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Tag 16 – Toronto (05.09.2010)

Am heutigen Tag stand ein Geheimtip Torontos auf dem Plan, Casa Loma.

Wir erfuhren durch den Reiseführer davon, der Casa Loma mit einer Doppelseite am Rand erwähnt.

Das im Jahr 1906 begonnene Gebäude war der Wohnsitz von Sir Henry Pellatt, der Anfangdes 20. Jahrhunderts ein Vermögen verdient hatte, indem er die Wasserkraft der Niagara Fälle zur Stromgewinnung nutzte. Aber dazu später mehr…

Casa Loma lag mitten in Downtown, also garnicht so schwer zu finden, da wir ja gestern erst da waren.

Wir notierten uns kurz die wichtigsten Straßen und Eckpunkte, klärten nochmal die Richtung ab (wir mussten nach Westen Richtung Downtown),  machten uns fertig und fuhren los.

Sarah blieb daheim, da es sie nicht sonderlich interessierte und sie den Mittag zum Sonnenbaden und Entspannen nutzte.

Also war es ein Männertrip, mein Dad und ich.

Wir fuhren die Landstraße, bis wir zur Ausahrt auf den Highway kamen und bogen Rechts Richtung Osten auf den Highway.

Es waren relativ wenig Fahrzeuge auf dem Highway, wir bestaunten erneut die riesigen Wolkenkratzer, die sich links und rechts der Straße erhoben, die kleinen Wohn- und Büroblocks, die Parks und Seen.

Zu unserer linken erschien der Lake Ontario, die Häuser wurden immer kleiner, die Parkflächen immer größer.

Auf der rechten Seite erschien eine Betonfabrik… Irgendwie war mir die gestern nicht aufgefallen…

Nachdem ich meinen Dad auf die Fabrik aufmerksam gemacht hatte, ging es ihm genauso und wir sahen vorsichtshalber auf die Karte…

Und uns traf der Schlag!!!

Nach Osten!!!! Wir waren nach Osten gefahren!!!

Bei der nächsten Möglichkeit fuhren wir ab, sahen uns nochmal genau die Karte an und konnten uns das Lachen kaum verkneifen! Wir waren, ohne es zu merken, siebzig Kilometer in die falsche Richtung gefahren… Verdammt! Wie peinlich!

Uns wild über uns selbst aufregend, wie dumm man doch sein konnte, drehten wir um, fuhren die siebzig Kilometer zurück, bis wir wieder an unserer Ausfahrt Richtung Downtown vorbeikamen und weiter Richtung Innenstadt. Mittlerweile waren wir über eineinhalb Stunden unterwegs. Alles für die Katz!

Nach einer weiteren halben Stunde, diesmal in der richtigen Richtung, erreichten wir Casa Loma und mit offenen Mündern fuhren wir auf den Parkplatz.

Vor uns erhob sich ein riesiges, fast überdimensioniertes Gebäude, das aus hundert verschiedenen Bauweisen und Epochen zu kommen schien.

Es glich einer Art Schloss, mit diversen Türmen, Spitzwinkeln und Ärkern, kombiniert mir modernen Fenstern aus Buntglas, Wintergärten und Stromversorgungen. Eine gewaltige Terasse gab die Sicht auf das nahe Stadtzentrum frei.

Das mit sehzehntausend Quadratmeter Wohnfläche große Gebäude war im Gegensatz zu dem dazugehörigen Park, der eine Gesamtgröße von fast neunzigtausend Quadratmeter einnahm, schon fast winzig. Zu seiner Zeit hielten über einhundert Gärtener das riesige Areal, das mit diversen exotischen Pflanzen bewachsen war, Tag für Tag in Schuss.

Unsere Tour begann in der über zwanzigmeter hohen Eingangshalle Casa Lomas.

Mit einem multimediales System mit tragbaren Empfangsgeräten wurde man von Raum zu Raum geführt, erhielt Informationen zu Zimmern und zur Geschichte des Hauses und zu Sir Henry.

Einer der Höhepunkte war der große Wintergarten, der mit einer Kuppel aus Buntglasfenstern bestückt war und Pflanzen aus alles Welt enthielt. Für Bäume und Sträucher aus Asien zu Beispiel wurden unter den Kübeln, indenen Sie standen, Dampfleitungen instaliert, um die gleichbleibenden tropischen Bodenverhältnisse zugewährleisten. Die Kuppel war mit Gaslampen ausgestattet und gewährleistete eine permanente Lichtstimmung, egal ob Tag oder Nacht.

Wenn man bedenkt, dass es 1915 war, erschien es einem regelrecht futuristisch, auf ein Elektroauto in den ausladenden Garagen des Anwesens zutreffen. Sir Henry war die erste Person in der neuen Welt, die zu dieser Zeit ein Elktrisch angetriebenes Auto besaß.

Unter dem Gebäude erstreckte sich ein riesigen Weinkeller und ein angefangenes Schwimmbecken, dass jedoch nie fertiggestellt wurde. Das Schwimmbad sollte mit Dampfkraft beheizt werden, das eine Temperatur von dreißig grad permanent halten konnte.

Ein geheimer Gang führte unter der angrenzenden Hauptstraße zu einem Grundstück, dass auch zu Casa Loma gehörte.

Der teils Größenwansinnige Pellat forderte von der Stadt Toronto, die Straße für ihn permanent zu sperren, was aber auf wenig anklang stieß. Also ließ er sich einen Tunnel bauen, der die beiden Grundstücke miteinander verband.

Durch diesen Gang wurden im Zweiten Weltkrieg wichtige Teile vom Bau eines Sonars für britische U-Boote gebracht. In den Kellerräumen am Ende des Gangs lief die Entwicklung auf Hochtouren, fernab des Kriegs in Europa.

Es war irrwitzig, sich dieses riesige Gebäude anzusehen, seine Geschichte zuhören und in der alten Zeit zuschwelgen, die hier algegenwertig erschien.

Wir besuchten jeden Teil des Komplexes, stöberten in jeder Ecke und wundeten uns eigentlich noch kaum, dass der Überfluss dieses Mannes auch nicht vor den Ställen seiner Pferde haltmachte.

Die Boxen der Tiere waren aus Teakholz gefertigt, die Namensschilder der Pferde aus Gold gearbeitet, im kompletten Haus gab es dampfbetriebene Fußbodenheizungen, überall war Marmor oder Parkett aus Teak.

Wir kamen aus dem Staunen über diesen Ort kaum heraus…

Nachdem wir alle Winkel begutachtet, alle Räume besucht und die Aussicht auf den riesigen Garten genossen hatten, gingen wir langsam Richtung Ausgang, denn die Öffnungszeit neigten sich ihrem Ende zu. Ich hätte noch die ganze Nacht bleiben und mich von der Geschichte dieses beeindruckenden Baus verzaubern lassen können…

So fuhren wir also wieder heim und auf dem gesamten Weg diskutierten und erzählten wir über die Erlebnisse des heutigen Besuchs auf Casa Loma. Schon fast war uns unser Missgeschick vom morgen entfallen und nach diesem Besuch war es uns auch egal, denn es hatte sich mehr als gelohnt.

Da der Abend noch jung war entschieden wir uns, eine Runde an den Lake Ontario nahe Downtown zufahren. Ich lud die Kamera inklusive Stativ ein, denn ich hoffte, ein paar gute Nachtaufnahmen von der Skyline Torontos bekommen zukönnen.

Wir parkten das Auto an der Promenade und gingen ein kleines Stück, bis wir den Strand erreichten.

Vor uns lag der riesige Lake Ontario wie ein Meer, der Sand war warm und die Brandung weckte das Gefühl von Badeurlaub in uns.

Wir folgten dem Strand bis dieser auf den Fährhafen traf und kehrten wieder um. Mein Dad liebt das Wasser, er redete kaum und hing mehr seinen eigenen Gedanken nach.

Auf dem Rückweg schoss ich ein paar Fotos der untergehenden Sonne hinter der Skyline.

Als wir wieder am Auto ankommen waren, hatten alle Hunger, also suchten wir unsein kleines Fischrestaurant an der Promenade.

Wir waren dieletzten Gäste, die Küche war eigentlich schon geschlossen, trotzdem ließ man uns freudig eintreten und bot uns die Karte an. Auf unsere Frage, ob bald gescchlossen werden würde, antwortete man uns, es wäre kein Problem, wir hätten alle Zeit der Welt.

Das Essen war sehr gut und auf Grund der Mühe, die sie mit uns hatten, viel das Trinkgeld etwas üppiger aus.

Auf dem Heimweg hielten wir noch einmal, damit ich noch ein paar Fotos des CN-Towers bei Nacht schießen konnte.

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