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Guatemala 2

Schwitzen und Planschen im Dschungel von Guatemala

Da Cobàn das Tor zum guatemaltekischen Hochland ist, schraubte sich die Straße kontinuierlich immer höher, im Gegenzug dazu fiel die Temperatur stetig. Als wir die Stadt erreichten, die im Grunde auch genau so im mittleren Westen der USA hätte stehen können, zeigte das Thermometer gerade mal noch 25 Grad an, kein Vergleich zu den 35 Grad, die es hatte, als wir in Flores gestartet sind.

Cobàn ist weit davon entfernt, eine schöne Stadt zu sein. Was sie allerdings ist, sie ist funktional. Es gibt Malls, Einkaufszentren, sämtliche westlichen Schnellrestaurants und alles, was man sonst so braucht. Außerdem ist sie Ausgangspunkt für alle Touren ins Umland.

Wir hatten ein Hotel, kaum fünf Minuten entfernt vom Stadtzentrum und den Shuttlestationen (die sich hier auf dem Mc Donald`s Parkplatz befindet). Hier würde uns am darauffolgenden Tag das Shuttle wieder einsammeln und weiter nach Lanquin bringen.

Die Besitzerin unseres Hotels war der Inbegriff einer Hausmama, die Güte in Person. Wir waren noch nicht durch die Tür, da bekamen wir ein Glas Wasser in die Hand gedrückt, als wir abgeladen und ausgepackt hatten, stand eine dampfende Suppe auf dem Esstisch und wir wurden geradezu gezwungen, etwas zu essen. Es war überragend lecker!

Wir wollten in die Mall, ein paar neue Schuhe für Elisabeth besorgen. Kaum der Rede wert, dass wir den Weg natürlich nicht zu Fuß antreten durften (wie gesagt: fünf Minuten), wir wurden mit dem Auto auf dem Mall-Parkplatz abgesetzt.

Was aber das Beste an der Sache war, die Verständigung verlief ausschließlich über den Google-Translator, da unsere Spanischkenntnisse minimal waren und keiner im Hotel ein Wort Englisch sprach. Aber trotzdem funktionierte alles! Wo ein Wille…

Als wir am nächsten Tag zum Shuttle aufbrechen wollten, mussten wir uns schon fast mit Händen und Füßen dagegen wehren, zum Shuttle-Terminal gefahren zu werden. Wir verabschiedeten uns und machten gleich eine neue Buchung aus, für den Tag, an dem wir aus Lanquin zurück kommen würden.

Wiedermal trat Manuel aus Flores auf den Plan, der uns kurzerhand zwei Plätze im nächsten Shuttle reservierte, das uns zu einem der Größten Naturwunder Guatemalas bringen würde. Semuc Champey

Aufgrund eines kleinen Planungsfehlers von Seiten Manuels hatten wir ein wenig mehr Zeit als erwartet.

Uns wurde am Tag zuvor gesagt, wir sollten um halb 11 am Mc Donald`s Parkplatz sein, wir würden abgeholt werden.

Da niemand kam, riefen wir Manuel an, der sich überschwänglich entschuldigte, es sei ein Kommunikationsfehler gewesen. Der Shuttle würde erst um 14:00 Uhr ankommen. Nachdem auch nochmal seine Partnerin angerufen hatte und sich für die Unannehmlichkeiten entschuldigte, nutzten wir unsere Zeit und genossen noch einmal die Vorzüge der Mall.

Als dann der Shuttle endlich kam, offenbarte uns der Fahrer die nächste Hiobsbotschaft. Es täte ihm leid, aber er käme an diesem Tag bereits aus Flores, war schon sechs Stunden unterwegs und würde jetzt erst einmal Pause machen. Wir würden dann um 14:30 Uhr weiterfahren.

Na dann eben nochmal eine Stunde warten…

Wir hatten ja nichts mehr vor…

Irgendwann ging es aber auch los. Um kurz nach drei…

Wir saßen zwei Stunden im Shuttle nach Lanquin, von dort begann der lustige Teil des Trips!

Das Hostel lag weit oben in den Bergen und es gibt keine asphaltierten Straßen dorthin. Ab Lanquin würden wir auf der Ladefläche eines Pick-Ups das letzte Stück des Weges gebracht werden, wohl gemerkt eine Strecke von 45 Minuten.

Es war mittlerweile dunkel, als wir über eine hölzerne Brücke auf das Gelände des Hostels holperten. Mit ein wenig schmerzenden Knochen hievten wir uns von dem Pick-Up, schnappten unsere Rucksäcke und betraten die Rezeption des Hostels, ein gewaltiger Bau aus Baumstämmen. Alle Zimmer bzw. eher kleine Hütten, schlängelten sich hinter dem Haupthaus den Hang hinunter. Der Strom kam vom Generator, die Duschen waren kalt. Aber man konnte den Fluss gurgeln hören, der Vorfreude auf den nächsten Tag weckte, denn bei Tageslicht musste es hier genial aussehen.

Am Morgen im Licht der aufgehenden Sonne zeigte sich die erwartete Schönheit der Umgebung. Man stand mitten im Urwald in einem kleinen Tal, das der Fluss über die Jahrtausende gegraben hatte. Links und rechts erhoben sich die bewachsenen Felswände an die hundert Meter hoch, man konnte aber ihre Gipfel nicht sehen, da sie noch im Nebel verborgen lagen. Es war überraschend kalt und alles vom Nebel aufgeweicht, aber die Sonne begann schon, sich ihren Weg durch die grauen Schwaden zu bahnen.

Nach dem Frühstück machten wir uns bereit, um das Highlight zu sehen, weswegen wir diese harte Anfahrt auf uns genommen hatten.

Semuc Champey ist ein System von diversen Wasserbecken, die vom Fluss Rio Cahabòn gespeist werden bzw. einen Teil des Flusses bilden. Die Kalksteinbecken sorgen für eine türkis- bis hellgrüfärbung des Wassers, das so klar ist, dass man ohne Probleme auf ihren Grund sehen kann. Die Becken erstrecken sich über hunderte Meter und winden sind terrassenförmig das Flussbett entlang. Es ist ein faszinierender Ort, eingerahmt von den steilen dunkelgrünen Felswänden und umgeben von dichtem Dschungel.

Ein Aussichtspunkt soll laut Reiseführer die beste Sicht auf die Terrassen bieten, das anschließende Bad in den Becken eine wohltuende Abkühlung darstellen, denn der Aufstieg ist knallhart. 30 Minuten soll man benötigen für die 500 Meter weite Strecke. Mit Kind auf dem Arm mit Sicherheit noch härter, denn Buggy ist im Dschungel nicht.

Wir erreichten die steinernen Stufen, die den Aufstieg markierten, ein Schild wies nochmal verhöhnend auf die Härte des Weges hin. 500 Meter – 30 Minuten.

Wir begannen den Aufstieg und es war gar nicht möglich, dass Elisabeth alleine ging, die Stufen waren viel zu hoch und unregelmäßig, wir hätten den ganzen Tag gebraucht. Man musste über Wurzeln steigen, über Felsen klettern und unter tiefhängenden Ästen hindurch tauchen. Es war wirklich hart!

Nach ungefähr 50 Meter dachten wir schon ans Umkehren, bei 100 Meter waren wir so platt, dass uns der Schweiß von der Stirn tropfte. Alle Klamotten waren durchtränkt. Wir sind halt nicht so DIE Wanderer…

Aber wir haben es geschafft, vielleicht nicht in 30 Minuten… Aber der Ausblick auf die Becken war sagenhaft, es hat sich wirklich gelohnt.

Was natürlich nicht im Reiseführer steht, ist, dass man das ganze ja auch wieder runter muss. Es geht zwar schneller, aber die Anstrengung des steilen Abstiegs war fast ebenbürtig der des Aufstiegs.

Als wir an den Becken angelangt waren, spürten wir unsere Knie kaum noch und uns taten alle Muskeln weh. Elisabeth hingegen dachte nur an den Sprung ist kühle Nass und ließ uns kaum eine Sekunde Verschnaufpause.

Es war wirklich überragend, in das türkisblaue Wasser zu springen. All die Anstrengung der vergangenen Stunden war wie weggeblasen. So eine Erfrischung hatten wir selten erlebt. Und von den Becken aus konnte man die Szenerie noch mehr bewundern. Die Felswände schienen noch höher, der Dschungel noch dichter zu sein, das Wasser so unbeschreiblich klar. Es war einfach traumhaft. Nicht zu Unrecht wird dieser Ort von jedem Reiseveranstalter und Tourguide angepriesen. Die weite Anfahrt und der harte Aufstieg sind es auf jeden Fall wert!

Zurück im Hostel duschten wir uns erst einmal und begaben und dann auf die hölzerne Terrasse unseres Rezeptionsgebäudes.

Bei einer eiskalten Coke packten wir unseren neuen, digitalen Begleiter aus.

Eigentlich hätten wir das ganze auch entspannt vom Hostel aus erleben können, denn die Reichweite unserer Drohne reichte aus, Semuc Champey in seiner vollen Pracht einzufangen. Aber ein bisschen Bewegung tut ja bekanntlich gut.

Als wir ein paar Überflüge gemacht hatten, zeigte sich der wahre Vorteil des kleinen, fliegenden Begleiters. Man bekommt Ansichten und Einstellungen, die so niemals möglich gewesen wären und die einen noch gigantischeren Einblick in dieses Naturphänomen geben.

In Mexiko hatten wir noch Angst, die Drohne steigen zu lassen, aber hier im Guatemalischen Hinterland interessierte das überhaupt keinen.

Im Gegenteil, man kann innerhalb von zwei Minuten eine komplette Lodge lahmlegen, da alle Angestellten hinter einem stehen und fasziniert auf den Bildschirm der Fernbedienung starren.

Wieder in Coban

Am Abreisetag wurden wir morgens um sieben wieder mit dem Pick-Up abgeholt. Der harte Abstieg auf der Ladefläche wurde aber versüßt durch die atemberaubende Schönheit der Landschaft, die sich aus dem Nebel schälte. Auch die Sonne wollte ihren Teil beitragen und kämpfte sich durch die Schwaden, um noch mehr der sagenhaften Umgebung zu präsentieren.

In Lanquin stiegen wir in ein Shuttle um, das lustigerweise von dem Fahrer gelenkt wurde, der uns zwei Tage zuvor schon hierher gebracht hatte.

Nach holprigen zwei Stunden voller Schlaglöcher und Schotterpisten erreichten wir Cobàn und wieder wurden wir freudestrahlend aufgenommen.

Da wir es auf Grund der frühen Abholung nicht mehr zum Frühstück geschafft hatten, fielen wir ausgehungert in einen Pizza Hut ein und bestellten die größte Pizza des Hauses.

Als sie kam, merkten wir, dass die Augen größer waren als der Magen, es reichte zum Schluss noch für ein üppiges Abendessen.

Gut gesättigt und zufrieden gingen wir in eine Wäscherei und gaben unsere schmutzige Wäsche ab. Danach drehten wir noch ein paar Runden durch die Mall, aßen noch ein Eis, Elisabeth hatte ihren Spaß in einer Kinder-Karusell-Ecke, und holten dann unsere saubere Wäsche wieder ab.

Was gerade in Cobàn enorm auffiel, war die Dichte an Fahrzeugen mit komplett verdunkelten Scheiben. In Mittelamerika ist es im Gegensatz zu Europa erlaubt, seine Scheiben am gesamten Auto dunkel zu tönen. Manche Fahrzeuge haben so dunkle Scheiben, dass man sich wundert, wie der Fahrer Nachts überhaupt noch etwas sehen kann.

Für uns war es immer unheimlich, eine Straße zu überqueren, denn man sah nie den Fahrer, sondern immer nur eine schwarze Scheibe. Es kam vor, dass uns mit Lichthupe die Straßenüberquerung gewehrt wurde, was total seltsam war, denn man hatte das Gefühl, das Auto kommuniziert mit einem und nicht der Fahrer… Irgendwie erschreckend…

Eine andere Sache, die uns auffiel war, dass in allen besuchten Ländern ein riesen Lärm herrschte. Und nicht etwa vom Verkehr, natürlich von dem auch, aber überwiegend von lautgestellten Handys, am besten noch mit gekoppelter Bluetooth-Box, die im Restaurant auf dem Tisch liegen und spanischen Gangstar-Rap spielen. Oder von Geländewagen mit Lautsprechern auf dem Dach, die lautstark Werbung für irgendein Produkt zum Besten geben. Manchmal stehen aber einfach auch gigantische Boxen vor einer Apotheke oder einem Reifenshop, aus denen 90er-Jahre-Hits in unerhörter Lautstärke dröhnen.

Die Mittelamerikaner scheinen ein anderes Verhältnis zu Lautstärke zu haben wie wir Europäer…

Aber gut, andere Länder, andere Sitten…

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