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Tag 15 – Oudtshoorn (13.03.2011)

IMG_4212Der Tag begann wie der Gestrige geendet hatte. Wir saßen alle am Frühstückstisch und quatschten. Auf dem heutigen Tagesplan standen die Cango Caves und dann der Pass.

Die Cango Caves sind ein Tropfsteinhöhlensystem, das sich tief in den Swartberg erstreckt und durch seine Gesteinsformationen beeindrucken soll.

Wir holten uns noch ein paar Tipps für die Route und fuhren los.

Uns wurde gesagt, dass die Umgebung und die Menschen jetzt immer westlicher werden würden. Weniger Schwarze, immer mehr Weiße, weniger Englisch, jetzt eher mehr Afrikaans.

Das merkten wir gleich nach dem losfahren an den Autos, den Häusern, dem Fahrstil und den Menschen.

Aber vor allem daran, dass die Tiere jetzt einen Zaun um sich hatten und nicht mehr frei auf der die Straße rennen konnten. War irgendwie viel angenehmer, als hinter jeder Kurve damit rechnen zu müssen, dass gleich eine Herde Schafe auf der Straße steht…

Etwa 40 km nördlich von Oudtshoorn erreichten wir so gegen halb 11 Uhr die Höhlen, die nächste Führung startete um 11 Uhr. Wir ahnten nichts gutes als wir an den riesigen Reisebussen auf dem Parkplatz vorbei fuhren.

Aber es war wenig los, als wir uns am Zugang der Caves einfanden. Perfekt!

Bis dann kurz vor 11 Uhr der Souvenirshop eine Horde an Menschen entließ, alle auf dem Weg zu uns… Verdammt!

Ein Gruppe bestehend aus vielleicht 50 Leuten, meist Inder, aber auch Deutsche, Holländer und Engländer stürmten auf den mittlerweile geöffneten Eingang zu.

IMG_4232Wie unsere heiße Quelle in der Heimat uns geraten hatte, betraten wir als letztes den Zugang. Der Führer und die ganzen Leute vorneweg, alle wild um sich blitzend, mit ihren kleinen Fotoapparaten. Wir hassen Tourie-Gruppen, da man in solchen Gruppen wieder ein Stück Tier im Menschen findet. Alle wollen als erste alles sehen, alles fotografieren und jeder kümmert sich nur um seinen Kram. Ob einer durch das Bild eines anderen rennt interessiert ihn wenig, Hauptsache er hat gute Aufnahmen.

Mein Puls stieg auf 300 als andauernd irgendwelche laut schreienden Inder durch meine Bilder rannten und sogar fast mal mein Stativ umgeworfen hätten.

Sarah, die Tropfsteinhöhlen eh nicht so leiden kann, lief mit einer Laune knapp unterhalb des Gefrierpunkts neben mir her.

IMG_4228Die Höhle besteht aus vier einzelnen Kammern, die erste hat eine Deckenhöhe von vielleicht 30 Metern, eine riesige Halle, die der Größe eines Flugzeughangars entspricht.

Die anderen Kammern wurden immer kleiner, bis man fast nicht mehr aufrecht stehen konnte.

Je weiter wir in den Berg vordrangen, umso mehr drängten sich die Leute zusammen. Irgendwann war es ein unbeschreiblich beengendes und nervendes Gefühl soviel Menschen um sich zu haben.

Sarah und ich standen nah beieinander und ich meinte zu ihr, um sie etwas zu beruhigen, wir wären gleich hier raus und würden ganz entspannt den Swartberg-Pass fahren…

Dann kam der Hammer des heutigen Tages:

„den Swartberg-Pass“, sagte ein Mann hinter uns. Wir drehten uns um und nickten. Er wolle den auch mal fahren, ob wir ihn mitnehmen würden…

Uns stockte der Atem und uns fiel nix mehr ein…

Mein erster Gedanke war: Für 50 Euro nehm ich dich mit!

Mein Zweiter: Was ein Schwachmat!

Ich bin in einer Höhle eingepfercht mit 50 anderen Menschen, die mich bis aufs Blut aufregen und da fragt mich dieser Typ, ob ich ihn auf eine meiner Touren mitnehme…

Ich bin doch klein Tourie-Taxi! Was glaubt der eigentlich… Da schießt mir beim Schreiben schon fast wieder das kochende Blut aus den Ohren!!!

Mit ein paar schmeichelnden Sätzen, wir hätten noch was anderes danach geplant, gaben wir ihn zu verstehen: Nein Mann, hau ab!

Raus aus der Höhle und am Auto konnte ich immer noch nicht fassen was da gerade passiert war.

Ach, egal, jetzt erstmal den Pass!

IMG_4336Wir starteten den Motor, legten den Allrad ein und donnerten die nahe Auffahrt zum Pass rauf. Mit jedem Höhenmeter wurden die Landschaft unwirklicher. Nicht hässlich, nur anders. Die grünen Bäume wurden weniger, die braunen Sträucher mehrten sich, der blanke Stein schaute an vielen Stellen heraus. Die Straße, ähnlich wie bei der Auffahrt zum Sani-Pass, schlängelte sich die Hänge des Bergs hinauf. An vielen Stellen war sie so schmal, dass ein entgegenkommendes Fahrzeug hätte rückwärts fahren müssen.

Am höchsten Punkt des Passes, genannt „Die Top“, hielten wir an und sahen uns die wunderschöne bergige Landschaft an. Schroffer Fels wechselte sich mit Sträuchern und kleineren Bäumen ab, der Himmel war durchzogen von kleineren Quellwolken, die ein Fleckenmuster auf die Hänge der Berge warfen. Die Ruhe war unbeschreiblich. Kein Auto, kein Mensch, kein Lärm… Nur der Wind!

IMG_4327Die Abfahrt in Tal ging schnell. Der Weg führte in engen Windungen und steilen Kurven am Hang entlang. In Lesotho war die Abfahrt schwer gewesen, man musste immer auf herausstehende Felsen oder Schlaglöcher achten, die Geschwindigkeit betrug maximal 15 Km/h.

Hier konnte man locker die Steine umfahren, es gab keine Schlaglöcher, man musste nur in den Kurven aufpassen, dass man keinen Abflug machte. Selbst mit einem herkömmlichen Pkw ohne Allrad wäre der Pass durchaus befahrbar gewesen. Trotzdem war es eine aufregende Fahrt, die viel Spaß gemacht hat.

Als wir wieder in in unser Guesthouse zurück kamen, stand der Rest der Abendplanung bereits fest. Wir besuchten ein wunderschönes Restaurant in einem nahegelegenen Game Reserve.

Das Restaurant ist an einem Hang gebaut, der an eine große Wasserstelle grenzt, die Wildtiere wie Zebras, Kudus und Nilpferde abends aufsuchen.

Hinter dem Wasserloch erstreckt sich das Reservat. An das Restaurant angrenzend sind eine Lodge und ein Besucherparkplatz.

Der Ausblick war grandios und das Essen hervorragend.

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