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Exkurs: Grenzübertritt

Mittlerweile zieren diverse Stempel die Seiten unserer Reisepässe, man könnte fast den Eindruck bekommen, der Pass meiner Tochter gehöre irgendeinem hochwichtigen Diplomaten der Bundesregierung auf Auslandseinsatz.

Auf surreale und irgendwie aberwitzige Weise verliefen diese ganzen Grenzübertritte alle vergleichbar ab, jedoch alles andere als herkömmlich oder absehbar.

Wenn man aus dem außereuropäischen Ausland in Frankfurt oder einem anderen deutschen Airport einreist, erwarten einen perfekt gekleidete, hochmotivierte Beamte der Grenzpolizei, die freudestrahlend und hochprofessionell den Pass annehmen und den Einreisestempel mit all ihrer Kompetenz in den Pass hämmern. Mit einem herzlichen „Willkommen in Deutschland“ wird einem die Ankunft in der Heimat nachdrücklich versüßt.

So schön könnte es sein! 😉

Aber bei aller Witzemacherei verläuft ein Grenzübertritt nach Deutschland vergleichsweise langweilig, denn was man hier an den Grenzen erlebt ist eine ganz andere Nummer.

Und wir befinden uns gerade mal noch im „zivilisierten“ Teil Afrikas, die echt harten Grenzen kommen erst noch, aber das wird dann Stoff für einen weiteren Exkurs.

Beginn eines jeden Grenzübergangs im südlichen Afrika ist annähernd gleich:

Man fährt auf die Grenze zu und wird vom Posten am Tor gestoppt, der einem einen „Gatepass“, einen „Ablaufplan für die Grenze“ in die Hand drückt. Natürlich ohne zu erläutern, was es damit auf sich und was man damit zu tun hat. An der ersten Grenze (Namibia-Südafrika) die wir mit dem eigenen Fahrzeug überschritten hatten, hätten wir diesen Zettel von der Größe eines Döner-Imbiss-Flyers fast einfach weggeworfen.

Aber nach guter europäischer Manie wird penibel genau darauf geachtet, dass dieser Zettel an jeder Station an der Grenze (Immigration, Customs und Police) vorgezeigt, abgestempelt und unterschrieben wird.

Dass dieser Stempel in den meisten Fällen von einem Kerl ausgeführt wird, der in Bermuda-Shorts und Nike-Polohemd hinter einer gepanzerten Scheibe sitzt, macht die ganze Sache leicht komisch.

Man sollte sich davon aber nicht aus dem Takt bringen lassen, denn wenn man den Stempel hat und im bestmöglichen Fall auch sein Visum im Pass kann einen eigentlich nur noch irritieren, dass man die ganze Zeit über nicht angesehen worden ist, weil es natürlich viel wichtiger ist, das noch das offene Angry Birds-Spiel beendet werden muss, als sich darauf zu konzentrieren, die richtigen Arbeitsschritte auszuführen.

Bei der nächsten Station kommt man gar nicht erst bis zu der Scheibe, denn man wird mit einer nicht zu identifizierenden Handbewegung gestoppt und zum Warten genötigt, damit der besten Freundin noch schnell die neuesten Bilder oder Sprachnachrichten per WhatsApp gesendet werden können und damit das eh schon spärliche Regierungs-WiFi total zum Erliegen gebracht wird.

Wenn man dann Widererwarten einen Grenzposten hat, der nach seiner Handy-Session einen Augenblick realisiert, dass er auf der Arbeit ist und es vielleicht angebracht wäre, mal seinen Job zu machen, kann es passieren, dass das Ganze ins Gegenteil umschlägt und in wirren Verzweiflungstaten des Beamten gipfelt, nicht sein Gesicht vor den unbedarften Europäern zu verlieren und mal richtig zeigen zu können was in ihm steckt.

Dann passieren Dinge wie, dass man an der Grenze von Südafrika nach Swasiland auf einmal das Carnet stempeln möchte.

Für alle, die noch nie von einem Carnet de Passages gehört haben:

Das Carnet de Passages ist ein Zoll-Dokument, dass vom ADAC ausgestellt und abgerechnet wird. Es sichert einen bestimmten Wert, den man vorher beim ADAC hinterlegen muss dafür ab, dass man das Fahrzeug im Außereuropäischen Ausland nicht veräußert. Verkauft man es doch oder verlässt das Fahrzeug das Land nicht, wird die Summe für den Zoll von z.B. Südafrika vom ADAC eingefordert. Es muss von jedem Land sowohl bei der Ein- als auch bei der Ausreise gestempelt werden um sicherzugehen, dass das eingeführte Fahrzeug auch wieder das Land verlässt.

Der Witz an der Sache ist aber, dass Südafrika einer Zollunion vergleichbar unserer EU angehört, die freie Zoll und Warenlieferungen garantiert. Diese Union umfasst das gesamte südliche Afrika (Südafrika, Botswana, Namibia, Swasiland und Lesotho).

Es ist also überhaupt nicht notwendig, das Carnet an dieser Grenze zu stempeln.

Das erklärt man dann jemandem, der gebrochen Englisch mit extrem ausgeprägtem afrikanischem Akzent spricht, ca. schulterlange Dreadlocks hat und eine goldene Uhr trägt, die selbst Bushido hätte große Augen machen lassen.

Sein dezent verschwitztes Unterhemd unter seinem halb geöffneten Hawaii-Hemd machte sein Aussehen und ihn nicht gerade kompetenter. Auch nicht, dass er das ganze Gespräch über seine Oakley-Sonnenbrille auf der Nase hatte…

Selbst nach diversen Versuchen einer friedlichen Lösung ließ sich der Dreadlockträger mit dem hochwichtigen Schriftzug Zoll auf seinem Drehstuhl nicht davon abbringen, seinen Job mehr als richtig zu machen und unser Carnet zu stempeln. Das wir ihm dabei sagen mussten, wohin er die zwei Stempel drücken und wo er unterschreiben sollte, lassen wir an dieser Stelle mal einfach unkommentiert.

Für den Fall, dass einen zwischen den ganzen Formalitäten einmal die Notdurft ereilt, gibt es natürlich für den Reisenden ein neu errichtetes Gebäude, in dem sich jeweils drei Toiletten befinden.

Die Krux ist, dass die erste Toilette keine Klobrille mehr hat. Aber die Chancen liegen ja 2:1, dass es sich bessert. Oder nicht…

Denn die zweite Toilette besaß zwar eine Tür, die man aber nicht verriegeln konnte, da ein faustgroßes Loch prangte, wo einst der Schließmechanismus saß.

Die dritte Toilette war augenscheinlich unversehrt, die Tür genauso. Da war das Problem, dass es weder Klopapier gab, noch Wasser im Spülkasten war, was einen Toilettengang wohl auch unmöglich macht. This is Africa…

Unverrichteter Dinge widmet man sich dann wieder dem unausweichlichen Chaos der Grenzen…

Auch immer wieder ein Erlebnis ist die dritte und letzte Station an jeder Grenze. Hier wird der Road Fund, die Straßengebühr oder irgendwelche Sondergebühren bezahlt. Alles soweit normal. Soweit…

Denn wenn man mit seinen letzten einheimischen Kröten an einer Grenze auftaucht, aus einem Land, in dem man sogar Kaugummis im Supermarkt mit Kreditkarte zahlen kann, erwartet man alles.

Außer, dass man in Botswana (Pula) an der Grenze aufgefordert wird, die fällige Road Fund in südafrikanischen Rand zu bezahlen… an der Grenze zu Namibia (Namibische Dollar).

Weder US-Dollar noch Kreditkarte würden funktionieren… Unsere Rand reichten aber nicht.

Was doch mit dem Kreditkarten-Terminal wäre, was auf dem Tresen stand… Das wäre kaputt.

Und was sollten wir jetzt machen??? Wir fragten nach einem Geldautomaten. Ja, in der nächsten Stadt.

Nach zehn Minuten diskutieren zog der Beamte das Kabel aus seinem Telefon und steckte es in sein Karten-Terminal. Es fuhr sofort hoch und nach 30 Sekunden war der Road Fund bezahlt.

Tja, auf einmal spontane Selbstreparatur… oder Faulheit. Aber das würde uns niemals einfallen über einen afrikanischen Beamten zu behaupten.

Jedenfalls atmen man nach jedem Grenzübertritt erstmal durch, zum einen das es ohne tiefgreifende Probleme vonstatten gegangen ist und man das Visum in seinem Pass hat, zum anderen das man diesen Wahnsinn doch wiedermal hinter sich gebracht hat.

Aber die nächste Grenze kommt bestimmt.

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