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Tag 3 – Jasper Nationalpark (23.08.2010)

 

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Bei 5 Grad über Null ging es am nächsten Tag weiter, mit dem geplanten Ziel Jasper, ein ebenso ruhiges, kleines Skidorf wie Banff.

Angefacht mit der fantastischen Suche nach einer Bahnlinie, die 270 Grad durch einen Berg führt und fast an der selben Stelle austritt, an der sie einfährt, haben wir jede Touristeninformation verrückt gemacht. Erwähnenswert ist vielleicht die Tatsache, dass mein Vater kaum Englisch spricht und mit Händen und Füßen den armen Angestellten den unbekannten Ort beschreiben wollte. Aber mit einer ungefähren Richtung und vielen, vielen Hinweisschildern haben wir den ersehnten Aussichtspunkt gefunden… und ich kann euch sagen, es war lächerlich!!!

Zum Glück lag auf dem Weg noch ein Ziel unserer Reise, die Takakkaw Falls.

In der Sprache der Ureinwohner heißt Takkakaw „es ist wunderbar“.

Aber wunderbar war auch schon der Weg dorthin, der uns auf einer Serpentinenstraße, die im 180 Grad Winkel in drei Knicken den Berg hinaufführte. Busse, die diesen Weg, der übrigens der einzige Weg ist, nehmen, müssen in der Hälfte rückwärts fahren, da sie zu lang sind, um in den Scheitelpunkten zu wenden. Das ist wirklich verrückt anzusehen!

Oben angekommen, lagen die Fälle direkt vor uns. 254 Meter fällt das Wasser in die Tiefe, sie zählen zu den imposantesten im Land.

Nach einem kurzen Aufenthalt gings den verrückten Weg zurück, auf den Freeway und weiter Richtung Jasper.

Auf unserer Reise durch die Rocky Mountains wurden die Berge immer höher, die Gipfel immer weißer und die Straßen zunehmends steiler… und belebter!

Man sollte immer die Augen auf der Straße lassen, da es nicht ungewöhnlich ist, dass kurzerhand Elche oder ein Bär vor dem Auto auftauchen, worauf auch alle 500 m Schilder hinweisen! So konnten auch wir nur mit Not eine Kollision mit einem ausgeachsenem Karibu vermeiden. Nicht, dass das Auto gross genug gewesen wäre, einen ausgeachsenen Elefanten zu überfahren, aber die Mietwagengesellschaft fände einen abgetrennten Kopf im Kühler bestimmt nicht sehr lustig.

Unser Weg brachte uns auf den Icefield Parkway, der uns durch die Gipfel der Rocky Mountains führte. Wir passierten das Columbia Icefield, wo wir eine Pause einlegten und vom Columbia Icefield Centre den bis zur Straße reichenden Athabasca Glacier besuchten.

Atemberaubend riesig lag er vor uns, eine Zunge aus Eis und Schnee, an Ihrer dicksten Stelle fast 350 Meter tief, erstreckte sich über ein Gebiet von ca. 325 Quadratkilometer.

Wir ließen es uns nicht nehmen und bestiegen den Gletscher zu Fuß, wobei uns Kälte und Wind schwer zuschaffen machten. Bis zu einem halben Meter breite Spalten gingen tief ins Eis, die Oberfläche des Gletschers war glatt und rutschig.

Ein Gefühl der Unerreichbarkeit und absoluten Ruhe überkam uns, als wir uns umdrehten und zum Fuß des Gletschers sahen. Wir überblickten ein riesiges Areal, strahlend blauer Himmel über uns, Autos so klein wie Ameisen, unbedeutend winzig im Vergleich zu den hoch aufragenden Bergen um uns, deren Gipfel teilweise so hoch waren, dass sie von Wolken umhüllt und verdeckt wurden. Ich hatte noch nie ein derartiges Gefühl der Freiheit und Zeitlosigkeit.

Wir erreichten Jasper am frühen Abend, hatten gleich Erfolg mit der Suche nach einer Unterkunft, wieder ein kleines Ferienhaus, und begaben uns erstmal zur Nahrungsaufnahme! Dort beratschlagten wir den weitern Tagesablauf und beschlossen, die Miette Hot Springs zu besuchen, die heißesten Quellen in den Rocky Mountains. Gesagt, getan, auf geht’s… Doch halt, da fehlt doch was! Natürlich, die Badehose…

Nicht, das ich nicht mehrfach darauf hingewiesen wurde, eine mitzunehmen. Nein, ich hab sie einfach so daheim gelassen, weil ich dachte, wo soll ich denn in so einem Urlaub baden gehen.

So musste ich mir notgedrungen eine beschaffen und hab einen Wucherpreis von ca 35,-Euro bei einem verdammten chinesischen Halsabschneider in einem Kaff bezahlt, dass von Skibekeidung und Snowboardverleih lebt.

Das war also erledigt und wir konnten los!

Was keiner wußte, war die Tatsache, dass für Einheimische der Ausdruck „um die Ecke“ eine andere Bedeutung hat.

Für sie sind 80 km zu einem „Schwimmbad“ nicht weit, für Mitteleuropäer wie uns schon. Und bei einem Spritverbauch von 40 Liter auf hundert Kilometer tut das schon ein bisschen weh… Hinzu kommt die Tatsache, dass die Hot Springs, für uns ein viel zu stark beheizter Wirlpool, in den sich 300 Menschen zwängen, 18 Dollar Eintritt gekostet haben, was das Entspannen in ihnen etwas bitter gemacht hat. Aber wir sind ja im Urlaub!

Die ganze Situation hat etwas versüßt, dass die Quellen im freien auf einem Hügel lagen, umrandet von hohen, schneebedeckten Gipfeln der angrenzenden Berge.

Nach ca. einer halben Stunde kochen lassen (das Wasser hatte eine Temperatur von ca 50 Grad Celsius) machten wir uns wieder auf den 80 km Heimweg. Hochkonzentriert, denn hinter jeder Kurve könnte das nächste große Tier auf der Straße stehen. Gott sei Dank war das nicht der Fall und wir erreichten sicher unsere behagliche Unterkunft zu einer entspannten Nacht.

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