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Tag 17 – Erg Chegaga–Icht (16.05.2014)

Nochmal zu dem Gerücht, dass es in der Wüste Nachts so kalt wird… Wenn man tagsüber 45°C hat und nachts 20°C merkt man natürlich den Temperaturunterschied empfindlich. Aber es ist wirklich ein Gerücht, dass es Minusgrade gibt. Zumindest im Sommer nicht. Im Winter weiß ich nicht, da kann es schon Minusgrade geben, aber dann ist es auch tagsüber gerademal T-Shirt-warm…

Und was glaubt ihr, wie der heutige Tag begann? Richtig! Mit irrsinniger Hitze und einem verschwitzten Laken! Es waren draußen 34°C und es war halb 8 Uhr morgens…

Jeder, der nach einer durchzechten Nacht morgens aufgewacht ist, die Augen verklebt und sich total zum kotzen gefühlt hat, der versteht, wie es mir an diesem Morgen ging. Aber ohne Alkohol und der Schmodder in meinen Augen war Sand. Und der reichlich!

Egal, es war auf jeden Fall irre heiß!

Ich hatte gestern Abend schon die Idee, die Matratze rauszuholen und unter freiem Himmel zu schlafen, aber da war der Wind noch zu stark…

Scheint sich wohl kurz darauf gelegt zu haben, denn die vier Italienerinnen und die Guides lagen alle auf ihren Matratzen im Sand in schliefen den Schlaf der Gerechten (oder besser des Alks, denn die hatten alle zusammen ordentlich gesumpft… soviel zu Islam und so)!

Wir zogen unsere total zugesandeten Klamotten an, klopften uns den Staub ab. Wir verließen unser Zelt und uns blieb der Mund offen stehen. In diesem Moment erlebten wir die „Magic of the Desert“!

IMG_9555Das Morgenlicht tauchte die Dünen in sanftes Licht, alles um uns herum erstrahlte in Orange und Gelb… Der Mix aus Sonne und Schatten malte wunderschöne Muster in die Flanken der Dünen. Es war alles still, alles friedlich. Der Tag erwachte in dieser unwirtlichen Welt, die so bezaubern kann und doch so tödlich ist.

Aber für diesen Moment war einfach nur schön und wir genossen diesen frühen Morgen in allen Zügen!

Nach dem Genuss verballerten wir fast einen ganzen Akku der Kamera, denn mit jeder Minute änderte sich das Licht und neue Farben, Muster und Konturen erschienen in Sand der Sahara.

Es war atemberaubend

Nachdem auch der letzte im Camp seinen Rausch ausgeschlafen hatte trafen sich alle im Hauptzelt zum Frühstück.

Danach packten wir und machten das Auto fertig.

Wir fuhren los, unser Guide nahm die erste Düne und war dahinter verschwunden. Da wir aus unserer Geschichte gestern gelernt hatten fuhren wir um die Düne herum und was sahen wir da?! Natürlich, unser Freund war schon wieder am buddeln! Aber er weiß ja was er tut…

Zum zweiten mal in 24 Stunden mussten die Sandbleche herhalten (so hatten auch die sich gelohnt) und es konnte weitergehen.

IMG_9568Wir kamen aus dem Dünengürtel heraus auf eine freie Ebene, dem Lac Iriqui. Über hunderte Quadratkilometer erstreckt sich dieser ausgetrocknete See und man überall Fatamorganas in der Ferne erkennen. Die ausgedörrte Oberfläche ist steinhart und bildet das typische Muster eines ausgetrockneten Gewässers. Dazu ist die Ebene absolut flach, was mal zum rasen einlädt.IMG_9571

Wir ballerten über die Ebene und kamen nach kurzer Zeit in ein Gebiet, in dem man Fossilien in Steinen eingeschlossen finden kann. Die Landschaft hatte sich innerhalb kürzester Zeit von Dünen zu Ebene und dann zu einem Geröllmeer gewandelt. Absoluter Wahnsinn!

Wir stiegen aus, fanden schnell ein paar Steine, in denen prähistorische Fossilien eingeschlossen sind und sackten sie ein!

Mittlerweile stand die Sonne hoch am Himmel, das Thermometer zeigte entspannte 39°C.

Über Kilometer folgten wir einer echt üblen Wellblechpiste, die wirklich jede einzelne Schraube losrüttelte, die unser Auto besitzt!

Gegen 13 Uhr erreichten wir das Ende der Piste und die Straße, die in den nahegelegenen Ort Foum-Zguid führte.

An dieser Stelle merkte ich auch, dass unser Auto mehr als drei Gänge besitzt! Nach so einem Geschüttel auf glattem Asphalt zu fahren war echt eine Erlösung!

Wobei, mit Pisten ist es wie mit Tattoos:

Erst hat man voll Lust drauf und macht es. Während dessen ist es schlimm, denn es tut echt weh, aber wenn es rum und der Schorf ab ist, will man gleich wieder eins! Genauso ist es mit Pisten!

Whatever, wir erreichten den Ort, tranken noch einen frischgepressten Orangensaft (der war aber nicht so gut wie der In Marrakech, der war nämlich der Beste!!) und verabschiedeten uns von unserem Guide. Er fuhr zurück nach Zagora, wir weiter an die Küste Richtung Sidi-Ifni.

Erst einmal mussten wir tanken. Der gute Tankwart meinte es gut mit unserem Auto und pumpte ihn so richtig voll mit Sprit. Und als er eigentlich schon voll war rüttelte er mal kräftig am Auto damit noch was rein geht und dann tankte er weiter. Dann wurde wieder geschüttelt und wieder weiter getankt. Das ganze wiederholte sich fünf mal, bis wir ihm sagte, es ist genug. Ich glaube in unseren 80 Liter Tank hat er 100 Liter rein bekommen!!!

Da der Campingplatz der ersten Wahl zu weit entfernt war und wir nach so einer Tour und so einer Nacht keinen Bock mehr hatten, so weit zu fahren, disponierten wir kurzerhand um und fuhren einen anderen Platz an. Den gesamten Weg entlang der Straße begleitete uns DER afrikanische Baum schlechthin: Die Schirmakazie! Wieder einen Punkt von meiner Liste abgehakt! (Fehlt bloß noch eine Schlange… Hast nix gehört, Mama!)

Der Platz stellte sich als absoluter Glücksgriff heraus! Super Service, Internet, warme Duschen und echt billig!

Bloß das Wetter spielte nicht mit, denn dunkle Gewitterwolken zogen am Himmel auf und es war böse windig. Wir haben echt kein Glück…

Als wir alle elektronischen Geräte aufladen wollten, stellten wir fest, dass von unseren zwei zur Verfügung stehenden Steckdosen nur eine ging. Und das bei 4 Geräten und 2 Tagen Wüste und kein Strom… Da kann sich jeder an einer Hand abzählen, dass das nicht funktionieren konnte.

Netterweise lieh uns unser Augsburger Nachbar seine 4-fach Steckdose (für’s Nächste Mal merken: Mehrfachsteckdose MUSS mit!!!) und erzählte uns gleichzeitig, dass sie gerade von Sidi-Ifni kämen und es dort recht frisch war… Wie sehr wir uns nach „frischen“ Temperaturen sehnen! Mal schauen, was uns die nächsten Tage für Wetter an der Küste erwartet…

Wir klappten das Zelt auf, ließen es aber wegen des Windes noch zu und gingen erstmal duschen. Und wie durch ein Wunder waren die Wolken um uns herum gezogen, der Wind abgeflaut. Es kam sogar noch die Sonne raus.

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