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Costa Rica 1

San Josè

Um 5 Uhr morgens klingelte unser Wecker…

Wir waren in Guatemala-Stadt und unser Flug würde in gut drei Stunden gehen.

Die Statistiken besagen, das Guatemala-City eine der gefährlichsten Städte Lateinamerikas – nein, der ganzen Welt – sein soll. Und als wir am Abend davor in die Stadt fuhren, war uns auch nicht ganz wohl. Niemand ist nach Einbruch der Dunkelheit auf der Straße gewesen, alle Geschäfte sind mit dicken Gittern gesichert und die Türen mit schweren Schlössern verschlossen.

Selbst unser B&B war in einer gesicherten Anlage, umgeben von einer hohen Mauer und mit Sicherheitsposten an den Schranken.

Vielleicht machte uns der 5-minütige Fußweg zum Flughafen nicht so viel aus, weil wir zu müde waren, um uns Sorgen zu machen. Aber wir erreichten wohlbehalten die Abflughalle und checkten problemlos unser Gepäck ein. Was man merkte, war, das Costa Rica wohl etwas mehr als die anderen von uns bereisten Länder auf die Einreisebestimmungen achtet. Denn wir mussten wie damals in Namibia auch einen Ausreisenachweis erbringen, dass wir das Land wieder verlassen würden. Den hatten wir natürlich, und somit stand unserem einstündigen Flug nichts im Wege.

Bei angenehmen 28 Grad landeten wir in San Josè, Hauptstadt Costa Ricas und Knotenpunkt des gesamten Landes.

Der erste Eindruck war mal nicht so schlecht, die Stadt ist gewaltig und wie in jeder anderen Metropole gibt es hier alles, was man sich vorstellen kann. Es besteht kein Mangel an Fast-Food-Ketten, Malls und Einkaufszentren.

Unser Hotel lag zentral und man war in 15 Minuten in die Innenstadt gelaufen. Hier diskutierten wir bei einem Milchshake in einem Park die weitere Route.

Zuerst wollten wir den Manuel Antonio NP anfahren, Highlight einer jeden Costa Rica Reise, denn hier tummeln sich auf 6 km² 95 Prozent aller heimischen Tierarten. Unter anderem auch die lange erwarteten Faultiere!

Wir blieben drei Tage in San Josè, wobei wir einmal das Hotel wechseln mussten, da unser vorheriges keine freien Zimmer mehr für eine weitere Nacht hatte.

Neben unserer neuen Unterkunft lag ein Irish Pub… Und ihr könnt euch vorstellen, was das bedeutet!

Nachdem wir ein letztes Mal die Stadt und unsere Tochter deren Spielplätze erkundet hatten, gingen wir zurück in unsere Unterkunft. Sarah wollte noch den Blog aktualisieren und Elisabeth und ich Bier! Also eigentlich nur ich, momentan ist aber bei unserer Tochter jede Flüssigkeit in einem Glas Bier…

Wir packten also das Spielzeug ein und gingen rüber ins Pub. Ich hatte ein bisschen Angst, dass wir überhaupt eingelassen werden würden. Schließlich ist Elisabeth noch nicht ganz volljährig und mir die Gesetze in diesem Land nicht wirklich bekannt. Noch bevor wir die Bar erreichten, wurde ich angesprochen. Leider reichte mein Spanisch nicht aus und somit erbarmte sich die Kellnerin und erklärte mir die Sache auf englisch.

Sie hätten noch geschlossen… Erst um 18 Uhr würde geöffnet werden.

Ich zog mein Handy aus der Tasche und sah drauf. 17:56 Uhr…

Ich zeigte es ihr und sie sagte, und das ist die Wahrheit, so wahr mir Gott helfe: Wir dürften in 4 Minuten dann wieder kommen…

Wenn ich auf einem Amt in Bayern kurz vor Feierabend gewesen wäre, hätte ich das ganze ja verstanden, aber in einer Bar in Costa Rica… Naja…

Wir gingen also einmal um den Block, kamen um 18:02 Uhr zurück und fragten, ob wir jetzt etwas trinken dürften. Freundlich lächelnd wurde mir die Karte gereicht.

Muss man nicht verstehen…

Ich bestellte ein Guiness… gibt es nicht…

Okay, vielleicht ein Killkenny? Leider auch nicht…

Okay, irgend ein anderes irisches Bier, da wir uns ja in einem Irish Pub befinden? Leider auch nicht, aber einheimisches Bier wäre da…

Ob ich testen wolle: Alles klar! Gerne!

Nach dem dritten Versuch hatte ich mein Bier gefunden, Elisabeth ihr „Bier“ auch (7Up) und wir saßen an der Bar und schauten (IN EINEM IRISH PUB) mexikanischen Wrestling! Ich hab noch nie eine so surreale Szenerie erlebt!

Aber irgendwie auch cool.

Nach einer halben Stunde kannte jeder in dem Laden meine Tochter, die ohne jegliche Hemmungen an jeden Tisch ging um mit den Sitzenden anzustoßen. Als wir gingen wurden wir mit erhobenen Gläsern von fast allen Tischen verabschiedet. Das ist doch mal Völkerverständigung par excellence!

Manuel Antonio Nationalpark

Am Morgen verließen wir die Hauptstadt in einem Bus Richtung Pazifikküste, Richtung Regenwald.

Nach vier Stunden erreichten wir die Küstenstadt Quepos und dort angekommen, merkten wir schnell, dass sich der amerikanische Massentourismus mit seinen zum Großteil übergewichtigen, mit Geld um sich werfenden Anhängern doch recht negativ auf die hiesigen Unterkünfte auswirkt. Natürlich kommt auch die Nähe zu den Feiertagen dazu, die hier Hochsaison bedeuten.

Aber für ein Hotel, in dem man nichts auf den Tisch (den es übrigens überhaupt nicht gab) stellen darf, weil es sonst sofort Eigentum eines sechsbeinigen Arbeitervolkes wird, 50 Dollar pro Nacht zu bezahlen, ist schon dreist. Wenn dann nicht mal die Dusche funktioniert oder selbst ein Nachttisch vorhanden ist, ist das doch den Gang zur Rezeption wert um einfach mal die Optionen „abzuklopfen“.

Nach einer viertel Stunde Diskussion wechselten wir das Zimmer zu einem, mit funktionierender Dusche und wenigstens ein bisschen Stauraum.

Normalerweise sollte das Zimmer 20 Dollar pro Nacht mehr kosten, aber im Gegenzug für den „Gefallen“, würde ich am nächsten Tag mal ein paar Aufnahmen von der Anlage mit der Drohne machen und sie ihnen da lassen… Die eine Hand wäscht die andere…

Wiedermal klingelte der Wecker früh, denn wir wollten (und mussten) aufstehen. Heute wollten wir den Manuel Antonio National Park besuchen. Der Park ist Haupttouristenattraktion Costa Ricas und somit viel besucht. Deswegen hat die Regierung zum Schutz der Tiere die Auflage verabschiedet, dass sich am Tag maximal 600 Personen zur gleichen Zeit aufhalten dürfen. Wer also zu spät kommt, kommt nicht mehr rein.

Wir aber standen um Punkt 7 Uhr morgens bei Parköffnung als zweiter in der Schlange und betraten 10 Minuten später den Regenwald.

Auf unserem Weg über die Waldwege hielten wir unseren Blick immer Richtung den Baumkronen, denn der Park ist Heimat der größten Population von Faultieren in Costa Rica.

Nachdem wir einen der Aussichtspunkte erklommen hatten, was uns wirklich viel Schweiß gekostet hat, wurden wir auf dem Rückweg für unsere Anstrengungen belohnt.

Vor uns, umringt von einer Gruppe Touristen stand ein Guide, der ein Spektiv auf die höchsten Äste eines riesigen Baumes gerichtet hatte. Bei genauem Hinsehen erblickten wir das fokussierte Objekt hoch über uns in den Baumwipfeln. Ein Dreifingerfaultier hangelte sich behäbig von Ast zu Ast, heilt inne, kratzte sich und kletterte weiter.

Minutenlang folgten wir mit unseren Blicken dem so lange erwarteten Tier auf seinem Weg durch die Bäume, bis es im dichten Blätterdach verschwand.

Überglücklich eines der Highlights auf unserer Liste abgehakt zu haben gingen wir weiter durch den dichten Regenwald. Uns begegneten auch andere Bewohner des Dschungels, darunter – die meisten hatten mindestens sechs Beine – aber auch viele größere Tiere wie Affen, alle möglichen Vögel und Wasserschweine.

Aber natürlich stellten die Faultiere alles in den Schatten. In den meisten afrikanischen Nationalparks kann man sich glücklich schätzen, mal einen oder zwei Löwen zu erspähen. Hier stolpert man geradezu über die Faultiere, die zu dutzenden in den Bäumen hängen. Ist natürlich übertrieben, aber bei der Suche nach ihnen helfen ungemein die Trauben von Touristen, die sich um einen Guide scharen und in die Baumwipfel starren.

Ein weiteres Highlight des Parks ist, dass er direkt in einer Lagune endet, die durch ihren wunderschönen Sandstrand und das türkisblaue Wasser bestechen.

Wir verbrachten den Rest des Tages im Schatten der Kokospalmen und mit gelegentlichen Sprüngen ins warme Wasser des Pazifiks.

Temperatursturz im Nebelwald

Am nächsten Morgen nahmen wir den Bus ins vier Stunden entfernte Monteverde. Eigentlich sollten es vier Stunden sein, denn die Zeitangaben schwanken in diesem Land geringfügig. Als wir am Ende in Monteverde ankamen, waren wir mit Umsteigen bereits seit fast sieben Stunden unterwegs.

Monteverde steht im krassen Gegensatz zu der Pazifikküste Costa Ricas. Es liegt auf über 1500 Meter über dem Meeresspiegel, die Temperatur zur Küste unterscheidet sich fast um 20 Grad Celsius und es blies ein Wind mit Spitzengeschwindigkeiten von 80 Km/h.

Da wir mit kurzen Sachen angereist waren, standen wir nahe des Erfrierungstodes, als wir an die Rezeption unseres Hotels kamen.

Aber nachdem wir ausgepackt und uns wetterentsprechend angezogen hatten, war es eigentlich auszuhalten.

Bis zum nächsten Morgen, als zu allen Faktoren noch ein übler Nieselregen kam, der einen in Kombination mit dem Wind in Sekunden bis auf die Unterwäsche durchnässte.

Da wir aber nicht den ganzen Tag in unserem Zimmer hocken wollten, rüsteten wir abermals auf und in kompletter Regenmontur machten wir uns auf in einen nahegelegenen Regenwald, ein absolutes Muss dieser Region.

Ich muss nicht wiederholen, dass wir die Ober-Nicht-Wanderer sind, uns aber die Optionen ausgingen, denn das eigentliche Programm, die 250-Meter-Seilrutsche über eine Schlucht war bei diesem Wind doch eher Selbstmord.

Eigentlich hatten wir schon keine Lust mehr, als wir den viel zu hohen Eintrittspreis für den Nationalpark bezahlten. Und als wir dann nach 10 Minuten komplett durchnässt durch den Wald stapften, bis zu den Knöcheln im Schlamm, naja, was soll ich noch sagen.

Ich muss gestehen, als mir nach weiteren 10 Minuten auch noch meine Tochter in meinen Armen einschlief und ich sie auch noch tragen durfte, ergab ich mich in mein Schicksal und begann die ganze Sache zu genießen. Vielleicht trieb mich auch die Langeweile, die mich ansonsten im Hotelzimmer ereilt hätte, weiter durch den Wald.

Egal wie, am Ende des Trails hatten wir die beste Laune, waren klitschnass und freuten uns auf eine heiße Dusche. Und hatten wirklich beeindruckende Bilder des Nebelwaldes auf der Kamera. Vielleicht machte es zu diesem Zeitpunkt auch klick bei mir, denn es gab viele Momente danach, in denen ich irgendwie gerne wandern ging. Oder besser Hiken, das hört sich cooler an.

Wie auch immer, wir verbrachten den Rest des Abends mit heiß Duschen, Aufwärmen und Sachen Trocknen.

Wieder Sommer

Der nächste Tag war wieder ein Transfertag, denn es ging wieder an die Küste: nach Samara am Pazifik.

Wieder ein Temperaturunterschied von über 20 Grad, wieder unmenschliche Hitze, die den kalten, peitschenden Wind ablösten.

Wir erreichten Samara nach gefühlt 1000 Stunden Fahrt mit dem Shuttle, die ersten 20 km mussten wir Schritttempo fahren aufgrund der schlechten Straßenverhältnisse.

Aber wir wurden für alle Strapazen entschädigt!

Der Ozean lag in gleißendem Sonnenlicht vor uns, keine Wolke am Himmel.

Unser Hotel, zu diesem Zeitpunkt eines der wenigen mit freien Zimmern, war… okay. Für 60 Dollar die Nacht eigentlich viel zu teuer, aber dafür konnte man in Badehose und barfuß morgens zum Frühstück auftauchen, ohne das man blöd angeschaut wird.

Und das Frühstück war zum ersten Mal in Costa Rica ein Buffet, was natürlich zur Völlerei einlud. Irgendwie war das auch nötig, denn das Essen in dem Touristenort war unmenschlich teuer. Selbst für einen kleinen Burger musste man umgerechnet 12 Euro abdrücken…

Wir verbrachten Heiligabend und die Weihnachtsfeiertage so, wie sich wahrscheinlich selbst der größte Winterfan nur wünschen könnte.

In Badehose und Weihnachtsmann-Mütze, mit einem eiskalten Bier in der Hand im Schatten eines Sonnenschirms. Die Füße im Sand, das Bier in der Hand, wie hier ein Sprichwort lautet.

Die einzige Anstrengung für mich war eine Kajakfahrt zur gegenüberliegenden Seite der Lagune. Die Zehn Dollar Leihgebühr lohnten sich eigentlich schon nach 20 Metern Fahrt, denn beim Blick über die Schulter zeigte sich die atemberaubende Schönheit dieser Region.

Wo der schwarze, vulkanische Sand endete, begann der dahinter liegenden Urwald, nur unterbrochen durch die Hotels, die hier und da die Palmen überragten und das grüne Dickicht durchbrachen.

Leider vergingen die Tage viel zu schnell. Wir diskutierten schon länger an einer Änderung unseres Plans, denn Costa Rica ist wirklich unmenschlich teuer.

Wir entschieden uns, nach diversen Aussagen anderer Reisender, die wir auf unserem Weg trafen, einen kleinen Abstecher von zwei Wochen nach Nicaragua zu machen, um ein wenig Geld zu sparen.

Das Land soll landschaftlich eine Perle sein, preislich attraktiv und die Sicherheit auf den Touristenrouten sei definitiv gegeben.

Und nachdem wir leider keine Nacht in unserer Unterkunft verlängern konnten, machten wir uns am Morgen des 27.12. auf zur Grenze des nördlichen Nachbarn.

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