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Tag 16 – Zagora–Erg Chegaga (15.05.2014)

Oh Mann, der Tag fing ja gut an. Ungefähr um 4 Uhr morgens meldete sich die Tajine des gestrigen Abendessens zu Wort und ich dachte, ich müsste sterben… 50°C in dem Zelt, dazu Schweißausbrüche aufgrund von Magenkrämpfen und ein Bett in 3 Meter Höhe… Keine gute Kombination!

Whatever, für alle die die Chemie-Klo-Geschichte kennen, das Teil war noch nicht im Einsatz. Wir fahren so viele Pisten, dass es mir lieber ist, das Ding bleibt leer. Und ich habe gleichzeitig ein anderes Syndrom überwunden!

Auf alle Fälle ging es mir echt dreckig und in ein paar Stunden ging unsere Tour in die Wüste los!

Die deutsche Pharmaindustrie musste nachhelfen…

Nach ein paar wenigen unruhigen Stunden Dämmerschlaf klopfte es an unser Top… Was zur Hölle???!!!

Ich kletterte aus dem Zelt und da stand ein Typ mit genau meinem Auto in der Hand! Aber ganz genau mein Auto! Der Hammer!!!

Da er sofort sein Geld wollte, ich aber den Deal mit dem anderen Typ hatte und er sich auch nicht belabern ließ, bezahlte ich den Automann im Voraus und wollte mir gleich um halb 11 mein Geld zurückholen!

Wir luden gerade die letzten Sachen ins Top, da erschien auch schon der Andere mit einem Mitsubishi Pajero um uns abzuholen. Er war pünktlich, das musste man ihm lassen!

Und ab ging die Fahrt, erst über die Straße raus aus Zagora und rein ins Dra-Tal, einer weiten Ebene, die dann an die Erg Chegaga angrenzt.

Wir bogen von der Straße ab und fuhren durch ein Dorf, das auf keiner Karte verzeichnet ist. Allein aus diesem Grund hat sich die Tour schon gelohnt, denn mal zu sehen, wie die Menschen in so einem Kaff leben ist schon allein Gold wert und bekommt man niemals mit, wenn man einfach so durchs Land reist, denn diese Dörfer kann man einfach alleine nicht finden…

Auf diese Weise durchfuhren wir zwei Dörfer und machten an einem traditionellen Markt halt. Wer denkt, das klingt schwer nach Kaffee-Fahrt, der irrt! Wir bestanden darauf, kein Kommerz, und daran hielt er sich auch. Er fragte immer vorher und wir machten nur, was wir wollten!

Bisher nicht schlecht!

IMG_9315Das Thermometer stieg auf bahnbrechende 50°C (sowas ist echt unmenschlich, das gönne ich keinem, sowas mal zu erleben) und wir machten Siesta in einem Hotel mit kalten Getränken und Klimaanlage. Wir wollten die Autos schonen, denn bald darauf ging es in die Wüste!

Die Erg Chegaga ist eigentlich eine Stein- und Geröllwüste, die aber auch zum Teil wandernden Dünengebiete hat.

Es war der Wahnsinn, zuerst auf Piste und dann auf dem heißen, gelb-orangen Sand der Sahara zu fahren. Wir fragten, ob wir Luft aus den Reifen lassen sollten, aber nein, kein Problem. Er wüsste, wo man fahren kann, damit man das nicht braucht… Okay… Wir werden sehen und legten schonmal den Kompressor bereit.

Aber es funktionierte alles prima! Wir pflügten durch den Sand, über Dünen, immer irgendwelchen Reifenspuren nach, die vor uns schon mal einer hier hinterlassen hatte. Die Dünen würden immer höher und bald waren wir komplett von ihnen umgeben, wohin man blickte, nur Sand!

Ein absolut irres Gefühl und eine Erfahrung, die ich niemals vergessen werde!

So ging es den ganzen Nachmittag, bis wir am Camp eintrafen, das unser Nachtlager werden würde.

Wir bekamen ein Zelt zugewiesen und konnten ausladen. Der Abend stand zur freien Verfügung, was auch immer wir machen wollten. Für später war noch Abendessen und ein bisschen Programm mit Musik und so angesetzt, aber alles keine Pflicht, nur wenn wir wollten!

Gleichzeitig mit uns kamen auch vier Italienerinnen auf Kamelen an, die die Zelte neben uns bezogen. Als wir so vor unserer Bleibe saßen, kam der Guide und frage uns, ob wir auch mal richtig hohe Dünen fahren wollten! Eigentlich schon, aber der Reifendruck, Kompressor…

Ach was, kein Problem, er wüsste was er tut!

Okay, dann gerne!

Wir fuhren also los, die erste höhere Düne drüber und auf der anderen Seite wieder runter. Und aus war’s…

IMG_9450Wir steckten bis zur Radnabe im Sand, keine Untersetzung, keine Sperre half noch…

Witziger weise steckte 15 Meter weiter auch er fest. Eigentlich nur er und wir danach, weil wir anhalten mussten, sonst wären wir ihm reingefahren!

So kamen dann auch mal unsere Sandbleche zum Einsatz und 20 Minuten später waren die Kisten wieder frei.

Da uns das genug Dünen für heute waren drehten wir um und fuhren zurück zum Camp. Auf dem Weg fuhr er sich nochmal fest, kam aber von alleine wieder raus… Aber er wusste ja was er tat…

Wir waren noch nicht ganz zurück am Camp, da kam ein heftiger Wind auf. Es war den ganzen Tag gewittrig, aber wir fuhren scheinbar immer davor her. Jetzt holte das Wetter uns ein und traf uns mit voller Wucht.

Ein Sandsturm ohnes Gleichen zog über das Camp hinweg, alles, was man nur kurz raushielt wurde sandgestrahlt. Wieviel Pech kann man eigentlich haben… Zweimal in der Wüste und zweimal Sandsturm… Das Auto war alleine vom Aussteigen voll mit Sand, überall und jede kleinste Ritze verirrte er sich… Das bekommt man bestimmt nie wieder raus!

Genauso schnell wie der Sandsturm da war, war auch die Sonne verschwunden und man hörte nur noch das rauschen des Windes, der an dem Zelt-Camp zog und rüttelte.

Den ganzen Tag überstand ich, aber jetzt musste ich nochmal die Imodium zu Hilfe nehmen. Wir gingen zum Essen ins Hauptzelt, wobei essen übertrieben ist, denn ich bekam keinen Bissen runter. Es gab Tajine… Wenigstens aß Sarah was, sonst hätte ich mich zutode geschämt, denn es gab reichlich und es wurde extra mit dem Pick-Up aus Zagora rangekarrt!

Auf die Nachfrage, ob es nicht schmecke, antwortete ich, ich hätte es mit dem Magen.

Da wüsste er ein altes Berber-Hausrezept:

Eine Hand voll Kümmel mit Wasser runterspülen. Danach bitte auf den Bauch legen und unter vielen Erklärungen was er tat, massierte er meinen Rücken. Besser gesagt hatte ich das Gefühl, er wolle mir das Fleisch abziehen, denn er zog entlang der Wirbelsäule immer wieder die Haut zusammen und drückte sie fest nach unten!

Witzigerweise weiß ich nicht, ob es an der Berber-Voodoo-Heilkunst oder an der deutschen Pharmaindustrie lag, aber meine Beschwerden waren so gut wie weg… (genauer Wortlaut nach Beipackzettel: „ungeformter Stuhl“ erledigt!)

Normalerweise verfügte das Camp über Solarenenergie, die aber genau in dieser Woche ausgefallen war. Somit gab es keinen Strom…

Der fehlende Strom wurde durch Kerzen ersetzt und jeder kann sich vorstellen, dass es in einem Duschraum, in dem 10 Leute duschen und der nur durch Kerzen beleuchtet wird entsprechend warm ist. Dazu kam noch die nicht unerhebliche Hitze von 50 °C über den Tag und schon hatte man eine Sauna! Das Wasser kam auch Tanks an der Seite des Gebäudes, die wahrscheinlich Anfang 1990 das letzte mal befüllt worden waren. Jeder kann sich vorstellen, wie das Wasser roch, dass in kleinen Rinnsalen aus dem Duschkopf rann. (Das ist wirklich keine Übertreibung, fragt Sarah wenn wir wieder daheim sind und nicht an einer Salmonellenvergiftig gestorben sind!)

Eigentlich hätten wir uns das Duschen auch schenken können, denn man machte einen Schritt vor die Tür und war wieder total voll mit Sand…

Unser großes Ziel dieses Trips war, die Sterne in der Wüste zu sehen… Ziel verfehlt, denn außer Sand, war nix zu sehen.

Da es unerträglich heiß war in den Zelten, sogen wir es vor, uns an eine Windgeschützte Seite eines Duschgebäudes zu setzen und räumten gleich mal mit dem Gerücht auf, dass es Nachts in der Wüste Minusthemteraturen gibt. Wir saßen bei entspannten 25°C in einem Sandsturm mitten in der Wüste… Aber irgendwie war es auch witzig… Nach ca. zwei Stunden ließ der Wind nach, der Sturm legte sich und es klarte ein bisschen auf. Wir sahen ein paar Sterne, den Vollmond und noch ein paar Wolken.

Es war auf einmal so lauschig, dass ich einschlief. Erst als Sarah aufstand und zum Zelt ging wachte ich auf und folgte schlaftrunken…

Es waren mindestens 60°C in dem Zelt..

Whatever, soviel zu kalt in der Wüste…

Eine Antwort auf „Tag 16 – Zagora–Erg Chegaga (15.05.2014)“

Hi,
We meet in Agadir at the camp site “Paradis nomade” we spent a very good evening… My M.A.N camper drove me back home safely. Now the truck needs a bit of maintenance after 7000km for this trip in Morocco.
Hope you had a good trip back home.
Best regards

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