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Tag 4 – Delhi (24.02.2016)

Um ein wenig gegen den immer noch vorhandenen Jetlag anzukämpfen stellten wir uns heute den Wecker auf 9 Uhr. Wirklich aufgestanden sind wir dann um viertel vor 10, aber egal.

Wir gingen ins Restaurant, wo wir frühstücken wollten. Es standen zur Auswahl: Toast mit Butter, Toast mit Marmelade, Toast pur oder ein indisches, undefinierbares Frühstück.

Wir wählten das Indische, man muss ja die hiesige Küche schon morgens ehren. Fehler!!!

Was kam waren zwei weiche Fladen, die aus Kartoffeln gemacht waren. Das schlimme daran war nicht, dass sie nicht schmeckten, denn das taten sie; das Schlimme war, dass die Dinger scharf waren wie die S…

Dazu gab es Chai-Coffee… Der war gut und nicht scharf!

Wir wollten heute ein wenig die Stadt erkunden und machten uns auf zum Touristenbüro, wo wir eine Hop On-Hop Off Tour buchen wollten.

Ich weiß, ich weiß, blöder Touri-Scheiß, aber wir hatten nur noch einen Tag und so sieht man am einfachsten das Wichtigste einer Stadt.

Wir also los zur Metro-Station bei uns um die Ecke. Rein in die Metro und zwei Minuten später waren wir im Gespräch mit einem Einheimischen.

Verständigung Teil 4!

Wenn es eines gibt, was wir über die Inder gelernt haben, dann ist es, dass sie wahrscheinlich das geselligste, gesprächigste und offenste Volk sind, das man sich vorstellen kann. Ohne irgendeine Scheu oder Zurückhaltung sprechen sie einen sofort und direkt an. Für uns Europäer ist das sehr ungewohnt und hat uns zu Beginn der Reise mächtig verwirrt. Doch mit der Zeit und der Erfahrung machte es Spaß mit irgendwelchen Fremden über alles Mögliche zu quatschen und zu lachen. Als wir aussteigen mussten, folge uns unser neuer Bekannter auf den Bahnsteig und wir tauschten Nummer und E-Mailadressen aus. Er lud uns sogar zum Essen zu sich nach Hause ein, wir sollten uns nur melden, wenn wir wollten.

Von dieser Erfahrung direkt mal beflügelt liefen wir in die Arme des erstbesten Tourenvermittler-Abzock-Königs. Aber unser untrügliches Gespür für Abripper bewahrte uns vor Schlimmerem.

Nein, ganz so war es nicht…

Wir rochen den Braten eigentlich schon nach dem ersten Hallo und gingen einfach weiter, denn zwei Kreuzungen weiter war das echte Delhi-Touristen-Informationbüro, offiziell und seriös.

Wir gingen rein, trugen unser Vorhaben vor und der nette Angestellte verwies uns an die nächste Kreuzung, da wäre der Hop on-Hop off Verkaufsstand. Er könne uns nur eine Vormittags- oder Nachmittagstour im Klimabus für jeweils 250 Rupien pro Person oder eine Ganztagestour, die aus beiden Teilen besteht, für 400 Rupien, also ca. 5 Euro, anbieten.

Wir bedankten uns, gingen zum Hop on-Hop off Stand und waren 5 Minuten später wieder bei ihm. Die andere Tour sollte fast 13 Euro pro Person kosten…

Also würden wir morgen eine echte Alte-Leute-Kaffeefahrt-Touristen-Tour in einem echten Alte-Leute-Kaffeefahrt-Touristen-Tourbus machen. Um 8:45 Uhr geht es los. Echte Alte-Leute-Kaffeefahrt-Touristen-Tourbus-Abfahrzeiten, wo noch kein normaler Urlauber wach ist.

Aber egal, irgendwie freuten wir uns drauf!

So hat man zumindest keinen Stress mit Routen planen, mit Rikschafahrern verhandeln oder sonst irgendeinem Mist, mit dem sich Individualtouristen immer irgendwie auseinandersetzen müssen. Einfach hinsetzen und abschalten. Und vielleicht die blöden anderen Touristen ausblenden, aber das haben wir ja drauf! 😉

Da es erst kurz nach 12 Uhr war entschieden wir uns, zurück zum Hotel zu fahren, unser Zeug abzuladen, und uns auf den Weg zum Akshardham-Tempel zu machen, einem gigantischen Hindu-Tempel, dem Zweitgrößten in ganz Indien.

Der Tempel wurde 2005 eingeweiht worden, erbaut von 3000 Freiwilligen und 7000 Handwerkern. Er stellt in seiner Gesamtheit die hinduistische Kultur und Religion dar, ist von außen aus feinstem Sandstein und innen komplett aus Marmor. Ein riesiges Gebäude auf einem noch riesigeren Gelände, wunderschön! Es gibt Sicherheitsvorkehrungen wie am Flughafen, mit Metalldetektoren, Abtastern, Handscannern und Röntgengeräten.

Aber was man dann zu Gesicht bekommt übersteigt jede Vorstellung. Das Gebäude an sich überragt den gesamten Komplex um einiges, umringt wird das ganze von einem steinernen Ring aus vielleicht 10 Meter hohen Sandsteinarkaden. Ein wenig bekommt man das Gefühl, in einem Tomb Raider Spiel gleich auf Lara Croft zu treffen (wenn’s nur so wär!!!). Ich könnte jetzt hier noch seitenweise weiter den Tempel anpreisen, der wirklich alles in den Schatten stellt, was ich bisher gesehen habe (sogar das Taj Mahal). Aber ich muss nun auf Wikipedia verweisen, die erklären es schneller, besser und es gibt Bilder. Die darf man nämlich nicht darin machen. Es sind auch kein Handy, Smartphone, Laptop, keine kurzen Hosen, Burkas oder Sonsiges erlaubt. Nur was man am Leib trägt, seinen Pass und das Portmonnaie. Vielleicht noch eine Packung Taschentücher, aber das war’s.

Wir hielten uns fast zwei Stunden auf dem Gelände auf, dann machten wir uns auf den Rückweg, denn wir wollten noch ein bisschen im Bazar Viertel bei uns um die Ecke fotografieren gehen.

Auf dem Heimweg hat es auch keine eine Station gedauert, bis wir wieder in irgendeinem Gespräch verwickelt waren, das erst endete, als wir den Metro-Zug verließen.

IMG_2099Wir holten unser Zeug wieder aus dem Hotel und zogen durch die Bazar Road, vorbei an Händlern aller Art. Über Obst, Gemüse, Kleidung, Handwerkskunst und Nippeskram findet man alles was das Herz begehrt. Vorausgesetzt man hat die Nerven, sich mit den andauernden Anquatschereien und Spüchen auseinanderzusetzen. Wenn man auf alle Ansprachen eingehen würde, bräuchte man für 10 Meter Wegstrecke ungefähr zwei Stunden. Andauernd kommt irgendwoher auf englisch: „Wo kommst du her“, „Wo wollt ihr hin“, „Wie lange seit ihr schon in Delhi“, „Wie geht es euch“, und jedesmal endet es in einem versuchten Verkauf vom Kleidungsstück bis zum Flugticket. Echt irre!

Aber wir haben eine Taktik, uns die lästigen Typen vom Hals zu halten, danke hierfür Vadim Schober und Jens Clausen! Das nächste Bier geht auf mich!

Der Ansprechversuch: „wo kommt ihr her?“ „Deutschland“ – „Ah, wunderschönes Land, München, Berlin blablabla…“

Die Taktik: „wo kommt ihr her?“ „Island“ – „okay… „äähh, have a nice day“

IMG_2205So konnten wir uns fast problemlos durch die Menschenmengen schlängeln, bis wir uns zum Essen in ein Straßenrestaurant gesetzt haben. Wiedermal war die Definition -scharf- eine zweideutige, denn ich glaube, ich kann in sechs Wochen noch nicht richtig schmecken. Aber gut war es, wenn man das noch objektiv beurteilen kann… Ohne Geschmacksnerven.

Eine witzige Geschichte gibt es auch noch zu erzählen:

Es sprechen einen alle Arten von Bettlern auf der Straße an, der Reiseführer meint, bei den einen wäre es angebracht, bei anderen eher nicht. Zum Beispiel Verkrüppelten und Arbeitsunfähigen darf man gerne etwas geben, da diese Menschen nicht vom Indischen Staat unterstützt werden und somit keinerlei Einkünfte haben. Sie werden zum Betteln gezwungen. Anders sieht das bei Frauen oder Kindern aus.

Es kam also eine Frau mit einem Kind auf mich zu, trällerte die üblichen Floskeln runter, „Wo kommt ihr her“, wie gefällt euch Delhi“ und so weiter und fragt mich ob ich ihr nicht ein wenig Reis für ihr Kind kaufen könnte. Ich war perplex, keine Frage nach Geld…

Also komm, ich kauf dir Reis, ist kein Problem. Was kann Reis in einem Land in dem er angebaut wird und Hauptnahrungsmittel Nummer eins ist schon kosten… Wir zum nächsten Stand, eine Packung Reis bitte. 400 Rupien… über 5 Euro… Ich fragte, ob das stimme… Ja, Sir, 400 Rupien.

So leid es mir tut, da musste ich leider ablehnen. Fand die Frau nicht so witzig und hat dann gleich nachgelegt, ich solle ihr doch statt dessen Geld geben. Und schon war der Drops gelutscht. Ohne einen weiteren Blick gingen wir weiter und die Rufe der Frau gingen irgendwann im Tumult um uns herum unter.

Als wir wieder im Hotel ankamen, trat der Hotelboy auf mich zu und fragte mich, ob er mir ein Bier bringen solle. Ich fragte ihn, ob sie keine Bar hätten, er meinte nein, aber ich könnte es auf dem Zimmer trinken. Ich meinte, Scotch wäre mir lieber. Er würde mir auch den bringen, weil ich so freundlich wäre… (Ich hatte ihm gestern 10 Rupien gegeben, dafür, dass er unser Gepäck in den ersten Stock getragen hatte (ich hatte es nicht kleiner!)).

Okay, dann hätte ich gerne Scotch. Eine 1,5 Liter Flasche? Äh, nein, wir fliegen morgen wieder heim, das kleinste was es gibt, bitte. 1 Liter? Is mir auch etwas zu viel… Das kleinste was es gibt, für EINEN Drink eben. Okay! Verstanden! 210 Rupien, bitte, die kleinste Flasche die es gibt…

Also keine 3 Euro… Da kann ja nicht viel schief gehen.

Wir gingen also aufs Zimmer und 10 Minuten später klingelte es… Ja, richtig gelesen! Unser Zimmer hatte zwar kein warmes Wasser oder ein Fenster, aber eine Klingel in Delfin-Sound!!! In diesem Land erlebst du fast stündlich einen neuen unglaublichen Kracher! Er stand also mit einer 180 ml Flasche indischem Scotch vor unserer Tür und freute sich wie ein Schneekönig, dass er mir einen Gefallen tun durfte! Ich bedankte mich überschwänglich und nahm die Flasche entgegen. Wo er sie her hätte und ober er noch Geld bekäme? Nein, nein, er bekomme nichts mehr und er war grade deswegen schnell auf dem Bazar…

Okay, dann nochmals vielen Dank!

Der Drink war köstlich, doch schmeckte er auch ein wenig bitter, denn während ich ihn genoss, packten wir alles für die morgige Abreise zusammen. Morgen Nacht geht unser Flug nach Hause. Gerade hatten wir uns an alles gewöhnt und es fing an, Spaß zu machen…

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