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Tag 9 – Erfoud–Erg Chebbi–Tinghir (08.05.2014)

Um 3 Uhr in der Nacht wurden wir von einem Sturm geweckt, der unser halbes Zelt auseinander genommen hat.

Die Zeltstangen wurden laut knallend aus den Halterungen gerissen und fielen auf den Boden. Wir hatten das Gefühl, dass wir gleich vom Dach gefegt werden..

Nach ein paar weiteren Stunden unruhigem Schlaf standen wir auf und packten zusammen. Heute sollte es in die Wüste gehen!

Der Weg dahin gestaltete sich aber etwas schwieriger als gedacht. Der Nachbarort, Rissani, durch den wir fahren mussten, unterlag etwas dem Bauwahn der Regierung und eigentlich war keine Straße mehr da, wo sie unser Navi anzeigte…

Wir kurvten also durch die gesamte Stadt (und wir reden von Straßen, die sich Autos, LKW, Kutschen, Pferdekarren, Roller, Motorräder und Fußgänger teilen! Auf 5 Meter Breite!!!) und suchten einen Ausweg. Zur Hilfe kam uns dann ein LKW-Fahrer, der uns in eine kleine Seitenstraße schickte, die kaum breit genug war, um selbst durchzukommen, geschweige denn die anderen Verkehrsteilnehmer…

Nach dieser Hürde fuhren wir endlich auf den erlösenden Kreisel zu, der uns Richtung Süden brachte.

40 km später wurde die Landschaft langsam karger, die Bäume verschwanden komplett und wurden durch Steppengras ersetzt, das auch bald verschwand und den kargen Boden offenlegte. Alle Hügel waren verschwunden und wir rollten über eine Schotterebene, die von einem Asphaltband durchzogen wurde. Links und rechts war gar nichts Lebendes mehr…

IMG_8467Und dann tauchten sie auf.

Irgendwie sahen sie aus wie Berge, die sich den gesamten Horizont erstreckten, aber im Näherkommen erkannte man die gelbe Farbe…

Die Dünen des Erg Chebbi lagen genau vor uns, türmten sich bis zu 150 Meter hoch auf und sahen einfach atemberaubend aus!

Wir navigierten die letzten Kilometer Straße zu einem Campingplatz, der genau am Rand des Dünenfeldes liegt. Und wer kam uns da entgegen???

Unsere schweizer Nachbarn vom Camping in Erfoud, die gerade auf dem Weg in die Dünen waren!Zufälle gibt’s!

Sie hatten zwar erwähnt, dass sie in diese Richtung wollten, aber das wir sie genau hier treffen ist schon der Hammer!

IMG_8439Sie fragten uns, ob wir nicht mitkommen wollten… Das ließen wir uns nicht zweimal sagen und ließen in Windeseile die Luft aus den Reifen, damit wir eine größere Auflagefläche hatten (Für die, die es interessiert: zwischen 1,1 und 1,3 Bar sollte man haben, damit man gut im Sand fahren kann) und drehten reihten uns in die Kolonne aus 3 Land Rovern ein.

Sie haben sich extra einen Führer gemietet, der sie (und nun auch uns) sicher durch die Dünen bringen sollten.

So ging es nun die erste Düne rauf und wieder runter, dann die zweite, usw. Zwischendrin hielten wir immer mal wieder kurz an, wenn unser Führer der Meinung war, hier könne man besonders schöne Fotos machen.IMG_8367

IMG_8379Irgendwann hielten wir vor einer riesigen Düne und unser Führer jagte uns wieder hinauf zum Fotografieren.

Plötzlich ertönte ein Donner über uns… Es war die ganze Zeit schon bewölkt, zuhause würde man sagen gewittrig, aber damit rechnet man natürlich in der Wüste nicht. Als uns die ersten Regentropfen trafen, konnten wir es kaum glauben…

Wir standen bei 35°C in der Wüste, überall um uns war Sand und es fing an zu regnen… Und dann regnete es richtig! Dazu kam ein abartiger Wind, der den Sand aufwirbelte und Minuten später konnte man die Hand nicht mehr vor Augen sehen. Wir flüchteten uns in die Autos und machten uns schnell auf den Weg zum Camping. Eine absolut bizarre Szene! Wir, mit Scheibenwischern auf volle Tour, wühlen uns durch den nassen Sand der Dünen und man musste ganz genau hinsehen, damit man die Reifenspuren des vor einem fahrenden Autos noch erkennen konnte.

IMG_8456Als wir uns bis zum Camping zurück gekämpft hatten, sahen alle, Mensch und Fahrzeug aus wie paniert. Nass vom Regen und danach schöööön mit Sand eingelegt. Reif für die Pfanne!

Da der Sturm immer noch sehr wütete zogen wir uns in das Hauptgebäude des Campingplatzes zurück und tranken noch einen Tee mit den Anderen. Dabei besprachen den weiteren Tagesplan. Sie wollten noch irgendwelche Felszeichnungen besuchen, was jetzt überhaupt nicht unser Ding war, so entschieden wir, uns zu trennen, aber nicht, ohne E-Mail-Adressen auszutauschen, denn hier ist WIFI häufiger als Handynetz…

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Der ursprüngliche Plan war die Piste entlang der algerischen Grenze in Richtung Erg Chegega zu fahren. Aber aufgrund des Sandsturms änderten wir unseren Plan und beschlossen weiter Richtung Todra-Schlucht im Atlas-Gebirge, das ungefähr 200 km entfernt liegt, zu fahren.

Wiedermal verabschiedeten wir uns, diesmal ist die Chance eher geringer, sie wiederzutreffen, aber man weiß ja nie…

Auf dem Weg in den Atlas machten wir noch an einem „marokkanischen Supermarkt“ einen Zwischenstopp. Dieser „Supermarkt“ ist ein kleines Geschäft von der Größe eines Dixi-Klos, in dem der Verkäufer mehr Platz einnimmt, als seine angebotenen Waren. Aber lustigerweise findet man in so einem winzigen Schuppen trotzdem immer alles was man braucht!

Wir kauften Wasser, Saft, Schokolade, Chips (Pringles für 3,- die Dose) und 10 Eier. Da hier die Eier lose verkauft werden, wurde einfach auf afrikanische Weise improvisiert:

Aus ein bisschen Karton, Klebeband und Schnur wurde schnell ein Transportgefäß für unsere Eier zusammen-Mac-Guyvert, der den Inhalt selbst die härtesten Schlagloch-Pisten Marokkos sicher ans Ziel bringt! Ich liebe Afrika!!!

Eine extrem langweilige 2-Stunden-Autofahrt später erreichten wir die Stadt Tinghir, 20 km entfernt der Zufahrt zur Schlucht.

Wir suchten uns einen echt super Campingplatz aus unserer „Bibel“, der unsere Erwartungen noch übertraf. An den Hang der Berge gelegen türmen sich links und Rechts des Platzes steile Klippen auf, man hat einen irren Blick auf die Stadt, die in der Abendsonne rot leuchtet! Hier verbringen wir jetzt die letzten Stunden vor dem Schlafen damit, uns den Sand aus allen möglichen Körperöffnungen zu pulen… Whatever

6 Antworten auf „Tag 9 – Erfoud–Erg Chebbi–Tinghir (08.05.2014)“

Hey ihr 2!

Tztztz… hauen die einfach ab, ohne sich zu verabschieden!!! 🙂 Toll geschrieben, hatte grad Zeit und hab euere Tour mitverfolgt, echt klasse! Wünsch euch noch einen schönen Trip da unten in der Gluthitze – und euch ist schon klar, daß wir Bilder sehen wollen, viele Bilder????

Offroadige Grüße aus der Oberpfalz, Jürgen

Hey ihr zwei,

Na das liest sich doch gut ! 🙂
Hatte eigentlich kaum was anderes erwartet, als das es euch dort gefallen würde. Ich war ja damals auch total angetan; und bin es noch heute 🙂
Hoffe die Kameras haben schöne Bilder eingefangen !?

Vadim

Tja Tim `es is wie es is` geniest die zeit und kommt heil zurück cooler Blog ist Legende zu lesen

Hallo ihr beiden, klingt alles toll und aufregend, aber auch gefährlich. Warte gespannt und besorgt auf den nächsten Eintrag.
Liebe Grüße, Marion

Hallo S und T
Die Viertels aus lohmen wünschen euch ein herzliches jambo und eine tolle Zeit
Wir freuen uns auf beeindruckende Fotos
E und L

Vielen Dank für eure ganzen Posts!

Uns geht’s gut, wundert euch bitte nicht, wenn mal so lange nichts kommt. Das mit dem Internet ist hier so ne Glückssache!

@ Marion: Du brauchst dir keine Sorgen machen, ist alles super 🙂
@ Evi: auch euch vielen Dank für den Eintrag! Fotos kommen, sobald wir mal gescheit Internet haben (wahrscheinlich erst zuhause)!
@ Colonel: Sag DAS nicht!
@ Vadim: Haben schon ein paar schöne Bilder gemacht! Und danke für’s Freischalten der Kommentare! 😉
@ Jürgen: Ja, die letzte Zeit davor war ein bisschen stressig, aber nur ein bisschen! Hab also bitte Nachsicht, dass wir uns nicht verabschiedet haben 🙂 Aber schön, dass du trotzdem zu uns gefunden hast!

Viele Grüße an Alle aus dem heißen Marrakech!

Sarah und Tim

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