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Exkurs: Afrikanisches Transportwesen

Das afrikanische Transportwesen unterscheidet sich im Wesentlichen nur marginal von dem heimischen… NICHT!

Wenn man es beschreiben müsste, könnte es keine größeren Unterschieden zwischen den Transportarten bei uns in Europa und hier geben. Und je nördlicher, bzw. je weiter man sich dem Äquator nähert, umso dramatischer werden die Wege, Dinge und Lebewesen zu transportieren.

Ein kleiner Auszug der Transportarten möchte ich hier einmal Vorstellen, obwohl es noch unzählige andere gibt, die jedes Mal für große Augen und zu Erstaunen unsererseits führen.

Transportart 1: Der Kopf

Die einfachste Art, Dinge zu transportieren ist der eigene Kopf. Die Transportweise wird vorzüglich von Frauen gewählt um Gegenstände bis zu der Größe einer durchschnittlichen 2-Sitzer-Couch von A nach B zu schaffen.

Dabei wird alles zwischen einer Handtasche und besagter Couch auf dem Kopf und dem steifen Hals balanciert, was mitunter zu abenteuerlichem Aussehen führt. Für die Einheimischen ist die Methode selbstverständlich und ganz normal, bei uns hätte es fast schon zum Landen im Straßengraben gereicht, da wir völlig paralysiert diesen Damen hinterher geschaut haben.

Eine der besten Sichtungen, die wir gemacht haben, war eine Frau, die eine Wassermelone auf einem Sack Mais von vielleicht 15 kg balanciert hatte… auf dem Gepäckträger eines Fahrrades!

Was uns zur nächsten Transportart führt:

Transportart 2: Das Fahrrad

Besonders nördlich der Südafrikanischen Zollunion ist das Fahrrad eines der beliebtesten Transportmittel.

Dabei nehmen die zu transportierenden Lasten manchmal unmenschliche Ausmaße an, bei denen man sich fragt, ob eher der Mensch oder die Kugellager der Räder wohl als erstes aufgeben. Ab Ländern wie Sambia oder Malawi kommen zu den Lasten auch noch Berge und Hügel dazu, die teilweise Steigungen haben, dass wir mit dem Auto runterschalten mussten. Und das Fahren die Jungs (in diesem Fall ist das Aufgabe der Männer) ohne mit der Wimper zu zucken.

Wir konnten uns ab dem Moment ein Bild der Leistung machen, als wir selbst mal einen Sack Kohle gekauft haben, der laut unserer Messung stattliche 31 Kilo auf die Waage brachte. Ich stöhnte nicht schlecht, als ich den Sack auf die Ladefläche unseres Autos geladen habe, während ein Fahrrad an uns vorbei fuhr, das drei dieser Säcke auf dem Gepäckträger geschnallt hatte.

Theoretisch kann man den Transportweg auch dem Fahrrad nochmal untergliedern in Transport von Menschen, Nutzvieh und Gegenständen.

Neben den oben genannten Kohlesäcken wird auch Brennholz auf dem Fahrrad transportiert, das daheim wahrscheinlich gereicht hätte um einen ganzen Wohnblock mit Wärme zu versorgen. Bis weit über den Kopf werden mit dafür angefertigten Gestellen die Scheite zu ihrem Bestimmungsort transportiert.

Allseits beliebt sind auch der Transport von Getränkekisten, was teilweise Ausmaße annimmt, das man nur staunen kann. Der Top-Transporteur, den wir gesichtet haben, war mit 10 (!!!) Kästen Coca-Cola unterwegs, die rings um seinem modifizierten Fahrrad an Haltern befestigt worden waren.

Menschen hingegen wirken geradezu normal, auch wenn es vorkommen kann, das eine ganze Familie auf einem Bike Platz findet. Der Vater fährt, auf dem Gepäckträger sitzt die Mutter, dazwischen geklemmt der Halbwüchsige und im Kitenge, dem Babytuch, das Neugeborene, das sich wahrscheinlich nicht hat träumen lassen, dass es sobald es den schützenden Mutterleib verlassen hat, so irrwitzig zwischen hunderten anderen Fahrrädern, Autos, Pick Ups oder LKWs herumgeschaukelt wird und sich wohl einfach besser schlafend stellt um die tollkühne Fahrt möglichst unbeschadet zu überstehen. Für den Menschentransport werden die Gepäckträger speziell umgerüstet und mit Stoff oder Leder bezogen, um das „manuelle“ Taxi attraktiver für die Kundschaft zu machen. Dazu kommen diverse andere Modifikationen, um Aufmerksamkeit zu erregen. Teilweise 6 Klingeln oder ein Megafon, an die 200 Reflektoren oder die Bemalung in den buntesten Farben sollen künftige Fahrgäste anziehen.

Aber für uns am spektakulärsten ist der Transport von Nutztieren bis zu der Größe einer kleinen Kuh.

Wir sahen auf speziell gebastelten Gestellen, die auf den Träger montiert werden, unter anderem Käfige mit an die 20 Hühnern, oder auch nur eine Stange, auf der fünf der unglücklichen Gesellen gebunden waren und ihrem Schicksal mit gesenktem Kopf entgegen blinzelten.

Auch immer wieder beliebt sind der Transport von 2-3 Schafen oder Ziegen, die abwechselnd Kopf links, Kopf rechts auf ein Brett gebunden werden und denen nichts anderes übrig bleibt, als die Augen zu schließen, wenn mal wieder ein völlig überladener Pick Up nur Zentimeter an ihren Hörnern vorbei rauscht.

Richtung Tansania werden die Fahrräder zunehmend von motorisierten Zweirädern abgelöst, die aber nicht minder geladen werden.

Transportart 3: Der Pick Up

Eine Redewendung besagt, der Toyota Hilux bewegt Afrika!

Diese Aussagen können wir nur bestätigen, denn nur jeder 4. Pick Up ist KEIN mehr oder weniger alter Hilux.

In Afrika ist der Pritschenwagen das Mittel der Wahl zum Transport aller Arten von Waren, ob das Fahrzeug dafür viel zu klein ist, spielt in erster Linie mal keine Rolle.

So kann man teilweise beobachten, dass ganze Wohnungseinrichtungen auf Ladeflächen der mechanischen Lastesel Platz finden. Genauso wie auch mal zwei Kühe oder eine halbe Herde Ziegen. Es spielt auch keine Rolle, ob die maximal zwei Meter beladbare Fläche der Fahrzeuge so viele Rostlöcher aufweisen, dass die 2 Tonnen Sand, die über 30 km Schlaglochpiste transportiert werden, am Ankunftsort nur noch 1,4 Tonnen sind.

Auch immer wieder beliebt sind der Transport möglichst vieler Personen. Vor allem in Südafrika wird versucht, mit jeder gemachten Fahrt die Anzahl der Passagiere zu toppen. Wir beobachteten einen Einzelkabiner Hilux mit bestimmt 15 Leuten auf der Ladefläche und die Kinder wurden stehend auf das Dach der Kabine gesetzt, um ihre Sicherheit nicht zu gefährden. Sie könnten ja zwischen den ganzen Erwachsenen zerdrückt werden. Dieser Pick Up überholte uns mit 120 Km/h auf einer Landstraße…

Aber auch riesige Wassertanks, dutzende Gasflaschen oder meterhoch gestapelte Holzbalken sind Güter die immer mal wieder zu sichten sind.

Ob die Fahrzeuge dann nur noch 30 Sachen schaffen oder ob der Reifen schon das innere der Radkästen poliert spielt nur eine untergeordnete Rolle, Hauptsache man muss ja nicht zwei mal fahren!

Südafrikaner sind von Natur aus faul…

Transportart 4: Der LKW

Eigentlich ist es nicht der Hilux, sondern der LKW der Afrika bewegt, bzw. versorgt.

Es wird nur ein unwesentlicher Teil aller Güter auf der Schiene bewegt, den Löwenanteil nehmen hier trotz widrigster Straßenbedingungen die gigantischen Trucks ein.

In den meisten Fällen bestehen solche Laster aus dem Zugmaschine, gefühlt gebaut in der Mitte des 18. Jahrhunderts und dem Sattelauflieger, der meistens ungefähr 95 Jahre älter ist. Teilweise ziehen die Trucks auch zwei Auflieger, was ihre Gesamtlänge oft auf an die 30 Meter anwachsen lässt.

Gigantische Kolonnen dieser Riesen reihen sich oft an den Passstraßen aneinander und bilden zum Teil Schlangen, die bis zum Horizont reichen.

Beladen werden die Auflieger mit allem Möglichen, die einzige Beladegrenze ist die Physik. Riesige Radlader für Minen in Südafrika, Dutzende Tonnen Mais oder riesige Wassertanks werden quer über den Kontinent gefahren.

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