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Tag 1 – Frankfurt-Johannesburg (27.02.2011)

Day1_A_380_1Wir standen umringt von Menschen… Vielen Menschen… Und alle wollten in ein einziges Flugzeug. Das Flugzeug, das ich mir ganz aufgeregt durch die Scheibe des ersten Stocks von unserem Terminal ansah und wie wild fotografierte.

Viel zu viele Dokus und Berichte hatte ich über dieses Flugzeug gesehen, fasziniert hatte es mich vom ersten Tag an.

Und dieses Flugzeug würde uns gleich nach Johannesburg, Südafrika, bringen.

Es glänzte im leichten Nieselregen über Frankfurt, die gewaltige blaue Heckflosse überragte die der umstehenden Boeing 747 um etliche Meter. Ich konnte es kaum abwarten, bis die Durchsage für unsere Sitzreihe, übrigens Reihe 80 von 96, kam und wir uns ins Innere des riesigen Flugzeugs begaben.

Day1_A_380_4Die Rede ist natürlich vom Airbus A 380, den ich gestern zum ersten Mal live gesehen habe… Ne halbe Stunde später saßen wir drin… Und jäh erlosch die Vorfreude und wich der Enttäuschung über das Innere des Flaggschiffs der Lufthansa…

Eine riesige Maschine, ohne Zweifel, aber in der Economy Class war die Beinfreiheit nicht größer als die in einem Ferienbomber nach Malle!

Day1_A_380_5Monitore in jedem Sitz verhießen reichhaltiges Entertainmentprogramm, was aber das unbequeme Sitzen für elf Stunden kaum lindern konnte…

An Schlafen war kaum zu denken, höchstens Dösen ließen die Sitze zu. Zu allem Übel hatte ich mit meiner leichten Klaustrophobie auch noch den Mittelsitz erwischt. Am Gang saß eine Unbekannte, die spätestens nach den dritten Mal wecken nicht mehr ganz so gut auf mich zu sprechen war. Aber was soll man machen, wenn alles für umme ist. Was reinkommt muss wieder raus!

Is ja auch egal…

Der übrige Flug ist reibungslos verlaufen, Start und Landung waren hervorragend, woran man merkt, was moderne Technik alles möglich macht.

Zwischen Wirbel wieder einrenken und Knie wieder durchbluten lassen, hatten wir ein wenig Zeit, uns die Maschine mal etwas genauer anzuschauen. Wir konnten sogar um vier Uhr morgens der Chef-Stewardess einen kleinen Besuch in der Bordküche abstatten, mit der wir dann ein bisschen plauderten und die uns im geheimen sagte, sie würde als Kunde niemals bei Economy in der Mitte sitzen, was mich sehr tröstete, an meiner misslichen Lage jedoch leider nichts änderte.

Day1_A_380_2Egal, auch dieser Flug ging rum und wir landeten federleicht und bei fünfundzwanzig Grad Celsius Außentemperatur in Johannesburg!

Beim Gang durch den Gangway konnte man die Wärme draußen spüren…Es war ein herrliches Gefühl, wenn man bedenkt, dass wir bei drei Grad über Null in Deutschland gestartet sind.

Also wieder gutgelaunt zur Passkontrolle, danach zur Kofferausgabe, was erstaunlicher Weise auch alles sehr einfach und reibungslos verlief…

Doch jetzt kam das Mietauto, was bei uns schon seit jeher mit Problemen behaftet war und ich bereitete mich auf das schlimmste vor…

Wir hatte zwar von Deutschland aus einen Geländewagen der Hilux-Klasse (übrigens ist ein Hilux ein Pick-Up-Truck von Toyota) gebucht, aber vor Ort sind das was man gebucht hat und das was man bekommt zwei Paar Schuhe…

Also wie gesagt, ich bereitete mich auf das schlimmste vor.

Wir kamen zum Schalter der Mietwagengesellschaft, wo eine nette junge Dame unsere Unterlagen in Empfang nahm, diverse Zettel ausdruckte und mir eine Kaution von 2500 Euro aufs Auge drückte, da wir ja noch durch Lesotho fahren würden…

Halb so wild, hört sich viel an, ist aber nur ein festgesetzter Betrag der im Falle eines Schadens angegriffen werden kann, sonst aber nur auf dem Papier Bestand hat.

Sie lies uns das ganze unterschreiben und händigte uns einen Schlüssel aus.

Wir ahnten das Schlimmste, denn nirgends stand eine Bezeichnung, die Hinweis auf unser zukünftiges Auto gegeben hätte…

Als wir das Parkdeck betraten und auf unseren Platz zukamen, sprudelte die Freude nur so aus mir heraus.

Wir standen vor einem weißen, nagelneuen Mitsubishi L200 King-Cab Pick-Up mit extra Aufbau über der Ladefläche. 3,2 Liter Turbo-Diesel!!!

Das perfekte Auto für unsere Tour!

Es hätte nicht besser laufen können…

Aufgrund der Tatsache, dass das Lenkrad auf der falschen Seite ist, somit auch der Schaltknauf und alle Elemente für uns verkehrt herum sind, blieb das Fahren an mir hängen, was meiner geliebten Verlobten alle Varianten des verbalen Eingreifens in das eh schon schwierige Fahren auf unbekanntem Terrain ermöglichte.

Über Schreien, Zittern, Aufheulen bis hin zum Augenzuhalten hatten wir alles dabei, bis wir endlich den sicheren Parkplatz unseres Guesthouse erreichten… Aber selbst fahren wollte sie nicht! Frauen!!!

Das Gebäude im viktorianischen Stil war wunderschön. Stuck verzierte Decken, ein riesiges Bad und Teak-Fußboden hießen uns willkommen und wir fühlten uns gleich wie Zuhause!

Der Tagesplan sah noch einen Besuch des Regierungssitzes und der Hauptstadt Südafrikas vor: Pretoria.

Also schnell geduscht, die Sachen ausgepackt und wieder ab ins Auto!

Die fünfzig Kilometer bis Pretoria waren nur noch halb so schlimm, langsames Fahren und beruhigende Worte taten ihren Teil dazu.

In Pretoria angekommen parkten wir unser Gefährt und machten uns zu Fuß auf in die Innenstadt.

In einer kleinen Kneipe an einer Ecke aßen und tranken wir etwas und sahen uns ein bisschen um.

Eine kleine Anekdote vorneweg:

Einer meiner besten Kumpel, der Südafrika schon vor Jahren besuchte, warnte mich, ich solle mich auf eine große Umstellung gefasst machen…

Falls ich mit den nachfolgenden Sätzen irgendjemanden beleidigen und kränken sollte, entschuldige ich mich hiermit im Voraus.

Aber als wir in dieser Kneipe saßen und uns umsahen, sahen wir nur schwarz! Richtig schwarz!

Für einen normalen Mitteleuropäer, der es gewohnt ist, Menschen seiner eigenen Hautfarbe um sich zu haben, ist es ein gewaltiger Schock, auf einmal DIE Minderheit zu sein. Überall sind Schwarze… Man fühlt sich immer und überall beobachtet, angegafft, abgeschätzt, was einem das Gefühl von Verfolgungswahn beschert.

Afrika, insbesondere Johannesburg ist für seine Kriminalität bekannt, was das Ganze dann noch schlimmer macht…

Unser erster Tag in Afrika war in dieser Hinsicht die Hölle für uns und ich hoffe, dass man sich an sowas gewöhnt oder irgendwann nicht mehr wahrnimmt…

Anyway…

Wer meinen Kanada-Blog gelesen hat, kennt die Geschichte von Vancouver und Whistler…

Genau das gleiche war heute in Pretoria, nur das die Anfahrt nicht so weit war!

Ich möchte an dieser Stelle nicht weiter darauf eingehen. Wer die Geschichte von Whistler nicht kennt, sollte sich die Zeit nehmen und mal den Blog von Kanada lesen.

Wieder im Guesthouse angekommen ließen wir den Abend in einem nahegelegenen Restaurant bei Pasta und südafrikanischem Wein ausklingen…

Nach diesem aufregendem Tag (eigentlich waren es zwei, da wir ja im Flugzeug kaum geschlafen hatten) fielen wir todmüde ins Bett…

3 Antworten auf „Tag 1 – Frankfurt-Johannesburg (27.02.2011)“

Na das nenne ich mal einen gelungenen Start ! 🙂
Pretoria, ich erinnere mich, da was erwähnt zu haben 🙂

Freunde, ich bin gespannt auf die nächsten Tage.

Vadim

hallo ihr beiden! schön, dass ihr gut gelandet seid, wir haben an euch gedacht. ich freu mich schon auf weitere interessante berichte (du kannst ich sehr gut ausdrücken) und natürlich auf die fotos !!! ich wünsche euch eine schöne zeit und passt schön auf euch auf … die löwen sind hungrig ! 😉 lg jacqueline

Hallo Bwana Tim,
nachdem Dein quasi “Vor-Reisender” Herr Schober mir von Deinem Blog erzählt hat, kam ich nicht umhin, Dir hier ein wenig als Deutsch-Touri zu folgen.
Deine Jours-Tour-de-Force liest sich äußerst vergnüglich und wir hoffen, daß Ihr in Südafrika nie zu regelrechten “Prätorianern” werden müßt, sondern wohlbehalten rückfliegt.
Bis die Tage.
Viel Interessantes noch (bitte Photos) und viel Spaß.

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