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Unser Reisemobil Weltreise

Das letzte halbe Jahr

Über sechs Monate sind vergangen, seit wir mit dem Innenausbau begonnen haben.

Es waren harte Monate, die uns an den Rand unserer Kraft und Ausdauer gebracht haben, die wir aber um keinen Preis der Welt missen wollen.

Der gesamte Ausbau, alle Schränke und Installationen sind soweit gebaut, teilweise sogar schon wieder umgebaut oder abgeändert worden. Wir haben noch zwei komplette Schränke im Keller, die entweder nicht gepasst oder nicht mehr gepasst haben, die wir aber zum Ausschlachten für schlechte Zeiten bunkern.

Wir haben viel Lehrgeld zahlen müssen, aber schlussendlich sind wir zufrieden, jetzt fehlen nur noch Kleinigkeiten. Aber bis wir jetzt hier entspannt sitzen konnten sind einige Highlights gewesen, die uns den Schweiß auf die Stirn und die Tränen in die Augen getrieben haben.

Eines dieser Kracher war die Wassertank-Odysee…

Wir bauten bei Philip den Schrank für den Wassertank, der war anfangs ein wenig schief, aber eigentlich akzeptabel. Bis wir ihn wirklich im Auto verbauen wollten, dann passte er nämlich schon nicht mehr so gut…

Nach viel Rumrechnen, diskutieren und Streiten haben wir uns entschlossen, den Schrank lieber neu zu bauen, als uns die Arbeit zu machen, den Alten abzuändern. Das einzige Teil was wir weiterverwenden wollten war die Tür.

Also druckte Sarah den Plan für den Schrank neu, wir fingen an zu bauen und kamen auch gut voran. Bis wir die Tür einsetzen wollten und die 3 cm zu groß war… Verdammt…

Wo war der Fehler…

Beim ersten Bau hatte meine Frau einen 3 cm Puffer in der Höhe einberechnet, diesen aber nicht im Vordruck gespeichert. Beim zweiten Bau waren diese 3 cm dann vergessen und es wurde der Schrank ohne sie gebaut.

Theoretisch halb so wild, aber jetzt passte der Wassertank nicht mehr durch die Tür, bzw. nur noch seeeeehhhhrr knapp. Als wir die Holzleisten, die die Tür umranden, eingesetzt und vernietet hatten, war der Tank nicht mehr herausnehmbar. Eigentlich auch nicht so schlimm, er saß ja gut.

Als ich dann frohen Mutes die Löcher für die Befestigung von unten in den Schrank bohrte, wunderte ich mich nur kurz über den nassen Bohrer… Bis mich die Erkenntnis wie eine Abrissbirne traf…

Ich hatte gerade den Tank angebohrt…

Nach mehreren Diskussionen, Streits, Reparaturversuchen und Planänderungen entschieden wir uns den Tank mit der Stichsäge aus den Schrank zu schneiden und einen neuen zu kaufen, diesmal kleiner, damit er auch durch die Tür passte.

Gesagt, getan, 2 Wochen später kam er, der Schrank war schon ins Auto geschraubt und er fand seinen Platz darin, alles war gut!

Nicht ganz…

Bis zum Tag, als wir eine Urlaubs-Test-Probefahrt an den Gardasee machten… Da wollten wir nämlich den Tank per selbst installiertem Füllrohr (so wie in einem Wohnmobil, alles ganz toll gemacht und schick verbaut) mit Wasser betanken und wunderten uns, dass es irgendwie anders plätscherte…

Was uns nach ca. 10 Litern Wasser auffiel war, dass der Stutzen, der den Füllschlauch hält, unterhalb der Arbeitsplatte abgebrochen war. Das konnte man aber von oben nicht sehen und so merken wir erst mit Verzögerung, dass wir gerade einfach mal 10 Wasser in den Schrank darunter gekippt hatten. Glücklicherweise sind die Schränke nicht wirklich dicht und so konnte das Wasser durch jeden einzelnen Schrank und durch das Loch im Boden (in dem eigentlich der Abwasserschlauch hängt) abfließen. Das Wasser tropfte noch die halbe Nacht aus der Ladefläche.

Der Tank mit samt dem Waschbecken und Befüllung wurde nach der Reise ausgebaut und wir gehen jetzt „back to the roots“: Einem einfachen herausnehmbaren Wasserkanister, den man am Hahn füllt und einfach in den Schrank stellt. Hierfür haben wir den kompletten „Küchenblock“ neu bauen müssen bzw. auch wollen. Soviel zum Lehrgeld (aber es hat sich gelohnt!!!).

Eine andere nette Geschichte, die uns schlaflose Nächte bereitet hatte, war der Einbau der Standheizung…

Angefangen hatte alles mit der Entscheidung, wie wir doch die Benzinversorgung der Heizung gewährleisten wollten.

Möglichkeit eins war das direkte Anbohren des Tanks und setzen eines Tanknehmers, mit dem Risiko, dass wir die Stelle nicht 100% dicht bekommen.

Die zweite Möglichkeit, die übrigens auch vom Hersteller der Standheizung empfohlen wird, ist die Zuleitung durch die Tankarmatur. Dafür muss der Tank abgesenkt, die Armatur ausgebaut und ein Loch gebohrt werden. Da durch kommt der Tankgeber, der dann bis zum Boden des Dieseltanks reicht und den Sprit liefert.

Natürlich wollte ich die Arbeit selbst erledigen, war ja auch nicht schwer…

Also schraubte ich an einem wunderschönen Dienstag Mittag die Halterungen unseres Haupttanks ab und ließ ihn ab. Natürlich muss ich kaum erwähnen, dass der Tank so gut wie leer war, sonst wäre das unmöglich gewesen… Beim Absenken hörte ich ein kurzes Ploppen, dachte mir aber nichts weiter dabei.

Die Armatur ist mit einem Ring gesichert, den man erst losschrauben muss, bevor man sie rausnehmen kann. Der saß aber fest, also wurde ein wenig Gewalt angewendet und als ich die letzte Umdrehung loshämmerte, sah ich gerade noch wie die Dichtung der Armatur in den Tank fiel…

Egal, dachte ich mir, dann knall ich den Ring einfach ein bisschen fester zu, der hält schon dicht.

Loch war schnell gebohrt, der Tanknehmer gesetzt und der Ring wieder auf dem Tank. Ein paar feste Schläge mit dem Hammer reichten scheinbar den Ring wieder an seinen Platz zu bringen.

Am Mittag des nächsten Tages holte mich meine Frau in der Mittagspause ab, denn wir wollten noch Material im Baumarkt holen. Danach tanken und wieder zurück zur Arbeit. Als wir an der Zapfsäule standen und der ersten Liter in den Tankstutzen liefen staunten wir nicht schlecht, warum es gleichzeitig zu plätschern begann. Und noch mehr staunten wir, als wir merkten, dass es nicht vom Nachbar, sondern unter unserem Auto herauskam…

Sofort ließen wir die Zapfpistole los und wie ein Blitz schoss mir das Ploppen vom Tag zuvor durch den Kopf… Als ich in den Radkasten schaute, bestätigte sich meine Vermutung. Der Tankstutzen war beim Ablassen des Tanks vom Schlauch gerutscht und hing jetzt lose runter. Ähnlich wie beim Zulauf vom Wassertank gossen wir die Flüssigkeit gerade einfach durch ein Loch in den dahinter liegenden Hohlraum bzw. in diesem Fall einfach auf den Boden. Wir ignorierten die riesige Diesellache, fuhren zur Kasse, zahlten unsere zwei Liter Diesel und machten uns ganz schnell vom Acker.

Natürlich war der Tag gelaufen. Abends schraubten wir die Radkastenverkleidung ab und versuchten den Schaden zu reparieren, was uns auch erstaunlich schnell und einfach gelang. In einer halben Stunde war die Sache repariert und wir machten uns erneut auf zur Tankstelle (diesmal eine andere), um dieses Mal vollzutanken.

Mit einem mulmigen Gefühl setzte ich die Pistole an, drückte Vorsichtig den Griff, hörte aber weder Plätschern noch ein anderes unnormales Geräusch. Der Sprit lief sauber in die beiden Tanks.

Bis bei ungefähr 120 Litern doch etwas komisches passierte. Ein Rinnsal Diesel lief unter unserem Auto hervor…

Wieder traf mich die Erkenntnis wie ein Blitz. Der Ring der Tankarmatur war nicht dicht!

Doch jetzt war guter Rat teuer. Erstmal bezahlen und dann schnell weg, bevor wir die ganze Tankstelle mit Diesel fluten. Diesmal haben wir es beim Bezahlen aber gesagt, aber das scheint öfter vorzukommen, dass da was daneben geht und somit hatte die Kassiererin nur einen mitleidigen Blick und ein Achselzucken dafür übrig. Sie würde sich gleich darum kümmern…

Auf der gegenüberliegenden Seite war ein Rasenstück auf das wir uns stellten um zu Beratschlagen, wie es jetzt weiter gehen sollte. Den vollen Tank auszubauen war keine Option, die Armatur bekommen wir aber im eingebautem Zustand nicht dicht.

Wir entschieden uns für eine Notlösung. Wir donnerten zum nahegelegenen Großmarkt, der glücklicherweise bis 22 Uhr geöffnet hat und kauften vier 20 Liter-Kanister. Da wir einen Zusatztank haben, der nach dem Prinzip der Schwerkraft arbeitet, war unser Plan diesen abzukoppeln und den Sprit in die Kanister zu füllen. Somit würde kein Sprit mehr in den Haupttank nachlaufen und das Überlaufen somit enden.

Daheim angekommen machten wir uns an die Arbeit. Nach 3 Stunden waren alle vier Kanister gefüllt, das Überlaufen war gestoppt. Wir waren schweißgebadet, total kaputt und stanken nach Diesel, dass einem schlecht wurde… Auch eine Dusche konnte uns nicht von diesem grauenhaften Geruch befreien, den wir mindestens noch drei Tage an uns hatten. Seit diesem Tag tragen wir ein Trauma in uns, das jedes Mal einen Flashback auslöst, sobald wir den Geruch von Diesel wahrnehmen. Auch Tanken macht keinen Spaß mehr. Nur der Gedanke an’s Tanken und jedes Geräusch, was dabei dann irgendwie anders klingt, löst eine Panikattacke aus.

Aber die Geschichte war noch lange nicht zu Ende…

Nach einer schlaflosen Nacht machten wir uns am nächsten Morgen auf zu unserem Bosch-Händler, der uns immer mit Rat und Tat zur Seite steht, um ihm unsere Misere zu schildern.

Er übernahm die Reparatur, die drei Tage dauerte (leider übers Wochenende), da sowohl der Ring der Armatur als auch der Tank an sich verzogen war. Mit dem Mietauto, das er uns stellte zahlten wir erneut eine Menge Lehrgeld… Aber letztendlich war auch diese Sache durchgestanden…

Der restliche Einbau der Standheizung ging dann aber relativ problemlos, der einzige Schockmoment war, als wir sie eines Tages Probe laufen ließen und in einer gewaltigen Rauchwolke standen, die aus dem Schrank kam, indem sie stand. Es stellte sich aber heraus, dass nur das Auspuffrohr abgerutscht war und die Abgase in die Kabine drangen. Reparaturzeit 40 Sekunden!

Aber es gibt natürlich auch Positives zu berichten! Die restlichen Schränke sowie die Elektroinstallation mit Solarpanel und 130 Ampere-Zusatz-Batterie hat problemlos funktioniert, obwohl das meine größte Angst war, da ich von Strom überhaupt keine Ahnung hatte.

 

 

Und auch unser Plan, die Reise zu Dritt zu unternehmen, trug im wahrsten Sinne des Wortes Früchte, denn drei Wochen nach Baubeginn, an unserem fünften Hochzeitstag, überraschte mich meine Frau beim Essen in einem Restaurant mit den positiven Schwangerschaftstests.

Der darauf folgende Bau der Rückbank, mit Kindersitzbefestigung, Staukisten und Kühlbox wurde im Oktober in Angriff genommen, was auch perfekt geklappt hat.

 

Mein Dad schweißte eine Unterkonstuktion, auf die alle Einbauten dann fest verschraubt wurden, alles pistentauglich und unzerstörbar.

Leider kam der Winter doch schneller als gedacht und der Einbau gestaltete sich sehr unangenehm, aufgrund der doch teils heftigen Kälte. Länger wie eine Stunde am Stück im oder unterm Auto war einfach nicht mehr möglich, weil einem die Finger so steif wurden, dass man keinen Schraubendreher mehr halten konnte.

Dies brachte uns dann ein entspanntes Weihnachten mit einem ruhigen Jahreswechsel.

Jetzt befinden wir uns in 2017 und das nächste Weihnachten planen wir an einem Strand in Afrika bei 30 Grad zu feiern! Mit Weihnachtsdeko auf einer Palme!

Aber bis dahin sind es noch einige Dinge, die erledigt werden wollen. Zwar nur Kleinigkeiten, aber viele Kleinigkeiten!

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