde: „Das ist Ihr Bus nach Antigua!“ Es war ein riesiger Berg Gepäck auf dem Dach des ohnehin schon hohen Busses und ein Haufen Leute stand vor der offenen Tür.

Uns traf fast der Schlag…

Unsere Rucksäcke nebst Buggy wurden dem Fahrer gereicht, der alles mit Planen und Spanngurten festzurrte.

Als er fertig war, kletterte er von seinem Bus und wies uns an einzusteigen.

Wenn ich sage der Bus war voll, dann ist das maßlos untertrieben. Alle Notsitze waren belegt, es war noch einer frei und der wurde mit Sarah und Elisabeth besetzt. Ich stand…

Bis der Fahrer einen weiteren Notsitz über dem Getriebetunnel ausklappte und mich einladend auf diesen Platz verwies.

Fünf Stunden auf einem Notsitzt… Oh Mann…

Nach knapp drei Stunden machten wir eine Pause. Gott sei dank, denn mir wäre fast der Hintern in Flammen aufgegangen. Das Getriebe kam bei der lustigen Berg- und Talfahrt so richtig auf Temperatur! Mir tat alles weh, Sarah konnte nicht mehr sitzen, weil der Notsitz nur eine halbe Lehne besaß, nur Elisabeth ging es gut, denn sie schlief fast die ganze Fahrt bis zum Stopp durch.

Als wir durch Guatemala-City fuhren, besser gesagt standen, denn es war Rushhour und nichts ging mehr, erkannten wir, dass das wohl keine Fünf-Stunden-Fahrt werden würde.

Der Vorteil meines Sitzes war, dass ich eigentlich schon fast dem Fahrer auf dem Armaturenbrett saß und somit genauso viel sehen konnte wie er. Innerhalb der letzten Stunden wurden wir auch richtig gute Kumpels und lachten uns über total überladene Pick-Ups, lebensmüde Fahrradfahrer und tollkühne Süßigkeitenverkäufer kaputt, die uns so auf Guatemalas Straßen begegneten.

In Guatelama-Stadt verließen unseren Bus ein paar Leute, was den eigentlichen Beifahrersitz frei werden ließ. Sarah und die Kleine rückten vor und somit gehörte das Cockpit der Familie Hösel und dem Fahrer. Auf dem weltberühmten Pan-America-Highway ging es im Schritttempo weiter Richtung Antigua.

Die schönste Stadt Mittelamerikas

Wir brauchten von Guatemala-City nach Antigua auf Grund des Verkehres noch fast drei weitere Stunden und erreichten die Stadt bereits nach Sonnenuntergang.

Aber im schwindenden Abendlicht konnte man noch die drei riesigen Vulkane erkennen, die die Stadt umgeben. Der Fuego, einer der Vulkane, machte seinem Namen alle Ehre und begrüßte uns mit dunkeln Rauchschwaden aus seinem Krater.

Nach der Ankunft wurde das Gepäck vom Dach gehievt und wir machten uns auf in unsere Unterkunft, ein kleines Hotel mit Gemeinschaftsbad und nur fünf Zimmern.

Auch hier wurden wir herzlich aufgenommen und nachdem wir ausgepackt hatten, drehten wir noch eine kleine Runde durch die Stadt.

In dieser Nacht schliefen wir wie die Babys!

Am nächsten morgen nach dem Frühstück wollten wir uns die Stadt genau ansehen und machten uns auf den Weg. Doch wir waren gerade die Tür raus, als wir schon mit offenem Mund stehen blieben. Vor uns ragten die grünen Hänge des höchsten der drei Vulkane auf, dem Volcàn de Agua. Völlig wolkenfrei stand der 3760-Meter-Riese vor uns!

Nachdem wir uns von dem schönen Anblick losreißen konnten, erkundeten wir die Stadt und waren total begeistert. Die Stadt, einst Hauptstadt der spanischen Kolonialherrscher, ist wunderschön! Die Straßen bestehen ausschließlich aus Wackersteinen, alle Gebäude sind aus der Kolonialzeit und wunderschön restauriert, überall sind Parks, kleine Bars und Lokale. Es war einfach herrlich, an diesem wunderschönen, sonnigen Tag durch diese einmalige Stadt zu laufen, wir hatten uns sofort verleibt! Was wir am besten fanden, war, dass alle großen Fast-Food-Ketten wie Mc Donalds oder Burger King vertreten waren, ihre Lokale aber ebenfalls in den alten Kolonialbauten hatten, was bedeutete, dass kleine Holzschilder auf das Restaurant verwies und keine riesige Leuchtreklame! Absolut cool!

Wir genossen jede Sekunde in der Stadt, einfach mit nichts tun oder durch die Parks schlendern. In den drei Tagen, in denen wir dort waren, fanden mehrere Straßenfeste und Veranstaltungen statt, es wurde also niemals langweilig. Wir verlängerten sogar wieder um eine Nacht, um noch mehr dieser wunderbaren kleinen Stadt in uns aufnehmen zu können.

Doch leider mussten wir weiter, es hatte sich nämlich eine kleine Änderung in unserem Zeitplan ergeben. Wir würden sieben Tage später von Guatemala-City aus direkt nach Costa Rica fliegen, an Stelle von Honduras, das wir ursprünglich mit dem Bus durchfahren wollten. Wir mussten umdisponieren, denn in Honduras wären wir genau über die Weihnachtsfeiertage auf den Inseln Roatàn oder Utila gewesen, was unserer Budget gesprengt hätte. Wenn wir die Inseln erst nach Weihnachten angefahren hätten, hätten wir zuviel Zeit verloren. Zeit, die wir unnötig in einem doch relativ unsicherem Land verbracht hätten, deshalb haben wir uns entschieden, direkt nach Costa Rica zu fliegen und die Inseln ein anderes Mal zu besuchen.

Unser letztes Ziel in Guatemala sollte der Atitlan See werden, von dem jeder, den wir trafen nur geschwärmt hat.

Wir buchten uns zwei Nächte in einem Backpacker-Hostel ein, mit der Option auf Verlängerung. Sollte es uns nicht gefallen, würden wir die letzten Tage bis zum Flug erneut in Antigua verbringen.

Wir kontaktierten also Manuel, der uns einen Shuttle für den nächsten Tag klar machte. Wir würden wieder vom Hotel abgeholt werden, 12:30 Uhr sollte es losgehen.

Überpünktlich wurden wir abgeholt und wir fragten dieses Mal wohlweislich vorher nach, ob das auch das endgültige Fahrzeug sei. Der Fahrer bejahte, allerdings sei er ausgebucht, was bei einem Toyota Hiace 15 Fahrgäste bedeuten würde. Also wieder eine kuschelige Fahrt…

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