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Tag 15 – Ouarzazate-Zagora (14.05.2014)

Der Tag begann wie der gestrige aufgehört hat: Viel zu heiß! Es ist schon echt eklig, wenn man vom Schwitzen wach wird….

Schnell zusammen gepackt und dann ging es nach Zagora.

Wir hatten auf dem Campingplatz in Marrakech mit den zwei homburger Bikern im Pool die These aufgestellt, dass es hier Leute gibt, die einfach so „wachsen“.

Gemeint sind die, die einfach so auftauchen, wie weit auch immer du in der Pampa stehst.

Kaum hältst du an, um eine zu rauchen oder was aus der Kühlbox zu holen, da steht schon einer neben dir und bettelt. Wo der herkam, keine Ahnung… Er war einfach „gewachsen“!

Und witziger Weise „wuchsen“ auf der Straße nach Zagora gleich Zwei! Die waren einfach da und standen auf der Straße und wollten uns anhalten.

Dem Ersten tat ich noch den gefallen und ließ das Fenster runter. Er wolle was zu trinken… Und ob wir ihn mitnehmen könnten! Wasser kein Problem, aber mitnehmen ist schlecht, wir haben keine Rückbank… Er zeigte auf den Dachträger… Sorry, keine Chance, das war uns zu heiß und wir ließen ihn mit einer Flasche Wasser stehen.

Den Zweiten hätten wir fast überfahren, weil er nicht von der Straße gehen wollte und wir keine Lust hatten anzuhalten…

Von Zagora aus wollten wir es noch einmal mit der Wüste versuchen. Der letzte Versuch ging ja gehörig in die Hose, mit Sandsturm, Gewitter und was sonst nicht so alles!

Jetzt wollten wir es noch einmal versuchen und die Piste parallel zur algerischen Grenze von der Erg Chegaga bis in die Erg Chebbi fahren.

Für die 150 km nach Zagora brauchten wir 3 Stunden. Hier gibt es halt keine Autobahnen. Selbst die Nationalstraßen gleichen manchmal einem Schweizer Käse. Der Rand ausgefranst wie eine Briefmarke und Schlaglöcher so groß wie Busreifen… Da sollte man sich überlegen, ob man die erlaubten 100 km/h überhaupt ausnutzen möchte.

IMG_9190Bevor wir zu unserem ausgesuchten Campingplatz gefahren sind, wollten wir noch kurz bei einer Werkstatt vorbei. Wir erfuhren daheim schon von der Werkstatt, danach am Hafen von Almería und dann auf dem letzten Camping. Der Betreiber ist eine Legende, auf vielen Autos denen wir begegnet sind, ist sein Aufkleber. Chez Ali Nassir Mechanique in einem Rallye Emblem mit Paris-Dakar-Logo.

Und tatsächlich hat Ali auch schon bei der Rallye mitgeschraubt und gewerkelt, was etliche Zeitungsausschnitte in seiner Werkstatt bezeugen.

Eigentlich wollten wir nur wegen einem Aufkleber zu ihm und mal schauen, was das für eine besondere Werkstatt ist, aber auf diesem Wege könnte er sich ja den kleinen Problemchen mit unserem Nebelscheinwerfer ansehen.

Wir haben bereits im Internet geschaut, was Ersatz zuhause kostet: 430 €!!! Soviel wollten wir dann doch nicht ausgeben und versuchten es bei Ali.

Als wir dort ankamen, wurden wir direkt in Empfang genommen. Und zwar auf einem Mofa an irgendeiner Kreuzung in Zagora. Heftig winkend und lachend fuhr er hinter uns her zu seiner Werkstatt, die zwei Straßen weiter liegt.

Herzlichst wurden wir begrüßt, über die Ehrbekundungen hat er nur gelacht und kaum das wir es erzählt hatten, fehlte schon der Unterfahrschutz.

IMG_9182Ali fackelte nicht lange und ging in sein „Schrottlager“ hinter der Werkstatt. Als wir ihm folgten und das Lager betraten staunten wir nicht schlecht: Dort standen zwei Nissan Geländewagen oder das was davon noch übrig war. Man sah direkt dass es sich um einen Dünenunfall handelte. Total zerstört und eingedrückt. Ali erläuterte uns dann, dass sich die Autos mehrfach eine Düne hinunter überschlagen haben, versicherte uns aber, dass den Insassen nichts passiert sei. Die Autos aber waren Totalschaden.

Während wir die Wracks betrachteten und dabei gehörig Respekt vor der Wüste bekamen, fand Ali einen Nebelscheinwerfer aus irgendeiner Stoßstange in seinem Schrotthaufen. Schnell hatte er ihn ausgebaut und uns versichert, dass er bei uns passen müsste.

IMG_91875 Minuten später war die halbe Front abmontiert und es ging ans „Anpassen“. Da es sich nicht genau um den selben Scheinwerfer handelte, wie wir ihn haben, wurde ein bisschen hier geflext, da gebohrt, geklebt, abgeschnitten,… . Das ist Afrika: Was nicht passt, wird passend gemacht.

Während wir dort bei über 40°C im Schatten saßen laberte uns ein Typ an: Wo wir doch herkommen und wo wir hin wollen und das übliche Gelaber halt.

Wir erzählten ihm von unserem Plan, dass wir die Piste fahren wollten. Er wäre Anbieter von Wüstentouren und wenn wir wollten, könnten wir uns nach der Reparatur mal in seinem Büro unterhalten… Wir denken mal drüber nach….

Kaum war der eine weg, kam der nächste… Der hielt Modellautos in der Hand, geschnitzt aus Palmenholz. Sahen irgendwie echt cool aus. Was er dafür wollte… 50,-… Euro!

Alter, hörst du die Einschläge noch? 50 Euro!!!

Okay, was ist mein Preis?!

10 Euro, oder 100 Dirham (Umrechnungskurs 1:11)!

Oh Mann… Familie, Kinder, kein Essen, Miete… (die übliche Leier!)

Am Schluss waren es 35 Euro, aber dafür sollte er mein Auto genauso machen, wie es war… Mit Träger, Ersatzrad, Dachzelt, Scheinwerfer, etc.

Alles klar, Hand drauf!

Und weg war der Typ, eigentlich dachte ich, er wollte noch Fotos machen oder so, damit er das auch hinkriegt, aber gut. Hab ja noch nicht bezahlt. Wir werden sehen!

IMG_9228Mittlerweile war dann auch der Scheinwerfer „eingepasst“ und funktionierte. Noch schnell Kardanwelle abschmieren und schon kam die Rechnung: 40 Euro, bzw. 400 Dirham!

Wie geil ist das denn!

Nicht nur, dass wir einen neuen Scheinwerfer hatten und der von Großmeister Ali Nassir persönlich montiert wurde, nein, es hat auch noch so gut wie nix gekostet!!! Und Aufkleber gab’s gleich sechs Stück!

Das böse Erwachen kam dann aber, als wir im Büro des anderen Typen saßen, um mal bei einem Tee über die Tour-Geschichte zu quatschen…

540 Euro für eine 2-Tage-Tour durch die Erg Chegaga. Also genau die andere Richtung, die wir eigentlich geplant hatten.

Hätte aber auch Vorteile:

Durch die Routenänderung hätten wir einen Haufen Kilometer gespart, uns würde ein Assistance-Car zur Verfügung stehen, das uns hilft, wann immer wir Hilfe brauchen und wir würden richtig weit in die Dünen fahren, dort in einem Berber-Camp übernachten und am nächsten Tag über Piste zurück in die Zivilisation.

Hmmm…

Verdammt, was geht denn da am Preis?

– Ach, Kinder, Familie, Freunde, kein Geld, blablabla…

Zum Schluss waren es 400 Euro und er würde mein Palmenholz-Auto bezahlen, insofern es wirklich wie vorgestellt aussehen sollte… Er würde uns morgen um halb 11 abholen… Naja, wir werden sehen, was das gibt!

IMG_9325Ein bisschen zerknirscht, weil wir jetzt doch eine „Touri-Tour“ gebucht hatten, fuhren wir zum Campingplatz und trafen dort zwei Braunschweiger, die mit ihrem 13 Monate altem Kind und einem riesigen Off-Road-LKW standen. Die Zwei sind für ein Jahr unterwegs, teilweise Nordafrika, teilweise Europa. Wir unterhielten uns den ganzen Abend, es war echt super lustig!

 

Irgendwann sind wir auf die Idee gekommen, wir könnten ja unserem Glück auf die Sprünge helfen und mal Skorpione suchen gehen. Wir hatten alle noch keine gesehen, also machten wir uns mit Taschenlampen auf die Suche…

Und tatsächlich fanden wir einen… Hab gedacht, die wären größer…IMG_9242

Whatever, wenigstens mal einen Skorpion gesehen! Wieder was von der Liste abgehakt! 😉

 

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