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Tag 22 – Agadir–Essaouira– Casablanca (21.05.2014)

Die Nacht war kalt, wirklich richtig kalt… Ich habe zum ersten mal in diesem Urlaub in meinem Schlafsack gefroren. Als wir aufstanden war zwar die Sonne draußen und es war blauer Himmel, aber das Thermometer zeigte mickrige 19°C.

Egal, erstmal frühstücken! Nach dem Kaffee, Waffeln und Fladenbrot mit Marmelade machten wir uns dran, unser Zeug zusammenzupacken und alles zu verladen.

Heute sollte es Richtung Casablanca gehen, sozusagen das Etappenziel, das aber 600 Kilometer von Agadir entfernt liegt und bei dem gestern erwähnten Verkehrsbedingungen unter Umständen 15 Stunden dauern kann. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Es gab aber noch andere Ziele, die weniger weit entfernt waren, die als Übernachtungsplatz in Frage kämen, falls wir es wirklich nicht schaffen sollten.

IMG_9944Unsere erste Station des heutigen Tagen war die Küstenstadt Essaouira, etwa 180 km nördlich von Agadir. Die Straße führte etwa 50 km entlang des Atlantiks, wir wurden mit wunderschönen Panoramen beschenkt!

Dann machte die Straße einen Bogen ins Landesinnere, wir ließen die Küste hinter uns und erreichten bald darauf das Gebiet des berühmten Argan-Öls, für das die Küste Marokkos bekannt ist.

Und nochwas interessantes gibt’s hier zu sehen:

IMG_9881Ziegen die auf Bäumen hocken!!! Ohne Witz, manchmal hocken bis zu 20 Ziegen in einem riesen Argan-Baum! Das ist der Hit!!

IMG_9899Grund dafür ist natürlich nicht die schöne Aussicht, sondern die Tiere fressen die süßen Früchte der Argan-Bäume und lassen die Kerne fallen. Die wiederum werden zur Öl-Herstellung verwendet und müssen so nicht gepflückt werden, sondern einfach nur unten aufgesammelt. Ein Deal sozusagen!

 

Und wo wir grade bei Deal sind:

Wir kamen aus der wunderschönen Medina von Essaouira, als ein (nicht rassistisch gemeint!) wirklich pechschwarzer Typ auf uns zu kam. Der Kerl war so schwarz, sowas hatte ich noch nie gesehen!

Wir wurden mit einem Hey Meeen begrüßt und dann ging’s los:

Mit 200 Anschlägen pro Sekunde in gebrochenem Englisch versuchte er uns auf Ziegenleder gemalte Bilder zu verkaufen. Die waren mit Schnur auf Rahmen aufgezogen, sahen gar nicht schlecht aus! Das Verkaufsgespräch ging ungefähr so:

„Was soll das Ding kosten?“

„Gute Preis, beste der Stadt, 300 Dirham, aber für dich mein Freund, bist cool, 250 Dirham!“

„Alter, das ist viel zu teuer!“

„Nein, beste Preis! Wirklich!!!! Gib mir 200,-!“

„Ich glaube nicht!“

„Was ist dein Preis, sag mir dein Preis!“

„Äh, 50 Dirham“ (ich hätte noch weniger sagen sollen!)

„Meeen, das ist zu wenig, der Rahmen allein kostet 40 Dirham! Echtes Ziegenleder!“

„Dann lassen wir es!“

„Nein, Meeeeen, gib mir 120 Dirham!“

„Kollege, ich geb dir 50 und fertig!“

„Du Berber, gib mir 80 Dirham! Dann gibt’s noch ne Tüte!“

„Was soll denn die Tüte kosten?“

„10 Dirham für dich!“

Ich geb dir 50 mit Tüte und du kannst froh sein, dass du es los bist!“

„Berber, gib mir 60 und wir haben einen Deal!“

„50 stehen und gut!“

„Meeeeen, komm schon!“

Das ganze ging noch ein kleines bisschen so weiter, bis wir uns auf 54 Dirham MIT Tüte geeinigt hatten und das Teil wechselte den Besitzer! Gebraucht hätten wir es nicht, aber des Handelns wegen lohnen sich die 5 Euro schon alleine! Das macht echt Spaß und ist der Hammer, obwohl der wahrscheinlich noch immer 300% dran verdient hat… Whatever, der Spaß war’s wert!

Nach dieser erheiternden Aktion drehten wir noch eine Runde am Pier und der Promenade entlang, genossen die Sonne, das Meer und den Flair der Hafenstadt und machten uns langsam zurück zum Auto.

Unser nächstes Ziel war Oualidia, in der ein Camping neu aufgemacht haben sollte, was aber nicht sicher war. Unsere letzten Gastgeber hatten sowas gehört, aber sicher war das nicht…

Die Fahrzeit betrug fast 2 Stunden, unsere Ankunftszeit lag bei ca. 16 Uhr.

Nach ungefähr einer Stunde Fahrt entschieden wir, das wir es riskieren sollten und bis Casablanca durch fahren wollten. Zum einen würden wir ein ordentliches Stück Weg packen und hätten hinten raus mehr Zeit. Es wäre auch kein Problem, wenn es dunkel werden würde, denn das Einzugsgebiet Casablancas beginnt schon fast 50 km vor der eigentlichen Stadt und die Straßen sind alle mit Laternen beleuchtet. Dritter Punkt ist, dass wir in Casablanca eh ein Hotel nehmen müssten, da es keinen Camping im Umkreis von 80 km ums Stadtzentrum gibt.

Also dann, auf in die große Stadt!

Kurz vor Casablanca trafen wir dann auch auf die erste echte Autobahn seit 3 Wochen! Keine Kreisel, die einen ausbremsen, keine Eselkarren mitten auf der Straße, keiner der einem auf seiner Straßenseite entgegen kommt. Einfach Vollgas (maximal 120 km/h)! Zwar mit Maut aber 2 € für 60 km waren zu verschmerzen…

Gegen 8 Uhr erreichten wir die Vororte und waren eine halbe Stunde später dann im Zentrum.

Ernüchterung kam, als wir vom ersten Hotel wegen Ausbuchung abgewiesen wurden.

Ein kleines bisschen Angst kam dann beim zweiten, aber das dritte, ein Ibis, hatte dann noch ein Zimmer frei, das wir gegen halb 10 dann bezogen.

Noch ne witzige Geschichte am Rand:

Hier hat jeder Parkplatz und jeder Seitenstreifen, an dem man parken kann einen Typ in neongelber Weste, der Kohle von dir dafür bekommt, dass er dir beim Rinparken hilft und „auf dein Auto aufpasst“. Auch der Parkplatz unseres Hotels hatte so einen.

Als wir anfuhren, wies er uns schön einen großzügigen Parkplatz zu. Dann ging es um die Gebühr, die von uns zu entrichten waren.

Der Typ weigerte sich aber rigoros mit Sarah zu sprechen. Da sie aber diejenige von uns ist, die Französisch spricht, waren wir in einem Dilemma. So wurde die Sache mit Händen und Füßen zwischen uns Männern geregelt, jedes Wort, was Sarah einwarf, wurde überhört, obwohl er es verstand… Ich habe gewusst, das hier irgendwann sowas passieren kann, aber dass es wirklich passiert, das hätte ich nicht gedacht!

Schmunzelnd bezahlte ich den Parkplatz für die Nacht.

Nachdem wir unser Zimmer bezogen haben, entschieden wir uns noch zur Hassan-II-Moschee zu fahren. Wir wollten ein paar Nachtaufnahmen machen. Da der Weg zum Hotel mit unserem Auto nennen wir es mal „nervenaufreibend“ war, entschieden wir uns für ein Taxi.

Dann ging es an die Verhandlungen um ein Taxi. Der erste war zu teuer und ließ sich nicht runterhandeln. Der Zweite war williger, aber ich war noch nicht zufrieden. Die Hinfahrt zur Moschee gab ich nach, der Rückweg wurde neu verhandelt, bis wir beide zufrieden waren.

Der Taxifahrer fragte uns noch, was wir da machen wollten, es sei doch alles zu. Als wir ihm versuchten klarzumachen, dass wir nur Fotos von außen machen wollen schüttelte er mit dem Kopf und fuhr los

IMG_9948Witziger Weise gingen genau in dem Moment die Lichter an der Moschee aus, als ich das Stativ aufbaute. Es war 11 Uhr… Verdammt… Hätte der Fahrer uns ja sagen können (hat er wahrscheinlich, ist aber in dem Kauderwelsch aus Englisch, Französisch, Deutsch und Arabisch untergegangen).

Grinsend kam der Taxifahrer auf uns zu… Schadenfreude ist doch die schönste Freude!

Dafür holte ich noch einen Abstecher beim Mc Donald’s raus, der auf dem Rückweg lag! Mit 2 Tüten Fast Food beladen kamen wir zurück zum Hotel und machten uns über das Essen her. Nach 3 Wochen in einem Land, in dem es ungelogen nur 3 Gerichte gibt (Tajine, Couscous und Brochette), gibst du dein letztes Hemd für Burger und Co.

2 Antworten auf „Tag 22 – Agadir–Essaouira– Casablanca (21.05.2014)“

Hey ihr zwei,

na man, das klingt ja schon fast nach Heimreise. Krass, wie die Zeit vergeht.
Ab jetzt wird es fast nur noch touristisch….

Kilometerstand der Reise ?
Spiegelschlag ?
Videozeit ?

🙂

Vadim

Ja, wir sind auf dem Rückweg, das lässt sich nun nicht mehr leugnen 🙁

Bis jetzt haben wir knapp 6000 km auf der Uhr. Bilder haben wir bis jetzt 2300 gemacht und Videozeit ca. 5 Stunden.

Von den Fotos schicken wir dir gleich ne Kostprobe 🙂

Tim und Sarah

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