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Tag 3 – Agra-Delhi (23.02.2016)

Wir begannen den Morgen mit einem Frühstück in unserer Unterkunft.

Die Homepage der indischen Eisenbahn zeigte immer noch an, dass unser Zug bereits abgefahren sei. Das durfte nicht wahr sein…

Jetzt hatten wir die Wahl: Entweder wir riskierten es und hätten dann vielleicht das große Pech, in Agra festzusitzen. Oder wir würden uns an die Anderen hängen und sicher aber auch ziemlich teuer nach Delhi kommen. Dritte Option wäre, wir würden uns ein eigenes Taxi mieten, was noch teurer käme…

Wir fragten den Hausherrn, ob er vielleicht noch eine andere Möglichkeit kenne zu schauen, ob die Züge fuhren. Und er kannte eine: Der Zug hat nur 7 Minuten Verspätung. Nicht schlimm, hauptsache er fuhr!!!

Wir ließen uns um halb 11 Uhr von einer Rikscha abholen, der Zug sollte um halb 12 Uhr gehen. So hatten wir alle Zeit der Welt. Am Bahnhof angekommen hatte sich die Verspätung bereits auf 30 Minuten gesteigert. Aber alles kein Problem! Solange wir heute noch nach Delhi kommen würden war uns alles andere egal!

Die elektronische Anzeige zeigte Bahnsteig 3 an und so warteten wir bis kurz vor 12 Uhr plötzlich ein Zug einfuhr. Er war dann doch etwas früher als angezeigt… Allerdings merkten wir schon bei der Einfahrt, dass wir am falschen Ende des Bahnsteigs waren und so rannten wir wie von einer Tarantel gestochen mit unserem Gepäck die 500 Meter ans andere Ende, wo sich unsere Wagennummer befand. Als wir keuchend an unserem Abteil ankamen und schon einsteigen wollten, merkten wir, dass irgend was nicht stimmte… Wir waren fix und fertig, total unsicher und hatten Angst in den Zug zu steigen und dann zu merken dass es der falsche war. Auf der anderen Seite hatten wir Angst, dass er doch der richtige ist und uns gleich vor der Nase wegfuhr.

Wir fragten ein paar Leute und alle sagten uns, dass dies nicht der richtige Zug sei. Aber wo war unser Zug dann? Er sollte in 2 Minuten einfahren aber auf dem Gleis stand ja noch dieser hier (mit dem wir übrigens nach Mumbai gefahren wären, wären wir eingestiegen)…

Plötzlich fuhr auf dem nächsten Gleis ein Zug ein. Wir verglichen schnell die Zugnummer: Das war er jetzt aber wirklich. Da die Bahnsteige nicht auf der kompletten Länge verbunden sind, mussten wir erst wieder ein ganzes Stück zurück und dann auf der anderen Seite wieder runter zu unserer Wagennummer. Was ein Stress!!! Und das bei 30 Grad mit vollem Gepäck! Aber wir haben es tatsächlich geschafft. Wir saßen im Zug und als der Schaffner kam um unsere Tickets zu prüfen wussten wir ganz sicher, dass es auch wirklich der richtige Zug war. Jetzt konnten wir uns entspannen!

IMG_1206Der Zug war bei weitem nicht so voll wie man es sich in Deutschland vorstellt. Diese Abteile gibt es auch, aber dabei handelt es sich um Klassen, die man als Ausländer auf keinen Fall buchen sollte. Wir fuhren in der sogenannten Sleeper Class. Sleeper Class daher, da die Bänke in der Nacht zu Betten hoch- bzw. runtergeklappte werden können und man dort schlafen kann. Tagsüber sitzt man ganz normal auf Bänken, wenn auch nicht sehr komfortabel. Mit der Zeit tut einem der Po schon weh. Egal, es war ein echtes Erlebnis. Es gibt keine Scheiben, nur Gitter vor den Fenstern. Und wenn man will, kann man einen der vielen Ventilatoren einschalten, die von der Decke hängen.

Gott sei Dank war es durch den Fahrtwind kühl genug und so entspannten wir ein bisschen am Fenster. Auf einmal setzte sich ein Inder, ungefähr so alt wie wir, zu uns und begann mit uns zu quatschen. DSC_0347Wo wir herkämen, wohin wir wollten, … Er selbst war auf dem Weg zum Flughafen in Delhi und wollte dann weiter nach Bangalore. Er war so überrascht, da er selbst noch nie Touris in der Sleeper Class gesehen hatte. Aus dem Grund kam er zu uns und blieb auch da.

Verständigung Teil 3!

Wir quatschen die komplette restliche Fahrt über alles Mögliche. Es war genau so wie wir es uns erhofft hatten: Mit den Menschen ins Gespräch zu kommen.

Die Fahrt war wirklich wunderschön! Bis jetzt das beste Erlebnis, was wir in Indien hatten. Etwas geschützt von den ganzen Menschen, die nur unser Geld wollten, aber mittendrin im indischen Leben.

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Kurz bevor wir am Bahnhof ankamen, verabschiedeten wir uns mit den besten Wünschen für die weitere Reise.
Jetzt ging der Wahnsinn weiter. Wir waren noch nicht aus dem Bahnhof raus, da waren wir umringt von Taxi- und Rikschfahrern, Schleppern, Abzockern… Wir wollten erstmal ein Stück laufen um aus dem Riesenchaos zu entkommen. Nach ein paar hundert Metern kam ein Rikschafahrer auf uns zu, dem wir folgten. Es folgte das übliche Geschachere um den Preis und als wir uns endlich einig waren fuhren wir los. Wir sagten ihm mindestens 5 Mal wohin wir wollten und zeigten ihm sogar einen Plan wo sich unser Hotel befand. Er sprach kein Wort englisch, aber nicken konnte er gut!

IMG_2018Nachdem wir schon so 15 Minuten gefahren waren kamen wir über einen Fluss. Moment… Irgendetwas stimmte hier nicht. Zu unserem Hotel ging es nicht über den Fluss. Er fuhr in die falsche Richtung!!! Kurz darauf hielt er an und gab uns zu verstehen, dass wir da wären. Wir sagten ihm, dass das nicht sein kann. So langsam dämmerte es ihm, dass er einen Fehler gemacht hatte. Nun wollte er die ausgemachten 200 Rupien und nochmal 300 extra für den Umweg. Sein Pech! Er hat uns falsch gefahren! Tim sagte ihm entweder er fährt uns für 200 wie ausgemacht da hin wo wir wollten oder wir steigen hier aus und er hat gar nix. Da er wirklich kein Wort englisch verstand und nur in Hindi auf uns einredete, wollten wir wirklich aussteigen. Er lenkte dann ein, wendete und nach fast einer halben Stunde erreichten wir endlich unser Hotel. Als wir ausstiegen, fing er wieder an nachverhandeln zu wollen, aber es gab nichts mehr. Er lief uns sogar ins Hotel hinterher woraufhin ihn die Angestellten rausschmissen…

IMG_2051Wir bezogen unser Zimmer und machten uns dann auf den Weg zu Fuß durch die Main Bazar Road, einem Bazar Viertel direkt neben unserem Hotel. Wir waren schon mit dem TukTuk auf dem Hinweg hier durchgekommen und waren total fasziniert gewesen. Wir versuchten uns in Ruhe ein bisschen umzusehen. Das war aber kaum möglich. Alle zwei Meter quatschte uns ein anderer Inder an: „Where do you come from?“ „How long do you stay in Delhi?“ „Where will you go next?“ Ich konnte es nicht mehr hören. Wenn noch einer kommt, hau ich ihn um!!! Da wir Hunger hatten und auch dem Stress ein bisschen entkommen wollten gingen wir in ein kleines Restaurant am Straßenrand. Restaurant ist eigentlich übertrieben, jede Dönerbude bei uns ist luxuriöser. Egal, Hauptsache Ruhe und Futter! Erst als wir bestellen wollten merkten wir, dass wir in einem vegetarischen Restaurant gelandet sind. Egal, es war billig und es schmeckte gut!!! Für zwei Hauptgerichte mit extra Brot und zwei Getränken zahlten wir mit Trinkgeld umgerechnet 5.- €. Billiger geht es kaum! Nur an die indische Definition von „nicht scharf“ müssen wir uns noch gewöhnen.Wir wollen auf jeden Fall nicht wissen was hier wirklich scharf bedeutet!

DSC_0350Als wir bezahlt hatten und wieder raus gingen war es dunkel geworden und das ganze Chaos war noch unübersichtlicher. Die Roller, TukTuks und Fahrräder fuhren entweder mit Fern- oder ganz ohne Licht. So dass man erst geblendet wurde und dann beinahe überfahren, weil man den nächsten nicht sieht. So passierte es auch, dass ich fast mit einer Kuh zusammen gerannt bin. Wir liefen in einer Gasse als eine Kuh auf uns zu kam. Ich hab sie einfach nicht gesehen. Das liegt vielleicht aber auch daran, dass man einfach nicht erwartet, dass einem mitten auf der Straße eine Kuh entgegen kommt. Tim hat mich gerade noch so weggezogen.

Überall auf der Straße wird auch Essen für auf die Hand angeboten. Unter anderem quatschte uns ein Mann er, der Buttergebäck verkaufte, was er vor Ort backte. Wir wollten etwas kaufen und fragten ihn, was er wollte: 100 Rupien für 100 Gramm, das sind 1,30 €! Viel zu viel. Wir gingen weiter und hörten ihn noch hinterher rufen. Egal! Auch wenn wir es gewohnt sind, als Touris wie eine Kuh die man melken kann behandelt zu werden, verarschen lassen wir uns nicht.

Als wir nach einer halben Stunde aus Zufall nochmal vorbei kamen, wollte er plötzlich nur noch 50 Rupien. Geht doch, aber da muss noch was drin sein! Tim handelte ihn runter auf 20 Rupien, also 26 Cent. Wahrscheinlich war selbst das noch zu viel aber da sieht man mal was die für eine Spanne haben! Wir packten das Gebäck ein und gingen zurück zum Hotel, wo wir den Abend nach einer kalten Dusche in Ruhe ausklingen ließen.

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