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Tag 2 – Johannesburg (28.02.2011)

Der Tag begann mit einem exzellenten Frühstück auf der Veranda des Haupthauses unserer Unterkunft.

Und der Frage, was heute anstehe…

Da das Apartheitmuseum montags geschlossen hat, war für morgen eine Tour dort hin und nach Soweto geplant, für heute hatten wir noch nichts…

Day2_Joburg_20Also gab man uns den Tipp, mal die Touristeninfo aufzusuchen, um uns dort nach etwas Sinnvollem zu erkundigen. Und los gings…

Dort angekommen, gab es gleich die ersten Ideen: Johannesburg-City-Tour oder Cradle of Humankind, ein Höhlensystem, in dem die Knochen der ersten Menschen (ca. 2 Millionen Jahre alt) gefunden wurden.

Die Höhlen erübrigten sich schnell, da der Anfahrtsweg zu weit und die Tour zu lang war.

Also Johannesburg-City-Tour!

Um 14 Uhr sollten wir abgeholt werden, wir hatten also noch genug Zeit, auf unserer Terrasse das schöne Wetter zu genießen!

Als um halb zwei dann unser Guide erschien, staunten wir nicht schlecht. Der Mann war pechschwarz, hatte Ähnlichkeit mit Nelson Mandela und stellte sich uns als Abraham Lincoln vor. Schnell waren ich sein „Brother in Law“ und Sarah seine „Sister“, für die er erst einmal ein paar Kühe verlangte, wie es in Afrika üblich sei! Sein Gefährt war eine Mercedes C200 Limousine, die mehr Beulen und Kratzer hatte als ein Stockcar. Aber lustig war der Typ schon!

Am besten war aber, dass wir die einzigen Teilnehmer waren, also praktisch unsere „Privat-Tour“!

Auf gebrochenem Englisch erklärte er uns die Sehenswürdigkeiten Johannesburgs, oder Joburg, wie es hier im Volksmund heißt.

Zwischendurch erfuhren wir, dass der Jung elf verschiedene Sprachen spricht, unter anderem auch Xhsosa (die Sprache mit dem Klicken!), was er auch gleich mal stolz vorführte! Der Hammer!!!

Day2_Joburg_1Der riesige Vorteil an einer „privaten“ Tour ist, dass man hingefahren wird, wohin man möchte! Die Standardorte waren natürlich inbegriffen, wie die Nelson-Mandela-Bridge, dem Carlton-Center mit seinem Top-Of-Africa, Sandton, Downtown, und so weiter…

Aber er zeigte uns auch ungewöhnliche Orte, die man auf keiner Tourie-Bus-Tour sieht!

Zum Beispiel einen Markt, auf dem „magische“ Kräuter, Wurzeln, und Früchte verkauft werden, die man für Beschwörungen und dunkle Magie bräuchte, so unser Guide. So auch „afrikanisches Viagra“, das in flüssiger Form in Cola-Flaschen angeboten wird. Auf meine Frage des Inhalts hin, lachte er nur laut auf! Verrückter Typ!

Nach dem Markt fragte er uns, ob uns noch etwas einfiele, wohin wir fahren könnten…

Durch einen TV-Bericht, den ich demletzt mal gesehen hatte, wusste ich von einem Stadtteil namens Alexandra (für die, denen es nichts sagt, keine Sorge, ich hab es auch erst durch den Urlaub und die damit verbundene Planung erfahren. Aber ihr könnt es ja mal googlen): Einem Township, das mit nichts vergleichbar ist, was ein Durchschnitts-Europäer je gesehen hat.

Soweto, das Vorzeige-Township, wird in jedem Reiseführer angepriesen, risikobehaftet, aber für Touristen problemlos zu besuchen.

Anders sieht es da mit Alexandra aus. Vor dem, wenn es überhaupt in einem Reiseführer erwähnt wird, in höchstem Masse gewarnt wird! Ein von Gott verlassener Ort!

Knapp eine Millionen Menschen teilen sich ein Gebiet von der Größe eines durchschnittlichen Kreuzfahrtschiffs, es gibt keine oder kaum Infrastruktur, kein fließendes Wasser und keine Hygiene.

Das Leben der Menschen in diesem Stadtteil ist wird geprägt von Armut und Gewalt.

Perfekt!!!

Als wir ihn darauf ansprachen, sah er uns schon ein bisschen schief an, ob es uns ernst sei, ließ sich aber doch relativ schnell überzeugen und wir fuhren los…

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Dies hier ist nur für meine Mama

Du solltest dir vielleicht besser die nächsten Absätze sparen!

Aber ich kann dir versichern, wir waren zu keiner Zeit gefährdet….

glaub ich….

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Auf unserem Weg nach Alexandra durchfuhren wir noch schnell eines der Nobelviertel Joburgs, mit meterhohen Mauern, Elektrozäunen und bewaffneten Sicherheitsleuten, die die Reichen vom Rest der Bevölkerung abschirmen.

Auf dem Highway M1 fuhren wir die Ausfahrt nach Alexandra ab, auf der man schon merkte, dass die komplette Stadt diesen Ort vergessen wollte, denn es gibt nicht einmal ein Straßenschild, auf dem der Weg beschrieben ist.

Kaum abgefahren, fiel der Blick direkt auf ein ausgebranntes altes Fabrikgebäude, in dem Menschen Unterschlupf suchten und sich, sagen wir mal, häuslich eingerichtet haben.

Day2_Joburg_14Der Gestank von Fäkalien, Müll und Dreck schlug uns durch die offenen Scheiben des Autos entgegen, die wir daraufhin mal bis auf einen Spalt schlossen. Gebäude, oder vielleicht besser Behausungen, waren aus Wellblech und Mauerresten zusammengezimmert worden, völlig verdreckte Kinder spielten auf der Straße. In Hinterhöfen brannten Autoreifen und es wurde an demolierten oder komplett zerlegten Fahrzeugen herumgebastelt.

Der Gestank, der auf fehlende Wasserversorgung oder zumindest Unterversorgung zurückzuführen ist, war unmenschlich. Überall rannten herrenlose Tiere umher.

Auf unserem Weg durch die Straßen dieses Molochs sahen wir Dinge, die wir niemals für möglich gehalten hätten. Aber es gab auch witziges:

Day2_Joburg_17Auf einer freien Rasenfläche, zumindest war es mal Rasen, stand ein Stuhl mit einem Baldachin aus Kunststofffolie. Auf dem Stuhl saß ein Mann mit einem Handtuch über den Schultern, neben ihm stand ein Anderer mit einem elektrischen Rasierer und schnitt ihm auf offener Straße die Haare! Als wir, jetzt wieder mit offenen Fenstern, vorüberfuhren, ich mit der Kamera im Anschlag, schauten beide auf und grinsten bis über beiden Ohren zu uns herüber. Schnell schoss ich ein paar Fotos und konnte mir das Lachen nicht verkneifen. Mit herausgestrecktem Daumen bedankte ich mich bei den Zweien und wir setzten unseren Weg fort, raus aus dieser Hölle aus Armut und Gewalt.

Auf meine Frage hin, ob wir nicht vielleicht heute Nacht nochmal herkommen könnten, konnte Abraham sich das Lachen nicht verkneifen und antwortete mit einem beschwörenden Blick:

„The night is not for human being!“ Die Nacht ist nichts für Menschen…

Er setzte uns bei unserem Guesthouse ab, wir bezahlten die Tour und gaben ihm ein reichliches Trinkgeld für den kleinen Umweg durch Alexandra.

Da uns nach dieser Tour der Magen knurrte, gingen wir duschen und zu einem nahegelegenen Restaurant, in dem ich das erste Mal in meinem Leben Springbocklende aß… Übrigens sehr gut!

 

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